Nichts, was man fürchten müsste - Barnes, Julian

Julian Barnes 

Nichts, was man fürchten müsste

Roman

Übersetzer: Krueger, Gertraude
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Nichts, was man fürchten müsste

"Was soll eigentlich dieses ganze Tamtam um den Tod?", fragt nüchtern Julian Barnes' Mutter. Aber ihr Sohn kann deshalb oft nicht schlafen: "Ich erklärte ihr, mir widerstrebe eben der Gedanke daran." Die Angst vor dem Tod treibt Julian Barnes seit seiner Jugend um, immer wieder umkreist er das Thema in seiner ganzen Unerbittlichkeit und Hoffnungslosigkeit, denn er glaubt nicht an Gott, vermisst ihn aber. Neugierig und um Erkenntnis bemüht sucht er in der Kunst und in der Literatur, in den Naturwissenschaften und in der Musik nach Antworten. Doch Julian Barnes ist Romancier, deshalb entwickelt er seine Gedanken aus Personen und Handlung. Und so erzählt er auch die anekdotenreiche Geschichte vom Leben und Sterben der sehr britisch zugeknöpften Familie Barnes - von den originellen Großeltern, der herrischen Mutter, dem in sich gekehrten Vater, dem besserwisserischen Philosophen-Bruder und dem belesenen, an den Künsten interessierten Julian. Seine wahren Angehörigen und Vorfahren sind für Julian Barnes allerdings nicht die Mitglieder einer englischen Lehrerfamilie, sondern Schriftsteller und Komponisten wie Stendhal, Flaubert und Strawinsky. Mit ihnen erörtert er scharfsinnig und verängstigt, flapsig und tröstlich, ironisch und ernsthaft die Angst vor dem Treppenlift, den Blick in den Abgrund, das Wie und Wo und Wann. Und hat ein aufregendes Buch geschrieben.


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 332 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 332
  • btb Bd.74213
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 27mm
  • Gewicht: 308g
  • ISBN-13: 9783442742134
  • ISBN-10: 3442742137
  • Best.Nr.: 32540763
"Das witzigste, bewegendste und offenherzigste Buch über den Tod, das man sich vorstellen kann." Michael Maar, FAZ

"Julian Barnes hat ein großes Buch geschrieben, gerade weil es keinen Trost bietet. Es ist der gelungene Versuch, in der Todeszelle Haltung zu bewahren."

Das witzigste, bewegendste und offenherzigste Buch über den Tod, das man sich vorstellen kann. Michael Maar, FAZ

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.04.2010

Die Geschichte des Todes in zehneinhalb Kapiteln

Alle sterben, früher, später, leiser, lauter, leichter: Julian Barnes hat ein Buch über den Tod geschrieben - und zeigt, wie Worte dabei helfen können, die Furcht vor ihm auszuhalten.

Von Tobias Rüther

Dies ist ein Buch zum Sätzeanstreichen. Und genauso wird Julian Barnes seine Arbeit daran wohl auch begonnen haben: mit Sätzen, die er in anderen Büchern angestrichen hat. Bei Montaigne, Koestler oder Larkin. In Biographien über Rachmaninow, Stendhal und Strawinsky. Die meisten dieser Anstrichsätze handeln vom Tod und wie man am besten mit ihm umgeht. Der französische Schriftsteller Gustave Flaubert zum Beispiel, schon immer der Liebling von Julian Barnes, nahm sich vor: "Man sagt ,So ist es! So ist es!', schaut in die schwarze Grube zu seinen Füßen hinab und bleibt dadurch ruhig." Ein anderer Franzose, Jules Renard, schrieb an seinem Geburtstag ins Tagebuch: "Vierundvierzig - ein Alter, in dem man die Hoffnung aufgeben muss, seine Jahre zu verdoppeln." Zwei Jahre später war er tot. Und Freud meinte: "Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar; und sooft wir den Versuch dazu machen, können …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2010

Weckruf zur Sterblichkeit
Wie man sich den Tod vom Leib hält, indem man ihn umarmt: In „Nichts, was man fürchten müsste” wird Julian Barnes zum Biographen seiner Angst und schreibt sich eine unsterbliche Literatenfamilie herbei Von Lothar Müller
Da ist die Geschichte mit dem Dreirad. Darin erfindet der ältere Bruder von Julian Barnes, als die beiden noch klein sind, ein Spiel. Er setzt Julian auf ein Dreirad, verbindet ihm die Augen und stößt ihn so schnell wie möglich gegen eine Mauer. Kaum hat Barnes diese Kindheitserinnerung erzählt, fügt er hinzu: „Einen vorschnellen Schluss möchte ich Ihnen gleich ausreden. Für mich klingt das wie ein Spiel, das mir gefallen hätte. Ich kann mir meinen Freudenschrei vorstellen, wenn das Vorderrad gegen die Mauer prallt. Vielleicht habe ich das Spiel sogar vorgeschlagen oder um Wiederholung gebeten.”
Julian Barnes, geboren 1946 in Leicester, zählt unter den prominenten britischen Autoren seiner Generation zu den formbewusstesten. Das Erzählen nach stabilen Genremustern verachtet er nicht. Unter dem Pseudonym Dan Kavanagh hat er schon früh begonnen, Kriminalromane zu schreiben. Zu seinen …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Weder die endgültige Beantwortung "letzter Fragen" noch die wirkungsvolle Beschwichtigung von Todesängsten findet Angela Schader in Julian Barnes Buch, sondern eher eine tastende Auseinandersetzung mit dem "Nichts". Die Rezensentin hätte sich aber durchaus etwas mehr Tiefgang gewünscht, wie sie unmissverständlich klar macht. Indem der 1946 geborene britische Autor nämlich locker autobiografische, literarische und kunsthistorische Gedanken mischt und so von Einfall zu Einfall springt, wirkt das auf die Dauer auf Schader doch "ermüdend", wie sie kritisiert. Weil Barnes in seinen Reflexionen "Anekdotisches und Existentielles" auf gleicher Ebene verhandelt, läuft das Ganze Gefahr ins Unverbindliche zu stürzen, beschwert sich die Rezensentin, die sich auch eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit den im Text aufgerufenen Autoritäten wie Pascal oder Coleridge gewünscht hätte. So lässt sie dieses Buch trotz seines gewichtigen Themas insgesamt ziemlich kalt, wie sie gesteht. Nur Barnes' Erzählung von der Beziehung zu den Eltern und der besonderen Kühle, die offensichtlich in seinem Elternhaus geherrscht hat, haben die Rezensentin dann doch berührt, was sie allerdings vom Rest dieses "pathosfrei, kritisch-ironisch (post)modern" daher kommendem Buches nicht sagen kann.

© Perlentaucher Medien GmbH
Julian Barnes, geb. 1946, arbeitete nach dem Studium der modernen Sprachen zunächst als Lexikograph und dann als Journalist. Seit 1980 hat Julian Barnes zahlreiche Romane geschrieben. Für sein Werk wurde er weltweit mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. 2004 und 2005 erhielt er den 'Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur'. Julian Barnes lebt in London.

Leseprobe zu "Nichts, was man fürchten müsste" von Julian Barnes

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