Mulholland Drive - Straße der Finsternis
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Mulholland Drive - Straße der Finsternis

Regie: Lynch, David; Darsteller: Theroux, Justin; Cyrus, Billy Ray; Everett, Chad; Forster, Kate; Coffey, Scott; Anderson, Michael John; Towne, Katharine; Grant, Lee; Gallini, Matt; George, Melissa; Graham, Marcus; Harring, Laura; Markland, Sean E.; Lackey, Elizabeth; Bates, Jeanne; Crider, Missy; Karen, James; Fischler, Patrick; Castellanos, Vincent; Des Barres, Michael; Fairman, Michael; Grace, Wayne; Watts, Naomi; Heuring, Lori;
DVD
 
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Mulholland Drive - Straße der Finsternis

Bei einem Autounfall auf den Hügeln über Hollywood verliert eine schwarzhaarige Schönheit ihr Gedächtnis und sucht verstört in einem leerstehenden Appartment Zuflucht. Dort zieht am nächsten Tag die naive Schauspielerin Betty ein, die in der Traumfabrik auf die große Karriere hofft. Die beiden Frauen freunden sich an und versuchen gemeinsam, das Geheimnis um die Identität der Schwarzhaarigen zu lüften. Parallel dazu wird ein Filmregisseur mit den harten Tatsachen des Filmgeschäfts konfrontiert. David Lynch is back. Nach seinem Ausflug in die beschaulicheren Gefilde der "Straight Story" stehen in diesem Mystery-Thriller, für den der Regisseur 2001 den Regiepreis in Cannes erhielt, neben skurrilem Humor wieder düstere Geheimnisse im Vordergrund. Anders als etwa in "Lost Highway" gelang es ihm dabei jedoch, die Fäden so kunstvoll wieder zusammenzuführen, daß sich der aufmerksame Zuschauer am Ende durchaus nicht in völliger Irritation verlieren muß. Ein Fest für Freunde des Unkonventionellen.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Auf dem Mulholland Drive, der sich hoch oben über Los Angeles durch die Hollywood Hills schlängelt und bei Tag eine atemberaubende Aussicht bietet, gleitet eine dunkle Limousine lautlos durch die Stille der Nacht. Plötzlich stoppt der Wagen, der Chauffeur richtet eine Waffe auf die namenlose Schönheit im Fond des Fahrzeugs. Doch noch bevor er abdrücken kann, kollidiert ein entgegenkommendes Auto mit der Limousine und die Unbekannte kann entkommen. Äußerlich ist sie nahezu unverletzt, doch hat sie bei dem Unfall ihr Gedächtnis verloren. Ziellos irrt sie durch die Straßen und findet schließlich in einer leerstehenden Wohnung Unterschlupf. Nur wenig später taucht eine weitere junge Frau auf: Betty Elms (Naomie Watts), die von Kanada nach L.A. gereist ist, um in der Traumfabrik Hollywoods als Filmschauspielerin zu beginnen. Während die nichts ahnende Betty und die geheimnisvolle Fremde, die sich kurzerhand Rita nennt, das Haus teilen, gehen auch an anderen Schauplätzen der Stadt unerklärliche Dinge vor sich. Da ist ein Auftragskiller, dem die Situation unter grotesken Umständen entgleitet und ein weiterer Zeitgenosse, der von finsteren Vorahnungen geplagt wird auf dem Parkplatz eines Restaurants dem Bösen ins Auge sieht. Und schließlich ist da auch noch der Erfolgsregisseur Adam Kesher (Justin Theroux), dessen Leben sich durch die Drohungen bizarrer Finanziers gravierend ändert und der zum ersten Mal mit seiner eigenen Machtlosigkeit konfrontiert wird. Zur gleichen Zeit versuchen Rita und die gutherzige, stets hilfsbereite Betty, die mit einer schauspielerischen Glanzleistung den Eintritt in die Welt des Films geschafft hat, das Geheimnis um die verlorene Identität Ritas zu lüften, stoßen bei ihren Nachforschungen aber auf mehr Fragen als Antworten...


Produktinformation

  • Hersteller: Süddeutsche Zeitung
  • EAN: 4018492243405
  • Best.Nr.: 35650908
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 1
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 6. Oktober 2012
  • FSK: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 1:1, 85/16:9
  • Tonformat: Deutsch DD 5.1 ...
  • Gesamtlaufzeit: 141 Min.
Nach einer heiter-melancholischen Landpartie mit "Straight Story - Eine wahre Geschichte" ist David Lynch zurückgekehrt auf den Lost Highway seiner schwarzen Träume und bizarren Fantasien: "Mulholland Drive", von einem TV-Pilotfilm umgearbeitet zum Kinofilm und in Cannes mit dem Regiepreis ausgezeichnet, entwickelt sich von einem relativ geradlinig erzählten Thriller zu einem Mysterium um Identität und Schicksal, Liebe und Mord, das den Zuschauer vollkommen fasziniert, aber mit einem großen Fragezeichen über dem Kopf aus dem Saal entlässt. Man darf dennoch erwarten, dass das Publikum Lynchs Rätselkino zu schätzen gelernt hat und ihm bereitwillig auf diese kurvenreiche Fahrt durch ein Hollywood der Seltsamkeiten folgt.

Vermutlich kämen außer Lynch nicht viele andere Filmemacher damit durch, einen Film im Wettbewerb von Cannes laufen zu lassen und den Kritikern ein Presseheft dazu zu geben, das außer einigen großformatigen Fotos und dem Hinweis, es handle sich um "eine Liebesgeschichte in der Stadt der Träume", keine weiteren Infos zum Film enthält. So muss man sich also selbst seinen Reim auf die Sache machen, und vielleicht ist es nicht das Schlechteste, wenn ein Film einmal statt behaglicher Zufriedenheit Irritation und Neugierde auslöst. Von der ersten Szene an beginnt "Mulholland Drive" seine zahlreichen Storyfäden auszulegen, samt Haken und Köder: Eine schwarzhaarige Schöne wird in einer Limousine gefahren, und just, als der Chauffeur anhält, um sie zu erschießen, rast ein anderes Auto in den Wagen und tötet alle bis auf sie. Benommen sucht sie Unterschlupf in einem verlassenen Apartment, das anderntags von der jungen Schauspielerin Betty bezogen wird, die in Hollywood Karriere zu machen hofft. Weil sie beim Unfall ihr Gedächtnis verloren hat, nennt sie sich Rita, und Betty ist schnell bereit, gemeinsam mit ihr das Rätsel ihrer Identität zu lösen. Lynch stellt diese beiden Frauen wie zwei Seiten der gleichen Münze dar: Rita als brütende, dunkle Schöne in schwarz und rot, Betty als sonnige All-American-Beauty in blond und pastell. Während die beiden jedem Erinnerungsfetzen von Rita nachgehen, dabei eine homoerotische Liebe entwickeln und schließlich die verwesende Leiche eines anderen Mädchens finden, entspinnt sich ein zweiter Erzählstrang um den jungen Regisseur Adam Kesher. Bei der Vorbereitung seines nächsten Kinofilms versucht die Mafia Einfluss auf seine Besetzung zu nehmen und nimmt ihm, als er sich weigert, kurzerhand seinen Film weg. Dessen nicht genug, entdeckt Adam zu Hause auch noch seine Frau mit dem Mann von der Pool-Reinigung im Bett, und Lynch gelingt hier eine der überraschendsten und witzigsten Szenen seines Films, der an Überraschungen, Schocks und Humor ohnehin nicht arm ist. Natürlich überschneiden sich schließlich auch die Wege von Betty und Adam, doch gerade, als man glaubt, nach etwa 90 Minuten das Webmuster hinter diesem komplexen Thriller zu erkennen, gibt Lynch der Geschichte durch eine kurze Montage von Zeitrafferszenen (vor- und rückwärts) und Überblendungen eine völlig neue Wendung: Die weiblichen Charaktere haben plötzlich Namen, Beruf und Darstellerin gewechselt, und während die Männer ihre Parts beibehalten, führen sie mit vertauschten Rollen das Leben einer jeweils anderen fort. Das Ende des Films bietet bewusst keine Lösung an, sondern unterstreicht Lynchs offensichtliches Vorhaben, durch Doppelspiegelung seinen Film von der narrativen auf eine rein assoziative Ebene zu heben. Es spricht sehr für den Regisseur, dass "Mulholland Drive", auch wenn er keinen wirklichen Sinn ergibt, doch stets spannend und höchst unterhaltsam bleibt. Ebenfalls ohne Belang bleibt die Tatsache, dass der Film ursprünglich als Pilot für den US-Fernsehsender ABC gedreht wurde. Man mag bestenfalls einwenden, dass die vielen nicht aufgelösten Figuren und Plots auf die Mechanik einer TV-Serie hinweisen, doch die Virtuosität, mit der Lynch seine Bilder montiert und wie er mit Sound und Musik umgeht, lässt sich nur auf der großen Leinwand wirklich erfahren. Dass man schließlich nach den Schlusscredits das dringende Bedürfnis hat, sich den Film sofort noch einmal anzuschauen, dürfte die potenziellen Verleiher dieses schönen, merkwürdigen, traumhaften Films am allerwenigsten stören. evo.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag