Eine tragfähige Antwort auf die Frage nach dem Priestersein Wer sich für das Amt in der Kirche interessiert, z.B. weil er selbst Träger dieses Amtes ist oder etwa als Religionslehrer Adressat für die Fragen der Menschen ist, findet im neuesten Buch von Schumacher eine Stütze. Dies ist eine angenehme Überraschung in unserer untheologisch geworden Zeit, wiederholen Priesterjahr und Priesterbücher doch meist nur die gewohnten vordergründigen Antworten und unterstreichen so in trauriger Weise, wie ernst es um die Kirchen- und Glaubenskrise sogar in den eigenen Reihen bestellt ist. Ganz anders dieses Buch. Der sehr ausführliche und überaus interessante historische Teil zeichnet im Detail die verwinkelten Entwicklungslinien nach, die zur Ausprägung des Amtes in der Kirche geführt haben, wie es heute begegnet. Auch dem versierten Leser bieten sich Aha-Erlebnisse besonderer Art. Zumal wird deutlich, wie sehr die heutige Diskussion vielfach noch immer den vorkonziliaren Paradigmen verhaftet ist. Schumacher entlarvt die Engführungen, indem er den Blick vom Priester auf das sakramentale Amt weitet und das Dogma im Spannungsfeld zu seinen geschichtlich bedingten Verständnisweisen gut nachvollziehbar zur Darstellung bringt. Ein interessanter Schwerpunkt von vier der insgesamt zwölf Kapitel widmet sich dem theologisch begründeten Paradigmenwechsel, der sich zwischen der Zeit der Pius-Päpste und der (nach)konziliaren Theologie vollzogen hat. Hierzu gehören die Erneuerungsbewegungen des 20. Jhd. ebenso wie die Entstehungsgeschichte von Lumen Gentium und ein Überblick über die nachkonziliare Amtstheologie exemplarisch bei Rahner, Ratzinger, Kasper, Hemmerle, Schillebeeckx und Boff. Schließlich bringt Schumacher in den letzten drei Kapiteln theologisch auf den Punkt, was das Amt überhaupt ist . Die Gründung des Amtes in Person und Sendung Jesu Christi (1.), die Konstitution des Amtes im Geist (2.) und die Kirche als das originäre Bezugssystem des Amtes (3.) stellen die drei Dimensionen dar, in denen nur zusammen das Amt überhaupt zu verstehen ist. Setzt man jedoch Akzente und verkürzt so die Wahrheit, wie heute gang und gäbe, gerät das ganze Amtsverständnis in Schieflage. Genau hierin ist die gegenwärtige Amtskrise begründet. Fazit: Eine sehr differenzierte Darstellung der Geschichte und der Theologie des Amtes mit viel Tiefgang, überaus informativ und in keiner Weise tendenziös. Gerade auch für Religionslehrer dürfte interessant sein, wie so viele Zusammenhänge deutlich und nachvollziehbar werden. Man wird in die Lage versetzt, die gängigen Positionen einzuordnen und erklären zu können und schließlich: in der Sache überzeugend Rede und Antwort zu stehen. Rezension erschienen in: engagement 4/2010 299-300
Dr. phil. Dr. theol. Thomas Schumacher, Autor umfangreicher Fachliteratur zur Einheit von Denken im Glauben und Leben im Glauben.