Der Baader-Meinhof-Komplex - Aust, Stefan
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Stefan Aust 

Der Baader-Meinhof-Komplex

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Produktbeschreibung zu Der Baader-Meinhof-Komplex

Viele neue - oft frappante und mysteriöse - Fakten sind dank Stefan Austs Recherchen ans Tageslicht gekommen. Gab und gibt es ein Interesse staatlicher Instanzen, sie unter Verschluss zu halten? Brisanter denn je: die revidierte Ausgabe 2008, erweitert um über 200 Seiten voller überraschender Informationen aus bislang unzugänglichen Quellen.Der Baader Meinhof Komplex hat Geschichte gemacht, und das nicht nur in der Publizistik. Das Buch hat wie kein anderes das heutige Bild vom Krieg der "Rote Armee Fraktion" gegen den Staat geprägt und tut dies weiterhin, indem es immer wieder frisch gewonnene Erkenntnisse präsentiert. Es ist keine Anklageschrift und kein Plädoyer eines Verteidigers. Es ist auch kein Urteil, weder in juristischer noch in moralischer Hinsicht. Es ist ein Protokoll, eine Chronik der Ereignisse, die ihren Höhepunkt im Deutschen Herbst hatten, in der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer und der Entführung und Befreiung der Passagiere und der Crew der Lufthansa-Maschine "Landshut".

Produktinformation


  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • 2008
  • Aktualis. u. erw. Ausg.
  • Ausstattung/Bilder: Aktualis. u. erw. Ausg. 2008. 894 S. m. 150 Fotos u. Dok.
  • Seitenzahl: 1000
  • Deutsch
  • Abmessung: 214mm x 144mm x 55mm
  • Gewicht: 1264g
  • ISBN-13: 9783455500295
  • ISBN-10: 3455500293
  • Best.Nr.: 23334645
"Eines der wenigen unumstrittenen Werke zum Thema." Süddeutschen Zeitung

"Wer immer sich künftig über die RAF, ihre Ursprünge, ihre Struktur und ihre Figuren ein Bild machen will, er wird den Aust lesen müssen."
Stefan Aust, geboren 1946, langjähriger NDR- und Spiegel-Mitarbeiter, schrieb zahlreiche Fernsehdokumentationen und Bücher. Er ist der Gründer und Leiter von SPIEGEL-TV (seit 1988) und seit Dezember 1994 Chefredakteur des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL.

Leseprobe zu "Der Baader-Meinhof-Komplex" von Stefan Aust

Wege in den Untergrund

1. Tod in Stammheim

"Null Uhr achtunddreißig. Hier ist der Deutschlandfunk mit einer wichtigen Nachricht. Die von Terroristen in einer Lufthansa-Boeing entführten 86 Geiseln sind alle glücklich befreit worden. Dies bestätigt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums soeben in Bonn. Ein Spezialkommando des Bundesgrenzschutzes hatte um 00.00 Uhr die Aktion auf dem Flughafen von Mogadischu gestartet. Nach den ersten Informationen sollen drei Terroristen getötet worden sein." Zwei Minuten später wiederholte das gemeinsame Nachtprogramm der ARD die Meldung im Wortlaut. Es war Dienstag, der 18. Oktober 1977. Im 7. Stock der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim wachte einsam der Justizassistent Hans Rudolf Springer über die Gefangenen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Irmgard Möller. Er saß in der Wachkabine, getrennt von den Gefangenen durch Wände, Gitter und Türen. Über Fernsehmonitore konnte er den großen Flur vor den Zellen beobachten. Nichts regte sich.

Die Meldung, eingestreut in das nächtliche Musikprogramm, riß Springer vom Stuhl. Er ging in den hinteren Flügel des Zellentrakts und stellte sich vor das Gitter zum Flur. Alles war still. Springer ging zurück in seinen Wachraum und starrte weiter auf die Monitore. Um 6.30 Uhr wurde der Justizassistent von einem Kollegen abgelöst. Langsam erwachte die Anstalt.

Um 7.15 Uhr traten die Vollzugsbediensteten Miesterfeld, Stapf, Stoll, Griesinger und Hermann ihren Dienst an. Hauptsekretär Miesterfeld holte bei der Vollzugsdienstleitung die Zellenschlüssel ab und quittierte mit seiner Unterschrift. Dann schaltete er die Alarmanlage aus. Er öffnete die Gittertür zum Zellenflur und zog die Jalousien vor dem Fenster am hinteren Zellenflur auf. Licht fiel durch die Glasbausteine. Die Beamten wuchteten gemeinsam die gepolsterten Spanplatten von den Zellentüren, mit denen nächtliche Sprechkontakte zwischen den Gefangenen verhindert werden sollten.

Miesterfeld öffnete die Sicherheitsschlösser aller vier Zellen. Um 7.41 Uhr schloß Obersekretär Stoll die Tür zur Nummer 716 auf. Neben ihm stand der Hauptsekretär Willi Stapf. Die beiden Beamten hatten den Frühstückswagen mit Kaffee, Graubrot und einem gekochten Ei in den Trakt geschoben. Ihnen war seltsam zumute. Der Gefangene Raspe stand nicht, wie sonst, an der Tür. Ihre Kollegen, unter ihnen die Vollzugsbeamtin Renate Frede, die während der Nacht im 7. Stock Bereitschaftsdienst gehabt hatte, standen einige Schritte entfernt. Stoll warf einen Blick in die Zelle und drehte sich abrupt um: "Komm einmal her. Schau mal, da ist was los!"

Die Beamten drängten sich in die Türöffnung. Das Bett Raspes stand wie gewöhnlich quer zum Eingang. Es reichte fast von einer Zellenwand zur anderen. Raspe saß mit ausgestreckten Beinen auf dem Bett. Mit dem Rücken lehnte er an der Treppenhauswand. Sein Kopf war leicht nach rechts gedreht und hing nach unten. Von der linken Schädelseite rann Blut. An der Wand hinter Raspes Kopf war ein Blutfleck. Stoll bemerkte, daß Raspe atmete, und hörte ihn stöhnen. "Mach sofort wieder zu!" ordnete Hauptsekretär Miesterfeld an. Keiner der Justizbeamten hatte die Zelle betreten. Stoll schloß die Tür wieder zu und verständigte den stellvertretenden Vollzugsdienstleiter Bubeck. Miesterfeld rief das Krankenrevier an.

Die Beamten sprachen leise, damit die Gefangenen in den übrigen Zellen nichts von den Geschehnissen mitbekamen. Kaum drei Minuten später betraten zwei Sanitäter in Begleitung von Amtsinspektor Götz und Hauptsekretär Münzing den Zellentrakt. Die Tür wurde wieder aufgeschlossen, und die Beamten gingen in Raspes Zelle. "Da liegt eine Pistole! " rief einer der Beamten.

"Der lebt ja noch", entfuhr es Götz, "vorsichtshalber nehme ich die Pistole weg." Mit seinem Taschentuch ergriff er die Waffe vorn am Lauf und zog sie an sich. Miesterfeld holte ein Geschirrtuch und wickelte die Pistole ein. Götz steckte sein Taschentuch wieder weg. Es klebte kein Blut daran.

Später waren sich die Beamten nicht einig, wo die Pistole tatsächlich gelegen hatte. Einer der Sanitäter meinte, sie habe sich auf Raspes geöffneter Hand befunden. Amtsinspektor Götz erinnerte sich dagegen, er habe sie unter der geschlossenen Hand weggezogen. Verwertbare Fingerabdrücke waren nachher nicht mehr festzustellen. Raspe blutete aus Mund, Ohren und Nase. Er hatte an beiden Augen Blutergüsse, groß wie eine Kinderfaust. Die Sanitäter konnten auf den ersten Blick keine Schußverletzung feststellen. Ohne Raspes Lage zu verändern, alarmierten sie den Notarztwagen.

Gegen 8.00 Uhr traf der Unfallwagen des Roten Kreuzes ein. Zwei Sanitäter hängten Raspe an den Tropf und legten ihn auf eine Trage. Wenig später kam auch der Notarzt. Unter Begleitung von zwei Justizbeamten wurde Raspe zum Katharinenhospital gebracht. Zwei Polizeifahrzeuge fuhren vorweg und machten die Straße frei.

Im Operationssaal war alles vorbereitet. Raspe wurde geröntgt und ärztlich versorgt. Aber alle Hilfe war vergebens. Jan-Carl Raspe starb um 9.40 Uhr.

Nach Raspes Abtransport war um 8.07 Uhr die Tür zu Baaders Zelle geöffnet worden. Von innen lehnte eine Schaumstoffmatratze gegen den Rahmen. Sanitäter Soukop schob die Matratze zur Seite und betrat die Zelle. Die Fenster waren verhängt. Es war so dunkel, daß er zunächst kaum etwas erkennen konnte. Baader lag auf dem Zellenboden, ausgestreckt, den Kopf in einer Blutlache. Der Mund stand offen, die Augen waren starr nach oben gerichtet. Der Sanitäter versuchte, den Puls zu fühlen, aber Baader war schon tot. Seine Hand war kalt. Links von ihm lag eine Pistole. "Guck, da haben wir die Bescherung, da liegt die andere Pistole", sagte einer der Justizbeamten.

Auf Anweisung eines inzwischen eingetroffenen Mitglieds der Anstaltsleitung wurde die Tür zu Baaders Zelle wieder verschlossen. Da bei Baader in Zelle 719 nichts mehr zu retten war, hasteten die Beamten zur gegenüberliegenden Zelle 720. Wieder betrat der Sanitäter als erster den abgedunkelten Raum. Links vom Eingang stand eine Art Spanische Wand, hinter der Gudrun Ensslin ihr Matratzenlager hatte. Soukop tastete sich im Halbdunkel an der Stellwand entlang und sah dahinter. Er konnte die Gefangene nicht entdecken und rief laut nach ihr. Keine Antwort. Als er sich umdrehte, sah er zwei Füße unter der Decke hervorhängen, mit der das rechte Zellenfenster abgedunkelt war. In diesem Moment betrat der Anstaltsarzt Dr. Majerowicz die Zelle. Er faßte die Hand der Gefangenen. Sie war kalt.

Inzwischen eilten die Beamten weiter zur Zelle 725. Irmgard Möller, in Jeans und T-Shirt, lag zusammengekrümmt auf der Matratze, die Decke bis zum Kinn hochgezogen. Der Sanitäter faßte sie an der rechten Schulter, drehte sie auf den Rücken und zog die Decke weg. Irmgard Möller stöhnte. Der Sanitäter spürte Blut an seinen Händen. Er vermutete, sie hätte sich die Pulsadern aufgeschnitten, und untersuchte ihre Handgelenke. Als er keine Verletzungen finden konnte, schob er das schwarzblaue T-Shirt der Gefangenen hoch und sah, daß sie in der Herzgegend mehrere Stichverletzungen hatte. Soukop fühlte den Puls und stellte 80 Schläge pro Minute fest. Er versuchte, ihr in die Pupillen zu sehen, aber Irmgard Möller kniff die Augen zusammen. Unterdessen betrat der Anstaltsarzt Dr. Majerowicz die Zelle und untersuchte die Verletzte. Er kam zu dem Ergebnis, daß lebensgefährliche Stichwunden nicht vorlagen. Nach seinem Eindruck war Irmgard Möller bei vollem Bewußtsein. Er gab ihr eine Spritze mit Herz-Kreislaufmittel und deckte die Wunden ab.

Inzwischen war der zweite Notarztwagen eingetroffen. Irmgard Möller wurde in das Robert-Bosch-Krankenhaus gebracht. Rechts von der Matratze in Irmgard Möllers Zelle lag ein blutverschmiertes Anstaltsmesser auf dem Fußboden; ein normales, oben abgerundetes Besteckmesser mit Wellenschliff.In der Abteilung für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie der chirurgischen Universitätsklinik stellten die Ärzte fest, daß Irmgard Möller vier eineinhalb bis zwei Zentimeter tiefe Stiche im unteren Viertel der linken Brust hatte.

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Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 4 Bewertungen)
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Bewertung von Fritz Walter aus Bünde am 01.06.2010 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch ist für meine Genaration( jahrgang 1963 ) ein eintauchen in Vorfälle in der wohl größten Bedrohung der Demokratie der noch nicht so alten Bundesrepublick Deutschland. Mit dem Abstand von über 30 Jahren versteht man heute Zusammenhänge die man zum Zeitpunkt der Geschehnisse noch nicht erkannt hat. Ein tolles Buch über ein sehr wichtiges Stück Geschichte der jüngeren Zeit.

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Bewertung von TheSilencer aus Berlin-Tempelhof am 22.04.2009 ***** ausgezeichnet
Tja. Viel wurde geredet und geschrieben, seit der Film in den Kinos startete. Bis zu diesem Zeitpunkt ging ich davon aus, daß Aust lediglich das Drehbuch geschrieben hatte; daß es einen 660 Seiten starken Wälzer schon viel eher gab, war mir neu.

Aust trägt Mosaik-Steinchen jener Zeit zusammen und zeichnet ein Bild in knackig-kurzen Abschnitten, die ein wenig ans MTV-Zeitalter erinnern. Das tut dem ganzen aber kein Abbruch, im Gegenteil.

Teilweise trockene Politik-Tristesse wird damit interessant. Für mich geradezu spannend.

Auch wenn Aust einige Mal ins Romanlastige abdriftet (nicht mal Zeitzeugen werden wissen, wer wann grinste, etc.).

Ich selbst bin an diesem Thema bisher recht desinteressiert vorbei gekommen. Irgendwo in meinem Hinterkopf trug ich sogar einen Promille-Satz an Sympathie für diese Menschen, die seinerzeit immerhin aus der Hüfte kamen und etwas taten, nicht nur seierten. Daß es die falschen Mittel waren, muß hier nicht erwähnt werden.

Aust bringt mir diese Gruppe um Baader, Meinhof und Ensslin verdammt näher: eine Trümmertruppe, die den Anspruch politischer Revolution vor sich hertrieb, die viel Schwachsinn von sich gab und letztendlich zu Mitteln griff, die ihre wahren Ziele offenbarten: Zerstören, was geht. Immer nach dem Motto: Wir sind dafür, daß wir dagegen sind.

Und das hielt nicht mal lange an. Die politische Motivation - wenn man sie denn als solche bezeichnen will - wich alsbald dem selbstverliebten Feiern der eigenen Größen und dem Ziel, die Mörder aus den eigenen Reihen freizupressen.

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Bewertung von Meyer aus Kiel am 30.10.2008 ***** ausgezeichnet
Zweifellos ist das Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" von Stefan Aust DAS Buch über die RAF und ein Teil der deutschen Geschichte.
Aust hat das Buch nun komplett überarbeitet und zusätzlich mit Fotos ausgestattet. Wer sich umfassend informieren will, dem ist die Neuausgabe dringend zu empfehlen. Der Ex-Spiegel-Chef hat neue Erkenntnisse einfliessen lassen, neue Rechercheergebnisse und beantwortet viele Fragen, die der Film offen lässt. Zudem ist es wunderbar flüssig geschrieben und liest sich wie ein Krimi, nur das es sich hierbei um die Realität handelt... Sehr empfehlenswert!!!

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Bewertung von Meyer aus Kiel am 30.10.2008 ***** ausgezeichnet
Zweifellos ist das Buch "Der Baader-Meinhof-Komplex" von Stefan Aust DAS Buch über die RAF und ein Teil der deutschen Geschichte.
Aust hat das Buch nun komplett überarbeitet und zusätzlich mit Fotos ausgestattet. Wer sich umfassend informieren will, dem ist die Neuausgabe dringend zu empfehlen. Der Ex-Spiegel-Chef hat neue Erkenntnisse einfliessen lassen, neue Rechercheergebnisse und beantwortet viele Fragen, die der Film offen lässt. Zudem ist es wunderbar flüssig geschrieben und liest sich wie ein Krimi, nur das es sich hierbei um die Realität handelt... Sehr empfehlenswert!!!

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