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Dokumentation von 15 Jahren Sasha Waltz in Berlin, erste ausführliche Publikation über eine der weltweit bekanntesten Choreografinnen des zeitgenössischen Tanzes, dreisprachig, mit über 150 großformatigen Farbfotografien Die Berliner Choreografin Sasha Waltz zählt zu den bedeutendsten Vertreter des zeitgenössischen Tanzes weltweit: Ihre Stücke »Allee der Kosmonauten«, oder »Dido Aeneas« haben Tanzgeschichte geschrieben. Dieser Band dokumentiert zum ersten Mal ihr gesamtes Werk: Eine Fülle von hochwertigen Fotografien zeigt ihre Produktionen aus 15 Jahren und gibt Einblick in de…mehr

Produktbeschreibung

Dokumentation von 15 Jahren Sasha Waltz in Berlin, erste ausführliche Publikation über eine der weltweit bekanntesten Choreografinnen des zeitgenössischen Tanzes, dreisprachig, mit über 150 großformatigen Farbfotografien

Die Berliner Choreografin Sasha Waltz zählt zu den bedeutendsten Vertretern des zeitgenössischen Tanzes weltweit: Ihre Stücke »Allee der Kosmonauten«, oder »Dido Aeneas« haben Tanzgeschichte geschrieben. Dieser Band dokumentiert zum ersten Mal ihr gesamtes Werk: Eine Fülle von hochwertigen Fotografien zeigt ihre Produktionen aus 15 Jahren und gibt Einblick in den Arbeitsprozess hinter der Bühne.
  • Produktdetails
  • Verlag: Henschel Verlag
  • Seitenzahl: 196
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 196 S. m. 150 Farbfotos.
  • Deutsch
  • Abmessung: 330mm x 250mm x 27mm
  • Gewicht: 1620g
  • ISBN-13: 9783894875725
  • ISBN-10: 3894875720
  • Best.Nr.: 22505428

Rezensionen

Besprechung von 16.05.2007
Soziologie, aber getanzt!
Der ungewöhnliche Bildband über die Choreographin Sasha Waltz

Unter dem Titel "Cluster" ist ein ungewöhnlicher Bildband erschienen, der die Arbeit der 1993 gegründeten Compagnie "Sasha Waltz & Guests" dokumentiert. "Cluster" bedeutet als Verb "sich sammeln, häufen, drängen", substantivisch verstanden "Büschel, Traube, Haufen, Menge, Schwarm, Gruppe oder Bündel". Wie passend - denn Waltz' Ensemble betrachtet sich in der Tat als wechselnder Verbund flexibler Menschen im Sinne Richard Sennetts. Der Soziologe, der das postmoderne Leben als etappenhaft, als Biegsamkeit und Beweglichkeit fördernde Reise- und Umzugstätigkeit beschreibt, hat in den Augen der Choreographin damit exemplarisch den Tänzer und seine unstete Existenz analysiert. Der Schluss daraus: Der Tänzer ist modern.

Das entnimmt man auch den attraktiven, wiederum zu Clustern zusammengefügten Fotografien der einzelnen Schaffensabschnitte. Verschwindend wenige Aufnahmen bilden die Choreographin, das Zentrum des Ganzen, ab. Auf den ersten Seiten kann man sie im engen roten Kleid, mit dunklem Pagenkopf und leuchtend rot geschminkten Lippen betrachten, wie sie selbst als Tänzerin in ihren frühen Stücken auftrat. Ihre Energie, ihre Willenskraft, ihre künstlerische Zielsicherheit sind diesen Bildern deutlich abzulesen. In fünfzehn Jahren aber ist viel passiert. Wer ihre Entwicklung von den frühen Stücken an miterlebt hat, erinnert sich beim Durchblättern diese Bandes an alle die gefangennehmenden Momente aus den Anfängen dieser Karriere. Das Leben von Berliner Wohngemeinschaften, leidenschaftliche Liebesbeziehungen zeigte sie in "Twenty to eight". Das Dahinvegetieren einer verrückten Familie zwischen umkippenden Sofas in den Ost-Berliner Plattenbauten stellte sie in "Allee der Kosmonauten" dar. Russland ein knappes Jahrhundert nach Strawinskys "Frühlingsopfer" schilderte "Na Zemlje". Das war 1998. Hier setzt auch der Bildband mit den chronologisch abgedruckten Fotografien der Stücke eine Zäsur.

Der Textteil in der Mitte versammelt drei knappe Aufsätze von sehr unterschiedlicher Qualität. Carolin Ehmke, Kriegsberichterstatterin für den "Spiegel", bewundert den zivilen Ungehorsam in Waltz' Stücken, das Aufbegehren gegen die "Gleichgültigkeit der anderen". Judith Butlers Überlegungen, ob man über den Körper im Gespräch nachdenken kann, obwohl der Körper beim Sprechen stillsitzt, muss man nicht verstehen. Dorita Hannah erläutert die vielfältigen Bezüge der Choreographien von Sasha Waltz zu den jeweils gewählten Schauplätzen. So ließ sie ihre Tänzer etwa das Jüdische Museum von Daniel Libeskind erkunden, die Schaubühne am Lehniner Platz von innen und außen oder ihre neue Wirkungsstätte, das zum Proben- und Aufführungsort umgebaute "Radialsystem".

Was Sasha Waltz für den Tanz getan hat, ist leicht zu beschreiben. Sie hat ihn zunächst an einer vom dramatischen Text und außergewöhnlich schönen und üppigen Bühnenbildern beherrschten Spielstätte populär gemacht: der einst von Peter Stein eröffneten Berliner Schaubühne. Und mit ihrer zum diesjährigen Theatertreffen eingeladenen choreographischen Inszenierung von Henry Purcells "Dido und Aeneas" an der Staatsoper Unter den Linden hat sie gezeigt, was eine Regisseurin mit Gefühl für bewegte Szenen bei den Akteuren und Zuschauern der Barockoper bewirken kann.

Was für eine seltsame Entwicklung: Während sich das Schauspiel- und Opernpublikum verzaubert zeigen von Theaterarbeiten, die den Raum erfahrbar machen und sinnlos illustrative Gesten unterlassen, beginnen die Tanzzuschauer irgendwann, die Intensität der frühen Arbeiten zu vermissen. Diese Unterschiede kann man den schönen Aufnahmen von so unterschiedlichen Fotografen wie André Rival, Bernd Uhlig oder Gert Weigelt natürlich nicht ablesen. Aber vielleicht ist die Tatsache, dass die Tänzerin Sasha Waltz aus ihren eigenen Stücken verschwindet, was das Buch natürlich dokumentiert - ein Indiz für den spürbaren Spannungsverlust der Arbeit. Irgendwo auf dem Weg ist der Choreographin Waltz etwas von dem verlorengegangen, was die Tänzerin einmal ausdrücken wollte.

WIEBKE HÜSTER

"Cluster. Sasha Waltz". Deutsch - Englisch - Französisch. Henschel Verlag, Leipzig 2007. 196 S., 150 Farbfotos, geb., 39,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Überaus zufrieden ist Rezensentin Katrin Bettina Müller mit diesem ersten großen Fotoband über die Arbeit der Berliner Company Sasha Waltz & Guests, der Produktionen aus den letzten fünfzehn Jahren dokumentiert und Revue passieren lässt. Aus Sicht der Rezensentin ist es gelungen, das Spezifische der Arbeit dieser Company, die den Körper und seine Beziehung zum Raum stets als soziales Konstrukt begreife, samt seiner guckkastensprengenden Choreografien im Bild nicht nur festzuhalten, sondern sogar mit den Mitteln der Fotografie fortzusetzen. Als beitragende Fotografen nennt die Rezensentin Andre Rival oder Bernd Uhlig, der ihrer Ansicht nach aus der Tanzfotografie ein eigenes Genre entwickelt hat. Zwar verzichte das Buch auf die Herstellung von Bezügen zwischen Themen und Motiven der Waltz-Arbeiten. Es gebe lediglich drei "schmale Essays" von Judith Butler, Carolin Emcke und Dorita Hannah, die auf "philosophische, identitäts- und genderpolitische Kontexte" der Arbeiten eingehen würden. Doch würden diese Bezüge durch gestalterische Mittel auf sinnlicher Ebene hergestellt, für Müller ein weiteres Qualitätsmerkmal dieses ungewöhnlichen Buches.

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