Ein Dutzend Mikros, Mischpult, Bandmaschine - mehr haben "Scorch" nicht gebraucht, um ihre dritte Platte live einzuspielen. Die kunstfertige Brachialität und Kompromisslosigkeit, mit der sich das skandinavische Trio in "Brolt" (Runegrammofon RCD 2074 im Vertrieb von Cargo Records) in improvisatorische Abenteuer mit offenem Ende schleudert, ist derzeit konkurrenzlos und steht in bester Electric-Jazz-Tradition: Wie etwa Drummer Paal Nilssen-Love und Bassist Ingebrit Flaten permanente Erdbeben als Fundament dieser zerstörerisch-intensiven Musik fabrizieren, erinnert oft an King Crimson mit der Rhythmussektion Wetton-Bruford. Der brillante Gitarrist Raoul Björkenheim ist weniger an Fripps, mehr an Zappas Stil des Improvisierens mit Adlerkralle und Skalpell geschult. Und wenn er in dem exotisch wabernden "Gaba" seine marokkanische Gimbri-Laute verzerrt und mit dem Bogen zur ,Viola da Gimbri' zerstreicht, fliegt - um es mit "A Whiter Shade of Pale" zu sagen - glatt die Decke im Fandango-Licht weg.