Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus - Kraushaar, Wolfgang

Wolfgang Kraushaar 

Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus

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Produktbeschreibung zu Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus

Nicht die Rote Armee Fraktion war die erste Gruppierung, die in den Untergrund ging, sondern eine, die sich nach südamerikanischem Vorbild Tupamaros nannte: die Tupamaros West-Berlin. Sie plazierten am 9.November 1969 eine Bombe, die von einem Agent provocateur des Verfassungsschutzes stammte und im Jüdischen Gemeindehaus während einer Gedenkveranstaltung explodieren sollte. Am Jahrestag des Nazi-Pogroms wollten sie für ein Fanal sorgen. Die Bombe versagte zwar, der Schock jedoch saß tief. NS-Überlebende hätten erneut Opfer werden sollen - diesmal durch die Kinder der Täter-Generation. Was bei der Olympiade 1972 in München mit dem blutigen Überfall auf die israelische Olympia-Mannschaft schließlich traurige Wirklichkeit wurde, fand hier bereits seinen Auftakt. Wer hat am 9. November 1969 diese Bombe gelegt? Gab es Auftraggeber? Was ist aus dem Bombenleger geworden? Die Spuren, die über Jahrzehnte hinweg verblaßt und darüber hinaus absichtlich verwischt worden sind, können mehr als nur neu gelesen werden - diesmal, 35 Jahre danach, können sie entziffert werden.Die Tupamaros West-Berlin waren ein Produkt jener linksradikalen Subkultur, die aus einer orientierungslos gewordenen 68er-Bewegung hervorgegangen war und seit dem Herbst 1969 West-Berlin mit einer Serie von Bombenanschlägen überzog. Im Vordergrund standen nicht nur Angriffe auf Justizangehörige, Richter und Staatsanwälte. Auch israelische und jüdische Einrichtungen wurden zu erklärten Zielscheiben. Den Protagonisten der Tupamaros West-Berlin ging es darum, den Vietnamkrieg durch den Nahostkonflikt zu ersetzen und den Guerillakampf in das Land der NS-Täter zu holen.

Produktinformation


  • Verlag: Hamburger Edition
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 300 S. m. Fotos, Dok. u. Faks.
  • Seitenzahl: 300
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 149mm x 27mm
  • Gewicht: 535g
  • ISBN-13: 9783936096538
  • ISBN-10: 3936096538
  • Best.Nr.: 13376617

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Wolfgang Kraushaar legt mit "Die Bombe im jüdischen Gemeindehaus", wie Rudolf Walther befindet, "präzise historische Forschung und kluge politische Analysen" vor. Kraushaar geht der Frage nach, wer und was hinter jenem Paket Plastiksprengstoff steckte, das am 9. November 1969 eine Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht im Jüdischen Gemeindehaus unterbinden sollte, aber nicht zündete. Er folgt dabei den Verzweigungen der Berliner Stadtguerilla von Dieter Kunzelmann bis zu Rudi Dutschke und der Baader-Meinof-Gruppe, legt versteckte antisemitische Motive der Linken frei, ohne zu pauschalisieren, vielmehr "Differenzierung und historische Kontextualisierung" betreibend und auch darauf hinweisend, das der November-Attentäter unter dem Einfluss von LSD stand, als er die Bombe deponierte. Hinterfragt wird auch die Rolle der Medien und der Polizei - der nicht gelang, was Kraushaar offenbar mühelos schaffte: den Täter, einen gewissen Albert Fichter, zu finden.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.06.2005

Weckruf für die Achtundsechziger
In Frankfurt wurde Wolfgang Kraushaars Buch „Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus” vorgestellt
Die Liste deutscher Schicksalstage, die auf einen 9. November fielen, hat erneut Zuwachs erhalten: Die Bombe, die am 9. November 1969 eine Versammlung von 250 Menschen zum Gedenken an die Pogromnacht von 1938 treffen und das Jüdische Gemeindezentrum von Berlin (West) zerstören sollte, hatte nicht gezündet. Der als Zeitzünder benutzte Wecker tickte noch, als der Sprengsatz entdeckt wurde. Ein Bekennerschreiben, das unter der Überschrift „Schalom + Napalm” in Horst Mahlers und Günter Maschkes „Republikanischem Club” als Flugblatt kursierte, wandte sich an die außerparlamentarische Linke. Sie sollte mit dem Anschlag von der „Vorherrschaft des Judenkomplexes” befreit und vom „wahren Antifaschismus” überzeugt werden: Denn die Freunde Israels und die nach Israel geflohenen Juden seien selbst zu „Faschisten” geworden.
Jetzt - 36 Jahre danach - hat der Wecker geklingelt: Im Seminarraum des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt herrschte eine etwas bedrückte Stimmung, als Wolfgang Kraushaar sein Buch „Die Bombe …

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Wolfgang Kraushaar, Dr. phil., geboren 1948, studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik an der Universität Frankfurt am Main. Seit 1987 ist er Mitarbeiter im Bereich "Politik und Gesellschaft der alten und neuen Bundesrepublik" am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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