Echolalien - Heller-Roazen, Daniel

Daniel Heller-Roazen 

Echolalien

Über das Vergessen von Sprache

Übersetzer: Bischoff, Michael
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Echolalien

Ludwig Wittgenstein schrieb über die Sprache, sie gleiche einer"alten Stadt", einem"Gewinkel von Gäßchen und Plätzen". In diesem linguistischen Raum bewegen wir uns ganz selbstverständlich, währ unmerklich neue Vororte entstehen und alte Viertel renoviert oder abgerissen werden.

Um die Historizität der Sprache, die Geburt und das Sterben von Lauten, Worten und Idiomen geht es in Daniel Heller-Roazens einundzwanzig funkelnden Essays. Sprachtheoretische Betrachtungen Benjamins, Jakobsons und Freuds schließt er kurz mit poetischen Anekdoten aus der Geschichte der Linguistik: über die Nymphe Io, die - von Jupiter in eine Kuh verwandelt - ihren Namen mit dem Huf in den Sand schrieb, den Turm von Babel und das Geplapper der Kinder (der Begriff Echolalie bezeichnet das Wiederholen vorgesagter Phrasen), Menschen ohne Zunge, einen Schizophrenen, der systematisch seine Muttersprache vergaß, das Verschwinden des h, dem Karl Kraus seine Elegie auf den Tod eines Lautes widmete, und über"tote"Idiome, die keine Sprachen mehr sind,"sondern nur noch Tinte und Papier".


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 280 S. 204 mm
  • Seitenzahl: 286
  • Best.Nr. des Verlages: 58493
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 134mm x 26mm
  • Gewicht: 380g
  • ISBN-13: 9783518584934
  • ISBN-10: 3518584936
  • Best.Nr.: 23304724

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

In einer ausgreifenden Kritik singt Jürgen Trabant das Loblied auf Daniel Heller-Roazens Buch über die Sprache, und er ist derart begeistert,obwohl er mit der Grundthese des amerikanischen Autors nicht übereinstimmt. Heller-Roazen, dessen Kenntnis von zahlreichen Sprachen der Rezensent bewundernd hervorhebt, weitet den psychiatrischen Begriff der "Echolalie", das zwanghafte Wiederholen von Lauten und Worten, auf Sprache insgesamt aus und argumentiert, dass sich in der Sprache das Vergessen der Urlaute, des Babybrabbelns, manifestiert. Der Autor mache damit das Vergessen und nicht - wie sonst unter Linguisten üblich - das Erinnern zur Wurzel der Sprache, und er führe diese These derart klug und unterhaltsam an vielen Beispielen vor, dass es eine Freude sei, so der Rezensent hingerissen. Heller-Roazen sucht vergessene und verdrängte Reste in der Sprache auf und versucht zu zeigen, dass Sprache immer ein "Echo von anderen, verschwundenen Sprachen" ist, erklärt der Rezensent gefesselt. Für ihn könnte ein Buch nicht gelungener sein, denn es bietet stupende "Gelehrsamkeit" und herrliche intellektuelle Unterhaltung, preist der Rezensent. Nur mit der Übersetzung ist er nicht recht zufrieden, die sachliche Fehler berge, wie er moniert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.06.2008

Geschichtlichkeit nach dem Historismus?
Echolalien und Resonanzen: Über ein anderes Verhältnis zu Erinnern und Vergessen aus dem Geist der Sprachtheorie

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.03.2008

Von Babble nach Babel
In einer wunderbar gelehrten Reise erkundet Daniel Heller-Roazen, wie alle Sprache aus dem Vergessen hervorgeht
Es ist ein seltenes und daher ganz besonderes Vergnügen, einem wissenschaftlichen Autor aus dem Zentrum des anglophonen Empire zu begegnen, der viele Sprachen kann und mit sichtbarer Lust Texte in ihren Originalsprachen aufsucht. Neben englischen liest und zitiert – keine Angst, liebe Leser, immer mit Übersetzung! – Daniel Heller-Roazen auch französische, italienische, griechische, lateinische, hebräische, arabische, deutsche Texte und Autoren, ja sogar deutsche. Er liest seinen Freud, seinen Canetti, seinen Karl Kraus auf Deutsch. Er konsultiert sogar noch – ganz altmodisch – deutschsprachige Sekundärliteratur! Danke Daniel! Schon dafür müssen wir den jungen Professor aus Princeton preisen. Darüber hinaus aber ist es auch ein besonderes intellektuelles und literarisches Vergnügen, Daniel Heller-Roazen in seine einundzwanzig Kapitel über die Sprache – einundzwanzig „Echolalien” – zu folgen.
Dabei muss man mit der Grundthese des Buches überhaupt nicht einverstanden sein. Aber es ist eine so nachdenkenswerte …

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"Dies ist ein herrliches Buch. Es verbindet subtilste Gelehrsamkeit mit literarischer Finesse. Man liest es daher mit Vergnügen und intellektuellem Gewinn. Und es gibt wirklich zu denken, über das Sprechen, über die Sprachen, über die Dichter. Besser kann ein Buch gar nicht sein." Jürgen Trabant Süddeutsche Zeitung

»Die Heller-Roazens Expeditionen ins Wesen der Sprache überwölbende These lautet, dass alles Sprachenvergessen nur eine Erneuerung ist. Eine notwendige Erneuerung. ...Heller-Roazen hält sich zwar aus jeder aktuellen sprachpolitischen Diskussion heraus, doch werden Puristen und verbissene Bewahrer in Echolalienkaum ein Argument für ihre Sache finden können. Eine Sprache, die keine Hautschuppen mehr abstößt und Fremdwörter absorbiert, ist eben nicht in aktivem, täglichem Gebrauch - und damit »tot« (ob man dieses Wort nun verwenden will oder nicht). Eine Sprache, die nicht zumindest in Teilen vergessen wird, kann sich nicht erneuern. Die »Verwirrung« von Babel, so Heller-Roazens kühner und kluger Schlenker zum guten Ende, meint nichts anderes als dieses Vergessen.«
Daniel Heller-Roazen, geb. 1974, ist Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Princeton University. Er studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Toronto, Baltimore, Venedig und Paris und hat zahlreiche Stipendien für seine Arbeit erhalten. Im Jahr 2010 wurde ihm die Medaille des Collège de France verliehen.

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