Kreative Tricks lassen sich überraschend intuitiv über den rechten Analogstick ausführen. Per Knopfdruck hält der ballführende Spieler an und versucht sein Gegenüber auf der Stelle auszutanzen. Alternativ jongliert man mit dem Ball und überlopt das Gegenüber. Für Abwechslung sorgen die verschiedenen Spielmodi. So gibt es unterschiedliche populäre Spielvarianten wie Futsal oder Panna. In Last man Standing verliert die eigene Mannschaft jeweils einen Spieler, wenn man ein Tor erzielt. Man startet mit vier Kickern, muss, um zu gewinnen, am Ende mit einem einzigen Ballzauberer in das sehr kleine Netz treffen. Im Modus World Tour bastelt man sich seinen eigenen Kicker und kann mit von Freunden erstellten Spielern ein eigenes Team zusammenstellen. Damit nimmt man an Turnieren und Herausforderungen auf der ganzen Welt teil, um sich für das große Finale in Brasilien zu qualifizieren. "FIFA Street" ist ideal für den schnellen Kick zwischendurch und genau das Richtige für Spieler, denen das große "FIFA" inzwischen zu kompliziert geworden ist.
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Es ist nicht so, dass ich FIFA Street 3 nicht mochte, es war für mich einfach das Ende einer Serie, von der ich nicht annahm, dass es in irgendeiner Form weitergehen könnte. Billiges, abwechslungsarmes Gameplay, ein unspektakulärer Comic-Look und dann noch ein laues Online-Lüftchen, das wirklich nichts in Bewegung setzen konnte. Aber, es geschehen noch Zeichen und Wunder, denn EA hat sich der Serie wieder angenommen und statt mit dem vierten Teil weiterzumachen, wird mit FIFA Street ein Neuanfang gewagt. Zu meiner Überraschung ist dieser Neustart erfreulich gut ausgefallen, sodass die Straßenfußball-Variante wirklich für Begeisterung sorgen kann.
Alles beim Alten: Das Runde muss ins Eckige
Fußball brauche ich hierzulande niemandem zu erklären, auch wenn längst nicht jeder die taktischen Tiefen des Sports wirklich begriffen zu haben scheint. Inklusive der Fachpresse wie 'Kicker' oder 'SportBild', die auch nur noch - aber das führt jetzt zu weit. Fakt ist, dass immer wieder von den sogenannten Straßenfußballern geschwärmt wird und wir sind nun einer von ihnen. Allerdings kicken wir nicht allein auf den Bolzplätzen des Planeten, sondern mit einem Team, das wir zu Beginn des Spiels erst einmal zusammenstellen, wenn wir uns für die 'World Tour' entschieden haben. Dieser umfangreiche Modus sorgt dafür, dass wir uns und unsere Mitspieler ständig verbessern können - und dabei erlernen wir neue Tricks, neue Spielstile und schalten neue Kleidungsstücke und Accessoires frei. Dieser fordernde Solo-Modus ist letztlich auch genau das, was der Street-Serie gefehlt hatte. Und er kann zudem auch noch online gezockt werden: Alle Events können in drei Schwierigkeitsgraden gespielt werden - plus der Möglichkeit, gegen einen menschlichen Kicker irgendwo am Ende der Welt anzutreten. Diese Option wird gleichgesetzt mit der höchsten Schwierigkeitsstufe, wobei der Vergleich extrem hinkt, doch dazu später mehr.
Außerdem können wir natürlich noch ein Testmatch absolvieren, das entweder nach festen Regeln abläuft - vier vordefinierte Modi stehen dabei zur Auswahl - oder wir stellen uns nach eigenem Gutdünken eine Veranstaltung zusammen und basteln unseren eigenen Regelkatalog. Natürlich gibt es auch noch eine Trainingsarena, in der wir seelenruhig alle Tricks ausprobieren und perfektionieren können, weil wir nur gegen den Torwart antreten.
Im reinen Online-Modus können wir an einer Street-Saison teilnehmen. Diese kann mit 5er-, 6er-Teams oder im Futsal-Modus ausgetragen werden. Daneben gibt es auch noch einen Pokalmodus, sodass auch im Netzwerk viel Spaß auf dem Programm steht, der aufgrund des Wettbewerbscharakters auch Langzeitmotivation in sich trägt. Wem 'Futsal' so rein gar nichts sagt: Dazu kommen wir gleich noch.
Sieben Attribute für die Zwerge, nee, die Kicker
Am einfachsten ist es immer noch, einfach loszulegen. Wer schon mal virtuellen Fußball gespielt hat - PES oder FIFA, das ist egal -, der wird sich schnell zurechtfinden. Schießen, Passen, Laufen, Sprinten und Zweikämpfe: Die Steuerung geht flüssig und intuitiv von der Hand, ohne das große Probleme auftreten. Allerdings liegt beim Straßenfußball der Fokus nicht so sehr auf dem Zusammenspiel, sondern mehr auf den individuellen Fähigkeiten und Tricks, mit denen man den Gegner düpieren kann. Wer bei FIFA 12 am Trick-System verzweifelt, weil das alles zu kompliziert und zu träge ist, der wird sich in der Street-Variante sehr schnell wohlfühlen. Allerdings - und das ist ein Kritik-Punkt - entfaltet das Spiel im World-Tour-Modus erst nach einigen Spielen sein Potential. Wenn die Attribute aufgewertet und die ersten Tricks freigeschaltet wurden, beginnt der Tanz mit dem Ball mehr und mehr interessant zu werden.
Sieben Fähigkeiten hat jeder Kicker und wer sein Team von bis zu neun Spielern zusammengestellt hat, wobei nur sechs maximal zum Einsatz kommen können, steht nach fast jedem Match ein munteres Punkteverteilen auf dem Plan. Athletik, Defensive, Dribbeln, Torwart, Schießen, Passen und Geschwindigkeit stehen zur Auswahl. Gut beraten ist der, der sich gleich ein paar Spezialisten aufbaut, um in den einzelnen Wettbewerben besser abzuschneiden. Einige Tricks und Spezialfähigkeiten können jedoch auch erst ab einem bestimmten Spielerlevel freigeschaltet werden.
Mit der Bundesliga auf der Straße
Bei der World Tour treffen wir auf fantasievolle KI-Teams, aber auch auf Mannschaften aus den aktuellen Ligen. Wer Deutschland als Start angibt, der hat es dann immer mal wieder mit einem der Bundesligisten zu tun, die sich bei einigen Wettbewerben unter das Teilnehmerfeld mischen - insgesamt stehen über 100 Lizenz-Mannschaften als Gegner bereit, weshalb dann auch der geniale Lionel Messi mit von der Partie ist. Je nach Schwierigkeitsgrad sind die Lizenz-Teams mehr oder minder leicht zu bezwingen, wobei sich die KI auf allen Schwierigkeitsgraden oft ziemlich dämlich anstellt. Das ist der zweite, nicht ganz unerhebliche Kritikpunkt für alle, die sich vornehmlich offline bewegen: Sowohl die Mitspieler als auch die Gegner laufen teilweise wahllos und unmotiviert durch die Gegend, die Eigentor-Rate aufgrund von lächerlichen Fehlern ist extrem hoch. Gern sieht ein Torwart auch mal zu, wie der Ball in Zeitlupe über die Linie kullert - die Sicht scheint auf den Bolzplätzen gern mal getrübt zu sein.
Dafür machen aber die verschiedenen Spielmodi unheimlich viel Spaß, weil immer wieder ein anderes Ziel auf dem Programm steht. Angefangen von den einfachen Partien Zwei-gegen-Zwei auf einem engen Platz und auf kleine Tore bis hin zum Futsal in der Halle ohne Bande und mit einem Foul-System, das hart spielende Mannschaften mit Penaltys bestraft. Diese Variante des Hallenfußballs ist tatsächlich etwas für Techniker und vereint in der Realität und auch beim virtuellen Kick individuelle Fähigkeiten und taktisches Vorgehen. Dass es dazwischen dann auch noch so amüsante Variationen wie 'Panna' gibt, wo es für jeden getunnelten Gegner einen Extrapunkt gibt, fällt ebenfalls unter die Kategorie Vielfalt im Gameplay. Dass der Straßenfußball so viel Spaß machen kann, hätte ich mir nicht träumen lassen.
Spielerisch ist der Titel ohnehin ganz weit vorn, denn das Spiel auf Parkett und Asphalt kommt so authentisch daher, dass es mir hin und wieder gewaltig in den Füßen juckte. Fein herausgespielte Treffer und beeindruckende Einzelaktionen á la 'Hacke, Spitze, Ein-Zwei-Drei' werden das Herz eines jeden Fußballers höher schlagen lassen und immer wieder denken: Ach, komm, eine Partie geht noch.
Sieht ganz gut aus, aber längst nicht perfekt
Optisch präsentiert sich FIFA Street im Gegensatz zum Vorgänger sehr schlicht und eher zweckoptimiert. Die Spieler sehen gut aus, die Animationen sind auch in Ordnung, fallen aber hier und da etwas hakelig aus. Die Spielorte sind ähnlich strukturiert: unspektakulär, aber dennoch überzeugend. Großer Glanz wird nicht versprüht, aber das muss auch nicht sein, denn der Spielspaß steht so klar im Vordergrund, dass wilde grafische Finessen gern auf der Strecke bleiben dürfen. Die Menüs sind schlicht und übersichtlich, keine Schnörkel - und die Ladezeiten halten sich in Grenzen. Allerdings ist es etwas lästig, dass die Spieler nur einzeln aufgewertet und bearbeitet werden können, weil dadurch jedes Mal eine Ladezeit den Spielfluss erheblich trübt. Aber das sind nur kleine Fehler, die den guten Gesamteindruck nicht trüben können.
Dazu kommt auch noch eine gelungene Atmosphäre auf dem Platz, die mit Kommentaren und Zwischenrufen der anderen Spieler auch gern mal für den einen oder anderen Schmunzler sorgen kann. Abgerundet wird das Ganze von einem tollen, abwechslungsreichen Soundtrack, der von Pop bis Dubstep fast alles bietet.
Fazit: Ja, das hätte ich wirklich nicht erwartet. Von den kleinen Fehlern mal abgesehen, hat EA eine runde Sache abgeliefert: Straßenfußball in feinster Güte. Dem packenden Gameplay, das seine volle Pracht allerdings erst gegen menschliche Gegner entfaltet, stehen nur wenige Schnitzer gegenüber.
Dem etwas trägen Einstieg folgt schnell ein großes Feuerwerk an Tricks und spielerischen Finessen, sodass unterm Strich ein Hit herauskommt, der vor allem mit viel Spielspaß und einer angenehmen Vielfalt an Modi daherkommt.
Wertung: 88 von 100 Punkten (Armin Sengbusch/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung