Das Spionagespiel - Frayn, Michael

Michael Frayn 

Das Spionagespiel

Roman

Dtsch. v. Matthias Fienbork
Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
10 ebmiles sammeln
EUR 9,50
Bald lieferbar
Nachdruck / -produktion noch nicht erschienen
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für


Produktinformation

  • Verlag: DTV
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 222 S.
  • Seitenzahl: 222
  • dtv Taschenbücher Bd.13435
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 120mm x 13mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783423134354
  • ISBN-10: 3423134356
  • Best.Nr.: 14161980
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein alter Mann erinnert sich. An seine Kindheit in den frühen Vierzigern, irgendwo in der englischen Provinz. An den Krieg, der düster durch die Gespräche der Erwachsenen geistert. An seinen besten Freund, mit dem er Räuber und Gendarm spielte, Spion und Soldat, Engländer und Deutscher. Und an das eigenartige Verhalten von dessen Mutter, das sich der Junge nur so erklären kann: Die Frau ist eine deutsche Spionin. Der Dramatiker Michael Frayn machte sich einen Namen als versierter Handwerker, als einer, der psychologisch stimmige Verhältnisse zu skizzieren wusste. Und auch dem Roman "Das Spionagespiel" haftet teilweise etwas Technisches an: Wo er zwischen dem naiven Kinderblick und der Rückschau des Alten wechselt , zeigt Frayn, was er kann. Spannend ist der Roman dabei nicht: Dass die Verdächtigungen tragische Folgen nach sich ziehen, ist von Anfang an klar, dass die aber bei aller Tragik nicht wirklich schlimm sind, ebenso. Der Erkenntnisprozess des Protagonisten ist ein erotisches Erwachsen, das hatten wir so erwartet, was folgt, ist Ernüchterung. Ein großer Roman, ein etwas langweiliger Roman. (fis)

"Michael Frayn schafft es, kunstvoll und elegant den jungen und den alten Stephen miteinander zu verknüpfen, von heute zu erzählen und auch von damals. Es gibt viele faszinierende Handlungsstränge in diesem Buch: Das macht es zu etwas ganz Kostbarem. Ein wunderbarer Roman über die großen Themen Spionage, Verrat, Freundschaft und Schuld."
Elke Heidenreich in Lesen!

'"Das Spionagespiel' ist sowohl eine Kriminalgeschichte als auch eine schmerzliche Reflexion. Frayn ist ein Meister der beiläufigen Überraschung, und alle Überraschungen, die hier auftauchen, sind echt. Frayn hat nie etwas Besseres geschrieben." (The Independent)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.02.2004

Ein dünnes Lächeln
Rauer Stoff, glatt gebügelt: Michael Frayns „Spionagespiel”
Ein Mann begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit. Er kehrt nach fast 60 Jahren zurück an den Ort seiner Kindheit, eine unscheinbare Wohnsiedlung im Süden Englands. Was er zu erinnern, zu verstehen sucht, nennt der deutsche Titel von Michael Frayns neuem Roman „Das Spionagespiel”. Der englische lautet schlicht „Spies” und entgeht so der Suggestion, was sich vor dem Leser entfalte, sei bloßes Spiel. Als solches beginnt zwar, was die beiden Jungen Stephen Wheatley und Keith Hayward eines Sommers im Zweiten Weltkriegs aushecken, aber es endet blutig, beinahe tödlich, und in einem Ernst, der Wheatley noch nach Jahrzehnten zur Reise dorthin drängt, wo er als Bub zu Hause war.
Der Verdacht, der die beiden damals trieb, war, Keith Haywards Mutter spioniere für die Nazis – was Stephen geradezu beschämt angesichts der Langweiligkeit der eigenen Familienangehörigen: „Ich glaube, ich bin ein bißchen eifersüchtig auf diesen neuerlichen Beweis seines nicht enden wollenden, bewundernswerten Glücks. Ein Vater im Geheimdienst und noch dazu eine Mutter, die …

Weiter lesen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.02.2004

Der Spion, der aus dem Liguster kam
Verdacht ist zerstörerischer als jede Gewißheit: In seinem neuen Roman löst Michael Frayn Kindheits-, Kriegs- und Identitätsrätsel

Der Spion ist literarisch eine heikle Figur, immer auf der Schwelle balancierend, nicht richtig beteiligt am Geschehen, aber auch nicht außerhalb. Vom Film zur glamourösen Lichtgestalt idealisiert, bleibt der Spion im Roman ein Außenseiter, der sich niemandem anvertrauen darf; ein Voyeur weniger aus Neigung denn aus Not, der seine eigene Identität, seine Bedürfnisse und Sehnsüchte verleugnen muß, um einem übergeordneten Ziel zu dienen; der sich aufgeben muß, um einer Weltanschauung, einem Land oder einer Organisation zu dienen. Nicht einmal Dank darf er für seinen Einsatz erwarten; so hehr seine Motivation sein mag, so moralisch fragwürdig wirkt seine Tätigkeit auf andere. Nicht nur muß er immun sein gegen den Hautgout des Verbotenen, Unschicklichen, Widerwärtigen, sondern er muß selbst fürchten, ausgekundschaftet, gar enttarnt zu werden. Sein Wissen verschafft ihm keinen Handlungsspielraum; er ist der Zulieferer von Informationen, mit deren Hilfe Entscheidungen von …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Bei Michael Frayn, so Rezensent Christoph Schröder, beginnt der seltsam geebnete Weg vom Spiel in den Ernst mit einem einzigen Satz: "Meine Mutter ist eine deutsche Spionin." Ab diesem Satz, den Keith zu seinem Freund Stephen sagt, werden sämtliche Handgriffe, Gesichtsausdrücke und Wege der Mutter suspekt, so sehr, dass am Ende die "Vorgabe zum Spiel die eigentliche Wahrheit ist", und sich nichts mehr an der Mutter außerhalb dieser "inneren Logik" denken lässt. Zu welcher Art von Katastrophe es kommt, lässt der Rezensent offen, nicht aber wie sehr ihm dieser Roman gefallen hat, der neben der sich entwickelnden "Eigendynamik" des Spiels auch noch die Themen des Erwachsenwerdens und des Krieges (auch des pervertierenden Kleinkrieges) behandelt. So ist "Das Spionagespiel", das während des Zweiten Weltkriegs in einem englischen Dorf spielt, für Schröder Entwicklungsroman, psychologischer Roman und Krimi zugleich und in allen diesen Genres "ein geglücktes Buch".

© Perlentaucher Medien GmbH

"Michael Frayn schafft es, kunstvoll und elegant den jungen und den alten Stephen miteinander zu verknüpfen, von heute zu erzählen und auch von damals. Es gibt viele faszinierende Handlungsstränge in diesem Buch: Das macht es zu etwas ganz Kostbarem. Ein wunderbarer Roman über die großen Themen Spionage, Verrat, Freundschaft und Schuld."
Elke Heidenreich in Lesen!
Michael Frayn, geboren 1933 in London, studierte Philosophie in Cambridge und arbeitete für den 'Guardian' und den 'Observer'. Als Dramatiker war er mit den Stücken 'Kopenhagen' und 'Demokratie' (über den Sturz Willy Brandts) auch in Deutschland erfolgreich.

Leseprobe zu "Das Spionagespiel" von Michael Frayn

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork

Alles ist wie früher, stelle ich fest, als ich mein Reiseziel erreicht habe, und alles hat sich verändert.

Fast ein halbes Jahrhundert ist vergangen, seit ich zuletzt an dieser kleinen Station aus Holz ausgestiegen bin, aber meine Füße tragen mich mit müheloser, traumwandlerischer Selbstverständlichkeit hinunter zu der friedlichen, nachmittäglich belebten Hauptstraße, nach links zu der unordentlichen kleinen Ladenzeile und am Briefkasten wieder links in die vertraute Allee. Auf der Hauptstraße gibt es lauter komplizierte neue Verkehrsregelungen, die Geschäfte haben neue unpersönliche Namen und Fassaden, und aus den schmächtigen Pflaumenbäumchen, die in meiner Erinnerung die Allee säumten, sind nun weise und würdevolle Bäume geworden. Doch als ich um die Ecke biege, von der Allee in den Close...

Dort ist es noch wie früher. Die gleiche altvertraute, stille, süße, langweilige Durchschnittlichkeit.

Ich stehe an der Ecke, betrachte das alles, höre es, atme es ein, kann nicht genau sagen, ob ich gerührt bin, nach all dieser Zeit wieder dazusein, oder ob es mich gleichgültig läßt.

Langsam gehe ich weiter bis zu dem kleinen Wendekreis ganz am Ende. Dieselben vierzehn Häuser, ruhig und zufrieden an diesem warmen, trägen Sommernachmittag, genau wie früher. Langsam gehe ich wieder zur Ecke zurück. Alles ist noch da, genau wie früher. Ich weiß nicht, warum ich das so überraschend finde. Etwas anderes hatte ich nicht erwartet. Trotzdem, nach fünfzig Jahren...

Und während der erste Schock der Vertrautheit nachläßt, merke ich allmählich, daß überhaupt nichts so ist wie früher. Alles hat sich verändert. Die Häuser sind jetzt sauber und langweilig, ihre architektonische Vielfalt gewissermaßen homogenisiert durch neue Vorbauten und Lampen und aufgesetztes Fachwerk. In meiner Erinnerung war jedes Haus eine eigene Welt, so verschieden von den anderen wie die Menschen, die darin wohnten. Jedes Haus war, hinter seinem Schirm von Rosen oder Geißblatt, Linden oder Buddleia, ein Mysterium. Nun sind diese üppigen Pflanzen fast überall verschwunden und durch Abstellplätze und Autos ersetzt worden. Auch am Straßenrand bilden Autos geräuschlos eine Schlange. Die vierzehn einzelnen Reiche haben sich vereinigt zu einer Art gärtnerisch gestalteten Parkplatz. Alle Mysterien sind gelöst. In der Luft der höfliche, internationale Geruch von schnellwachsenden Immergrünpflanzen. Doch von dem wilden, unanständigen Geruch, der mich hierherlockte, ist selbst an diesem Spätjunitag nicht ein Hauch geblieben.

Ich schaue in den Himmel, das einzige Element jeder Landschaft und jeder Stadt, das von Generation zu Generation und von Jahrhundert zu Jahrhundert fortbesteht. Doch selbst der Himmel hat sich verändert. Einmal stand dort, in einem Wirrwarr heroischer Kondensstreifen, der Krieg geschrieben. Es gab die aufgerichteten Finger der nächtlichen Scheinwerfer und die riesigen bunten Leuchtraketengebäude. Jetzt ist selbst der Himmel mild und nichtssagend geworden.

An der Ecke zögere ich wieder. Langsam komme ich mir ziemlich töricht vor. Habe ich diese Reise unternommen, nur um die Straße hinauf- und hinterzugehen und den Duft der Zypressenhecken zu riechen? Ich weiß nicht, was ich sonst noch tun oder empfinden könnte. Ich bin am Ende meiner Pläne angekommen.

Und dann merke ich, daß sich die Atmosphäre um mich herum verändert, als würde die Vergangenheit aus der Luft heraus wieder Gestalt annehmen.

Es dauert einen Moment, bis ich die Ursache erkenne. Es ist ein Geräusch – das Geräusch eines unsichtbaren Zuges, erst gedämpft und fern, plötzlich ganz deutlich, als er in dem Einschnitt hinter den Häusern am oberen Ende des Close auftaucht, genau wie der Zug, mit dem ich vor zwanzig Minuten angekommen bin. Unsichtbar fährt er den Bahndamm entlang, hinter den Häusern auf der linken Straßenseite, überquert dann eine Brücke und nähert sich, langsamer werdend, dem Bahnhof.

Während dieser vertrauten Abfolge von Geräuschen verändert sich vor meinen Augen das ganze Erscheinungsbild des Close. Das Haus links an der Ecke, vor dem ich stehe, gehört nun den Sheldons, das Haus gegenüber den Hardiments. Jetzt höre ich noch andere Geräusche. Das endlose Klappern von Mr. Sheldons unsichtbarer Gartenschere hinter der hohen Buchenhecke, die inzwischen verschwunden ist. Die endlosen Tonleitern, die die blassen Kinder der Hardiments in dunklen Räumen hinter dem Schirm aus hübsch miteinander verwachsenen Linden (noch vorhanden) spielten. Ich weiß, wenn ich den Kopf zur Seite drehe, werde ich weiter unten die beiden Geest-Zwillinge bei einem komplizierten Himmel-und-Hölle-Spiel sehen, die identischen Pferdeschwänze identisch wippend... und auf der Zufahrt der Averys ein ölverschmiertes Knäuel aus Charlie und Dave und den Einzelteilen eines zerlegten Dreirads...

Aber im Moment richte ich den Blick natürlich auf Nr. 2, das Haus neben den Hardiments. Selbst dieses Haus ähnelt sonderbarerweise all den anderen, obwohl es mit Nr. 3 verbunden ist – das einzige Doppelhaus hier im Close. Inzwischen hat es offenbar einen Namen: Wentworth. Als ich darin wohnte, hatte es nur eine Nummer, und auch das kaum, denn das Namensschild am Gartentor war mit Teerfarbe überstrichen. Aber trotz des grandiosen neuen Namens und der frisch verputzten Fassade und der strikten Herrschaft, die Steinplatten und ein unpersönlich wirkender Rasen über den Vorgarten ausüben, strahlt das Haus noch immer eine gewisse Verlegenheit aus. Unter dem glatten weißen Putz glaube ich fast das alte, rissige, wasserfleckige Grau sehen zu können. Aus den Fugen der schweren Steinplatten sprießen die Geister wilder unbekannter Sträucher, um die mein Vater sich nie kümmerte, und das kleine kahle Rasenstück. Unsere Haushälfte wurde noch unansehnlicher durch die andere Hälfte, die in einem noch schlimmeren Zustand war, weil der Garten der Pinchers als Müllhalde für ausrangierte, vom Regen verzogene Möbel und Holz- und Metallreste diente, die Mr. Pincher an seinem Arbeitsplatz gestohlen hatte. Zumindest glaubten das die Leute in der Straße. Vielleicht, denke ich jetzt, lag das auch nur an seinem Namen. Jedenfalls waren die Pinchers die unerwünschten Elemente im Viertel – noch weniger erwünscht als wir –, und wegen der furchtbaren Verbindung unserer Häuserhälften färbte das auch auf uns ab.

Heute kann ich das so sehen. Aber hat er das damals auch schon so gesehen? Ich meine den schüchternen Jungen, der in diesem unordentlichen Haus zwischen den Hardiments und den Pinchers wohnt – Stephen Wheatley, der mit den Segelohren und dem zu kurzen grauen Schulhemd aus Flanell, das aus den zu langen grauen Flanellshorts hängt. Ich sehe, wie er aus der verworfenen Haustür tritt und sich noch immer einen Rest vom Nachmittagstee in den Mund stopft. Alles an ihm ist Grau, in den verschiedensten Tönen – selbst der elastische Gürtel, gestreift wie das Band eines altmodischen Strohhuts und zusammengehalten mit einer S-förmig verschlungenen Metallschlange. Die Streifen des Gürtels sind in zwei unterschiedlichen Grautönen, denn Stephen ist ganz und gar monochrom, und zwar deswegen, weil ich ihn so in Erinnerung habe, von den alten Schwarzweißfotos her, über die meine Enkel ungläubig lachen, wenn ich ihnen erkläre, daß ich das bin. Ich bin genauso ungläubig wie sie. Ohne die Schnappschüsse würde ich nicht wissen, wie Stephen Wheatley aussieht, oder jemals ahnen, daß er und ich verwandt sind, wenn auf der Rückseite nicht der Name stünde.

Aber noch jetzt spüre ich in den Fingerspitzen die zart schuppige Beschaffenheit der Schlangenhaut.

Stephen Wheatley... Oder einfach Stephen... Auf den Zeugnissen S.J. Wheatley, im Klassenzimmer oder auf dem Sportplatz einfach Wheatley. Merkwürdige Namen. Keiner paßt so richtig zu ihm, wenn ich ihn jetzt vor mir sehe. Er dreht sich noch einmal um, bevor er die Haustür zuwirft, und ruft mit vollem Mund irgendein unpassendes Schimpfwort als Antwort auf eine der vielen herablassenden Bemerkungen seines unerträglichen älteren Bruders. Einer seiner schmuddeligen Tennisschuhe ist nicht zugeschnürt, und ein grauer Strumpf schlängelt sich als dicker Wulst um seine Knöchel. In den Fingerspitzen spüre ich, so deutlich wie die Schuppigkeit der Schlange, das hoffnungslos ausgeleierte Gummiband des heruntergerutschten Strumpfs.

Weiß er in seinem Alter eigentlich schon, welchen Ruf er in der Straße genießt? Er weiß es sehr wohl, auch wenn er nicht weiß,

daß er es weiß. In seinem Innersten spürt er, daß bei ihm und seiner Familie etwas nicht ganz stimmt, daß sie nicht ganz passen zu den Geests mit ihren Pferdeschwänzen und den ölverschmierten Averys, nie ganz passen werden.

Die Gartentür braucht er nicht zu öffnen, denn sie ist schon offen, hängt schief in den Angeln. Ich weiß, wohin er geht. Nicht hinüber zu Norman Stott, der ganz in Ordnung wäre, wenn nicht sein jüngerer Bruder Eddie wäre. Irgend etwas mit Eddie stimmt nicht – er hängt ständig herum, sabbert, grinst und will einen immer anfassen. Nicht zu den Averys oder den Geests. Ganz sicher nicht zu Barbara Berrill, die so listig und verräterisch ist wie die meisten Mädchen und noch unsympathischer, seit sein Bruder Geoff sich Brillantine ins Haar schmiert und in der Abenddämmerung mit Barbaras älterer Schwester Deirdre herumsteht und Zigaretten raucht. Der Vater der beiden Mädchen ist in der Armee, und alle sagen, daß die beiden es bunt treiben.

Wie ich schon ahnte, überquert Stephen nun die Straße, zu sehr in Gedanken, um auf den Verkehr zu achten – allerdings gibt es mitten im Krieg auch nicht viel Verkehr, auf den er achten müßte, abgesehen von gelegentlichen Fahrrädern und den langsam dahintrottenden Pferden, die den Karren des Milchmanns und des Bäckers ziehen. Stephen geht langsam, den Mund leicht geöffnet, in einem unbestimmten Tagtraum verloren. Was empfinde ich bei seinem Anblick? Vor allem wohl den Wunsch, ihn an den Schultern zu packen und zu schütteln, ihm zu erklären, er solle endlich aufwachen und nicht so... unbefriedigend sein. Ich erinnere mich, daß ich nicht der erste bin, der diesen Wunsch hat.

Ich folge ihm, vorbei an Trewinnick, dem mysteriösen Haus mit den ständig geschlossenen Verdunkelungsvorhängen und dem ungepflegten Garten hinter einem nordisch kalten und düsteren Kiefernwald. Trewinnick wirkt aber nicht schandbar wie unser Haus und das der Pinchers, von seiner düsteren Verschlossenheit geht etwas Unheimliches aus. Niemand weiß, wie die Leute heißen, die dort wohnen, oder wie viele es sind. Ihre Gesichter sind dunkel, ihre Kleider schwarz. Sie kommen und gehen bei Dunkelheit und lassen die Vorhänge auch bei Tag geschlossen.

Stephens Ziel ist das benachbarte Haus, Nr. 9, Chollerton. Die Haywards. Er öffnet die weiße, gutgeölte Gartentür und macht

sie sorgfältig hinter sich zu. Er geht den mit Ziegeln gepflasterten Weg entlang, der sich durch die Rosenbeete windet, und hebt den schmiedeeisernen Klopfer an der schweren Eichentür. Zwei respektvolle, nicht zu laute Klopfer, gedämpft durch das solide Holz.

Ich warte draußen vor dem Gartentor und studiere diskret das Haus. Es hat sich weniger verändert als die meisten anderen. Die mattroten Backsteine sind sauber verfugt, die hölzernen Fensterrahmen, die Giebel und das Garagentor so makellos weiß wie damals, als Mr. Hayward sie in einem ebenso makellos weißen Overall anstrich, unentwegt pfeifend, von morgens bis abends. Der gepflasterte Weg windet sich noch immer durch die Rosenbeete, deren Ränder so geometrisch exakt sind wie früher. Die Haustür ist noch immer aus unlackierter Eiche und noch immer mit einem kleinen, rautenförmigen Fenster aus Drahtglas versehen. Der Name, der diskret auf dem oxydierten Kupferschild neben der Tür steht, lautet noch immer Chollerton. Hier jedenfalls ist die Vergangenheit in all ihrer Perfektion bewahrt worden.

Stephen wartet vor der Tür. Jetzt erst, zu spät, bemerkt er sein Äußeres. Er zieht den heruntergerutschten Strumpf hoch und beugt sich hinunter, um den einen Tennisschuh zuzuschnüren. Doch schon geht die Tür einen Spalt auf, ein Junge in Stephens Alter zeigt sich, eingerahmt von der dunklen Diele. Auch er trägt ein graues Flanellhemd und eine kurze graue Flanellhose. Sein Hemd ist allerdings nicht zu kurz, seine Hose nicht zu lang. Die grauen Strümpfe sitzen ordentlich bis knapp einen Fingerbreit unter dem Knie, und seine braunen Ledersandalen sind ordentlich zugeschnallt.

Er dreht den Kopf zur Seite. Ich weiß, warum. Er hört seine Mutter fragen, wer an der Tür ist. Stephen, antwortet er. Sie sagt, er solle ihn hereinbitten oder aber mit ihm spielen gehen, jedenfalls nicht auf der Schwelle herumstehen, nicht richtig drinnen, nicht richtig draußen.

Keith macht die Tür ganz auf. Stephen säubert seine Schuhe rasch über dem eisernen Schuhabstreifer, dann ein zweites Mal auf der Matte im Haus, und der Strumpf mit dem lockeren Gummiband rutscht wieder herunter. Hinter ihm schließt sich die Tür.

Hier fing die Geschichte an. Bei den Haywards. An dem Tag, als Keith, mein bester Freund, diese sechs einfachen Wörter aussprach, die unsere Welt von Grund auf veränderten.

22 Marktplatz-Angebote für "Das Spionagespiel" ab EUR 0,25

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
gebraucht; gut 0,25 2,20 Banküberweisung, PayPal buecherzauber12 3 98,8% ansehen
0,45 2,50 Banküberweisung, offene Rechnung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Versandantiquariat Olaf Roehder 100,0% ansehen
gebraucht; gut 0,49 1,20 Banküberweisung, PayPal schwarz2590 Jochen Schwarz Internethande 99,9% ansehen
gebraucht; gut 0,50 1,50 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), PayPal, offene Rechnung Bücherdackel 99,9% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 1,00 1,25 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Monaco-di-Baver ia 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 1,10 1,20 Banküberweisung paul08063 100,0% ansehen
gebraucht; gut 1,36 1,55 PayPal, offene Rechnung books in a box 99,8% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 1,50 1,40 Banküberweisung Antiquariat Schorn (Versandantiquariat) 100,0% ansehen
wie neu 1,51 1,10 Banküberweisung, PayPal dorfmati 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 1,99 1,20 Lastschrift, offene Rechnung botanicus 99,3% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 2,00 1,20 Banküberweisung 1freude 100,0% ansehen
wie neu 2,00 1,30 Banküberweisung netti2525 100,0% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 2,00 2,50 Banküberweisung Creative-Shop 99,5% ansehen
Sammlerstück; wie neu 2,90 1,20 sofortueberweisung.de, PayPal, Banküberweisung D.Weber Buch-Antiquariate und Second-Han 100,0% ansehen
3,95 2,00 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), offene Rechnung Davids Antiquariat + catch-a-book 99,6% ansehen
4,00 1,20 Banküberweisung, PayPal, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) Mephisto-Antiqu ariat-Galerie-Kunsthande 100,0% ansehen
gebraucht; gut 4,50 2,50 offene Rechnung, Selbstabholung und Barzahlung, offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten) BOUQUINIST 98,7% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 4,95 2,50 offene Rechnung (Vorkasse vorbehalten), Banküberweisung ARVELLE Buch- und Medienversand e.K. 99,9% ansehen
gebraucht; sehr gut 4,99 3,00 PayPal, Banküberweisung Sparbuecher 98,8% ansehen
gebraucht; gut 6,00 3,00 PayPal, Banküberweisung Sparbuecher 98,8% ansehen
gebraucht; sehr gut 10,00 2,75 PayPal, offene Rechnung, Selbstabholung und Barzahlung QuickMedia 99,6% ansehen
gebraucht; gut 11,00 3,00 Banküberweisung North Carolina Internet Shop 96,8% ansehen