Die wissenschaftliche Gerechtigkeitsdebatte, jahrelang dominiert
von John Rawls' "Theorie der Gerechtigkeit", erhielt
1983 durch Michael Walzer eine bedeutende Wendung. In Abgrenzung
von Rawls und anderen Gerechtigkeitstheoretikern entwickelte Walzer
in seinem inzwischen klassisch gewordenen Werk seine Vision einer
"komplexen Gleichheit". Er geht davon aus, dass wahre
Gerechtigkeit nicht durch einen wörtlich verstandenen
Gleichheitsbegriff verwirklicht werden kann: Vielmehr verlangen
verschiedene wichtige Güter - Reichtum, Macht, Arbeit, Liebe - auch
verschiedene Modi der Verteilung. Walzer setzt sich nachdrücklich
für einen neuen pluralistischen Gleichheitsbegriff ein, der bis
heute nichts an Aktualität verloren hat.
Michael Walzer, geboren 1936 in New York, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen politischen Denker und Gesellschaftstheoretiker. In seinem umfangreichen Werk widmet er sich immer wieder den Fragen von Nationalismus und Ethnizität, Pluralität und Gerechtigkeit sowie des Erhalts des demokratischen Gemeinwesens. Seit 1980 lehrt er am Institute for Advanced Study, Princeton. Neben seinen vielfältigen akademischen Tätigkeiten ist er Herausgeber der Zeitschrift Dissent.