Der Tag des Opritschniks - Roman (eBook) - Vladimir Sorokin

Vladimir Sorokin 

Der Tag des Opritschniks - Roman (eBook)

eBook
 
Format: EPUB
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
8 ebmiles sammeln
Statt EUR 18,95*
EUR 8,49
Sofort per Download lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
*Preis der gedruckten Ausgabe
-55 %
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Der Tag des Opritschniks - Roman (eBook)

»Russlands Gegenwart ist nur noch mit den Mitteln der Satire zu beschreiben.« Vladimir Sorokin

Russland im Jahr 2027. Das Land hat sich vom Westen abgeschottet, lebt allein vom Gas- und Ölexport, pflegt Handelskontakte nur noch mit China und wird vom »Gossudar«, einem absoluten Alleinherrscher regiert. Dieser übt seine Macht mithilfe der Opritschniki, der »Auserwählten«, aus: einer allmächtigen Leibgarde, die vor keiner Bestialität zurückschreckt.

Die Zeit der großen Wirren ist vorbei, die Restauration beendet. Nun hat die Monarchie wieder die Macht ergriffen. Das Land ist von der Großen Russischen Mauer umgeben und – bei allem technologischen Fortschritt – in die dunkle Zeit Iwans des Schrecklichen zurückgefallen.

Die Opritschniki, die »Diener des Gossudar«, sind in roten Limousinen unterwegs, mit Hundeköpfen an den Stoßstangen und Besen am Kofferraum – Symbole dafür, dass jeglicher Widerstand ausgemerzt und von der russischen Erde gefegt wird. Zu dieser brutalen und korrupten Elite gehört auch Andrej. Seinen Arbeitstag beginnt er mit der Hinrichtung eines in Ungnade gefallenen Oligarchen, dann wohnt er der Auspeitschung von Intellektuellen bei, ist der liebestollen Gemahlin des Gossudar zu Diensten und beschließt den Tag mit einer dekadenten Orgie.

Der Tag des Opritschniks ist eine schmerzhafte Satire, eine negative Utopie im Sinne von Huxley, Orwell und Burgess. Das Erschreckende daran ist, dass sie der russischen Gegenwart beunruhigend nahekommt.

Der Tag des Opritschniks erscheint im Januar 2008 gleichzeitig in elf Sprachen.

»Das epochale Werk blickt ins Innere jenes schwarzen Knotens, der die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, und es tut dies ebenso märchenhaft zeitlos wie hochaktuell.« Frankfurter Allgemeine Zeitung


Produktinformation

  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783462301052
  • ISBN-10: 3462301055
  • Best.Nr.: 27320216
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.12.2008

Die Monstersklaven sind unter uns

Wladimir Sorokins dunkle Russland-Vision "Tag des Opritschnik" sollte abschreckend wirken. Stattdessen ist der Roman zum Kultbuch avanciert, den die russische Gegenwart schon eingeholt hat.

Von Kerstin Holm

MOSKAU, im Dezember

Als Wladimir Sorokin vor drei Jahren seinen antiutopischen Zukunftsroman "Tag des Opritschnik" veröffentlichte, hoffte er insgeheim, die literarische Vision könnte auf die russische Wirklichkeit wirken wie ein Abwehrzauber. In dem Buch extrapoliert Sorokin die Zukunft des immer autoritärer werdenden Russland im Jahr 2027 als christlich orthodoxer Terrorstaat. Mit dem Segen des Herrschers und der Kirche hält ein brutaler Geheimorden eine materiell wie geistig verarmte Bevölkerung permanent in Angst und Schrecken. Öl- und Gaslieferungen nach Europa und China sind der letzte verbliebene Kontakt zur Außenwelt. Ihre Auslandspässe haben die Menschen feierlich verbrannt. Die Intellektuellen sind emigriert oder wurden umgebracht. Die übrigen Gebildeten haben die vaterländische Kultur eigenhändig von "überflüssigem" Schrifttum gesäubert.

Der "Opritschnik" wurde auch …

Weiter lesen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.02.2008

Und weil mich doch der Kater frisst
Die russische Seele, das Sauerkraut und eine entfesselte Leibgarde: Vladimir Sorokin bedient seine Leser im Westen
Wenn Andrej Komjaga sich erhebt, mit schwerem Kopf und trägen Gliedern, steht sein Bursche Fedka bereit. Er reicht ihm einen Becher Kwass, ein Gläschen Wodka, einen halben Becher Sauerkrautbrühe, bereitet seinem Herrn das Bad, trocknet ihn ab. Eine Dienerin trägt das Frühstück auf, Quarkkeulchen, gedämpfte Rüben in Honig. Ein Barbier dreht ihm das Haarbüschel auf dem ansonsten kahlrasierten Schädel ein und sprüht ein wenig Goldpuder darüber. Schließlich wird Andrej Komjaga angekleidet: mit einer roten, nach russischer Art seitlich zu knöpfenden Stehkragenbluse, mit einer Jacke aus gold- und silberdurchwirktem Brokat mit Marderbesatz, mit Pumphosen aus Samt und roten Stiefeln, mit Kupfer beschlagen.
„Über die Brokatjacke zieht mir Fedka zu guter Letzt den wattierten Kaftan aus grobem schwarzen Tuch, dessen Schöße weit hinunterreichen.” Oh ja, Andrej Komjaga ist eine Russe, und er lebt in Russland – und was für ein Russland das ist: ein Russland wie Heidis Schweiz, wie Inga Lindströms …

Weiter lesen

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Wer Vladimir Sorokin einmal live erlebt hat, weiß, dass manche Stellen seiner Romane kaum übersetzbar sind. Der kollektive Drogentrip der sieben Opritschniks mit der Vision vom Überfall aufs gottlose Amerika z. B. ist in seiner Bestialität auf Deutsch schlecht wiederzugeben - dachte man beim Lesen des Buchs. Jetzt hat Stefan Kaminski im Hörbuch eine Form gefunden, die nicht wie im Original an den Singsang des Skas' angelehnt ist, einer mündlichen Überlieferungsform aus dem 16. Jahrhundert. Kaminski hat die Fallhöhe zwischen lieblich wirkender Darbietung und brutalem Inhalt gleich gar nicht angestrebt und seine eigene lyrische Form gefunden, die den Zuhörer erschauern lässt. Denn Kaminski liest nicht einfach nur ein Buch, er vertont es. Nur mit seiner Stimme entwickelt der Theaterschauspieler eine Dramaturgie, die den Zuhörer regelrecht hineinzieht in Sorokins satirischen Sciencefictionroman über ein grausam herrschendes christlich-diktatorisches Russland, wie es zuletzt im 16. Jahrhundert unter Zar Iwan dem Schrecklichen in den Geschichtsbüchern geschildert wurde - und wie Sorokin es heute wieder kommen sieht. (jw)

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Eine herbe Abrechnung mit dem neuen Roman von Vladimir Sorokin ist das! Da freut man sich (wie auch Thomas Steinfeld) auf den neuen Wurf des Autors von "Eis" - und dann dies: Ein Russland "wie Heidis Schweiz", gesehen mit westlichem Auge, wie Steinfeld kritisiert. Und ein Autor im Pakt mit der "Sensation der Gewalt"! Wäre Sorokin mit seinem Oligarchenpanorama des Jahres 2027 eine Satire geglückt, Steinfeld wäre glücklich gewesen. Doch was hier zur Überzeichnung aufgefahren werde - "Hoden mit eingebauter Beleuchtung" -, das reicht Steinfeld nicht. Ebenso die Nachrichten aus der nahen Zukunft, die das Buch präsentiert. Zu vorhersehbar, findet der Rezensent, und was ihm bleibt als Eindruck, ein bitterer Beigeschmack der Lektüre, ist dieses affirmative Interesse des Autors an der Gewalt eines autoritären Regimes.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Sorokins Roman ist eine düstere Prophezeiung.« Berliner Morgenpost

"Sorokin rechnet mit dem Russland Wladimir Putins ab."
Vladimir Sorokin, geb. 1955, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Er ist einer der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands und sieht sich regelmäßig heftigen Angriffen regimetreuer Gruppen ausgesetzt.
Mehr von