Nachdem sie jahrelang auf den Schotterpisten Skandinaviens, Kanadas
und Alaskas unterwegs gewesen waren, fragten sich Michael Wiedemann
und Dieter Lubenow: Geht es noch einsamer? Kommt man mit noch
weniger Zivilisation aus? Gibt es irgendwo noch mehr Steppe? Die
Antwort fanden sie in der Mongolei, und sie lautete: ja. In diesem
wilden Land, in dem sich seit Tausenden von Jahren nicht viel
geändert hat, reicht die endlose Weite von Horizont zu Horizont. Ab
und zu ein Nomadenzelt, ein vereinzelter Reiter, mehr nicht. Keine
Verkehrsampeln, keine Leitplanken, nur Pisten, Wege, Pfade und
freie Steppe.
Wiedemann und Lubenow kämpften sich durch die verschlammten Berge
und Täler der Zentralmongolei ebenso wie durch die heißen Geröll-
und Sandwüsten der Gobi. Dabei stießen sie an die Grenzen ihrer
Leistungsfähigkeit und oft darüber hinaus. Dann war es der warme
Ofen in einem mongolischen Ger, der ihre Moral nach einer Fahrt im
Regen wieder aufrichtete. Oder eine Wanne mit heißem Wasser nach
einem unfreiwilligen Bad bei einer Flussdurchquerung. Oder ein
romantisches Lagerfeuer, wenn die Abendsonne die Umgebung in ein
magisches Licht tauchte und die Quälerei durch versandete
Spurrillen vergessen ließ.
Wer das "Land ohne Zäune" auf eigene Faust bereist, lernt
es von seiner rauen Seite kennen. Ein Land, das keine Fehler
verzeiht. Ein Land, in dem das Wort "Erlebnis" seine
ursprüngliche Bedeutung zurückerhält.