Wie kaum ein anderer Intellektueller des 20. Jahrhunderts hat
Niklas Luhmann die Gemüter bewegt, hat begeistert, provoziert,
verblüfft, irritiert, kurz: Er war stets eine außergewöhnliche
Quelle intellektueller Ener gie und ist dies 10 Jahre nach seinem
Tod auch noch heute. Denn viele Fragen harren noch einer Antwort
und es scheint, als bewahrheite sich Luhmanns Empfehlung »in seiner
Rede im März 1987 anlässlich der Einweihung des ersten
geisteswissenschaftlichen Graduiertenkollegs in Deutschland: Als er
vor verdutzten Ministern, einer der Minister war der spätere
Schalke-Präsident Jürgen Möllemann, und einem noch verdutzteren
Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, aber begeisterten
Kollegiaten empfahl, nur ja nie Lösungen für ihre intellektuellen
Probleme zu finden, sondern Probleme zu identifizieren, zu hegen,
zu pflegen und zu hätscheln« (Gumbrecht).
Vier ebenfalls herausragende Intellektuelle haben sich in den
Freiburger Vorträgen dem Werk und der Person Niklas Luhmann
genähert. Peter Sloterdijk betrachtet Luhmanns Innozentismus unter
der Überschrift: »Der Advocat des Teufels«, Dirk Baecker betrachtet
»Niklas Luhmann und die Manager«, Peter Fuchs untersucht die
»Metapher des Systems« und Hans-Ulrich Gumbrecht zeigt Luhmann als
den Meister des gegenintuitiven Aphorismus und sein Verhältnis zu
Alteuropa.
Diese Vorlesungen sind in diesem Band versammelt, und liegen
teilweise zum ersten Mal (Gumbrecht, Fuchs) in schriftlicher Form
vor.
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Warum bloß ist Luhmann für uns so attraktiv? Diese Frage lässt sich laut Jens-Christian Rabe ganz gut mit diesem Band mit Luhmann-Aufsätzen von Norbert Bolz, Peter Fuchs, Peter Sloterdijk und anderen beantworten. Es geht um die Anwendbarkeit von Luhmanns Mitteln und Begriffen, die Rabe am besten in den Worten des Luhmann-Schülers Dirk Baecker beschrieben findet: Als Taktik, der Kritik (hier an Bürokratie und Management) recht zu geben, ohne den Kritikern recht geben zu müssen. Wenn das nicht ein Leckerbissen ist für uns kritische Zeitgenossen, meint Rabe.
Dirk Baecker wurde 1955 in Karlsruhe geboren. Nach seinem Studium der Soziologie in Köln und Paris promovierte und habilitierte er 1986-1992 im Fach Soziologie an der Universität Bielefeld. Er erhielt das Heisenberg Stipendium von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Nach Forschungsaufenthalten an der Stanford University in Palo Alto (Kalifornien), der Johns Hopkins University in Baltimore und der 'London School of Economics and Political Sciences' wurde Baecker 1996 an die Universität Witten/Herdecke berufen, wo er den Lehrstuhl für Soziologie inne hatte. Seit 2007 ist Dirk Baecker Professor für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University in Friedrichshafen.
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