Shakespeare: Die Biographie - Ackroyd, Peter

Peter Ackroyd 

Shakespeare: Die Biographie

Übersetzer: Müller, Michael; Lucian, Otto
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Produktbeschreibung zu Shakespeare: Die Biographie

Das Leben des größten Dramatikers aller Zeiten - von einem der renommiertesten britischen Autoren der Gegenwart

Wir wissen nicht sicher, wie er aussah, wie er lebte, was er fühlte. Über William Shakespeare (1564-1616) ist kaum etwas Persönliches überliefert. Aber sein Werk strahlt in zeitloser Genialität. Peter Ackroyd lässt sich weder von der Fülle der Shakespeare-Literatur noch von biographischen Ungewissheiten abschrecken. Andere Biographen haben analysiert, Ackroyd lebt sich voller Begeisterung in Shakepeares Welt hinein. Trotzdem vermeidet er jede Idealisierung, sondern bringt uns den begnadeten Dichter in all seinen Stärken und Schwächen nahe.

'Sie werden keine bessere Shakespeare-Biographie finden.' The Independent

'Peter Ackroyd sagt uns endlich, wer Shakespeare ist.' FAZ

'Peter Ackroyd trägt wie ein Detektiv zusammen, was man über Shakespeares Leben wissen kann.' Berliner Zeitung

Wir wissen nicht sicher, wie er aussah, wie er lebte, was er fühlte. Über William Shakespeare (1564-1616) ist kaum etwas Persönliches überliefert. Aber sein Werk strahlt in zeitloser Genialität. Peter Ackroyd lässt sich weder von der Fülle der Shakespeare-Literatur noch von biographischen Ungewissheiten abschrecken. Andere Biographen haben analysiert, Ackroyd lebt sich voller Begeisterung in Shakepeares Welt hinein. Trotzdem vermeidet er jede Idealisierung, sondern bringt uns den begnadeten Dichter in all seinen Stärken und Schwächen nahe.

Produktinformation


  • Verlag: Btb
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 656 S., 31 farb. Bildtaf.
  • Seitenzahl: 654
  • btb Bd.73849
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 136mm x 46mm
  • Gewicht: 680g
  • ISBN-13: 9783442738496
  • ISBN-10: 3442738490
  • Best.Nr.: 23810874
"Peter Ackroyd sagt uns endlich, wer Shakespeare ist." (FAZ)

"Peter Ackroyd trägt wie ein Detektiv zusammen, was man über Shakespeares Leben wissen kann."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.04.2007

Man weiß so wenig
Phantombild: Peter Ackroyd sagt uns endlich, wer Shakespeare war

Ein junger Mann, Sohn eines Handschuhmachers aus der Provinz, kommt nach London. Er verfügt über keine familiären Beziehungen, die ihm Einfluss sichern, er hat auch keine Universität besucht, aber in kurzer Zeit wird er zum bedeutendsten Dramatiker der Weltliteratur. Wie soll das möglich gewesen sein? Nun gehören auch Schiller, Joyce oder Grass nicht gerade zu den Menschen mit bevorzugter Abstammung, und ein mit allen Spielarten der Bildung prunkender Autor wie Thomas Mann ist schon vor dem Abitur an der Schule gescheitert. Nur im Fall Shakespeares wird seit je gemunkelt. Unwahrscheinlichkeit gehört zum Genie; aber wenn man nichts Genaues weiß, will man das Unwahrscheinliche nicht glauben.

Dürftig sind die Spuren, die sich von der realen Existenz Shakespeares erhalten haben; nicht einmal ein Brief ist darunter. Das biographische Interesse setzte erst einige Generationen nach seinem Tod ein. So brodelt seit je die Gerüchteküche. Bis heute wird von manchen die Theorie vertreten, Shakespeare sei nur der Strohmann für einen dichtenden Adligen und …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Elmar Schenkel ist rundweg begeistert über Peter Ackroyds Shakespeare-Biografie, "mit Bravour" habe er seine Aufgabe gelöst: Das Problem fasst der Rezensent schlagend mit der Bemerkung, dass es sehr viele Biografien und sehr wenige gesicherte Fakten zu Shakespeare gebe. Doch Ackroyds Herangehensweise hat ihn überzeugt: Der Brite einerseits lässt die Möglichkeit zu, dass es nicht den einen Dichter und Dramatiker gab, den wir heute unter Shakespeare subsumieren, hält aber an ihm fest. Und er entscheidet sich andererseits im Zweifelfall immer für die einfachste Lösung. Herausgekommen sei eine Person, die im stetigen Selbstwiderspruch zu sich stehe, ein großer Dichter, fantasievoller Schauspieler und knickriger Geschäftsmann, den der Kulturwissenschaftler Ackroyd dazu auch in ein sehr plastisches Gesellschaftspanorama zu setzen versteht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Peter Ackroyd wurde 1949 in London geboren. Er studierte Literaturwissenschaft in Yale und Cambridge und arbeitete viele Jahre für den »Spectator« und die »Times«. Ackroyd ist einer der namhaftesten britischen Gegenwartsautoren («Neue Zürcher Zeitung«). Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Biographien und erhielt den Somerset Maugham Award, den Guardian Fiction Prize und den Whitbread Award.

Leseprobe zu "Shakespeare: Die Biographie" von Peter Ackroyd

Stratford-upon-Avon

Das Titelblatt dieser Ausgabe der Bishop's Bible zeigt Königin Elisabeth I. auf dem Thron, umgeben von den weiblichen Allegorien der Gerechtigkeit, der Gnade im Sinne von Mäßigung, der Tapferkeit und der Klugheit. In seiner Schulzeit sollte Shakespeare sich mit der kraftvollen Sprache dieser Bibel vertraut machen, die erst kurz vor seiner Zeit ins Englische übersetzt worden war.

Es tanzte eben ein Stern, und unter dem bin ich zur Welt gekommen

(There was a starre daunst, and under that was I borne)

Viel Lärmen um nichts, II, 1

William Shakespeare wurde nach landläufiger Meinung am 23. April 1564 geboren, am Tag des heiligen Georg. Tatsächlich hätte es auch der 21. April gewesen sein können oder der 22. April, allerdings wäre es durchaus passend, wenn sein Geburtstag mit dem Nationalfeiertag zusammenfiele.

Als er mit Hilfe einer Hebamme aus dem Mutterleib in die vergängliche Welt hervortrat, wurde er wie jedes Neugeborene des 16. Jahrhunderts gewaschen und anschließend fest in weiche Tücher gewickelt. Danach trug man den Kleinen hinunter, um ihn dem Vater zu präsentieren. Im Anschluss an dieses Begrüßungsritual brachte man ihn in das immer noch warme und dunkle Geburtszimmer, wo man ihn neben seine Mutter legte. Sie sollte "alle Krankheiten vom Kind auf sich ziehen". Erst dann legte man ihn in eine Wiege. Normalerweise tupfte man einem neugeborenen Kind ein wenig Butter und Honig auf die Lippen. In Warwickshire war es üblich, dem Säugling Hasenhirn zu geben, das zu einer gallertartigen Masse eingekocht worden war.

Anders als Shakespeares Geburtstag kennen wir den Tag seiner Taufe ganz genau: Die Zeremonie fand in Stratford, in der Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit, am 26. April 1564 statt. Es war ein Mittwoch. Im Kirchenbuch vermerkte der Kirchenschreiber: Guilelmus filius Johannes Shakespere. Dabei ist ihm im Lateinischen ein Fehler unterlaufen. Eigentlich hätte er Johannis schreiben müssen.

Shakespeares Vater trug den Kleinen aus dem Geburtshaus in der Henley Street auf direktem Weg, über die High Street und die Church Street, zur Kirche. Mütter waren bei der Taufe nie anwesend. John Shakespeare und sein neugeborener Sohn trafen sicher in Begleitung der Paten ein. Einer von ihnen war William Smith, ein Kurzwarenhändler aus der Nachbarschaft in der Henley Street. Nachdem man den Namen des Kindes angegeben hatte, wurde es sanft ins Taufbecken getaucht und bekam das Kreuzzeichen auf die Stirn. Noch am Taufbecken ermahnte man die Paten, dafür Sorge zu tragen, dass William Shakespeare Predigten anhören und sowohl Glaubensbekenntnis als auch Vaterunser "in englischer Zunge" lernen werde. Nach der Taufe legte man dem Kind ein Stück weißes Leintuch auf den Kopf, das dort bis zur "Aussegnung" oder Reinigung der Mutter verblieb. Dieses "Tauftuch" verwendete man auch als Leichentuch, sollte das Neugeborene binnen eines Monats sterben. Zur Zeit Königin Elisabeths war es bei dieser Zeremonie des Reformierten Anglikanischen Bekenntnisses noch immer guter alter Brauch, dass die Paten dem Neugeborenen Apostellöffel oder ein Taufhemdchen schenkten und man zur Feier des Tages einen Taufkuchen verzehrte. So wohl auch im Fall des jungen William Shakespeare: Schließlich zelebrierte man damit nicht weniger als seine Rettung für das ewige Leben.

Sein irdisches Leben schien weit weniger Sicherheit zu bieten. Im 16 . Jahrhundert war die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen hoch. Neun Prozent starben binnen einer Woche nach der Geburt und weitere elf Prozent noch vor Ablauf des ersten Lebensmonats. Im selben Jahrzehnt, in dem Shakespeare auf die Welt kam, wurden in Stratford im Schnitt jährlich 62,8 Kinder getauft und 42,8 Kinder begraben.

Wer überleben wollte, musste zäh sein oder aus einer relativ wohlhabenden Familie stammen. Wahrscheinlich traf für Shakespeare beides zu.

Kaum waren die Gefahren der Kindheit überwunden, drohten neue Risiken. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines erwachsenen Mannes betrug damals siebenundvierzig Jahre. Da Shakespeares Eltern nach diesem Maßstab ein hohes Alter erreicht hatten, hoffte er vielleicht, dass ihm ähnliches Glück beschieden sein würde. Doch sollte er nur sechs Jahre länger leben als der Durchschnitt. Irgendetwas hatte ihn ausgelaugt. Dieses "etwas" war vermutlich London. In der Hauptstadt betrug die durchschnittliche Lebensspanne in den wohlhabenderen Kirchensprengeln nur fünfunddreißig Jahre und in den ärmeren Vierteln ganze fünfundzwanzig. Diese harte Auslese hatte eine natürliche Konsequenz: Die Hälfte der Bevölkerung war keine zwanzig Jahre alt. Es war eine jugendliche Kultur mit der ganzen Energie und dem Ehrgeiz eines Lebens, das noch am Anfang steht. London selbst blieb dadurch ewig jung.

Shakespeares Lebenskraft wurde schon drei Monate nach seiner Geburt zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Im Kirchenregister vom 11. Juli 1564 steht am Rand neben dem Eintrag für das Begräbnis eines jungen Weberlehrlings: Hic incipit pestis - heute ist die Pest ausgebrochen. Binnen sechs Monaten starben 237 Einwohner von Stratford, über ein Zehntel der Bevölkerung. In der Henley Street wurde eine vierköpfige Nachbarsfamilie ausgelöscht, die Shakespeares jedoch überlebten. Vielleicht suchte die Mutter mit ihrem jungen Sohn Zuflucht auf dem alten Sitz ihrer Familie im Nachbarweiler Wilmcote, bis die Gefahr vorüber war. Alle, die in der Stadt zurückblieben, fielen der Epidemie zum Opfer.

Anders als der kleine William durchlitten die Eltern Angst und Schrecken. Sie hatten bereits zwei Töchter im frühesten Kindesalter verloren und widmeten sich daher gewiss ihrem erstgeborenen Sohn besonders hingebungsvoll und fürsorglich. Kinder, die so viel Zuwendung erhalten, neigen dazu, im späteren Leben Menschen voller Selbstvertrauen zu werden, denen nichts etwas anhaben kann. Sie haben das Gefühl, gleichsam gesegnet und gegen die Härten der Welt gefeit zu sein. Vielleicht ist es bemerkenswert, dass sich Shakespeare nie mit der Pest infiziert hat, die oft genug in London wütete. Aber die Lebenslinien dieses vom Schicksal begünstigten Sohnes können wir auch im Charakter seiner heimatlichen Landschaft wiedererkennen.

Sie ist mein Lebenselement

(She is my essence)

Die beiden Veroneser, III, 1

Warwickshire wird oft als urzeitliche Landschaft beschrieben. Und tatsächlich gibt die Gegend mit ihren inzwischen abgeholzten Hügeln immer wieder Blicke auf verschwommene Umrisse längst vergangener Zeiten frei. Sie gilt als das Herz oder der Nabel Englands, mit dem klaren Hinweis darauf, dass auch Shakespeare selbst einen bedeutenden nationalen Wert verkörpert. Er bildet den Mittelpunkt dieses Zentrums, seinen wahren Kern, er ist die Quelle eigentlicher englischer Wesensart.Die Gegend um Stratford war zur Zeit Shakespeares in zwei Teile gegliedert. Im Norden lag der Forest of Arden, die Überreste eines urtümlichen Waldes, der die Midlands bedeckte. Dieses Gebiet war als "the Wealden" bekannt. "Weald" war das alte angelsächsische Wort für Wald. Beim Begriff Wald denkt man vielleicht an eine gleichmäßig mit Bäumen bestandene Fläche, doch für das 16. Jahrhundert galt das nicht. Der Wald von Arden umschloss Schaffarmen und Meiereien, Wiesen, Weideland und Brachflächen und dazwischen immer wieder kleine Forste. In dieser Gegend reihten sich die Häuser nicht regelmäßig entlang von Gassen oder Straßen auf, sondern lagen, wie es William Harrison, ein elisabethanischer Topograph, beschrieb, "verstreut in der Landschaft, ein jedes mitten auf seinem eigenen Stück Grund und Boden". Zu Shakespeares Jugendzeit schwanden die Wälder zusehends dahin, denn Holz war ein immer begehrteres und knapper werdendes Material zum Bau neuer Häuser. Für ein einziges Haus benötigte man sechzig bis achtzig Baumstämme. Obendrein rodete man den Wald für den Bergbau und die Landwirtschaft.

Leseprobe zu "Shakespeare: Die Biographie" von Peter Ackroyd

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