Leseprobe zu "Energievampire mit Liebe besiegen, m. Audio-CD"
Als ich Mitte der Achtzigerjahre meine Praxis für spirituelle Energie- und Lebensberatung eröffnete, ahnte ich nicht, wie viele Menschen sich bald schon hilfesuchend an mich wenden würden. Doch der Erfolg hatte für mich auch seinen Preis: Da ich es nicht über mich brachte, auch nur einen Menschen, der seine Hoffnungen in mich setzte, abzuweisen, war ich bald schon nahezu Tag und Nacht mit den spirituellen Krisen und energetischen Problemen meiner Klienten beschäftigt.
Meine neue Aufgabe begeisterte mich und mobilisierte ungeahnte Kräfte in mir, doch mit den Jahren drohte sie mich auch mehr und mehr zu überwältigen. Zwar achtete ich sorgsam darauf, zumindest einen Tag pro Woche nur mir selbst und meinen Liebsten zu widmen, und von Anfang an richtete ich meine eigene Energiearbeit auf die extremen Erfordernisse aus, die meine spirituelle Praxis an mich stellte. Dennoch spürte ich im Spätsommer des Jahres 1999 deutlich, dass die Zeit für eine längere meditative Pause gekommen war.
So zog ich mich für einige Monate in die Einsamkeit zurück, an einen See in den kanadischen Bergen, wo ich ganz allein in einem kleinen Holzhaus lebte. Ich meditierte viel und wanderte oft halbe Tage lang durch die von Menschenhand nahezu noch unberührten Wälder. Das hinter mir zurückgelassene Leben verblasste rasch, und bald schon gelangte ich zu einer mystischen Einheit mit der mich umgebenden Schöpfung. Die Fragen, die mich in dieser Zeit beschäftigten, waren im Grunde die gleichen wie die Konflikte, die ich zusammen mit meinen Klientinnen und Klienten bearbeitet hatte. Nur bedachte ich sie nun auf einer tieferen, fundamentaleren Ebene, mehr mit dem Blick auf das kosmische Ganze als auf einzelne Menschen und ihre alltäglichen Probleme.
Wie können wir sicherstellen, dass alle Menschen jederzeit über genügend Lebensenergie verfügen? Wie lässt sich das in unzähligen Variationen wiederkehrende, in seinem Grundmuster dennoch immer gleiche Problem des individuellen - chronischen oder akuten - Energiemangels auf sanfte und nachhaltige Weise lösen?
Wenn ich abends auf meiner Veranda am Rand des Ahornwaldes saß und zusah, wie die Sonne im See versank, schien es mir desto rätselhafter, dass die Mehrheit der Menschen in den "westlich" orientierten Ländern noch immer auf dem Irrweg des Materialismus und Rationalismus beharrt. Dass so viele Menschen mehr oder minder ihr ganzes Leben damit verbringen, um die vermeintlich knappe Ressource Lebensenergie zu kämpfen - ohne zu erkennen, dass die Schöpfung uns Energie in unermesslicher Fülle zur Verfügung stellt, ja sogar, ohne sich dieser Energiekämpfe auch nur schattenhaft bewusst zu werden.
Phänomenologie des Energievampirs In meinem Buch Achtung, Energie-Vampire! habe ich die Phänomenologie des Energievampirismus bereits ausführlich dargelegt. An dieser Stelle möchte ich daher nur einige grundlegende Einsichten zusammenfassend wiederholen.
Wie für viele andere, die ein spirituelles Bewusstsein entwickelt haben, ist es auch für mich sonnenklar, dass wir eine Vielzahl der zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Konflikte und Probleme in unserer heutigen Welt erst von einem energetischen Standpunkt aus angemessen verstehen können. Die weit überwiegende Mehrheit der Menschen in den "westlich" orientierten Ländern leidet an einem chronischen Mangel sowohl an Lebensenergie wie auch an Möglichkeiten, ihre eigene Energie zu kontrollieren. Auch dieses Defizit an Kontrolle lässt sich in zwei Aspekte unterteilen: in die Schwierigkeit der meisten Menschen, genügend Energie aus sich selbst heraus zu generieren, und in das ebenso grundlegende Problem, andere Menschen am vampiristischen Raub ihrer Lebensenergien zu hindern. Und solange all diese Konflikte und Probleme den Betroffenen nicht einmal ansatzweise bewusst sind, haben sie auch keine Chance, mit einer erfolgversprechenden Strategie dagegen vorzugehen.
Unter Energievampiren verstehe ich - allgemein gesprochen - solche Menschen, die sich als weniger vital als ihre Umgebung empfinden. Meist ist ihr Energiefluss in der Tat mehr oder minder blockiert, doch der Schluss, den sie aus diesem Defizit ziehen, würde ihnen in anderen Lebensbereichen erhebliche Schwierigkeiten eintragen: Anstatt ihre Energiespeicher aus eigenen Kräften wieder aufzufüllen, verlegen sie sich auf Diebstahl, Erpressung und Raub.
Jeder von uns kennt solche Zeitgenossen, die gewohnheitsmäßig von der Lebenskraft ihrer Mitmenschen zehren, wie der Vampir sich am Blut seiner Opfer gütlich tut. Da ist der "Liebesvampir", der in der Partnerschaft oder in der Familie die Personen seiner Umgebung unaufhörlich "anzapft". Mal will er von uns getröstet werden, dann wieder haben wir ihm vermeintlich Unrecht getan und müssen ihm Abbitte leisten, und so verfügt er oder sie über unzählige kleine oder größere Kniffe, um unsere Aufmerksamkeit, unsere Liebe und Zuwendung - und damit unsere Energieressourcen - auf sich zu lenken.
Ebenso kennen wir alle zahlreiche Beispiele für den Typus des "Machtvampirs" - Chefs und Führungsfiguren in sämtlichen Berufsund Lebensbereichen, die sich an ihrer Macht über andere regelrecht berauschen. Das "Charisma" solcher Leader-Gestalten und die "Droge Macht", von der in solchen Zusammenhängen oftmals die Rede ist, sind nichts anderes als die Gesamtheit der Energien, die sie ihren Bewunderern oder Fans, Untergebenen oder in anderer Weise von ihnen abhängigen Personen geraubt haben. Kein Wunder, dass beispielsweise Politiker, die ihre Ämter und Würden verlieren, in ein tiefes Tal der Depressionen stürzen. Letztlich sind sie "Energie-Junkies" auf Entzug.
Der unheimlichste Geselle im Trio der typischen Energieräuber ist wohl der "Angstvampir". Seine Lebensenergie ist in tief greifendem Ausmaß blockiert. Meist sind Individuen dieses Typus psychisch krank oder zumindest in erheblichem Maß seelisch gestört. Sie neigen zu Verschwörungsfantasien, Katastrophenvisionen und Sektierertum. Um Einfluss auf einen Menschen zu gewinnen, zerrütten sie dessen Beziehungen und untergraben sein Selbstvertrauen. Wer von ihnen umgarnt wird, hat nach kürzester Zeit den Eindruck, gefangen zu sein und rapide an Antriebskraft zu verlieren - ein zutreffender Verdacht, da der Angstvampir seine Zähne in die spirituelle Halsschlagader seines Opfers gebohrt hat.
Ein allgegenwärtiges Energiedrama Wäre das Problem des Energievampirismus auf wenige Zeitgenossen beschränkt, so würde es genügen, wenn man einige leicht zu beherzigende Sicherheitsmaßnahmen beachtet. Doch unglücklicherweise sind nahezu alle Menschen der "westlichen" Zivilisation in dieses Drama verstrickt. Denn wie gesagt: So gut wie niemand in der modernen Welt ist sich dieses Problems überhaupt bewusst oder vermag gar, aus eigener Kraft seine Energieproduktion zu kontrollieren und vor räuberischen Übergriffen zu beschützen.
Mit anderen Worten: Nahezu alle Menschen in unserer Umgebung sind potenzielle Energievampire, unterschieden nur durch die Häufigkeit und Raffinesse, mit der sie sich auf Raubzüge begeben. Die einen sind Gelegenheits-Vampire, die anderen Gewohnheitsräuber; die einen gehen amateurhaft vor und scheitern wie unbeholfene Ladendiebe, die dem Detektiv in die Arme stolpern, während andere mit der Eleganz einer Raubkatze ihren Mitmenschen die Lebenskraft entziehen. Gleich ist in allen Fällen geglückten Raubs nur das Befinden des Opfers, das kraftlos und ausgelaugt zurückbleibt.
Bereits in Achtung, Energie-Vampire! habe ich auf eine gewisse Mitschuld auch des Energieraub-Opfers hingewiesen: Energetische Verunreinigungen und Blockaden in unserem Innern rufen Lecks und Lücken in der Aura - unserem energetischen Schutzschild - hervor, durch welche die Lebenskraft-Vampire eindringen können. In meinem neuen Buch möchte ich nicht zuletzt auf diese Seite des Problems ausführlicher eingehen.
Eines Morgens bei Sonnenaufgang, während ich durch den kanadischen See schwamm, in dessen tiefblauer Fläche sich die Bäume am Ufer und die Wolken am Himmel spiegelnd vermischten, wurde mir schlagartig klar, dass aller Schutz vor Energievampirismus bei unseren eigenen inneren Energieräubern beginnen muss. Ja, mehr noch: dass wir uns auch vor Angriffen von außen sehr viel wirksamer schützen können, wenn wir die Energievampire in unserer (familiären oder beruflichen) Umgebung dazu bringen, sich einer inneren energetischen Reinigung zu unterziehen. Es war das Heureka meines neuen Energieschutz-Konzeptes, für das ich auch am gleichen Morgen, noch ehe ich wieder aus dem See gewatet war, einen passenden Namen fand: Positive Spirituelle Intervention.
In meinem neuen Buch möchte ich zeigen, dass unverarbeitete Traumata und andere autobiografische "Wrackteile" in unserem Unbewussten auch ihrerseits sozusagen wie Energiefresser wirken - Räuber, die in unserem tiefsten Innern lauern, ständig von unserer Energie zehren und sich nicht selten auf unheilvolle Weise mit äußeren Energievampiren verbünden. Durch bestimmte energetische Übungen und die Beherzigung einiger Regeln können wir uns von diesen inneren Energieräubern befreien und die in den "Wrackteilen" gespeicherten Energien für uns selbst wieder nutzbar machen.
Hierauf aufbauend möchte ich demonstrieren, wie Sie sich mit dem höheren Selbst, dem "inneren Engel", eines Angreifers verbünden und diesen von seinem Energiemangel und damit auch aus seinem Dasein als Energievampir "erlösen" können. Mittlerweile hat sich dieses Programm der Positiven Spirituellen Intervention in meiner Praxis bereits vielfach bewährt. Der Erfolg setzt jedoch voraus, dass wir noch sehr viel konsequenter als bisher an uns selbst arbeiten und durch weiteres spirituelles Wachstum Zugriff auf sogenannte paranormale Fähigkeiten wie Telepathie und spirituelle Suggestion erhalten.
Das kosmische Energieprinzip Das gesamte Universum schwingt im steten Wechsel von Kontraktion und Expansion, Zusammenziehung und Ausdehnung. Die Energie, die den Kosmos durchpulst, ist für das ungeübte Auge normalerweise unsichtbar, jedoch seit altersher in allen Kulturen bekannt - als Prana in Indien, als Chi in China, als Orgon in der von Wilhelm Reich begründeten lebensenergetischen Philosophie. Von der Amöbe bis zur Supernova gilt für alles und jeden im Universum das gleiche Gesetz der Pulsation. Jede lebendige Zelle ist von einer Membran umgeben.
Diese Membran grenzt den Einzeller von seiner Umgebung ab, und auch die menschliche Haut und das menschliche Ich-Bewusstsein haben, energetisch gesehen, die Funktion einer solchen Grenze.
Anders als alle anderen Lebewesen verfügt jedoch die menschliche Spezies zusätzlich über eine zweite Membran, die jeden Einzelnen von uns gleichsam nach innen abschließt, mit der Folge, dass wir die universelle Schwingung normalerweise nicht mehr oder nur noch mühsam und vermittelt wahrzunehmen vermögen. Durch diese innere Membran, die der geniale Lebensenergie-Forscher Wilhelm Reich "Panzerung" genannt hat, entsteht die für den Menschen so typische Illusion einer "materiellen Welt", einer grundlegenden Spaltung in Subjekt und Objekt, in Geist und Körper. Und es ist allein diese Illusion, auf der alle Macht und aller Glanz, Elend und Hochmut der "westlichen" Zivilisation basieren. Kriege und Umweltzerstörung ebenso wie die prachtvollen technischen Errungenschaften des industriellen und kybernetischen Zeitalters - dies alles entspringt einzig und allein der Wahnvorstellung einer "materiellen Welt", einer scheinbar leb- und sinnlosen Maschinerie, die der Mensch nach seinem Gutdünken umbauen, zerstören, durch hybride Neuschöpfungen verunstalten darf.
Denn was alle anderen Geschöpfe intuitiv spüren und auch den Menschen der älteren Kulturen stets bewusst war, das ist aus dem Gedächtnis und Erfahrungsspektrum des "modernen" Menschen vollständig getilgt: die unhinterfragbare Gewissheit einer All-Einigkeit, einer existenziellen Verbundenheit, eines energetischen Gleichklangs aller Geschöpfe, die gleichsam nur die Milliarden Häupter und Glieder eines einzigen universellen Lebewesens sind. "Dies alles bist du", wie es schon in den ältesten Weisheitslehren der Menschheit heißt - der See und der Himmel darüber, die Bäume am Ufer, die Berge in der Ferne, die sich im Gewässer ebenso spiegeln wie das Gesicht des Betrachters - "dies alles bist du".
Wie kann man sich erklären, dass die Menschheit von dieser unwillkürlichen Empfindung eines universellen Gleichklangs abgeschnitten worden ist? Offenbar handelt es sich um einen evolutionären Vorgang, um eine Veränderung in der Struktur der Schöpfung, deren Sinn und Zweck sich mit rationalen Mitteln nicht ergründen lässt. Die Paradiesmythen nahezu aller Kulturen erzählen von jener ursprünglichen Einheit der Menschen sowohl mit dem Göttlichen als auch mit der Natur, die durch den "Sündenfall", den Diebstahl vom "Baum der Erkenntnis", verloren gegangen sei. Und seither besteht die Aufgabe der Menschen darin, diese Vertreibung rückgängig zu machen, unsere Isolierung von der restlichen Schöpfung wieder aufzuheben und in die "paradiesische" All-Einheit zurückzukehren - eine tragische Bewährungsprobe, an der die Menschheit desto gründlicher zu scheitern droht, je verbissener sie auf dem Irrweg des Materialismus und Rationalismus voranzukommen versucht.
Aufs Große und Ganze gesehen erfüllt also jeder von uns eine kosmische Pflicht, indem er oder sie diesen Irrweg verlässt und sich auf den spirituellen Pfad begibt - den einzigen Weg, auf dem unsere Spezies den verlorenen Zugang zum universellen Energiepool, zur schwingenden Symphonie der Schöpfung wiedergewinnen kann. Und zugleich handeln wir hierbei zu unserem eigenen wohlverstandenen Besten, da wir auf diese - und nur auf diese - Weise unser individuelles Energiedefizit grundlegend beheben können.
Zugang zum kosmischen Energiepool In den meisten "westlichen" Menschen ist die Pulsation, die Schwingung kosmischer Energie, mehr oder minder gelähmt. Hierdurch wird auch der Energiefluss gestaut: Wir "platzen" vor blockierter Energie, oder aber unsere Energiespeicher entladen sich unkontrolliert und können keine neue Energie generieren. Beide Arten von Fehlfunktionen machen uns krank, schwach und angreifbar.
Dabei ist jeder Mensch imstande, sich an den unerschöpflichen kosmischen Energiepool anzuschließen, also seinen Energiemangel nachhaltig zu beheben - wenn er es nur wirklich aus tiefstem Herzen will und bereit ist, hierfür sein Leben in einigen Punkten zu ändern. Das betrifft etwa unsere Ernährung, die energetisch wertvoll sein sollte, und mehr noch die Kunst des vertieften Atmens, die dazu beitragen kann, unsere inneren Energieblockaden so eindrucksvoll wie nachhaltig aufzulösen. Aber bei alledem geht es nicht einfach um ein paar Kunstgriffe und Techniken, die man sich nebenher aneignen kann, um ansonsten der bisherigen Lebensbahn weiter zu folgen.
Wer sich aus der Zwangslage eines chronischen Defizits an Lebensenergie befreien will, in der heutzutage die Mehrheit der Menschen zumal in den "westlich" orientierten Ländern gefangen ist, der sollte sich zu einer grundlegenden Änderung seiner inneren Einstellung zu dieser Welt, seinen Mitmenschen und nicht zuletzt zu sich selbst durchringen. Aus diesem fundamentalen Perspektivwechsel gehen dann die notwendigen Änderungen in Einzelfragen - von der Ernährung über die Erziehung unserer Kinder bis hin zu unserem Verhalten gegenüber unserem Lebenspartner, unseren Kollegen und Vorgesetzten - so zwanglos wie unausweichlich hervor.
Wer sich entschließt, den ausgetretenen Weg der Materialität zu verlassen und stattdessen auf den Lichtpfad der Spiritualität einzubiegen, der wird gewiss nicht über Nacht die erhofften und verheißenen Veränderungen spüren. In unserer Konsumkultur muss jeder Wunsch immer sofort erfüllt, jedem Reiz auf der Stelle nachgegeben werden. Aber gerade diese rasche und unaufhörliche Abfolge von "Ladungen" und "Entladungen" ist sowohl ein Symptom als auch ein mächtiger Verstärker des grundlegenden Energiedefizits, an dem heute die absolute Mehrheit der Menschen im ehemals "abendländisch" genannten Kulturkreis leidet. Sich für den spirituellen Pfad zu entscheiden heißt vielmehr zu lernen, die benötigte Lebensenergie aus sich selbst heraus zu generieren und in unserem Innern zu speichern, anstatt sie unkontrolliert sogleich wieder an die Umgebung abzugeben.
Wer spirituell wächst, wird energetisch mehr und mehr autark. Denn alles, was wir an Lebensenergie benötigen, ist überall in der Schöpfung in reicher Fülle vorhanden. Wir müssen nur wieder lernen, uns für diese Energie zu öffnen, sie zu speichern und in unserem Innern zu generieren. Einmal wieder in Gang gesetzt, funktioniert unsere Energieversorgung so vollkommen und autonom wie ein Perpetuum mobile oder wie die alchimistische Umwandlung von Blei in Gold, von Sterblichkeit in ewige Jugend.
Es wieder zu lernen, habe ich geschrieben - denn als Kinder haben wir alle diese existenzielle Kunst mit schlafwandlerischer Sicherheit beherrscht. Sehr viele Kinder verfügen in den ersten Lebensjahren auch über intuitive Fähigkeiten wie Gedanken- und Gefühlsübertragung oder visionäre Prophetie, also die Vorausschau von Ereignissen in Form von traumartigen Bildsequenzen. Doch durch unsere Erziehung - besser gesagt, durch unsere Abrichtung für eine dem Materialismus und Rationalismus verfallene Welt - haben die meisten von uns diese "magischen" Talente spätestens mit Eintritt der Pubertät wieder vergessen und verlernt.
Der innere See Nichts, was wir jemals erfahren und an spirituellen Fähigkeiten besessen haben, kann uns wirklich genommen werden. Dies alles liegt noch immer in unserem Unbewussten wie in der Schatzhöhle, die der Drache bewacht, oder wie die Wrackteile und die verplombten Container gesunkener Schiffe am Grund eines tiefen, unterirdischen Sees. Dort unten im Grundschlamm unseres inneren Pools liegen und lauern allerdings auch allerlei "Ungeheuer" - abgespaltene und abgesunkene Teile unseres Selbst, die wir durch Erziehung und verschiedene traumatische Erfahrungen auf unserem Lebensweg verloren oder abgestoßen haben - und deren dauerhafte Abspaltung und Verdrängung aus unserem Bewusstsein ebenso unaufhörlich von unserer Lebensenergie zehrt.
So werden wir also letztlich von zwei unterschiedlichen Arten von Energievampiren bedroht: den inneren Energiesaugern, die im See unseres Unterbewussten hausen, und äußeren Energieschmarotzern, denjenigen Zeitgenossen, die ihr eigenes Energiedefizit auf Kosten ihrer Mitmenschen beheben. Und nicht selten gehen beide Arten von Vampiren unheilvolle Bündnisse miteinander ein.
Wir alle gleichen, energetisch betrachtet, einem Gewässer, das von einem Boot befahren wird - das Boot ist unser Bewusstsein, unser willentliches Ich, das Gewässer ist unser individueller Energiepool. Wenn unser persönlicher Fluss mit der universellen Energie gut verbunden ist und wir von unserer Umwelt ebenso viel Energie zurückbekommen, wie wir an sie verteilen, dann wird unser energetischer Fluss im Allgemeinen im Gleichgewicht sein: weder reißend noch stockend, weder von Überflutung noch von Austrocknung bedroht. Und entsprechend kommen wir mit unserem Boot gut voran.
Wenn wir aber ein Energiedefizit haben, müssen wir mit unserem Boot ständig waghalsige Manöver ausführen, damit wir nicht in Sandbänken stecken bleiben oder unser Schifflein an Steinen und anderen Hindernissen im Flussbett leckschlägt. Diese Hindernisse sind abgespaltene Selbstanteile, Verdrängungen, Traumata, Energieblockaden verschiedenster Art, die sich im Lauf des Lebens abgelagert haben. Wir müssen also Sorge dafür tragen, dass der Energiestand immer hoch genug ist, damit wir nicht in Seenot geraten - was umgekehrt bedeutet, dass wir die "Wracks" am Grund unseres Gewässers möglichst heben, auflösen, unserem Selbst wieder integrieren sollten, denn in jedem dieser Trümmer sind verlorene Energien gespeichert.
Chronische Kontraktion, ein energetisches Grundübel Energiedefizite entstehen fast immer durch ein Überwiegen der Kontraktion gegenüber der Extraktion: Wir verkrampfen, befinden uns in permanenter Abwehrhaltung, sind unter Stress, in einer immerwährenden Kampfsituation. Alles, was unsere Seele und unseren Körper auf natürliche Weise (also nicht durch Alkohol oder andere Drogen) entspannt, trägt hier folglich zur Wiederherstellung des energetischen Gleichgewichts bei - und dieses Gleichgewicht selbst ist das beste Energiekraftwerk, das man sich nur vorstellen kann, vergleichbar dem Pendel, das aus sich selbst heraus hin und her schwingt.
Hierzu ein einfaches Beispiel: Jeder kennt das Phänomen, dass die einen bei einer "Grippewelle" von heftigem Schnupfen, Husten und Fieber heimgesucht werden, während andere völlig unbehelligt bleiben. Der eine muss nur einen kalten Luftzug abbekommen und ist schon erkältet, der andere läuft im T-Shirt bei Frosttemperaturen herum und bleibt gesund. Woran liegt das?
Auch die Antwort kennt eigentlich jeder: Wenn wir uns down fühlen, besorgt oder traurig sind, erwischt uns das Virus todsicher. Sind wir dagegen optimistisch, verliebt, draufgängerisch etc., so kann uns kein grippaler Erreger und kein garstiger Vorgesetzter etwas anhaben. Man könnte geradezu sagen: Die tränenden Augen eines an der Grippe Erkrankten sind der körperliche Ausdruck seiner Besorgtheit oder Traurigkeit, die ihn für die Erkrankung anfällig gemacht hat. In vielen Fällen handelt es sich hier also um eine Verschiebung der energieblockierenden Verkrampfung von der seelischen in die körperliche Dimension. Woraus umgekehrt natürlich folgt: Von der Erkältung gesunden Sie am leichtesten, indem sie die Ursachen Ihres Kummers beheben.
Bedenklicher als eine solche vorübergehende Verkrampfung sind die leider keineswegs seltenen Fälle chronischer Kontraktion. Die Wurzel dieses energetischen Übels ist sehr häufig in der Kindheit der Betreffenden, also in unangemessener, gefühlsfeindlicher Erziehung zu finden. Gerade Jungen werden in den Vereinigten Staaten - und wohl auch in vielen europäischen Ländern - noch immer nach dem "soldatischen" Grundsatz erzogen, dass sich ein wahrer Mann weder Angst noch Zorn anmerken lassen darf. Diese Überbetonung einer möglichst vollkommenen äußeren Selbstkontrolle wird jedoch mit einer chronischen energetischen Fehlfunktion erkauft. Der zum "Soldaten" gedrillte Junge und später der erwachsene Mann hat zwar gelernt, sich "nichts anmerken zu lassen", also weder durch Gesten noch durch Mienenspiel oder gar durch Tränenausbrüche seine jeweilige "verbotene" Gefühlslage zu verraten. Damit wird aber nur der Ausdruck dieser Emotionen blockiert, die zugrunde liegenden Energien können nicht abgeführt werden, sondern bleiben im Innern gestaut: Unser bedauernswerter "Soldat" befindet sich in einem Zustand permanenter Angst oder Wut.
Dieses durch Erziehungsdrill verhängte Ausdrucksverbot aber wirkt in zweifacher Hinsicht wie ein "innerer Energievampir". Zum einen muss der Ausdruck der "verbotenen" Gefühle unaufhörlich unterdrückt werden - was ebenso Energie kostet, wie wenn man sich ständig mit einer Schulter gegen eine Tür stemmen muss, die ein permanenter Luftzug aufzudrücken droht.
Zum anderen aber - und das ist auf längere Sicht weit ärger - wird durch diese Dauerverkrampfung unser inneres Kraftwerk, das eben auf dem Prinzip der Schwingung beruht, mehr und mehr lahm gelegt: Das Energiedefizit wird schließlich chronisch, immer häufiger kippt das Gefühl gestauter innerer Erregung bei unserem "Soldaten" in Empfindungen wie Kraft- und Antriebslosigkeit um. Hinzu kommt, dass er es immer krampfhafter vermeidet, überhaupt irgendwelchen Gefühlen Ausdruck zu verleihen - gepeinigt von der Sorge, dass sich zusammen mit "erlaubten" Emotionen wie Lust oder Zuneigung auch die "verbotenen" Gefühle Bahn brechen könnten. So wird er sich zu allem Überfluss auch noch isoliert, von seinem inneren Selbst wie von seiner Umgebung abgeschnitten fühlen - was die energetische Abwärtsbewegung nur noch weiter verstärkt.
Die Annahme, dass sich gestaute Energien in jeder sich bietenden Bresche Bahn brechen können, ist im Übrigen nur allzu berechtigt. Wenn wir Wassermassen stauen, dann wird sich die Flut auch durch jede erdenkliche Öffnung ergießen - sei es nun ein sich öffnendes Schleusentor oder ein Leck im Damm. Dass dieses universelle Prinzip auch für unseren inneren Energiefluss gilt, zeigt ein so drastischer wie tragischer Fall, von dem ich vor einigen Jahren erfuhr.
Ben war ein junger Soldat, der bei einem Kampfeinsatz im Irak einen bewaffneten Gegner erschossen hatte. Obwohl er in Notwehr gehandelt und gegen keinerlei kriegsrechtliche Bestimmungen verstoßen hatte (im Gegenteil, er bekam sogar eine Tapferkeitsauszeichnung), konnte er sich diese Tötung eines Mitgeschöpfs niemals verzeihen. Er schied so bald wie möglich aus der Armee wieder aus, und während er in früheren Jahren offen und kontaktfreudig gewesen war, entwickelte er sich nun zu einem verschlossenen und wortkargen Einzelgänger. Jo-Ann, eine junge Frau, die beharrlich seine Nähe suchte, gewann schließlich sein Vertrauen, obwohl er sich geradezu verzweifelt dagegen wehrte. Eines Tages gestand er ihr, weshalb er sich von allem zurückgezogen hatte und wie ein Einsiedler lebte: Er traue sich selbst nicht mehr über den Weg. Der Zwischenfall im Irak habe ihm die Augen über seinen "wahren Charakter" geöffnet, wie er ihr erklärte. Seit damals verdächtigte sich Ben, insgeheim "mordlüstern" zu sein. Er war fest davon überzeugt, dass die "Bestie in seinem Innern" bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit neuerlich "zuschlagen" würde.
Jo-Ann erzählte mir von diesem unglücklichen jungen Mann. Wir vereinbarten, dass ich versuchen würde, ihn von seiner traumatischen Verkrampfung zu befreien, wenn es ihr gelänge, ihn von der Notwendigkeit dieses Schrittes zu überzeugen. Denn die Initiative muss immer vom Klienten ausgehen - ohne den Willen zu Selbstheilung und Selbstbefreiung kann kein positiver Prozess in Gang kommen.
Doch dazu kam es leider nicht mehr. Ben und Jo-Ann hatten sich heftig ineinander verliebt. Sie verbrachten eine romantische Nacht miteinander, und am Morgen, als der junge Mann erwachte, lag neben ihm seine Geliebte - von seinen eigenen Händen erwürgt. So lange hatte er das traumatische Angstbild genährt, dass die "mörderische Bestie" in seinem Innern all seine Energien in sich hineingeschlungen hatte und schließlich übermächtig geworden war - einer der tragischsten Fälle von "inneren Energievampiren", von denen ich jemals erfahren habe.
Das Grundmuster solcher unkontrollierten Entladung kennt jedoch jeder Therapeut, der mit Bioenergetik oder autogenem Training arbeitet: Personen, die unter Energieblockaden aufgrund chronischer Verkrampfung leiden, reagieren auf Entspannungsübungen zunächst mit krasser motorischer Unruhe oder Gefühlsausbrüchen. Diese Entladungen hören allerdings schlagartig auf, wenn die Kontraktion beseitigt ist und das energetische Pendel wieder frei hin und her schwingen kann.
Versorgungsmangel führt zu Energievampirismus Noch immer gleicht die Kindererziehung in unserer Kultur, von einem energetischen Standpunkt aus betrachtet, nur allzu sehr der Abrichtung zu kleinen Soldaten und Soldatinnen. Das gilt nicht nur für die Unterdrückung geschlechtsspezifisch unerwünschter Gefühle - Jungen dürfen keine Angst zeigen, Mädchen kein allzu forsches Draufgängertum und so fort. Nein, das Dilemma reicht sehr viel tiefer: Die Erziehung unserer Kinder basiert geradezu auf dem Grundsatz, ihnen - uns allen - die Befriedigung elementarster Bedürfnisse zu versagen. Wir alle benötigen eine permanente Zufuhr an Nahrung, Schutz und Wärme im wörtlichen wie im übertragenen Sinn: physische Ernährung, ein Dach über dem Kopf und eine Umgebung, deren klimatische Bedingungen unseren körperlichen Bedürfnissen entsprechen; aber ebenso überlebenswichtig: Geborgenheit, emotionale Nähe, zärtliche und fürsorgliche Berührung durch unsere Nächsten, die uns stützen, halten und beschützen.
Als kleine Kinder erfahren wir, wie unsere Eltern mit diesen Bedürfnissen des abhängigen Kindes umgehen, und wir alle werden zutiefst durch diese Erfahrung geformt. Die Prägung betrifft unsere Psyche ebenso wie unseren Körper, also unser gesamtes energetisches System. Und in einer Kultur, in der nahezu alle Kinder mit der Erfahrung eines permanenten energetischen Versorgungsmangels aufwachsen, reproduzieren sie zwangsläufig auch als Erwachsene das gleiche Muster des Mangels und der Versagung. Auch diese Reproduktion wirkt sich wiederum auf zwei Ebenen aus: gegenüber eigenen und fremden Kindern, aber auch gegenüber dem "inneren Kind" in uns selbst oder in unserem Partner, jenem Selbstanteil also, in dem sich die kindliche Gefühls- und Bedürfnisebene des Erwachsenen manifestiert.
Auch hierzu ein einfaches Beispiel: Die meisten Menschen, die in ihrer Kindheit eine kaltherzige, berührungsarme Erziehung erfahren haben, wenden das gleiche Erziehungs- und Versagungsmuster ("Stell dich nicht so an - das hat mir auch nichts geschadet!") auf ihre eigenen Kinder an. Aber selbst für jene jungen Eltern, die entschlossen sind, es "besser zu machen", und sich aufrichtig bemühen, ihre eigenen Kinder in einer Atmosphäre zärtlicher Fürsorglichkeit aufwachsen zu lassen, gilt das eherne Gesetz, dass niemand "aus seiner Haut" kann - es sei denn, er hat das energetische Muster aufgelöst, das durch die kindheitliche Erfahrung in seine Psyche und seinen Körper eingeprägt worden ist wie eine alle Schichten durchdringende Tätowierung.
Das gilt vor allem anderen für die Erfahrung einer energetischen Mangelversorgung, also eines frühkindlich erlittenen Zuwenig an Berührung, Gehaltenwerden, emotionalem Geborgen- und Angenommensein. Diese Erfahrung bewirkt in unserem Innern einen chronischen Schmerz, der zu einem wesentlichen Baustein des Charakters wird - und den zu unterdrücken uns einen lebenslänglichen Energieaufwand abfordert.
Man könnte nun meinen, im Zeitalter der "sexuellen Befreiung" gehörten solche Mangelerfahrungen einer prüderen Vergangenheit an. Gegen diese euphemistische Annahme spricht jedoch zum einen, dass die "sexuelle Revolution" sehr viel mehr in den Medien als in der gesellschaftlichen Realität stattgefunden hat. Zumal in den Vereinigten Staaten hat sich die puritanische Tradition als sehr viel zählebiger erwiesen, als die fröhliche Avantgarde unverkrampfter Sinnenfreude dies jemals erwartet hat - eben weil es sich um energetische Grundmuster handelt, die durch Proklamationen, Medien-Events oder auch durch noch so kluge Analysen nicht zu beeinflussen sind.
Aber es gibt auch noch einen zweiten Grund dafür, dass die "sexuelle Befreiung" am grundlegenden energetischen Versorgungsmangel wenig zu ändern vermochte: Das innere Kind in uns sehnt sich noch immer nach der Liebe, Berührung und Geborgenheit, die ihm stets versagt geblieben sind. Doch zugleich hat uns die Erfahrung dieser permanenten Entbehrung, dieser nie gestillten Bedürfnisse zu energetischen Charakteren geformt, die tragischerweise zutiefst unfähig sind, die so sehr ersehnte Versorgung anzunehmen und zu erwidern. Schon die bloße Ahnung der Möglichkeit, die nährende, selbstlose Liebe zu erfahren, die ihnen als Kindern verwehrt worden ist, löst in vielen Erwachsenen jenen Schmerz aus, den die Mangelerfahrung ihnen in frühester Zeit eingeprägt hat. Hierauf reagieren sie mit verstärkter Unterdrückung des Schmerzbewusstseins - und im libertinären Zeitalter vielfach mit einer Flucht in sexuelle Ersatzbefriedigung. Energetisch gesehen ist Sex ohne emotionale Nähe also nichts als ein Surrogat für jene wirkliche Liebe, die vom mangelgeprägten Charakter nur noch als Wiedererwachen eines traumatischen Urschmerzes erfahren werden kann.
Der Mechanismus chronischer Unterdrückung eines grundlegenden Mangelgefühls bleibt uns in aller Regel unbewusst. Nur das kurzzeitige Aufflammen jenes Schmerzes lässt ihn hin und wieder ins Bewusstsein treten. Dieses energetische Muster hilft uns zu verstehen, warum die weit überwiegende Mehrheit der Menschen in unserer Umgebung gelegentlich, häufig oder gewohnheitsmäßig zum Energievampirismus neigt: Sie selbst beherbergen in ihrem Innern einen gefräßigen Energieräuber, der einen beträchtlichen Teil ihrer Lebensenergien aufzehrt. Um die Existenz des inneren Energiefressers (jenes Schmerzes) vor sich selbst zu verleugnen, flüchten viele Menschen in unechte Beziehungen, in denen wirkliche emotionale Nähe (die meistens keiner der beiden Partner ertragen könnte) durch scheinbar "unverkrampften" Sex ersetzt wird - sowie durch gegenseitige energievampiristische Erpressung, wann immer sich die Gelegenheit für einen kleinen Raubzug bietet.