Wir Ertrunkenen - Jensen, Carsten

Carsten Jensen 

Wir Ertrunkenen

Roman

Aus d. Dän. v. Ulrich Sonnenberg
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Produktbeschreibung zu Wir Ertrunkenen

Carsten Jensen erzählt in "Wir Ertrunkenen" von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist: von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und Söhne raubt, den Kampf ansagen.

"Wir Ertrunkenen" ist ein pralles, buntes Buch voller phantastischer, komischer und nachdenklicher Geschichten.

Alles beginnt im Jahr 1848, als der Seemann Laurids Madsen aus Marstal in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt. Der Tod hat ihn noch nicht gewollt. Später wird er sagen, seine Stiefel seien zu schwer für ein Leben da oben gewesen. Seither ist Laurids eigenartig, und irgendwann verschwindet er auf den Weltmeeren. Seine Stiefel bleiben zurück, bis sein Sohn Albert sie anzieht. Er macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Mit dem Schrumpfkopf von James Cook und dem Geheimnis der Geldvermehrung kehrt er als Reeder zurück in seine Heimatstadt. Er weiß, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt. Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen nimmt den Kampf auf.

"Was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! Man wird es vor seinem Ende nicht aus der Hand legen wollen. (...) Dass Carsten Jensen sich in Seefahrtsdingen so kundig gemacht hat, verdient Respekt, dass er sich aber in dem, was Mernschen, Frauen wie Männer, antreibt, noch viel besser auskennt und dass er davon auf so hinreißende Weise erzählen kann, das verdient Bewunderung Die Zeit, Literaturmagazin "Nach 784 Seiten ist man auch als eingefleischte Landratte traurig, wenn man von den weitgereisten Fischköpfen aus Marstal Abschied nehmen muss.' -- Neue Zürcher Zeitung

'Dieser Roman hat Geschichte geschrieben - eine unglaubliche Erfolgsgeschichte!' -- ARD, Titel, Thesen, Temperamente

Produktinformation


  • Verlag: Knaus
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 781 S. m. Übers.-Ktn.
  • Seitenzahl: 784
  • Deutsch
  • Abmessung: 236mm x 164mm x 50mm
  • Gewicht: 1065g
  • ISBN-13: 9783813503012
  • ISBN-10: 3813503011
  • Best.Nr.: 23805091
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2008

Ein Schrumpfkopf liegt im Nirgendwo
Erzählen mit beschränkter Haftung: „Wir Ertrunkenen”, das Insel-Epos des dänischen Kapitänssohns Carsten Jensen, flottiert frei zwischen Historie und Legende, Seemannsgarn und privaten Erinnerungen Von Ulrich Baron
Mein Vater ist ertrunken”, sagt der sechsjährige Knud Erik, und er sagt es in einem Ton, „als liefere diese Todesart einen Anlass, besonders stolz auf seinen Vater zu sein.” In Marstal auf der dänischen Ostseeinsel Ærø scheint jeder Sohn ein Telemachos zu sein, während die Väter den Männern des Odysseus gleichen, die nie zurückkehrten. Selbst Laurids Madsen, den Himmel und Meer verschmäht haben, ist eines Tages in der Fremde verschwunden, doch anders als die Ertrunkenen hat er dort einfach weitergelebt.
Mit Laurids Madsens Himmelfahrt lässt der 1952 in Marstal geborene Carsten Jensen sein Jahrhundertepos über die abwesenden Väter seiner Insel beginnen – mit einem enormen Knalleffekt, mit dem im Jahre 1849 das dänische Linienschiff Christian VIII. vor den deutschen Stellungen in der Eckernförder Bucht explodiert. Mit einem kleinen Krieg beginnt dieses Buch, einem Krieg zwischen Dänen und …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Reines Seemannsgarn ist das, mit allerlei farbigen Motiven von Schrumpfköpfen bis zu Hauptfiguren, die nach Explosionen wieder auf den Füßen landen und behaupten "Petrus' Arsch" gesehen zu haben. Aber Rezensentin Judith Leister schwingt mit. Sie lernt eine Menge über die Stadt Marstal, die mal der zweitwichtigste Hafen Dänemarks war, und durchlebt mit fühlbarer Begeisterung den hundert Jahre umfassenden Bilderbogen des Schmökers, vom deutsch-dänischen Krieg im Jahr 1848 bis zum Zweiten Weltkrieg. In Dänemark war das Buch ein Besteseller, erzählt Leister. Der Autor gilt als Ironiker, entpuppt sich hier nach Leister aber mehr als sympathischer, wenn auch nicht immer stilsicherer Epiker.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.10.2008

Der Inbegriff des Schmökers

Wie löst man das Problem der Allwissenheit? Ganz einfach: indem man den Ich-Erzähler einfach tot sein lässt. Der Däne Carsten Jensen hat einen kalkulierten Roman draus gemacht.

Von Peter Urban-Halle

Wir Ertrunkenen" (ohne das n am Ende klänge der Titel schöner) ist ein sehr dickes Buch, in dem viel geschieht und ein Haufen Figuren vorkommt, es ist der Roman einer Stadt, Marstal auf dem dänischen Inselchen Ærø, und eines ganzen Jahrhunderts, vom ersten deutsch-dänischen Krieg 1848 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Unübersichtlich wird es deshalb nicht, weil der Roman im Grunde nur von vier Personen erzählt, einer Art Patchworkfamilie, vaterlos sind sie hier irgendwie alle. Am Anfang steht Laurids Madsen, mit ihm fangen auch die atemberaubenden Ereignisse an, die hier lückenlos aneinandergereiht werden, Laurids überlebt wunderbarerweise eine Explosion, verlässt jäh seine Familie und gründet in der Südsee eine neue; Albert, sein Sohn, sucht und findet ihn, kehrt enttäuscht zurück und wird ein reicher Reeder; die junge Klara Friis, eine Seemannswitwe, Alberts designierte Ehefrau und Erbin; und …

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"Was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! Man wird es vor seinem Ende nicht aus der Hand legen wollen. (...) Dass Carsten Jensen sich in Seefahrtsdingen so kundig gemacht hat, verdient Respekt, dass er sich aber in dem, was Mernschen, Frauen wie Männer, antreibt, noch viel besser auskennt und dass er davon auf so hinreißende Weise erzählen kann, das verdient Bewunderung." (Die Zeit, Literaturmagazin)

"Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst!" (Hakan Nesser)

"Dieser Roman hat Geschichte geschrieben - eine unglaubliche Erfolgsgeschichte!"

Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst! (Hakan Nesser)
Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf. Er studierte in Kopenhagen Literaturwissenschaft und arbeitete als Journalist und Kritiker. Sein literarisches Arbeiten begann er Mitte der neunziger Jahre.

Leseprobe zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

DIE STIEFEL
Laurids Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen.
Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs. Er hatte am Tor zum Paradies gestanden und den heiligen Petrus gesehen, doch es war nur der Arsch, den der Hüter der Pforte zum Jenseits ihm gezeigt hatte.
Laurids Madsen hätte tot sein sollen. Aber der Tod hatte ihn nicht gewollt, und so wurde er ein anderer.
Bevor Laurids Madsen wegen seines Besuchs im Himmel berühmt wurde, hatte man ihm vorgehalten, eigenhändig einen Krieg angezettelt zu haben. Mit sechs hatte Laurids seinen Vater, Rasmus, ans Meer verloren, und mit vierzehn war er mit der Anna aus Marstal in See gestochen. Drei Monate später war die Anna in der Ostsee untergegangen. Die Besatzung wurde von einer amerikanischen Brigg gerettet, seither hatte Laurids Madsen von Amerika geträumt.
Mit achtzehn hatte er in Flensburg sein Steuermannspatent bestanden und noch im selben Jahr bei Mandal vor der Küste Norwegens ein zweites Mal Schiffbruch erlitten; dort hatte er in einer kalten Oktobernacht auf einer Schäre gestanden, die von den Wellen überspült wurde, und Ausschau nach Rettung gehalten. Fünf Jahre war er über die Weltmeere gesegelt. Er hatte Kap Hoorn umrundet und in der pechschwarzen Nacht den Schrei des Pinguins gehört. Er hatte Valparaiso gesehen, die Westküste von Amerika und Sydney, wo die Bäume im Winter statt der Blätter die Borke verlieren und die Kängurus umherhüpfen. Er hatte ein Mädchen mit Augen wie Weintrauben getroffen, das auf den Namen
Sally Brown hörte, und wusste von der Foretop Street, La Boca, Barbary Coast und der Tiger Bay zu berichten. Er hatte den Äquator überquert, Neptun gegrüßt und den Stoß gespürt, als das Schiff die Linie kreuzte. Er hatte aus diesem Anlass Salzwasser, Fischöl und Essig getrunken. Er war mit Teer, Lampenruß und Leim getauft und mit einem rostigen Messer mit schartiger Klinge rasiert worden, seine Schnitte hatte man mit Salz und Kalk versorgt. Er hatte die ockerfarbene Wange der pockennarbigen Amphitrite geküsst und die Nase in ihr Riechläschchen voller abgeschnittener Nägel gesteckt. Laurids Madsen war weit herumgekommen.
Wie so viele. Doch als Einziger war er mit der fixen Idee heimgekehrt, dass in Marstal alles zu klein und zu eng war, und um das zu beweisen, redete er ständig in einer Sprache, die er "amerikanisch" nannte. Ein Jahr war er auf der Kriegsfregatte Neversink gefahren und hatte dabei das fremde Idiom gelernt.
"Gevin nem belong mi Laurids Madsen", sagte er.
Er hatte drei Söhne und eine Tochter mit Karoline Grube aus der Nygade. Rasmus, genannt nach Laurids' Vater, Esben und Albert. Das Mädchen hieß Else und war die Älteste. Rasmus, Esben und Else schlugen nach der Mutter; wie sie waren sie nicht sonderlich groß gewachsen und sagten nicht viel. Albert glich seinem Vater. Bereits als Vierjähriger war er ebenso groß wie der drei Jahre ältere Esben. Ständig kullerte er eine englische Kanonenkugel aus Gusseisen umher und versuchte wieder und wieder, sie hochzuheben. Er ging in die Knie und bekam einen verbissenen und stieren Blick, doch noch war sie zu schwer für ihn.
"Heave away, my jolly boys! Heave away my bullies!", spornte Laurids ihn an, wenn er die Versuche seines Jüngsten sah.
Die Kugel war 1807 während der englischen Belagerung von Marstal durch das Dach des Hauses in der Korsgade geschlagen. Großmutter hatte sich dermaßen erschrocken, dass sie Laurids mitten auf dem Küchenfußboden zur Welt gebracht hatte. Wenn Albert nicht gerade damit unterwegs war, hatte die Kanonenkugel ihren festen Platz in der Küche: Karoline benutzte sie dort als Stößel, um im Mörser Senf zu mahlen.
"Tja, genauso gut hättest du deine Ankunft auf diese Weise ankündigen können", hatte Rasmus einmal zu Laurids gesagt, "so groß, wie du warst, als du zur Welt kamst. Wenn der Storch dich verloren hätte, ...

Leseprobe zu "Wir Ertrunkenen" von Carsten Jensen

DAS ENDE DER WELT (S. 544-545)

Es war das Ende der Welt. Er befand sich auf einem anderen Planeten oder in einer unbekannten Zukunft. Wo immer es auch war, es war ein Ort, der seinem Untergang entgegenging. Knud Erik glaubte, dass er sterben würde, er schloss die Augen. Dann begriff er. Er befand sich mitten in einem Traum.

Aber es war nicht sein eigener. Er befand sich im Traum eines anderen Mannes. Er war sieben Jahre alt und saß auf der Ruderbank in Albert Madsens Boot, während sie aus der Hafeneinfahrt von Marstal ruderten. Wieder hatte er den alten Mann von einem grau bemalten Phantomschiff erzählen hören, von großen runden Gebäuden, die unter einem Nachthimmel brannten, der von einem blendenden, phosphorweißen Schimmer erleuchtet wurde, während die Luft unter dem Druck explodierender Bomben und zusammenstürzender Häuser bebte. Dort befand er sich. Im Traum des alten Mannes.

Er öffnete die Augen und sah, was Albert Madsen zwanzig Jahre zuvor gesehen hatte. Zum ersten Mal verstand er, dass Albert Warnträume gehabt hatte und die Geschichten, die sich für das Kind wie Märchen anhörten, für den alten Mann Schreckensvisionen gewesen waren. «Die beste Geschichte, die du je erzählt hast», hatte der Junge gesagt. Jetzt war er mittendrin. Er hatte nie den Schluss gehört. Nun wurde die Geschichte gerade zu Ende erzählt, und der Schlusspunkt wäre sein eigener Tod. Er sah einen Stuka in steilem Sturzflug auf das Schiff zukommen und die Bombe abwerfen.

Die Zeit blieb stehen, während er die fallende Bombe mit den Augen verfolgte. Ihm schoss durch den Kopf, dass sie den grau bemalten Schornstein durchschlagen würde, bevor sie mit ihrem alles zerstörenden Effekt im Maschinenraum detonierte. Die Muskeln seines Körpers spannten sich. Er machte sich bereit für die Umarmung des Todes. Jetzt! Mit einem Klatschen verschwand die Bombe im Fluss, wenige Meter vom Bordrand entfernt. Er hatte die Richtung falsch eingeschätzt. Seine Muskeln waren noch immer angespannt. Knud Erik wartete auf die Wassersäule und das plötzliche Krängen des Schiffes, wenn die Stahlplatten unter der Druckwelle barsten und das Wasser hereinzubrechen begann. Aber nichts geschah.

Ein Blindgänger. Er wartete auf die nächste Bombe. Der Lärm war ohrenbetäubend. Zwei Öltanks an der Nordseite der Themse standen in Brand. Aus dem Flammenmeer kam ein frustriertes Brüllen wie von einem Fenriswolf, der an seiner Kette heult, um auf die ganze Welt loszugehen. Der schwarze Rauch war eine Faust, die sich gegen die fernen Sterne reckte, die nacheinander erloschen, bis die Nacht mit den vergifteten Rauchwolken verschmolz. Unter dem Deckel der Dunkelheit war alles erleuchtet, als hätte jemand die Sonne abgeschossen, die nun ein letztes Mal inmitten der zerstörten Öltanks aufflackerte.

Das gesamte Southend stand in Flammen. Die Fenster der Mietkasernen leuchteten im Schein des Brandes, während das Feuer auf den Dächern sich erhob wie eine seltsame, sich explosionsartig ausbreitende Vegetation, die dort angepflanzt war, um die Erde zu vernichten, in der sie wuchs. Die Docks zitterten in krampfhaften Zuckungen der Zerstörung, als wäre irgendwo in ihren Eingeweiden eine Kettenreaktion der Vernichtung ausgelöst worden, die sich nun mit einer nicht zu stoppenden Kraft fortsetzte. Von den Flugabwehrbatterien auf den Dächern, die noch nicht brannten, blitzte es auf. Auch von den Schiffen auf dem Fluss wurde gefeuert.

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Kundenbewertungen zu "Wir Ertrunkenen" von "Carsten Jensen"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** sehr gut
(aus 1 Bewertung)

Bewertung von Sabine Kopf aus Landshut am 23.10.2008 ***** sehr gut
Wunderbar zu lesen und einzutauchen in das Leben der Menschen deren Leben vom Meer und vom Leben am Meer bestimmt ist. Von Männern die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen und von Frauen die dem Meer das ihnen ihre Männer und Söhne raubt den Kampf anzusagen. Ein Buch für Männer und Frauen gleichermassen - Ein modernes "Wikingerabenteuer" mit ganz toller Erzählkunst gepaart.

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Produktbeschreibung zu "Wir Ertrunkenen"

Kurzbeschreibung

Carsten Jensen erzählt in "Wir Ertrunkenen" von Menschen, deren Leben vom Meer bestimmt ist: von Männern, die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen, und von Frauen, die dem Meer, das ihnen die Männer und Söhne raubt, den Kampf ansagen.

"Wir Ertrunkenen" ist ein pralles, buntes Buch voller phantastischer, komischer und nachdenklicher Geschichten.

Alles beginnt im Jahr 1848, als der Seemann Laurids Madsen aus Marstal in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt. Der Tod hat ihn noch nicht gewollt. Später wird er sagen, seine Stiefel seien zu schwer für ein Leben da oben gewesen. Seither ist Laurids eigenartig, und irgendwann verschwindet er auf den Weltmeeren. Seine Stiefel bleiben zurück, bis sein Sohn Albert sie anzieht. Er macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Mit dem Schrumpfkopf von James Cook und dem Geheimnis der Geldvermehrung kehrt er als Reeder zurück in seine Heimatstadt. Er weiß, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt. Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen nimmt den Kampf auf.

Beschreibung

"Was für ein Buch, was für ein gewaltiges Buch! Man wird es vor seinem Ende nicht aus der Hand legen wollen. (...) Dass Carsten Jensen sich in Seefahrtsdingen so kundig gemacht hat, verdient Respekt, dass er sich aber in dem, was Mernschen, Frauen wie Männer, antreibt, noch viel besser auskennt und dass er davon auf so hinreißende Weise erzählen kann, das verdient Bewunderung Die Zeit, Literaturmagazin "Nach 784 Seiten ist man auch als eingefleischte Landratte traurig, wenn man von den weitgereisten Fischköpfen aus Marstal Abschied nehmen muss.' -- Neue Zürcher Zeitung

'Dieser Roman hat Geschichte geschrieben - eine unglaubliche Erfolgsgeschichte!' -- ARD, Titel, Thesen, Temperamente

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DIE STIEFEL
Laurids Madsen war im Himmel gewesen, doch dank seiner Stiefel war er auch wieder heruntergekommen.
Er war nicht bis hoch zum Masttopp geflogen, eher so auf die Höhe der Großrahe eines Vollschiffs. Er hatte am Tor zum Paradies gestanden und den heiligen Petrus gesehen, doch es war nur der Arsch, den der Hüter der Pforte zum Jenseits ihm gezeigt hatte.
Laurids Madsen hätte tot sein sollen. Aber der Tod hatte ihn nicht gewollt, und so wurde er ein anderer.
Bevor Laurids Madsen wegen seines Besuchs im Himmel berühmt wurde, hatte man ihm vorgehalten, eigenhändig einen Krieg angezettelt zu haben. Mit sechs hatte Laurids seinen Vater, Rasmus, ans Meer verloren, und mit vierzehn war er mit der Anna aus Marstal in See gestochen. Drei Monate später war die Anna in der Ostsee untergegangen. Die Besatzung wurde von einer amerikanischen Brigg gerettet, seither hatte Laurids Madsen von Amerika geträumt.
Mit achtzehn hatte er in Flensburg sein Steuermannspatent bestanden und noch im selben Jahr bei Mandal vor der Küste Norwegens ein zweites Mal Schiffbruch erlitten; dort hatte er in einer kalten Oktobernacht auf einer Schäre gestanden, die von den …

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DAS ENDE DER WELT (S. 544-545)

Es war das Ende der Welt. Er befand sich auf einem anderen Planeten oder in einer unbekannten Zukunft. Wo immer es auch war, es war ein Ort, der seinem Untergang entgegenging. Knud Erik glaubte, dass er sterben würde, er schloss die Augen. Dann begriff er. Er befand sich mitten in einem Traum.

Aber es war nicht sein eigener. Er befand sich im Traum eines anderen Mannes. Er war sieben Jahre alt und saß auf der Ruderbank in Albert Madsens Boot, während sie aus der Hafeneinfahrt von Marstal ruderten. Wieder hatte er den alten Mann von einem grau bemalten Phantomschiff erzählen hören, von großen runden Gebäuden, die unter einem Nachthimmel brannten, der von einem blendenden, phosphorweißen Schimmer erleuchtet wurde, während die Luft unter dem Druck explodierender Bomben und zusammenstürzender Häuser bebte. Dort befand er sich. Im Traum des alten Mannes.

Er öffnete die Augen und sah, was Albert Madsen zwanzig Jahre zuvor gesehen hatte. Zum ersten Mal verstand er, dass Albert Warnträume gehabt hatte und die Geschichten, die sich für das Kind wie Märchen anhörten, für den alten Mann …

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18.10.2008

Der Inbegriff des Schmökers

Wie löst man das Problem der Allwissenheit? Ganz einfach: indem man den Ich-Erzähler einfach tot sein lässt. Der Däne Carsten Jensen hat einen kalkulierten Roman draus gemacht.

Von Peter Urban-Halle

Wir Ertrunkenen" (ohne das n am Ende klänge der Titel schöner) ist ein sehr dickes Buch, in dem viel geschieht und ein Haufen Figuren vorkommt, es ist der Roman einer Stadt, Marstal auf dem dänischen Inselchen Ærø, und eines ganzen Jahrhunderts, vom ersten deutsch-dänischen Krieg 1848 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Unübersichtlich wird es deshalb nicht, weil der Roman im Grunde nur von vier Personen erzählt, einer Art Patchworkfamilie, vaterlos sind sie hier irgendwie alle. Am Anfang steht Laurids Madsen, mit ihm fangen auch die atemberaubenden Ereignisse an, die hier lückenlos aneinandergereiht werden, Laurids überlebt wunderbarerweise eine Explosion, verlässt jäh seine Familie und gründet in der Südsee eine neue; Albert, sein Sohn, sucht und findet ihn, kehrt enttäuscht zurück und wird ein reicher Reeder; die junge Klara Friis, eine Seemannswitwe, Alberts designierte Ehefrau und Erbin; und …

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14.10.2008

Ein Schrumpfkopf liegt im Nirgendwo
Erzählen mit beschränkter Haftung: „Wir Ertrunkenen”, das Insel-Epos des dänischen Kapitänssohns Carsten Jensen, flottiert frei zwischen Historie und Legende, Seemannsgarn und privaten Erinnerungen Von Ulrich Baron
Mein Vater ist ertrunken”, sagt der sechsjährige Knud Erik, und er sagt es in einem Ton, „als liefere diese Todesart einen Anlass, besonders stolz auf seinen Vater zu sein.” In Marstal auf der dänischen Ostseeinsel Ærø scheint jeder Sohn ein Telemachos zu sein, während die Väter den Männern des Odysseus gleichen, die nie zurückkehrten. Selbst Laurids Madsen, den Himmel und Meer verschmäht haben, ist eines Tages in der Fremde verschwunden, doch anders als die Ertrunkenen hat er dort einfach weitergelebt.
Mit Laurids Madsens Himmelfahrt lässt der 1952 in Marstal geborene Carsten Jensen sein Jahrhundertepos über die abwesenden Väter seiner Insel beginnen – mit einem enormen Knalleffekt, mit dem im Jahre 1849 das dänische Linienschiff Christian VIII. vor den deutschen Stellungen in der Eckernförder Bucht explodiert. Mit einem kleinen Krieg beginnt dieses Buch, einem Krieg zwischen …

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Kundenbewertungen zu "Wir Ertrunkenen" von "Carsten Jensen"

Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 1 Bewertung):
4 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen *****
sehr gut
Bewertung von Sabine Kopf aus Landshut am 23.10.2008
*****
sehr gut
Wunderbar zu lesen und einzutauchen in das Leben der Menschen deren Leben vom Meer und vom Leben am Meer bestimmt ist. Von Männern die ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer folgen und von Frauen die dem Meer das ihnen ihre Männer und Söhne raubt den Kampf anzusagen. Ein Buch für Männer und Frauen gleichermassen - Ein modernes "Wikingerabenteuer" mit ganz toller Erzählkunst gepaart.
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13.05.2009

Reines Seemannsgarn ist das, mit allerlei farbigen Motiven von Schrumpfköpfen bis zu Hauptfiguren, die nach Explosionen wieder auf den Füßen landen und behaupten "Petrus' Arsch" gesehen zu haben. Aber Rezensentin Judith Leister schwingt mit. Sie lernt eine Menge über die Stadt Marstal, die mal der zweitwichtigste Hafen Dänemarks war, und durchlebt mit fühlbarer Begeisterung den hundert Jahre umfassenden Bilderbogen des Schmökers, vom deutsch-dänischen Krieg im Jahr 1848 bis zum Zweiten Weltkrieg. In Dänemark war das Buch ein Besteseller, erzählt Leister. Der Autor gilt als Ironiker, entpuppt sich hier nach Leister aber mehr als sympathischer, wenn auch nicht immer stilsicherer Epiker.

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"Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst!" (Hakan Nesser)

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Es ist lange her, dass ich solch einen Roman gelesen habe. Er handelt davon, worauf es im Leben wirklich ankommt und wie man seine Menschlichkeit bewahren kann. Das ist ganz große Erzählkunst! (Hakan Nesser)

Autorenporträt zu "Carsten Jensen"

Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf. Er studierte in Kopenhagen Literaturwissenschaft und arbeitete als Journalist und Kritiker. Sein literarisches Arbeiten begann er Mitte der neunziger Jahre.

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