Wilde Reise durch die Nacht - Moers, Walter

Walter Moers 

Wilde Reise durch die Nacht

Roman. Nach einundzwanzig Bildern von Gustave Dore

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Produktbeschreibung zu Wilde Reise durch die Nacht

Der junge Gustave möchte unbedingt ein großer Zeichner werden. Aber zuvor muss er in einer einzigen Nacht von der Erde zum Mond und einmal quer durchs Universum reisen, denn er hat eine Wette mit dem Tod abgeschlossen, bei der es um nichts Geringeres als sein Leben und seine Seele geht.
Moers illustrierte Gustaves fantastische Reise anhand von 21 beeindruckenden Bildern aus dem Werk von Gustave Dore, dem erfolgreichsten Zeichner des 19. Jahrhunderts.


Produktinformation


  • Verlag: Goldmann
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 223 S. m. Illustr.
  • Seitenzahl: 224
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45291
  • Deutsch
  • Abmessung: 184mm x 126mm x 17mm
  • Gewicht: 272g
  • ISBN-13: 9783442452910
  • ISBN-10: 3442452910
  • Best.Nr.: 11254181
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.11.2001

Ein schlichtes Herz
Walter Moers reist mit Gustave Doré · Von Patrick Bahners

Wenn man Gustave Doré nach dem Geheimnis seiner Produktivität fragte, dann pflegte er zu antworten: "Je me souviens." - "Ich erinnere mich." Van Gogh hat Dorés Losung zitiert, wodurch sie in den Kanon der Selbstbeschreibungen der Moderne gelangt ist, das Axiom einer Kunst, die keine Axiome mehr kennt, keine ersten Sätze, nur noch zweite Impressionen, Abdrücke von Eindrücken, schattenhafte Wiederaufführungen von Urszenen einer Innenwelt, die unendlich erscheint und in der das Bewußtsein doch bloß ewig seine Runden dreht wie Sträflinge auf dem Gefängnishof.

Walter Moers hat Doré beim Wort genommen. Was wäre, wenn Doré alle seine Geschöpfe aus dem Brunnen der Erinnerung geschöpft hätte? Dann wäre verständlich, daß er die Einladung der Kaiserin Eugenie ausschlug, zur Eröffnung des Suez-Kanals nach Ägypten zu reisen. Zehntausende von Blättern konnte er drucken lassen, weil er jedes einzelne fertig in einer Schublade seines Gedächtnisses vorfand. Unermüdlich sprang er in der Werkstatt zwischen den Holzstöcken hin und her, setzte hier ein Licht auf …

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"Am verblüffendsten sind nicht nur immer wieder Moers Einfallsreichtum und seine trocken humorvolle, bisweilen boshafte Erzählweise, sondern vor allem die Kombination mit den Bildern, in denen es von sonderbaren Kreaturen nur so wimmelt."

"Ein buntes Potpourri aus schier unerschöpflicher Fantasie, Witz und Sprachgewandtheit." (Münchner Merkur)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Eine ganze Weile lang geht es in Patrick Bahners' Rezension mehr um Gustave Dore, den Helden in Walter Moers' Roman, als um den Roman selbst. Wer jedoch vermutet, dass der dem Rezensenten dann wohl nicht gefallen haben dürfte, liegt daneben: raffiniert findet er schon den Anfang, der klar mache, dass hier die Geschichte von Dore als "romantisches Kunstmärchen" erzählt wird. Im narrativen Abschreiten der 21 Bildtafeln von Dore erweist sich dann, dass dieser neue Roman das "kühnste Experiment jenes bebilderten Erzählens, das den Comiczeichner zum geachteten Schriftsteller gemacht hat", darstellt. Die Absicht des Autors ist, so Bahners, die "Enthüllung des Offenkundigen" - und das gelingt nach Meinung des Rezensenten. Die Sprache, die Moers dafür wählt, erweist sich als genau das richtige Instrument für dieses Ziel; dessen Ergebnis ist die "so einfache wie genaue Beschreibung von allem, was auf den Tafeln zu sehen ist". Eher erstaunlich bei der Vorgeschichte des Autors (Stichwort: "Kleines Arschloch") findet es Bahners, dass die, wie er gebildet formuliert, "pantagruelischen Seiten" Dores, vor allem eben die Rabelais-Illustrationen, ganz ausgeblendet bleiben. Dennoch: die Besprechung endet mit dem (so die Selbstauskunft des Rezensenten) "großen Lob", dass dieser Roman in seinem Bezug von Text auf Bild "noch Comic ist".

© Perlentaucher Medien GmbH
Walter Moers, Jahrgang 1957, Comiczeichner und Drehbuchautor, lebt in Hamburg. Fotografieren läßt er sich nicht mehr, denn seit er seinen Comic-»Adolf« in die Welt setzte, ist er persona non grata für die rechte Szene. Und in Kirchenkreisen gilt er seit seinem »Kleinen Arschloch« als Abgesandter der Hölle. Walter Moers ist zusammen mit Professor Doktor Nachtigaller Begründer der Zamonischen Nachtschule, einer Akademie, die ausschließlich im Internet existiert und von jedermann besucht werden kann.

Leseprobe zu "Wilde Reise durch die Nacht" von Walter Moers

Als es dunkel wurde, stach Gustave in See. Er zog es vor,

während der Nacht zu reisen - da er sowieso nicht wußte, wohin die Fahrt gehen

sollte, schienen die Sichtverhältnisse nebensächlich zu sein. Der Himmel war von

tintigen Wolken überzogen, nur ab und zu lugte ein Stern oder das kraternarbige

Gesicht des Mondes dazwischen hervor und spendete gerade genug Licht, um das

Steuerrad in seinen Händen erkennen zu können. Gustave hatte gelesen, daß es

möglich war, sich auf dem Meer am Stand der Sterne zu orientieren. Er wollte

sich diese Kunst eines Tages gefügig machen, aber im Augenblick mußte er sich

auf seine Instinkte verlassen.

"Hart Backbord!" brüllte er über das Deck und riß das Steuerrad nach links.

Befand sich Backbord rechts oder links? Fuhr das Schiff nach rechts, wenn man

das Steuer nach links drehte oder war es umgekehrt? Gustave wischte die Fragen

vorläufig zur Seite und kurbelte energisch an dem hölzernen Rad, um seinen

Männern den Eindruck wilder Entschlossenheit zu geben.

"Wir werden ihm nicht entkommen, Käpt'n!" Dante, sein treuer und einäugiger

Steuermann, war hinter ihn getreten. Die Stimme des erfahrenen Seemanns bebte

vor Furcht. "Wir können ihm unmöglich entrinnen, nicht wahr?"

Obwohl er erst zwölf Jahre alt war, blickten die Männer der Aventure zu Gustave

auf wie zu einem Giganten - auch wenn sie sich dabei hinabbeugen mußten. Dante

knetete seine Mütze in den groben Fäusten und sah den jungen Kapitän mit seinem

übriggebliebenen Auge hoffnungsvoll an. Gustave hielt die Nase in den Wind und

schnupperte. Die Luft war feucht und warm, wie vor einem großen Gewitter.

"Entkommen?" gab er über die Schulter zurück. "Wem entkommen, mein treuer

Dante?"

"Na, dem Sturm, Kapitän! Oder besser: den Stürmen, nicht wahr." "Sturm?" fragte

Gustave. "Was für eine Art von Sturm meinst du denn?"

"Ich meine einen Siamesischen Zurillingstornado, Käpt'n! Und er ist uns schon

dicht auf den Fersen." Dante wies mit zitterndem Zeigefinger zum Heck des

Schiffes, und Gustaves Blick folgte ihm. Was er dort sah, war in der Tat

furchteinflößend: Zwei mächtige Wasserhosen hatten sich aus dem Meer erhoben,

ihre wirbelnden Stämme ragten hinauf bis in die dunklen Wolken, saugten den

Ozean und alles, was sich darin befand, in den Himmel. Sie brüllten wie

tobsüchtige Riesen und kamen der Aventure buchstäblich in Windeseile näher.

"Soso, einer von diesen Siamesischen Zwillingstornados also", sagte Gustave

betont gelassen. "Nun, das ist unerfreulich, aber noch lange kein Grund, die

Kontrolle über seine Kniegelenke zu verlieren." Er blickte tadelnd auf Dantes

zitternde Beine.

"Holt die Segel ein! Drei, äh, vier Strich Steuerbord!" kommandierte Gustave

zackig. Der Steuermann riß sich zusammen, beschämt von der Todesverachtung

dieses kaltblütigen Jungen. "Jawohl, mein Kapitän!" salutierte Dante. Er schlug

die Hacken zusammen und entfernte sich steifbeinig.

Gustaves Knie wurden erst weich, nachdem Dante davongestelzt war. Seine Hände

klammerten sich ans Steuerrad fest. Ein Siamesischer Zwillingstornado - na

großartig, das war das gefährlichste Naturereignis, das einem auf allen sieben

Meeren blühen konnte! Zwei verschwisterte Wirbelstürme, metereologische

Zwillinge, die anscheinend auf telepathische Art miteinander kommunizierten und

gemeinsam Jagd auf Schiffe machten. Wenn einen der eine nicht erledigte,

besorgte es der andere.

Gustave warf einen Blick zurück auf die brüllenden Wirbel. Sie schienen beide

ihren Umfang im Handumdrehen verdoppelt zu haben, Gustave sah riesige Kraken,

Wale und Haie, die von ihnen aus dem Meer gerissen und durch die Luft

geschleudert wurden. Blitze zuckten zwischen den torkelnden Sturmriesen hin und

her, ein Geflecht aus weißem, blendendem Licht, das die Aventure aufleuchten

ließ wie ein Geisterschiff.

"Aha - so kommunizieren sie also!" kombinierte Gustave. "Durch Elektrizität! Ich

muß diese Erkenntnis umgehend der internationalen Tornadowissenschaft zukommen

lassen - wenn ich das hier überleben sollte."

Er blickte wieder nach vorn. "Es ist vollkommen gleichgültig, wohin ich

steuere", überlegte er. "Fahren wir nach links, erwischt uns der linke Tornado.

Fahren wir nach rechts, der rechte." Kaum hatte er diesen trostlosen Gedanken zu

Ende gedacht, da wurde die Aventure von einer gewaltigen Dünung in die Höhe

gehoben. Für einen Moment stand das Schiff fast bewegungslos über der See, in

einer Krone aus weißer Gischt. Der Ozean schien in seinem ewigen Rollen

innezuhalten, als sei er zum Komplizen der Wirbelstürme geworden, der ihnen das

fliehende Schiff auf einem schäumenden Tablett servierte.

"Wir stehen auf der Stelle!" dachte Gustave verzweifelt. "Wir sind verloren."

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Kundenbewertungen zu "Wilde Reise durch die Nacht" von "Walter Moers"

Durchschnittliche Kundenbewertung 4 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut
(aus 3 Bewertungen)

Bewertung von AxTod aus Leipzig am 18.08.2010 ***** sehr gut
In dem Buch geht es um den jungen Gustave Doré, der auf seinem Schiff mit seiner Mannschaft von einem siamesischem Zwillingstornado erwischt wird. Dabei wird seine Mannschaft in den Weltraum geschleudert, er aber ist an seinem Steuerrad festgeschnallt. Als er dann über sein zerstörtes Schiff geht, sieht er den Tod mit seiner Schwester, die um seine Seele würfeln. Als die Schwester verliert, verrät sie Gustave, dass er einige Aufgaben bewältigen muss, wie zum Beispiel dei Namen von sechs Riesen erraten, aber in nur einer Nacht. Und so beginnt die Reise von Gustave Doré.
Mir hat das Buch gut gefallen, weil ich die Idee gut fand, ein Buch zu einer Reihe von Zeichnungen zu machen und außerdem war die Umsetzung sehr gelungen. Das Buch hat eigentlich nicht die Dicke der Bücher die ich sonst lese, es ist aber sehr kompakt.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von lilly aus Rheinbach am 27.06.2010 ***** gut
Als der 12 jährige Kapitän Gustave einen Tornado überlebt, erscheint ihm plötzlich der Tod. Dieser verlangt angesichts der aussichtslosen Situation Gustaves (allein auf hoher See, auf einem kaputten Schiff), dass dieser ihm seine Seele überlässt.
Gustave gelingt es jedoch den Tod umzustimmen und erhält sechs Aufgaben, die er innerhalb einer Nacht erfüllen muss. Nun beginnt eine abenteuerliche Reise für Gustave, bei der gegen Riesen und Drachen, sowie Ungeheuer kämpfen muss...
Die Idee Walter Moers ein Neues Buch zu den vorhandenen Zeichnungen Dorés zu schreiben, finde ich sehr gut, was dabei herausgekommen ist, ist jedoch ein kleines bisschen enttäuschend.
Das Buch ist einfach zu kurz, als dass die Hauptperson sich richtig entwickeln könnte, die bestandenen Abenteuer Gustaves ziehen im Schnelldurchgang am Leser vorbei und Ängste und Gefühle der Hauptperson werden nur am Rande geschildert, so dass der Leser kaum mit Gustave mit fiebern kann, auch das Ende ist ziemlich voraussehbar und wenig überraschend, um es mit den Worten der Romanfiguren zu beschreiben:``Es gibt leider keine Pointe.´´ Dennoch ist das Buch eine kurzweilige Unterhaltung, vorallem Dank der Bilder Dorés. Wem die Bücher Walter Moers gefallen, kann auch dieses Buch gut lesen, daher immerhin eine drei.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von unbekanntem Benutzer am 29.12.2007 ***** ausgezeichnet
Sehr schöne Geschichte , war total begeistert. Sehr liebevolle Details die Geschichte ist einfach Hörenswert, verpasst das nicht.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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