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Bewertung von Manuela2205 am 21.07.2009 ***** sehr gut
Schattenpfade spielt in einem fiktiven, mittelalterlichen Europa, aufgeteilt in kleine Königreiche. Speziell im Königreich der Südländer, angesiedelt zwischen Lyon und Marseille.
Hierher kehren nach etlichen Jahren im kalten Norden Wynter Moorehawke und ihr Vater Lorcan zurück.
Doch nichts ist mehr wie es war, die Katzen schweigen, niemand beachtet mehr die Geister und plötzlich sind Religion und Hautfarbe wichtig geworden. Aufgewachsen ist Wynter mit ihren Spielgefährten Alberon und Razi, dem ehelichen bzw. unehelichem Sohn von König Jonathon.
Doch Alberon ist verschwunden, soll sogar für "mortuus in vita" erklärt werden, seine Platz als Thronfolger soll entgegen aller Widerstände Razi einnehmen. Der König scheint wie ausgetauscht, Willkür, der Galgen und sogar Folterungen sind plötzlich an der Tagesordnung. Nur - warum?

Dieses Warum verfolgt einen das ganze Buch hindurch. Immer neue Rätsel türmen sich auf und nur wenige werden aufgelöst. Was wissen die Katzen, das es rechtfertigt, sie alle zu vergiften? Warum ist es bei Todesstrafe verboten, mit Geistern zu reden? Ja, man darf sie nicht einmal mehr wahrnehmen und wenn sie einem den Kuchen vom Teller klauen.
Celine Kiernan zeichnet meisterhaft eine bedrückende Atmosphäre. Jeder an Jonathons Hof trägt eine Maske vor sich her - und sei es aus dem Grund nicht angreifbar zu sein. Informationen kann man nicht offensichtlich einholen, denn man könnte an den Falschen geraten, auch wenn er vor etlichen Jahren noch ein Freund war.
Erzählt wird aus der Sicht von Wynter. Für ihre 15 Jahre ist sie bereits sehr erwachsen und steht am Ende ihrer Lehrzeit als Tischler. Den ganzen Hofintrigen und Machtspielchen steht sie ziemlich allein gegenüber, denn ihr Vater ist sterbenskrank. Unterstützung erfährt sie von Razis Freund Christopher - soweit das einem Fremden möglich ist, der zudem wie ein Verbrecher verstümmelt ist. Razi ist mit seinen eigenen Problemen beschäftigt - eigentlich Arzt will er nichts weniger als Thronfolger sein, der Platz der seinem Bruder Alberon zusteht. Damit seine Freunde nicht als Druckmittel gegen benutzt werden können, sieht er sich gezwungen, sich von ihnen zurück zu ziehen. Bleibt König Jonathon. Manchmal hat er durchaus menschliche Züge, nur um im nächsten Augenblick wieder den Tyrannen raushängen zu lassen.
Meine Befürchtungen, das Buch könne zu kindlich sein, haben sich nicht bewahrheitet. Wynter ist wie bereits gesagt für ihr Alter sehr erwachsen, was vor dem mittelalterlichen Hintergrund aber nicht groß verwundert. Die Folterszenen sind - wenn auch nur angedeutet - durchaus saftig: Herausgerissene Augäpfel, die noch am Sehnerv hängen - lecker! Stellt sich die Frage, ob die arme Sau noch was gesehen hat damit...
Sprachlich ist das Buch ausgereift (hier auch ein Lob an die Übersetzung), ich habe förmlich die lauernden Blicke und den tyrannischen König im Nacken sitzen gespürt.
Ein Kritikpunkt sind die überreichlich vorhandenen Geheimnisse. Selbst Wynters Pläne durchschaut man erst, wenn sie sie ausführt, obwohl man quasi hinter ihr steht und ihr über die Schulter guckt.
Übrigens finde ich den englischen Titel "The poison throne" wesentlich passender - Jonathon wirkt, als hätte man ihm etwas eingeworfen. Aber vermutlich sollen die deutschen Titel eindeutig als Reihe erkennbar sein, die Nachfolgebände schimpfen sich Geisterpfade und Königspfade.

Ich vergebe gute vier Sterne und eine Kaufempfehlung für alle, die nicht nur High-Fantasy in die Finger nehmen.

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