Quarantäne - Wilson, Robert Ch.

Robert Ch. Wilson 

Quarantäne

Roman. Deutsche Erstausgabe

Übersetzung: Singelmann, Karsten
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Produktbeschreibung zu Quarantäne

Irgendwo in der amerikanischen Wüste befindet sich eine geheime Einrichtung, in der man durch ein Raum-Zeit-Tor Kontakt zu Planeten aufnehmen kann, die Millionen von Lichtjahre von uns entfernt sind. Kontakt auch zu den fremdartigen Wesen, die auf diesen Planeten leben. Doch was geschieht, wenn diese Wesen sich von uns gestört fühlen?

Mit 'Spin' hat Robert Charles Wilson den SF-Überraschungserfolg der letzten Jahre geliefert.

"Ein grandioses Buch, das zum Besten zählt, was die Science Fiction derzeit zu bieten hat. Sie sollten es unter keinen Umständen verpassen!" New York Times

"Robert Charles Wilson erinnert uns an etwas, was wir beinahe schon vergessen hatten: dass die Science Fiction das aufregendste aller literarischen Genres ist."
Toronto Star

Produktinformation


  • Verlag: Heyne
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 477 S.
  • Seitenzahl: 480
  • Heyne Bücher Bd.52316
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 34mm
  • Gewicht: 385g
  • ISBN-13: 9783453523166
  • ISBN-10: 3453523164
  • Best.Nr.: 20948609
"Robert Charles Wilson erinnert uns an etwas, was wir beinahe schon vergessen hatten: dass die Science Fiction das aufregendste aller literarischen Genres ist." Toronto Star

"Ein grandioses Buch, das zum Besten zählt, was die Science Fiction derzeit zu bieten hat. Sie sollten es unter keinen Umständen verpassen!" New York Times "Robert Charles Wilson erinnert uns an etwas, was wir beinahe schon vergessen hatten: dass die Science Fiction das aufregendste aller literarischen Genres ist." Toronto Star
Robert Charles Wilson, geboren 1953, lebt in Toronto und zählt zu den bedeutendsten Autoren der modernen Science Fiction. Er hat zwölf Romane veröffentlicht, darunter den Bestseller "Die Chronolithen", der 2001 auf der New York Times Bestenliste stand. Neben zahlreichen Nominierungen wurde er mehrfach für seine Romane ausgezeichnet, unter anderem mit dem Philip K. Dick Award 1994, dem John W. Campbell Award 2002 und dem Hugo Award 2006.

Leseprobe zu "Quarantäne" von Robert Ch. Wilson

Es könnte jederzeit zu Ende gehen.

Chris Carmody rollte in eine Wärmezone eines unvertrauten Bettes: eine Vertiefung im Baumwolllaken, in der kürzlich jemand gelegen hatte. Jemand: Ihr Name fiel ihm gerade nicht ein, war noch in den Untiefen des Schlafs verborgen. Aber es verlangte ihn nach der Wärme ihrer Gegenwart, dem Quell dieser nachhaltigen Hitze. Er rief sich ein Gesicht vor Augen, gütig, lächelnd, mit einem ganz leichten Silberblick. Er fragte sich, wo sie geblieben sein mochte.

Es war schon eine Weile her, seit er zuletzt mit jemandem das Bett geteilt hatte. Merkwürdig, dass das, was er - fast mehr als alles andere - daran genoss, die Wärme war, die sie hinterließ. Dieser Raum, den er in ihrer Abwesenheit besetzte.

Es könnte jederzeit zu Ende gehen. Hatte er diese Worte geträumt? Nein. Er hatte sie vor drei Wochen in sein Notizbuch geschrieben, die Bemerkung eines Examensstudenten festgehalten, den er, einen halben Kontinent entfernt, in der Cafeteria von Crossbank kennengelernt hatte.

Wir arbeiten hier an unglaublichen Dingen, und alles passiert ein bisschen eilig, weil wir wissen, dass es jederzeit zu Ende gehen könnte ...

Zögernd öffnete er die Augen. Auf der anderen Seite des kleinen Schlafzimmers stand die Frau, mit der er geschlafen hatte, und zwängte sich in eine Strumpfhose. Sie bemerkte seinen Blick und lächelte vorsichtig. "He, Baby", sagte sie. "Ich will dich nicht hetzen, aber sagtest du nicht, dass du irgendwo einen Termin hättest?"

Die Erinnerung stellte sich wieder ein. Sie hieß Lacy. Der Nachname war nicht im Angebot inbegriffen gewesen. Sie war Kellnerin im örtlichen Denny's. Sie trug ihr rotes Haar lang, wie es derzeit Mode war, und sie war mindestens zehn Jahre jünger als Chris. Sie hatte sein Buch gelesen, jedenfalls hatte sie das behauptet. Sie litt an einer einseitigen Sehschwäche, wodurch sie den Anschein ständiger Geistesabwesenheit erweckte. Während er sich den Schlaf aus den Augen blinzelte, ließ sie ein ärmelloses Kleid über ihre sommersprossigen Schultern gleiten.

Als Hausfrau legte Lacy offenbar keinen großen Ehrgeiz an den Tag. Einige tote Fliegen lagen auf dem sonnenbeschienenen Fensterbrett, ein Schminkspiegel auf dem Beistelltisch, auf dem sie am Abend zuvor mit dem Rasiermesser schmale, präzise Kokainlinien abgeteilt hatte, und ein Fünfzigdollarschein auf dem Teppich neben dem Bett, so fest zusammengerollt, dass er einem knospenden Palmblatt oder einem bizarren Insekt ähnelte, mit einem Rostfleck aus getrocknetem Blut am einen Ende.

Es war Frühherbst und immer noch recht warm in Constance, Minnesota. Linde Luft bewegte die hauchdünnen Vorhänge. Chris kostete das Gefühl aus, an einem Ort zu sein, wo er noch nie gewesen war und zu dem er aller Wahrscheinlichkeit nach nie wieder zurückkehren würde.

"Und du willst tatsächlich heute zum Lake, hm?"

Er fand seine Uhr auf einem auf dem Nachttisch aufgeschichteten Stapel der Printausgabe von People. Er hatte noch eine Stunde, um seine Verabredung wahrzunehmen. "Ja, tatsächlich." Er fragte sich, wie viel er der Frau am vergangenen Abend erzählt hatte.

"Möchtest du Frühstück?"

"Ich glaube, dafür habe ich keine Zeit."

Sie schien erleichtert. "Ist schon gut. Es war wirklich aufregend, dir zu begegnen. Ich kenne eine Menge Leute, die am Lake arbeiten, aber die gehören mehr zum kaufmännischen oder zum Dienstleistungspersonal. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der bei den großen Sachen mitmischt."

"Ich mische nicht bei den großen Sachen mit. Ich bin nur Journalist."

"Verkauf dich nicht unter Wert."

"Mir hat es auch Spaß gemacht."

"Das ist lieb von dir", sagte sie. "Möchtest du duschen? Ich bin so weit fertig im Bad."

Der Wasserdruck war bescheiden, und er entdeckte eine tote Kakerlake in der Seifenschale, aber die Dusche verschaffte ihm ein bisschen Zeit, seine Erwartungen zu justieren und seinen Berufsstolz, soweit noch vorhanden, zu mobilisieren. Er lieh sich einen ihrer für die Beine vorgesehenen rosa Wegwerfrasierer und rasierte das geisterhafte Bild seiner selbst, das ihm aus dem Badezimmerspiegel entgegenblickte. Er war fertig angezogen und zum Gehen bereit, als sie sich gerade anschickte, ihr eigenes Frühstück, Eier und Saft, in der winzigen Küchenecke einzunehmen. Sie arbeitete abends; vormittags und nachmittags hatte sie frei. Ein winziges Videogerät auf dem Küchentresen strahlte bei halber Lautstärke die aktuelle Folge einer unendlichen Vormittagsserie aus. Lucy erhob sich, um ihn zu umarmen. Ihr Kopf reichte ihm bis zum Brustbein. In der sanften Umarmung drückte sich die Erkenntnis aus, dass sie einander im Wesentlichen nichts bedeuteten, nicht mehr als eine nächtliche Laune, der man sich ohne Rücksicht auf Verluste hingab.

"Lass mich wissen, wie es gelaufen ist", sagte sie. "Falls du mal wieder hier vorbeikommst."

Höflich versprach er es ihr, aber er wusste, dass er hier nicht wieder vorbeikommen würde.

Er holte sein Gepäck im Marriott ab, wo Visions East ihm freundlicherweise, wenn auch ganz unnötig, ein Zimmer gebucht hatte, und traf im Foyer mit Elaine Coster und Sebastian Vogel zusammen.

"Sie sind spät dran", bemerkte Elaine.

Er blickte auf die Uhr. "Nicht sehr."

"Würde es Sie umbringen, ab und zu mal pünktlich zu sein?"

"Pünktlichkeit ist der Dieb der Zeit, Elaine."

"Wer sagt das?"

"Oscar Wilde."

"Na toll, das nenne ich ein Vorbild."

Elaine war neunundvierzig und bot eine tadellose Erscheinung in ihrer Safarikleidung, dem an die Brusttasche gehefteten Imager und dem Notebook-Mikrofon, das wie eine widerspenstige Haarsträhne vom linken Bügel ihrer mit Zirkonium bedampften Sonnenbrille baumelte. Ihr Gesichtsausdruck war ernst. Elaine war eine erfahrene Wissenschaftsjournalistin, fast zwanzig Jahre älter als Chris und überaus angesehen auf einem Gebiet, auf dem man ihm selbst seit einiger Zeit mit einer gewissen Geringschätzung begegnete. Er mochte Elaine, und ihre Arbeit war erstklassig, daher sah er ihr ihre Neigung nach, mit ihm auf eine Art zu sprechen, als sei sie seine Grundschullehrerin und er das Kind, das ihr ein Furzkissen auf den Stuhl gelegt hat.

Sebastian Vogel, das dritte Mitglied der Expeditionstruppe von Visions East, stand schweigend ein paar Schritte abseits. Sebastian war im Grunde gar kein Journalist, sondern ein emeritierter Theologieprofessor von der Wesleyan University, der eins jener Bücher verfasst hatte, die aus unerklärlichen Gründen zu Bestsellern werden - Gott & das Quantenvakuum lautete der Titel, und es war dieses Et-Zeichen anstelle des konventionellen "und", das, so Chris' Vermutung, der Sache den nötigen schicken Anstrich, das modisch elliptische Element, verliehen hatte. Die Zeitschrift versprach sich von ihm einen spirituellen Blick auf die Neue Astronomie, als Ergänzung zu Elaines strenger Wissenschaftlichkeit und Chris' Zuständigkeit fürs sogenannte "Menschliche". Mochte Sebastian auf seine Weise brillant sein, so war er doch auch ein ausgesprochen stiller Vertreter. Er trug einen Bart, der den Mund verdeckte, was Chris sinnbildlich erschien: Die Worte, die aus diesem Mund den Weg in die Welt fanden, waren ziemlich rar und im Allgemeinen schwer zu interpretieren.

"Der Transporter", sagte Elaine, "wartet schon seit zehn Minuten."

Den Transporter aus Blind Lake meinte sie, am Steuer ein junger Funktionsträger des Energieministeriums, der einen Ellbogen aus dem offenen Fenster streckte und einen Ausdruck von Rastlosigkeit im Gesicht hatte. Chris nickte, warf sein Gepäck hinten in den Wagen und sich selbst auf einen Sitz hinter Elaine und Sebastian.

Es war erst früher Nachmittag, kurz nach eins, dennoch fühlte er sich von einer Welle der Erschöpfung überrollt. Es musste etwas mit dem Septembersonnenlicht zu tun haben - oder mit den Exzessen der vergangenen Nacht. (Das Kokain hatte er zwar bezahlt, aber es war Lacys Idee gewesen, nicht seine. Er hatte ein paar Linien mitgezogen, einfach aus Gründen der Geselligkeit - mehr als genug, um den Rausch bis zum Morgengrauen auszudehnen.) Er schloss kurz die Augen, verwehrte sich aber die Annehmlichkeit des Schlafes. Er wollte ein wenig von Constance bei Tageslicht sehen. Sie waren gestern spät eingetroffen, und er hatte von der Stadt nicht mehr mitbekommen als den Denny's und später eine Bar, wo die Hausband alles spielte, was die Besucher sich wünschten. Und zuletzt Lacys Wohnung.

Der Ort hatte viel Mühe darauf verwendet, sich als Touristenattraktion neu zu erfinden. So bekannt das Blind-Lake-Gelände auch geworden sein mochte, für Gelegenheitsbesucher war es nicht zugänglich. Die Neugierigen mussten sich mit diesem alten Getreidesilo plus Bahnhof, nämlich Constance, begnügen, das als Stützpunkt für die nicht in Blind Lake wohnenden zivilen Angestellten diente und dessen neues Marriott wie das noch neuere Hilton gelegentlich Schauplatz von Wissenschaftskongressen oder Pressekonferenzen war.

Die Hauptstraße stand ganz im Zeichen des Blind-Lake-Motivs und bewies dabei mehr Begeisterung als Geschmack. Die zweigeschossigen Geschäftsgebäude schienen aus der Mitte des letzten Jahrhunderts zu stammen, waren aus gelbem, aus dem Flussbettlehm der Umgebung gepresstem Backstein gemauert und hätten vielleicht ganz ansehnlich sein können, wären sie nicht so aufdringlich und umfassend mit Reklametafeln eingedeckt gewesen. Das "Hummer"-Motiv war allgegenwärtig - zwangsläufig. Hummer-Plüschtiere, holografische Hummer-Fensterauslagen, Hummer-Poster, Hummer-Servietten, Gartenhummer aus Keramik ...

Elaine folgte seinem Blick und erriet seine Gedanken. "Sie hätten im Marriott zu Abend essen sollen", sagte sie. "Hummercremesuppe, verdammt noch mal."

Er zuckte die Achseln. "Die Leute versuchen nur, ein bisschen Kohle zu machen, um ihre Familien zu ernähren."

"Indem sie von der Unwissenheit profitieren. Im Grunde kapiere ich diese ganze Hummergeschichte nicht. Die sehen doch überhaupt nicht wie Hummer aus. Sie haben kein Ektoskelett und sie haben weiß Gott kein Meer, in dem sie herumschwimmen können."

"Irgendwie muss man sie doch nennen."

"Vielleicht muss man sie irgendwie nennen, aber muss man sie deswegen gleich auf Krawatten drucken?"

Das Projekt Blind Lake war umfassend vulgarisiert worden, das ließ sich nicht bestreiten. Was aber, wie Chris glaubte, Elaine vor allem störte, war der Verdacht, dass irgendwo auf einem der nähergelegenen Sterne ein umgekehrter Vorgang stattfinden mochte. Plastikkarikaturen von Menschenwesen, ausgestellt hinter verglasten Fenstern unter einer fremden Sonne. Ihr eigenes Gesicht vielleicht als Aufdruck auf einem Souvenirbecher, aus dem unvorstellbare Geschöpfe geheimnisvolle Flüssigkeiten schlürften.

Der Transporter war ein staubbedecktes blaues Elektrofahrzeug, das man ihnen aus Blind Lake geschickt hatte. Der Fahrer schien nicht sehr gesprächig, mochte aber die Ohren spitzen, um ihre "Einstellung" abzuschätzen - geheime Ermittlungen des PR-Büros. Die Unterhaltung untereinander war daher problematisch. Schweigend rollten sie auf der Interstate aus der Stadt heraus und bogen auf eine zweispurige Straße. Schon war klar, trotz des Mangels an eindeutigen Markierungen, abgesehen von Schildern wie PRIVATWEG - BESITZ DER US-REGIERUNG oder ENERGIEMINISTERIUM, dass sie sich auf nichtöffentlichem Gelände befanden. Jedes nicht registrierte Fahrzeug wäre am ersten (versteckten) Viertelmeilen-Kontrollpunkt angehalten worden. Die Straße stand unter ständiger Überwachung, visuell und elektronisch. Er rief sich einen Spruch von Lacy in Erinnerung: Am Lake haben sogar die Präriehunde einen Passierschein.

Chris drehte den Kopf zum Fenster und beobachtete die vorbeiziehende Landschaft. Brach liegende Äcker wichen offenem Grasland und hügeligen Wiesen mit vereinzelten wilden Blumen. Trockenes Land, aber keine Wüste. Vergangene Nacht war ein Gewitter über die Stadt hinweggezogen, während Chris Unterschlupf in Lacys Wohnung gesucht hatte. Regen hatte das Öl von den Straßen geschwemmt, die Gullys mit durchnässtem Zeitungspapier und faulendem Unkraut gefüllt und auf der Prärie ein spätes Aufblühen von Farben provoziert.

Vor einigen Jahren war durch Blitzschlag ein Buschfeuer entfacht worden, das sich Blind Lake bis auf einen halben Kilometer genähert hatte. Feuerwehren aus Montana, Idaho, Alberta waren angerückt. In den Nachrichten hatte das alles sehr fotogen gewirkt - und ein Schlaglicht auf die Fragilität der noch jungen Neuen Astronomie geworfen -, aber ernste Gefahr für die Einrichtungen hatte zu keinem Zeitpunkt bestanden. Es war nur wieder einmal so ein Beispiel dafür, hatten die Wissenschaftler in Crossbank gemurrt, wie Blind Lake sich in die Schlagzeilen drängte. Blind Lake war Crossbanks glamouröse jüngere Schwester, Anwandlungen von Eitelkeit keineswegs abgeneigt, hypnotisiert von den Paparazzi ...

Doch jede Spur des Feuers war durch zwei Sommer und zwei Winter ausgelöscht worden, durch wildes Gras, wilde Brennnesseln und jene kleinen blauen Blumen, deren Namen Chris nicht kannte, und durch die beneidenswerte Gabe der Natur, rasch zu vergessen.

Sie hatten in Crossbank begonnen, weil sie Crossbank für unproblematischer hielten. Die Installation in Crossbank war auf eine biologisch aktive Welt ausgerichtet, die um HR8832 kreiste - der zweite Planet von der betreffenden Sonne aus gesehen, je nachdem, wie man den Ring von Planetesimalen zuordnete, deren Bahnen eine halbe Astronomische Einheit entfernt um das Zentralgestirn verliefen. Es handelte sich um einen felsigen Planeten mit Eisenkern, dessen Masse 1,4-mal so groß wie die der Erde und dessen Atmosphäre relativ reich an Sauerstoff und Stickstoff war. Beide Pole waren eisige Agglutinationen von Wassereis bei Temperaturen, die gelegentlich ausreichten, um CO2 auszufrieren, aber die Äquatorialregionen waren warme, flache Meere über Kontinentalplatten, reich an allerlei Lebensformen.

Diese Lebensformen allerdings waren alles andere als glamourös. Sie waren vielzellig, aber rein photosynthetisch - die Evolution auf HR8832/B schien es versäumt zu haben, die Mitochondrien zu erfinden, die Voraussetzung für tierisches Leben sind. Womit nicht gesagt sein soll, dass die Landschaft nicht oftmals geradezu spektakulär gewesen wäre, zumal die riesigen, stromatolitenartigen Kolonien photosynthetischer Bakterien, die sich, häufig zwei- bis dreigeschossig, aus den grünen Matten an der Meeresoberfläche erhoben; oder die fünffache Symmetrie der sogenannten Korallensterne, die, im Meeresboden verankert, halb in, halb auf dem offenen Wasser trieben.

Es war eine außerordentlich schöne Welt und sie hatte damals große Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit erregt, als Crossbank noch die einzige Anlage dieser Art war. Die Äquatorialmeere spendeten atemberaubende Sonnenuntergänge, im Durchschnitt alle 47,4 terrestrischen Stunden, oft mit Stratokumuluswolken, die sich gewaltig viel höher auftürmten, als man es von der Erde kannte, Wolkenschlösser wie aus einer viktorianischen Fahrradreklame. Zeitangepasste Vierundzwanzig-Stunden-Videoschleifen der äquatorialen Meereslandschaft waren einige Jahre lang sehr beliebt gewesen als künstliche Fensteraussicht.

Eine schöne Welt, die obendrein reichhaltige Erkenntnisse über die planetarische und biologische Evolution befördert hatte. Auch jetzt noch produzierte sie außerordentlich nützliche Daten, aber sie war statisch. Es bewegte sich nicht viel auf der zweiten Welt von HR8832, nur der Wind, das Wasser und der Regen.

Am Ende war sie als "der Planet, wo nie etwas passiert", bezeichnet worden, nach der Formulierung eines Kolumnisten der Chicago Tribune, der die ganze Neue Astronomie nur für ein weiteres aus Bundesmitteln finanziertes, tendenziell bodenloses Fass für kurzfristig interessantes, aber im Grunde nutzloses Wissen erachtete. Crossbank hatte gelernt, Journalisten mit Misstrauen zu begegnen. Visions East hatte lange verhandeln müssen, um Chris, Elaine und Sebastian für eine Woche Zutritt zu verschaffen. Es gab keine Garantie auf Kooperation, und wahrscheinlich war es nur Elaines Ruf als seriöse Wissenschaftsjournalistin, der die PR-Abteilung am Ende überzeugt hatte. (Oder vielleicht war es umgekehrt Chris' Ruf gewesen, der die Verhandlungen so erschwert hatte.)

Aber der Besuch in Crossbank war alles in allem ein Erfolg gewesen. Sowohl Elaine als auch Sebastian berichteten, sie hätten sehr gut arbeiten können.

Für Chris war es etwas problematischer gewesen. Der Leiter der Abteilung für Beobachtung und Interpretation hatte sich schlicht und einfach geweigert, ihn zu empfangen. Sein bestes Zitat stammte von dem Jungen aus der Cafeteria. Es könnte jederzeit zu Ende gehen. Und selbst dieser Junge hatte sich schließlich vorgebeugt, um Chris' Namensschild unter die Lupe zu nehmen, und dann gesagt: "Sind Sie nicht der Typ, der dieses Buch geschrieben hat?"

Chris hatte gestanden, dass er in der Tat der Typ sei, der jenes Buch geschrieben hatte.

Daraufhin hatte der Junge nur genickt, war aufgestanden und hatte sein erst halb aufgegessenes Mittagessen ohne ein weiteres Wort zum Geschirrregal getragen.

Zwei Aufklärungsflugzeuge flogen in den folgenden zehn Minuten über sie hinweg und der Allpass-Transponder am Armaturenbrett des Transporters begann wie spastisch zu blinken. Sie hatten bereits eine ganze Reihe von Kontrollpunkten passiert, schon lange bevor sie den Stahldraht- und Stachelbandzaun, der sich in beide Richtungen in die Prärie hineinschlängelte, und das Wachhäuschen aus Stahl und Schlackenstein erreichten, aus dem jetzt ein Uniformierter trat und sie aufforderte, anzuhalten.

Der Wachmann inspizierte den Ausweis des Fahrers, dann Elaines und Sebastians, schließlich Chris'. Er sprach kurz in sein Headset-Mikrofon, rüstete die drei Journalisten mit Zugangsabzeichen zum Anstecken aus und winkte sie durch das Tor.

Und dann waren sie drinnen, so unkompliziert, wenn man von den wochenlangen Verhandlungen zwischen der Zeitschrift und dem Energieministerium absah.

Vorerst sah man nichts als eine sanft hügelige Grasfläche, völlig gleichartig der zuvor durchquerten, nur getrennt durch Maschendrahtzaun und Stacheldraht. Aber es war ein Übergang in nicht nur bildlichem Sinne; es lag in ihm, wenigstens für Chris, etwas entschieden Zeremonielles. Dies war Blind Lake - praktisch ein anderer Planet.Er blickte zurück, als der Transporter Geschwindigkeit aufnahm, sah, wie das Tor mit einer, wie er sich - viel später - erinnern sollte, schrecklichen Endgültigkeit zuglitt.

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Quarantäne

Quarantäne - Wilson, Robert Ch.

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  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 477 S.
  • Seitenzahl: 480
  • Heyne Bücher Bd.52316
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 34mm
  • Gewicht: 385g
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Rezension

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Rezensionen und Kritik

"Ein grandioses Buch, das zum Besten zählt, was die Science Fiction derzeit zu bieten hat. Sie sollten es unter keinen Umständen verpassen!" New York Times "Robert Charles Wilson erinnert uns an etwas, was wir beinahe schon vergessen hatten: dass die Science Fiction das aufregendste aller literarischen Genres ist." Toronto Star

Autorenporträt zu "Robert Ch. Wilson"

Robert Charles Wilson, geboren 1953, lebt in Toronto und zählt zu den bedeutendsten Autoren der modernen Science Fiction. Er hat zwölf Romane veröffentlicht, darunter den Bestseller "Die Chronolithen", der 2001 auf der New York Times Bestenliste stand. Neben zahlreichen Nominierungen wurde er mehrfach für seine Romane ausgezeichnet, unter anderem mit dem Philip K. Dick Award 1994, dem John W. Campbell Award 2002 und dem Hugo Award 2006.

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