Leseprobe zu "Mächte des Chaos / Warhammer 40,000. Gaunts..."
Augenscheinlich war hier Sommer.
Periodischer, aber starker Regen fiel auf die Reihen der Imperiumstruppen aus einem Himmel, der mit einer grauen Wolkendecke verhangen war. Dornige, gewundene Wurzelpflanzen mit blühenden, schweren Blättern wuchsen auf jedem Fleckchen des schlammigen Landes und lugten aus den schimmernden Wasserläufen. Was das Land betraf, so war das meiste davon verschwunden. Lagunen und endlose Gewässer mit schillernden Fluten schlängelten sich durch das Unterholz, in dem Wolken von Mikrofliegen und unsichtbare, zirpende Insekten beheimatet waren.
Ein Geruch lag in der Luft, ein Geruch wie nach abgestandenem Schweiß. Der Geruch überraschte Kommissar-Oberst Ibram Gaunt nicht sonderlich. Was ihn überraschte, war die Tatsache, dass er nicht von seinen Männern stammte. Er ging vom Wasser aus, von den Pflanzen, vom Schlamm. Monthax stank nach Fäulnis und Verwesung.
Auf Monthax gab es kein Verschanzen. Gräben waren erhöhte Brücken aus mitgebrachten Flakbrettern und an Ort und Stelle gefällten Bäumen. Die Geister hatten Dämme und Wälle aus Sandsäcken errichtet. Drei Tage lang, seit die Landungsboote sie abgesetzt hatten, war kein anderes Geräusch zu hören gewesen als das Klatschen der Werkzeuge, da Arbeitsgruppen Plastiksäcke füllten - kein anderes Geräusch bis auf das Zirpen von einer Milliarde Insekten.
Mit einer frischen Uniform, die er vom Augenblick des Anlegens durchschwitzte, trat Gaunt aus seinem Kommandostand, einem vorgefertigten Dreiraum-Habitat, das auf Stützpfeilern aus dem schlammigen Wasser ragte. Er setzte sich die Kommissarsmütze auf in dem Wissen, dass ihm ihretwegen der Schweiß in die Augen laufen würde. Er trug hohe Stiefel, Khakihose und ein Uniformhemd und hatte sich die wasserdichte Jacke über die Schulter geworfen. Es war zu heiß, um sie anzuziehen, und zu nass, um ohne sie herumzulaufen.
Ibram Gaunt verließ die Treppe des Unterstands, und seine Füße traten in satinhäutiges, zwanzig Zentimeter tiefes Wasser. Er blieb stehen. Die öligen Wellen beruhigten sich, und er betrachtete sich selbst. Ein gespiegelter Gaunt lag horizontal im stinkenden Wasser zu seinen Füßen, hochgewachsen, hager und mit einem wie gemeißelt wirkenden Gesicht mit hohen Wangenknochen. Er schaute weg und hoch durch das üppige Laub des Dickichts und das Pflanzengewirr. Am Horizont, teilweise durch dampfenden Nebel verhüllt, tobte ein Feuergefecht, da sich imperiale Geschütze mit der schweren Artillerie des Chaos duellierten.
Er schritt durch das schlammige Wasser auf das trockene Land eines Inselchens voller Gestrüpp und überhängender Blumen und dann weiter über einen Weg aus Flakbrettern zu den Linien.
Hinter einem langen, gewundenen, S-förmigen, drei Kilometer langen Damm stand das Erste und Einzige Tanith bereit. Das Regiment hatte diesen Damm selbst angelegt und ihn mit rasch verfaulenden Planken aus Flakbrettern verstärkt. Hinter diesem Damm waren künstliche Hügel angelegt worden, um die Munition trocken lagern zu können. Seine Männer standen in Geschütztrupps bereit, fünfzehnhundert Mann stark und in die schwarzen Umhänge und matten Rüstungen gehüllt, die ihr Wahrzeichen waren. Einige standen mit der Waffe im Anschlag vor Schießscharten im Damm. Andere bemannten schwere Waffen. Manche standen herum, rauchten, unterhielten sich und spekulierten. Alle standen in mindestens knöcheltiefem trübem Schlamm.
Die Biwaks, die ebenfalls erhöht auf Pfählen standen und aus dem Sumpf ragten, lagen etwa dreißig Meter hinter dem Damm. Kleine Freistätten der Trockenheit, die sich aus dem Schlamm erhoben.
Gaunt wanderte den Damm entlang zur ersten Gruppe von Männern, die eine Treppe aus Matsch anlegten, den sie mit Spaten aus dem Wasser schaufelten. Kreischende Vögel flogen vorbei, kalkweiß, mit großen Flügeln und angelegten dürren, rosa Beinen. Die Insekten zirpten.
Der Schweiß hatte nach weniger als einem Dutzend Schritten Halbmonde auf die Unterarme seines Uniformhemds gezeichnet. Moskitos stachen ihn. Alle Gedanken an zukünftigen Ruhm und an die bitteren Kämpfe, die bevorstanden, schwanden aus Ibram Gaunts Bewusstsein. Stattdessen kamen die Echos. Die Erinnerungen.
Gaunt fluchte leise und wischte sich über die Stirn. An Tagen wie diesem, in den endlosen, emotionsgeladenen Stunden, während sie auf das Gefecht warteten, fluteten die Erinnerungen am intensivsten zurück. An die Vergangenheit, an gefallene Kameraden und vermisste Freunde, an Siege und Niederlagen, die schon lange vorbei waren, an Abschlüsse.
Und an Anfänge ...
Geistermacher
Feuer, wie eine Blume. Blühend. Blasses, grünliches Feuer, das hin und her huschte, als sei es lebendig. Das die Welt verzehrte, die ganze Welt ...
Imperiumskommissar Ibram Gaunt öffnete die Augen und starrte in sein eigenes hageres, bleiches Gesicht. Bäume so dunkelgrün wie ein Meer in der Nacht rauschten an ihm vorbei.
"Wir beginnen jetzt mit dem Landeanflug, Kommissar."
Gaunt wandte den Blick von seinem Spiegelbild in dem kleinen dicken Bullauge der Landefähre ab und erblickte seinen Adjutanten. Sym war ein fähiger Mann mittleren Alters, dessen leicht aufgedunsene Haut an Hals und Wange durch eine verfärbte, alte Brandnarbe entstellt war.
"Ich sagte, wir beginnen mit dem Landeanflug", wiederholte Sym.
"Ich habe Sie verstanden", erwiderte Gaunt freundlich. "Gehen wir noch mal das Programm durch."
Sym machte es sich auf seinem gepolsterten Andrucksessel bequemer und studierte eine Datentafel. "Offizielle Begrüßungszeremonie. Förmliche Bekanntmachung mit dem Elektor von Tanith und der Regierungsversammlung. Abnahme der neu gegründeten Regimenter. Und heute Abend ein offizielles Diner."
Gaunts Blick schweifte zurück zu den ausgedehnten Wäldern, die unter dem Bullauge vorbeihuschten. Er hasste das pompöse Protokoll, und Sym wusste das.
"Morgen beginnt der Transfer, Kommissar. Bis zum Ende der Woche haben wir die Regimenter an Bord geholt und sind abflugbereit", sagte der Mann in dem Versuch, den Dingen einen positiveren Anstrich zu geben.
Gaunt schaute ihn nicht an. "Sehen Sie zu, dass wir mit dem Transfer gleich nach der Abnahme beginnen können. Warum den Rest des Tages und die Nacht vergeuden?"
Sym nickte nachdenklich. "Das müsste möglich sein."
Ein leises Läuten kündete die Landung an, und beide Männer spürten plötzlich die Beharrungskräfte des Bremsmanövers. Die anderen Passagiere in der länglichen Kabine der Fähre, ein Astropath, stumm in seinen Roben, und Beamte des Adeptus Ministorum und Departmento Munitorium, schnallten sich an und bereiteten sich auf die Landung vor. Sym starrte aus dem Bullauge und betrachtete die endlosen Wälder, die Gaunt so faszinierten.
"Ist eine merkwürdige Welt, dieses Tanith." Er rieb sich das Kinn. "Es heißt, die Wälder bewegen sich. Verändern sich. Die Bäume ... äh ... wandern anscheinend. Der Pilot hat gesagt, dass man sich binnen Minuten in den Wäldern verirren kann."
Syms Stimme senkte sich zu einem Flüstern. "Man sagt, es wäre ein Hauch von Chaos! Können Sie das glauben? Es heißt, Tanith hätte ein Hauch von Chaos an sich, weil es so nah an der Grenze liegt."
Gaunt antwortete nicht.
Die Zinnen und Türme von Tanith Magna strebten der Stachelgestalt der Fähre entgegen. Die Stadt, die inmitten endloser Ozeane immergrüner Bäume eingebettet war, sah aus der Luft wie ein komplexer Kreis von Steinsäulen aus, dunkelgraue Pfeiler, die sich dem Wald ringsumher zum Trotz auf einer Lichtung erhoben. Banner und Rauch aus Kohlepfannen flatterten über den hohen Festungswällen, und vor der Stadt konnte Gaunt eine riesige Ebene sehen, die man förmlich in den Wald geschnitten hatte. Hier standen unzählige Zeltreihen, Tausende, jedes mit seinem eigenen Herdfeuer. Das Gründungsfeld.
Jenseits der Zeltstadt warteten die riesigen schwarzen Schatten der klobigen Transporter in feuergeschwärzten Erdkratern mit wie Walmäuler geöffneten Bauchrampen nur darauf, sich die Männer und Maschinen der neuen tanithischen Regimenter einzuverleiben. Es waren seine Regimenter, machte er sich noch einmal klar, die ersten Regimenter der Imperialen Garde, die auf dieser rätselhaften, dünn bevölkerten Grenzwelt überhaupt je aufgestellt worden waren.
Acht Jahre hatte Gaunt als politischer Offizier beim 8. Hyrkan gedient, einem tapferen Regiment, das er von dessen Gründung auf den windumtosten Hügeln Hyrkans bis zu seinem grimmigen Sieg auf Balhaut begleitet hatte. Doch viele Krieger waren gefallen, und eine weitere Gründung würde bekannte Uniformen mit unbekannten Gesichtern ausfüllen. Es war an der Zeit weiterzuziehen, und Gaunt war dankbar für das neue Kommando. Sein Dienstalter, seine Erfahrung ... sogar seine relative Berühmtheit machten ihn zu einer idealen Wahl, die jungfräulichen Einheiten Taniths in Form zu peitschen. Ein Teil von ihm, ein junger, eifriger, aber kleiner Teil tief in ihm, genoss die Aussicht, einen neuen Namen für die Ehrentafeln der Garde aufzubauen. Aber der Rest von ihm war matt, erstarrt, leer. Mehr als alles andere hatte er das Gefühl, einfach nur mechanisch zu funktionieren.
So empfand er schon seit Slaydos Tod. Der alte Kommandant hätte sicher gewollt, dass er hier war und weiter nach Ruhm strebte ... hatte er ihm schließlich nicht genau deswegen sein Geschenk gemacht? Ihn gleich auf den Schlachtfeldern Balhauts zum Kommissar-Oberst befördert und so einen der ganz wenigen politischen Offiziere in der Garde aus ihm gemacht, die in der Lage waren, ein Regiment zu führen. Welch ein Vertrauensbeweis. Aber Gaunt war so müde. Jetzt kam es ihm eigentlich nicht mehr wie eine Belohnung vor.
Die Fähre neigte sich abwärts. Große Messingjalousien an einem der höchsten Türme der Stadt öffneten sich wie die Blüten einer Orchidee, um sie zu empfangen.
Auf dem Gründungsfeld schauten die Männer hoch, als die Fähre im Landeanflug über sie hinwegrauschte, sich vor den träge dahinziehenden Wolken in eine Kurve legte und wie ein Käfer über die Stadtmauern hinwegsetzte und den Landeturm ansteuerte.
"Jemand Wichtiges", stellte Larkin fest, der in den Himmel blinzelte. Er spie auf das Putztuch in seiner Hand und polierte weiter die Schnallen seines Koppels.
"Nur noch mehr Verkehr. Noch mehr aufgeblasene Fremdweltler." Rawne ließ sich wieder zurücksinken und drehte das Gesicht in die Sonne.
Corbec, der neben seinem Zelt stand, schirmte die Augen vor dem grellen Sonnenschein ab und nickte. "Ich glaube, Larkin hat Recht. Jemand Wichtiges. Auf diesen Flieger ist ein großes Wappen der Garde gemalt. Jemand ist zur Abnahme der Gründung gekommen. Vielleicht sogar dieser Kommissar-Oberst persönlich."
Er senkte den Blick und schaute sich um. Rechts und links von ihm erstreckten sich Dreimannzelte in geordneten Reihen, und Gardisten in brandneuer Uniform saßen herum, säuberten Ausrüstung, nahmen Waffen auseinander, aßen, würfelten, rauchten und schliefen. Alles in allem sechstausend Mann, hauptsächlich Infanterie, aber auch einige Artillerie- und Panzertruppen, drei volle Regimenter und alles Männer von Tanith.
Corbec setzte sich vor seinen Kocher und rieb sich die Hände. Seine neue schwarze Uniform scheuerte an den Ecken und Kanten seiner massigen Gestalt. Es würde die Hölle werden, sie einzutragen. Er betrachtete seine Zeltkameraden Larkin und Rawne. Larkin war ein schlanker sehniger Mann mit einem Dolchgesicht. Wie alle Tanither war er hellhäutig und schwarzhaarig. Larkin hatte gefährliche Augen wie blaues Feuer, drei silberne Kreolen im linken Ohr und eine blaue Spiralwurm-Tätowierung auf der rechten Wange. Corbec kannte ihn schon eine ganze Weile. Sie hatten vor der Gründung zusammen in derselben Bürgerwehreinheit von Tanith Magna gedient. Er kannte Larkins Stärken - die Augen eines Scharfschützen und ein tapferes Herz - und Schwächen - ein unsteter Charakter, der sich leicht aus der Fassung bringen ließ.
Rawne kannte er nicht so gut. Rawne war ein gut aussehender Teufel. Seine sauberen, schlanken Züge zierte eine Nova-Tätowierung über einem Auge. Er war Unteroffizier in der Bürgerwehr Tanith Atticas oder einer der anderen Städte im Süden gewesen, aber er redete nicht viel darüber. Corbec hatte das unbestimmte Gefühl, dass sich unter Rawnes öligem Charme eine mörderische, rücksichtslose Ader verbarg.
Bragg - der große, ungeschlachte, herzliche Bragg - kam mit einer Flasche heißem Sacra in den Händen herangeschlendert. "Was zum Aufwärmen?", fragte er, und Corbec nickte dem riesigen Mann lächelnd zu. Bragg goss vier Tassen ein und reichte eine davon Larkin, der kaum aufsah, aber ein Dankeschön murmelte, und eine davon Rawne, der nichts sagte, sondern den Inhalt lediglich hinunterstürzte.
"Dann glauben Sie, dass das unser Kommissar war?", stellte Bragg schließlich die Frage, von der Corbec wusste, dass sie ihm unter den Nägeln brannte, seit er Corbecs Bemerkung gehört hatte.
Corbec nippte und nickte. "Gaunt? Ja, höchstwahrscheinlich."
"Ich habe Sachen von den Munitoriumsleuten in den Transportern gehört. Die sagen, dass er hart wie ein Nagel ist - und Orden hat. Ein richtig toller Bursche, sagen sie."
Rawne schnaufte. "Warum kann uns nicht einer von uns anführen, kann mir das jemand verraten? Wir brauchen nur einen guten Bürgerwehr-Kommandanten, mehr nicht."
"Ich könnte mich anbieten", scherzte Corbec leise.
"Er hat gesagt, einen guten Mann!", schnauzte Larkin und widmete sich wieder seinem besessenen Polieren.
Corbec blinzelte Bragg zu, und sie nippten beide.
"Aber es ist schon komisch, dass wir jetzt gehen, oder nicht?", sagte Bragg nach einer kleinen Pause. "Ich meine, endgültig. Wir kommen vielleicht nie mehr zurück."
"Höchstwahrscheinlich nicht", sagte Corbec. "Das ist unsere Pflicht. Dem Imperator in seinen Kriegen zu dienen, sternauf, sternab. Besser, du gewöhnst dich an die Vorstellung."
"Aufgepasst!", rief Forgal aus einem Zelt nicht weit entfernt. "Der große Garth kommt mit seinem Dienstgesicht."
Sie sahen sich um. Major Garth, der Kommandeur ihrer Einheit, stapfte die Zeltreihe entlang und bellte knappe Befehle nach beiden Seiten. Garth war ein Klotz von einem Mann mit einer tonnenförmigen Brust, dessen Körperfülle und schwere, faltige Züge anzudeuten schienen, dass die Schwerkraft ihm stärker zusetzte als den meisten. Er kam zu ihnen.
"Packt zusammen, Jungs. Zeit für den Transfer", sagte er.
Corbec hob eine Augenbraue. "Ich dachte, der wäre morgen?"
"Das habe ich auch gedacht, das hat Oberst Torth gedacht, und das hat auch das Departmento Munitorium gedacht, aber es sieht so aus, als wäre unser neuer Kommissar-Oberst ein ungeduldiger Mann. Er will nämlich, dass wir gleich nach der Abnahme mit dem Transfer beginnen."
Garth ging weiter und rief mehr Befehle.
"Tja", sagte Colm Corbec zu niemandem im Besonderen, "ich nehme an, jetzt geht es richtig los."
Gaunt hatte Kopfschmerzen. Er wusste nicht, ob es an der endlosen Prozession von tanithischen Würdenträgern und Politikern lag, die ihm vorgestellt wurden, dem damit verbundenen belanglosen Geplauder, der quälend langsamen Abnahme der Truppen auf dem Sammelplatz vor der tanithischen Versammlung oder einfach nur an der verfluchten Dudelsackmusik, die jede Kammer und Straße und jeden Hof der Stadt zu erfüllen schien, die er betrat.
Und auch die Truppen waren nicht so beeindruckend. Blass, dunkelhaarig, irgendwie unterernährt aussehend, hager in schlichtem schwarzem Drillich, jeder mit einem scheckigen Tarnumhang über der einen und einem Lasergewehr über der anderen Schulter. Ganz zu schweigen von den verfluchten Ohrsteckern und Kreolen, den Gesichtstätowierungen, den ungekämmten Haaren und dem melodischen Akzent. Die "prächtigen 1., 2. und 3. Tanith", die neuen Regimenter. Eigentlich ein hungriger, schmuddeliger Haufen Waldläufer mit weichen Stimmen und nichts, worüber man nach Hause schrieb.
Der Elektor von Tanith, der hiesige Planetenherrscher, dessen Wange eine Schlangentätowierung zierte, hatte Gaunt die kämpferischen Qualitäten der tanithischen Bürgerwehr zugesichert.
"Sie sind ausdauernd und gewieft", hatte der Elektor gesagt, als sie auf der Terrasse standen und die versammelten Mannschaften betrachteten. "Tanith bringt unermüdliche Männer hervor. Und unsere besonderen Stärken sind Kundschaften und Verstohlenheit. Wie man es auf einer Welt erwarten kann, deren wandernde Wälder ihren Standort mit verblüffender Schnelligkeit verändern, haben die Tanither einen unfehlbaren Orientierungssinn. Sie können sich nicht verirren. Sie nehmen wahr, was anderen entgeht."
"In der Hauptsache brauche ich Kämpfer, keine Führer", hatte Gaunt gesagt und dabei versucht, nicht zu abfällig zu klingen.
Der Elektor hatte nur gelächelt. "Oh, wir kämpfen auch. Und jetzt haben wir zum ersten Mal die Ehre, unseren Kampfgeist in den Dienst des Imperiums zu stellen. Die Regimenter Taniths werden Ihnen gut dienen, Kommissar-Oberst."
Gaunt hatte höflich genickt.
Jetzt saß Gaunt für sich allein in einem Vorzimmer des Versammlungshauses. Er hatte Mantel und Mütze auf eine Holztruhe gelegt, und Sym hatte seine Galauniformjacke für das Diner ausgebreitet, das in dreißig Minuten beginnen würde. Hätte er sich doch nur seiner Kopfschmerzen entledigen können und der beklemmenden Vorahnung, dass er an ein schwaches Kommando geraten war.
Und die Musik! Die verdammte Dudelsackmusik, die sich sogar hier in den Privatgemächern in seinen Kopf schlich!
Er stand auf und ging zu den schrägen Fenstern. Jenseits der Stadt und des Gründungsfelds zuckte orangefarbenes Feuer durch die Dämmerung, da die schweren Transporter starteten und landeten und die Regimenter in kleinen Gruppen zu den riesigen Truppentransportern in der Umlaufbahn verschifften.
Immer noch diese Musik!
Gaunt ging zu einem dunkelgrünen Samtvorhang und riss ihn beiseite. Die Musik verstummte. Der Junge mit dem kleinen Dudelsack schaute erstaunt in seine erzürnten Augen.
"Was machst du hier?", fragte Gaunt so drohend wie ein gezücktes Messer.
"Spielen, Kommissar-Oberst", sagte der Junge. Er war ungefähr siebzehn, noch kein Mann, aber hochgewachsen und gut gebaut. Sein Gesicht mit einer blauen Fischtätowierung über dem linken Auge war stark und hübsch.