Leseprobe zu "Enthüllungen / Star Wars. Wächter der Macht Bd.8"
JEDI-AUSSENPOSTEN, ENDOR: ZWÖLF WOCHEN NACH DEM TOD VON MARA JADE SKYWALKER Mein Bruder starb im Yuuzhan-Vong-Krieg. Nicht Anakin, Jacen!
Ich habe Jahre gebraucht, um dahinterzukommen, obwohl ich es eigentlich von Anfang an hätte sehen müssen. Jacen - der Bruder, den ich liebte, mein Zwillingsbruder - kehrte niemals nach Hause zurück. Es hatte bloß den Anschein.
Ich glaube, dass Jacens Selbst wahrscheinlich in der Umarmung des Schmerzes starb, durch die Hände von Vergere und den Yuuzhan Vong. Was auch immer zurückkam, war eine andere Person - ein vollkommen Fremder.
Das ist die einzige Erklärung für das, was aus ihm wurde.
Nun habe ich den Punkt erreicht, an dem ich etwas absolut Undenkbares tue, weil das Undenkbare die letzte Karte ist, die wir noch ausspielen können, der einzige Weg, wie ich Jacen aufhalten und verhindern kann, dass sein Krieg die ganze Galaxis verschlingt. Die mandalorianischen Crushgaunts haben mich hierauf gebracht. Jag hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie funktionieren. Sie sind hässliche Waffen. Mandalorianisches Eisen - Beskar - ist so gut wie lichtschwertresistent.
Ich hatte beinahe erwartet, dass die Dinger explodieren würden, als Dad das Paket öffnete. Schließlich: Warum sollte Boba Fett meinem Vater Geschenke schicken?
Wohl, weil seine Tochter von meinem Bruder zu Tode gefoltert wurde. Seitdem haben wir auf Fetts Rache gewartet, aber bislang ... vergeblich. Alles, was von ihm kam, waren diese Präsente: die Crushgaunts und die Rüstungsplatte, alles hergestellt aus mandalorianischem Eisen.
Also packe ich für eine Reise, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie jemals unternehmen würde. Das muss ich Jag lassen - er hat nie gesagt: Ich habs dir doch gesagt. Er war derjenige, der meinte, ich müsse von jemandem lernen, der umfassende Erfahrung darin hat, Jedi zur Strecke zu bringen.
Wenn überhaupt jemand Jacen stoppen kann, dann bin ich es. Ich bin ihm ebenbürtig, und ich bin das Schwert der Jedi. Aber ich besitze einfach nicht seine . Ausbildung. Ich habe keine Ahnung, was er von Lumiya gelernt hat, ganz zu schweigen von dem, das er in diesen fünf Jahren auf seinen Reisen aufgeschnappt hat. Doch früher oder später wird er einen Fehler machen. Er ist so von sich eingenommen, dass er Gefahr läuft, sich selbst zu überschätzen.
Ich hoffe nur, dass es bald so weit ist. Und wenn es Jacen unbesiegbar gemacht hätte, ein Sith zu sein, hätte er die Galaxis mittlerweile unter seine Kontrolle gebracht.
Ich habe eine Chance, und Fett wird mir dabei helfen, das Beste daraus zu machen.
So schwierig kann es nicht sein, ihn zu finden. Er ist ein Kopfgeldjäger, also heuere ich ihn genauso an wie jeder andere Kunde, abgesehen davon, dass ich nicht wie jeder andere Kunde bin - ich bin Han Solos Tochter, und ich bin eine Jedi, und Fett hat sein ganzes Leben damit verbracht, Jagd auf uns zu machen.
Und jetzt werde ich ihn bitten, mir beizubringen, meinen eigenen Bruder zu jagen und gefangen zu nehmen.
Soweit ich weiß, wird er mir höchstwahrscheinlich ins Gesicht lachen - das heißt, falls er überhaupt jemals lacht - und mir sagen, dass ich mich wieder aus dem Staub machen soll. Aber ich muss ihn fragen. Ich muss meinen Stolz herunterschlucken, in den sauren Apfel beißen und ihn falls nötig anflehen. Dad scheint eine gewisse Sympathie für ihn entwickelt zu haben; ich hingegen verachte ihn noch immer.
Aber falls er einwilligt, schwöre ich, dass ich die beste Schülerin sein werde, die er je hatte. Komm schon, Fett: Zeig mir, wie man's macht.
Wenn das Volk in größter Gefahr schwebt, möge der mächtige Kriegerkapitän Darakaer aus seinem ewigen Schlaf gerufen werden, beschworen von einem auf seiner uralten Trommel geschlagenen Takt. Denn er gab uns sein Wort, uns zu Hilfe zu eilen, wenn die Trommel ertönt, und wir sollten ihn rufen, wenn wir uns anschickten, dem Feind zu trotzen.
- Irmenu-Volkslegende JEDI-AÜSSENPOSTEN, ENDOR: ZWÖLF WOCHEN NACH DEM TOD VON MARA JADE SKYWALKER Ben Skywalker hatte geglaubt, es ginge einfach nur darum, sein Lichtschwert zu aktivieren - brüllend vor Rachsucht oder erstickt von stillem Kummer, was davon, war ihm egal - und Jacen Solo den Kopf von den Schultern zu schlagen.
Er saß da und schaltete das Schwert ein und aus, während er auf die Klinge aus blauer Energie hinabblickte und zusah, wie sie verschwand, bloß um ein ums andere Mal sofort wieder zu glühendem Leben zu erwachen. Er sah seine Mutter vor sich, die nicht durch das Umlegen eines Schalters zurückgeholt werden konnte, auch wenn er den Rest seines Lebens für eine weitere Gelegenheit geopfert hätte, ihr sagen zu können, wie sehr er sie liebte.
Gleichwohl, das Bild, das er erfolglos aus seinen Gedanken zu verbannen versuchte, war das von Jacen Solos Gesicht. So viele Leute sagten, dass Jacen ihnen mittlerweile wie ein Fremder vorkam, aber ein Fremder war jemand, den man nie geliebt, jemand, zu dem man nie aufgeschaut hatte, sodass seine Gewalttaten oder gleichgültige Grausamkeit bloß abstoßende Informationen waren, das Zeug, das sie in den Holonachrichten brachten, das aber nichts mit einem selbst zu tun zu haben schien. Aber die Familie . Die Familie konnte einem mehr Leid zufügen als irgendjemand sonst, und dazu mussten sie einen nicht einmal so foltern, wie Jacen ihn gefoltert hatte, um Narben zu hinterlassen.
Das Gesicht von Jacen, an das sich Ben bis zum Tage seines Todes erinnern würde, war das, das er auf Kavan gesehen hatte, als Jacen bei der Leiche seiner Mutter gekauert hatte, das Gesicht, mit dem er Ben versprochen hatte, dass sie ihn erwischen würden - egal, wer auch immer das getan hatte. Und das war der Grund dafür, warum es nicht einfach so verschwinden würde; irgendetwas stimmte nicht mit diesem Gesicht - irgendwas fehlte oder war da, obwohl es das eigentlich nicht sein sollte. Ben pflückte die Erinnerung auseinander und warf dabei alle paar Minuten einen Blick auf sein Chrono, überzeugt davon, dass er bereits seit Stunden auf Tante Leia wartete.
Ich hatte die Chance, ihn zu töten. Dad hat mich aufgehalten. Vielleicht... Vielleicht hätte ich Jacen töten können, ohne der Dunklen Seite anheimzufallen.