Drachenzorn / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.3 - Novik, Naomi

Drachenzorn / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.3

Naomi Novik 

Übers. v. Marianne Schmidt
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Drachenzorn / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.3

Captain Will Laurence und sein Drache Temeraire werden ins ottomanische Imperium abkommandiert. In Istanbul warten drei Dracheneier auf sie, die die beiden Gefährten sicher und vor dem Ausschlüpfen nach Britannien bringen müssen - doch das bedeutet, sich erneut mit dem Drachenweibchen Lien anzulegen, das Temeraire die Schuld am Tode seines Herrn gibt und geschworen hat, sich blutig zu rächen ...

"Unglaublich unterhaltsam!" Stephen King


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 511 S.
  • Seitenzahl: 512
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.24445
  • Deutsch
  • Abmessung: 184mm x 128mm x 43mm
  • Gewicht: 440g
  • ISBN-13: 9783442244454
  • ISBN-10: 3442244455
  • Best.Nr.: 20943291
"Unglaublich unterhaltsam!"
Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Baba Yaga und den Büchern von J.R.R. Tolkien aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war außerdem an der Entwicklung von äußerst erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Doch dann erkannte Naomi Novik, dass sie viel lieber schreibt als programmiert. So machte sie sich daran, ihren Debüt-Roman zu schreiben, mit dem sie sofort die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermaßen eroberte: "Drachenbrut", den ersten Band um die Feuerreiter Seiner Majestät. Naomi Novik lebt mit ihrem Mann und sechs Computern in New York.

Leseprobe zu "Drachenzorn / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.3"

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Nicht einmal dann, wenn er nachts in die Gärten hinausschaute, konnte Laurence sich einbilden, wieder daheim zu sein, denn zu viele Lampions blitzten durch die Bäume hindurch. Rot und golden hingen sie unter den nach oben weisenden Ecken der Dächer, und auch das Gelächter hinter ihm hatte den Klang eines fremden Landes ... Nur eine einzige Saite war auf das Instrument des Musikers gespannt, der darauf ein zitterndes, zartes Lied hervorbrachte. Wie ein Faden wob sich diese Melodie durch die Unterhaltungen, die selbst nichts anderes als Musik waren. Laurence war der Sprache noch immer kaum mächtig, und schnell verloren die Worte jegliche Bedeutung, wenn sich so viele Stimmen überlagerten. Er konnte nur lächeln, wenn ihn jemand ansprach, sein Unverständnis hinter einer Tasse mit blassgrünem Tee verstecken und sich bei erstbester Gelegenheit hinter eine Ecke der Terrasse davonstehlen. Kaum war er außer Sichtweite, stellte er seine nur halb geleerte Tasse auf einem Fenstersims ab. Für ihn schmeckte dieser Tee wie parfümiertes Wasser, und sehnsüchtig dachte er an starken, schwarzen Tee mit viel Milch oder, noch besser, an Kaffee. Seit zwei Monaten schon hatte er keinen Kaffee mehr getrunken.

Der Pavillon erlaubte eine freie Sicht auf den Mond und war auf einem kleinen Felsen errichtet worden, der aus dem Berghang hervorsprang und hoch genug war, um einen bezaubernden Blick über die Weiten der kaiserlichen Gärten zu ermöglichen, die sich unter ihm erstreckten. Es war eine seltsame Zwischenhöhe: weder so nahe am Boden wie ein gewöhnlicher Balkon noch so weit oben wie Temeraires Rücken, von dem aus Bäume zu Streichhölzern wurden und die großen Pavillons wie Spielzeuge aussahen. Laurence trat unter der Traufe hervor ans Geländer. Die Luft war angenehm kühl nach dem Regen, und die Feuchtigkeit machte Laurence nichts aus, denn der Nebel auf seinem Gesicht war ihm willkommen und durch die Jahre auf See weitaus vertrauter als der Rest seiner Umgebung. Angenehmerweise hatte der Wind die letzten hartnäckigen Gewitterwolken vertrieben. Nun wand sich der dampfende Nebel träge über die alten, sanft abgerundeten Steine auf den Wegen, und sie glänzten glatt und grau unter einem Dreiviertelmond. Die Brise war erfüllt vom Duft überreifer Aprikosen, die von den Bäumen gefallen und auf dem Kopfsteinpflaster zerplatzt waren.

Und noch ein Licht flackerte zwischen den gebeugten, uralten Bäumen hindurch. Es war ein schwaches, weißes Glänzen zwischen den Zweigen - mal gut zu erkennen, dann wieder verborgen -, das sich geradewegs auf das Ufer des nahe gelegenen, kunstvoll angelegten Teiches zubewegte und vom Klang gedämpfter Schritte begleitet wurde. Zunächst konnte Laurence nicht viel sehen, doch rasch löste sich eine seltsame kleine Prozession aus der Dunkelheit: Eine Handvoll Diener trat aus dem Schatten der Bäume, niedergedrückt vom Gewicht einer schlichten, hölzernen Bahre, auf der ein verhüllter Körper lag. Hinter ihnen her trotteten zwei junge Knaben, die Schaufeln trugen und immer wieder angsterfüllte Blicke über die Schultern warfen.

Laurence starrte die Menge verwundert an. Dann erschauderten die Baumwipfel und gaben den Blick auf Lien frei, die sich auf die Lichtung schob und hinter den Dienern haltmachte. Ihr Kopf über der breiten Halskrause war tief gesenkt, und ihre Flügel lagen eng am Körper an. Die schlanken Bäume hatten sich gebogen oder waren umgeknickt, als sie sich ihren Weg gebahnt hatte, und lange Zweige voller Weidenblätter hatten sich über ihre Schultern gelegt. Sie waren der einzige Schmuck des Drachen. All ihren sonstigen kunstvollen Rubin- und Goldschmuck hatte Lien abgelegt. Nun, da keine Edelsteine das durchscheinende Weiß ihrer gänzlich farblosen Haut belebten, sah sie blass und merkwürdig verletzlich aus; in der Dunkelheit wirkten ihre scharlachroten Augen schwarz und hohl.

Die Diener setzten ihre Last ab, um am Fuße einer alten, majestätischen Weide ein Loch zu graben. Hin und wieder stießen sie tiefe Seufzer aus, während sie die weiche Erde abtrugen. Im Laufe ihrer Arbeit begannen sie zu schwitzen, und schon bald zeichneten sich auf ihren bleichen, runden Gesichtern schwarze Streifen ab. Langsam schritt Lien die Baumreihen der Lichtung entlang, bückte sich, um kleinere Schösslinge auszureißen, die am Saum Wurzeln geschlagen hatten, und warf die gerade gewachsenen, jungen Bäume auf einen Haufen. Keine anderen Trauernden waren anwesend, abgesehen von einem Mann in dunklem, blauem Umhang, der hinter Lien herlief. Etwas an ihm und seinem Gang war vertraut, doch Laurence konnte sein Gesicht nicht erkennen. Der Mann blieb an einer Seite des Grabes stehen und sah schweigend zu, wie die Diener gruben. Es gab keine Blumen und auch keine lange Begräbnisprozession, wie sie Laurence zuvor auf den Straßen von Peking zu sehen bekommen hatte, wo Familien an ihrer Kleidung gerissen und kahl rasierte Mönche aus geschwenkten Gefäßen Wolken von Räucherwerk verbreitet hatten. Diese seltsame nächtliche Aktion hätte auch ein Armenbegräbnis sein können, wären da nicht im Hintergrund die goldbedachten, kaiserlichen Pavillons, halb verborgen von den Bäumen, und Lien gewesen, die über dem geschäftigen Treiben in der Grube aufragte wie ein riesiger, entsetzlicher, milchigweißer Geist.

Die Diener ließen den Körper verhüllt, als sie ihn in die Erde legten, denn schließlich war bereits mehr als eine Woche seit Yongxings Tod vergangen.

Nein, dieses Begräbnis schien eines kaiserlichen Prinzen nicht würdig zu sein, auch wenn er einen Mordanschlag geplant hatte und den Thron seines Bruders hatte an sich reißen wollen. Laurence fragte sich, ob die Beisetzung zunächst verboten worden war oder vielleicht selbst jetzt noch heimlich stattfand. Der kleine, in Tücher gewickelte Körper entschwand seinem Blick, und ein dumpfer Aufprall folgte. Lien schrie einmal, beinahe unhörbar, auf. Dieser Laut kroch Laurence unangenehm über den Nacken und verhallte zwischen den rauschenden Bäumen. Laurence fühlte sich mit einem Schlag wie ein Eindringling, obwohl er vermutlich vor dem hellen Glanz der Lampions, die hinter ihm hingen, gar nicht zu sehen war. Es würde wohl für mehr Unruhe sorgen, wenn er jetzt noch davonginge.

Die Diener hatten bereits damit begonnen, das Grab zuzuschütten. Weit ausholend beförderten sie die aufgetürmte Erde schwungvoll in das Loch und kamen rasch mit ihrer Arbeit voran. Schon bald war der Boden unter ihren Schaufeln wieder glatt geklopft, und nichts verriet das Grab außer dem frischen, unbewachsenen Erdfleck. Die niedrig hängende Weide mit ihren langen, wehenden Zweigen verbarg diesen Ort. Die beiden Jungen klaubten zwischen den Bäumen alte, verrottete Blätter und Nadeln zusammen, die sie über das Grab verteilten, bis es sich endgültig nicht mehr vom Erdboden ringsum unterschied und sich jedem Blick entzog. Als sie auch damit fertig waren, traten sie unsicher einen Schritt zurück: Ohne dass irgendjemand dem Ganzen einen angemessen feierlichen Rahmen verlieh, wussten sie nun nicht mehr weiter. Lien gab ihnen kein Zeichen. Sie hatte sich flach auf den Boden gelegt und war ganz in sich versunken. Endlich schulterten die Diener die Spaten, machten einen möglichst weiten Bogen um den weißen Drachen, um zwischen den Bäumen zu verschwinden, und überließen Lien somit sich selbst.

Der Mann mit dem blauen Umhang trat an das Grab und schlug vor seiner Brust ein Kreuz. Als er sich wieder umdrehte, wurde sein Gesicht vom Mond beschienen, und nun erkannte Laurence ihn. Es war De Guignes, der französische Botschafter - ganz sicherlich der letzte Trauernde, den Laurence hier erwartet hätte. Yongxings gewalttätige Ablehnung jeglichen Einflusses aus dem Westen hatte keine Günstlinge gekannt und keinerlei Unterschied zwischen Franzosen, Engländern und Portugiesen gemacht. Zu Lebzeiten wäre De Guignes niemals zum Vertrauten des Prinzen geworden, und es wäre undenkbar gewesen, dass Lien seine Gesellschaft geduldet hätte. Und doch waren dies seine ganz und gar französischen, aristokratischen Züge; seine Anwesenheit war gleichermaßen unbestreitbar wie unerklärlich. De Guignes blieb noch einige Augenblicke auf der Lichtung und sprach mit Lien. Auf diese Entfernung konnte Laurence nichts verstehen, doch seiner Haltung nach handelte es sich um eine Frage. Der Drache gab ihm keine Antwort. Lien machte überhaupt kein Geräusch, sondern verharrte weiter auf den Boden hingekauert und hielt den Blick unbeirrt auf das verborgene Grab gerichtet, als wollte sie sich diesen Ort ins Gedächtnis brennen. Einen Moment später verbeugte sich der Franzose und verließ sie.

Reglos blieb sie am Grab liegen, und ihre Haut wirkte streifig von den dahineilenden Wolken und den länger werdenden Schatten der Bäume. Obgleich Laurence den Tod des Prinzen nicht bereute, regte sich doch Mitleid in ihm. Er konnte sich nicht vorstellen, dass nun noch irgendjemand Lien als Gefährtin wählen würde. Lange Zeit beobachtete er sie, an das Geländer gelehnt, bis der Mond schließlich so weit gesunken war, dass sie vor seinen Blicken verborgen war. Um die Ecke der Terrasse schwappte eine neue Welle von Gelächter und Applaus: Die Musik hatte endlich geendet.

Träge blies der heiße Wind über Macao. Er erfrischte nicht, sondern rührte nur den faulig salzigen Geruch des Hafens nach totem Fisch und den großen Haufen schwarzroten Seetangs und den Gestank der Abfälle von Menschen und Drachen ein wenig auf. Trotzdem saßen die Matrosen dicht gedrängt und aneinandergelehnt entlang der Reling der Allegiance und versuchten, wenigstens einen winzigen Hauch frische Luft zu erhaschen. Ab und zu brach eine kleine Rangelei aus, verbissene Stöße in die eine und andere Richtung wurden ausgetauscht, doch in der gnadenlosen Hitze erstarben diese Streitigkeiten fast so schnell wieder, wie sie entstanden waren.

Temeraire lag auf dem Drachendeck und starrte in Richtung des Dunstes über dem Ozean, während die wachhabenden Flieger in seinem Schatten dösten. Da Laurence in der Krümmung von Temeraires Vorderbein saß, wo er vor allen Blicken verborgen war, hatte selbst er ein Zugeständnis an die Hitze gemacht und seine Jacke ausgezogen.

Nicht zum ersten Mal im Laufe dieser Woche sagte Temeraire: "Ich bin sicher, dass ich das Schiff aus dem Hafen ziehen könnte", akzeptierte aber mit einem Seufzer, dass sein gut gemeinter Plan erneut abgelehnt wurde. Zwar wäre er in einer Flaute wohl tatsächlich in der Lage gewesen, selbst den enormen Drachentransporter hinter sich herzuziehen, angesichts des direkten Gegenwindes würde er sich jedoch nur sinnlos verausgaben.

"Auch bei Flaute könntest du die Allegiance nicht über eine größere Distanz schleppen", fügte Laurence zum Trost hinzu. "Natürlich können einige Meilen auf dem offenen Ozean bereits von Nutzen sein, aber im Augenblick können wir genauso gut im Hafen bleiben, wo wir es wenigstens ein bisschen einfacher haben. Selbst wenn wir das Schiff hinausbekämen, würden wir kaum Fahrt aufnehmen."

"Es ist eine Schande, dass wir immer auf den Wind warten müssen, wo doch alles vorbereitet ist und wir jederzeit aufbrechen könnten", maulte Temeraire weiter. "Ich wäre gerne so schnell wie möglich zu Hause. Es gibt schließlich viel zu tun." Zur Bekräftigung schlug sein Schwanz mit einem hohlen Geräusch auf die Bretter.

"Hoffentlich erwartest du nicht zu viel", versuchte Laurence ihn zu beschwichtigen, doch er glaubte selber nicht, damit großen Erfolg zu erzielen. Schon früher hatte es wenig gebracht, Temeraire zur Zurückhaltung zu drängen, deshalb erwartete er auch jetzt kein anderes Ergebnis. "Du musst immer damit rechnen, dass alles seine Zeit braucht. Zu Hause gilt das genauso wie hier."

"Oh! Ich verspreche, ich werde geduldig sein", erklärte Temeraire. Sofort machte er jedoch Laurence' Hoffnung, sich auf dieses Versprechen verlassen zu können, zunichte, indem er hinzufügte, ohne sich eines Widerspruchs bewusst zu sein: "Trotzdem bin ich sicher, dass die Admiralität sehr schnell erkennen wird, wie wichtig unser Anliegen für die Gerechtigkeit ist. Es ist doch nur angemessen, dass auch die Drachen entlohnt werden, wenn unsere Mannschaft ebenfalls eine Bezahlung erhält."

Laurence, der seit seinem zwölften Lebensjahr zur See gefahren war, bevor ihn eine Laune des Schicksals zum Kapitän eines Drachen statt eines Schiffes gemacht hatte, hatte die ehrenwerten Gentlemen der Admiralität ausgiebig kennenlernen können. Sie waren für die Marine und das Luftkorps zuständig, und ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn gehörte kaum zu ihren herausragenden Eigenschaften. Vielmehr schienen sie in ihrem Amt jeden menschlichen Sinn für Anstand und andere wichtige Qualitäten verloren zu haben: Beinahe alle miteinander waren sie Kriecher, Pfennigfuchser und politische Wendehälse. Die weitaus besseren Lebensbedingungen der Drachen hier in China hatten Laurence gegen seinen Willen die Augen gegenüber den Missständen ihrer Behandlung im Westen geöffnet. Er ging jedoch nicht davon aus, dass die Admiralität diese Einschätzung teilen würde, sobald es auch nur einen Penny kostete.

Auf jeden Fall hoffte Laurence insgeheim, dass Temeraire, wenn er schon nicht ganz davon lassen konnte, doch wenigstens etwas bescheidenere Ziele verfolgen würde, sobald sie wieder auf ihrem Posten im Kanal mit dem ehrlichen Geschäft der Heimatverteidigung beschäftigt wären. Im Prinzip hatte Laurence zwar nichts gegen Temeraires Vorhaben einzuwenden, das nur natürlich und gerecht war. Aber England befand sich im Krieg, und anders als Temeraire war Laurence sich bewusst, wie unklug es unter diesen Umständen wäre, solche Zugeständnisse von der eigenen Regierung zu fordern. Höchstwahrscheinlich würde man es als Meuterei auffassen. Er hatte seine Unterstützung jedoch zugesagt und würde nun keinen Rückzieher machen. Immerhin hätte Temeraire auch hier in China bleiben können, um den Wohlstand und die Freiheiten zu genießen, die ihm als Himmelsdrache von Geburt her zustanden. Zwar kehrte er hauptsächlich Laurence zuliebe nach England zurück, doch auch die Hoffnung darauf, die Lebensbedingungen seiner Kameraden zu verbessern, hatte eine Rolle gespielt.

Trotz aller Vorbehalte konnte Laurence kaum einen berechtigten Einwand anbringen, obwohl er sich manchmal unehrlich fühlte, wenn er zu Temeraires hochtrabenden Plänen schwieg.

"Dein Vorschlag, bei der Bezahlung anzusetzen, war sehr klug", fuhr Temeraire fort und belastete Laurence' Gewissen nur noch mehr. Er hatte diesen Punkt vor allem vorgeschlagen, weil es eine weniger radikale Veränderung bedeutete als viele Ideen, die Temeraire sonst noch hegte. Dazu gehörten beispielsweise die vollständige Zerstörung einiger Stadtviertel Londons, um Raum für Durchgangsstraßen zu schaffen, die Drachen genügend Platz böten, oder die Entsendung von Vertretern der Drachen ins Parlament, was abgesehen von der Schwierigkeit, diese überhaupt in das Gebäude zu bringen, mit Sicherheit auch zur sofortigen Flucht aller menschlichen Mitglieder geführt hätte. "Sobald wir eine Bezahlung eingeführt haben, wird ohne Zweifel alles andere leichter. Ab dann können wir den Leuten für alle Dinge dieses Geld anbieten, das sie so sehr mögen. Genau wie du es bei den Köchen gemacht hast, als du sie für mich angestellt hast. Das ist aber ein angenehmer Duft", fügte er wenig zutreffend hinzu: Der intensive, rauchige Geruch verkohlten Fleisches wurde gerade so stark, dass er selbst den Gestank des Hafens überlagerte.

Laurence verzog das Gesicht und sah nach unten. Die Kombüse befand sich direkt unter dem Drachendeck, und dünne Rauchschwaden stiegen zwischen den Planken des Decks empor. "Dyer", rief er und winkte einem seiner Burschen, "schauen Sie mal nach, was dort unten vor sich geht."

Temeraire hatte eine Vorliebe für die chinesische Art der Drachenküche entwickelt. Weil der englische Quartiermeister, von dem sonst nur erwartet wurde, für frisch geschlachtetes Vieh zu sorgen, nicht in der Lage war, ihn zufriedenzustellen, hatte Laurence zwei chinesische Köche ausfindig gemacht, die für die Aussicht auf eine beträchtliche Entlohnung bereit waren, ihr Land zu verlassen. Die neuen Köche sprachen kein Englisch, es mangelte ihnen jedoch nicht an Selbstbewusstsein. Aus beruflichem Neid hatten sie dem Schiffskoch und seinen Gehilfen bereits beinahe den offenen Kampf um die Kombüsenöfen erklärt, und es hatte sich eine gewisse Atmosphäre des Wettbewerbs entwickelt.

Dyer trottete die Stufen zum Achterdeck hinunter und öffnete die Tür zur Kombüse. Sofort quoll eine gewaltige Rauchwolke hervor. "Feuer!", schrien die Ausgucke in der Takelage, und der wachhabende Offizier begann, hektisch und unter Klirren und Kratzen des Klöppels, die Glocke zu läuten. Laurence rief: "Auf die Stationen!", und schickte seine Männer zu ihren Feuermannschaften.

Alle Lethargie war verschwunden. Die Matrosen rannten zu den Eimern und Kübeln, ein paar mutige Kameraden sprangen in die Kombüse. Als sie wieder herauskamen, zogen sie schlaffe Körper hinter sich her: die Gehilfen des Kochs, die beiden Chinesen und einen der Schiffsjungen. Vom Schiffskoch selbst fehlte jede Spur. Wasser schwappte aus den Eimern, die jetzt in beständigem Strom weitergereicht wurden. Der Bootsmann brüllte und schlug gleichmäßig mit seinem Stock gegen den Hauptmast, um den Rhythmus vorzugeben, und ein Eimer nach dem anderen wurde durch die Kombüsentüren entleert. Aber der Rauch quoll weiter hervor, dichter nun, durch jede Ritze und jede Spalte des Decks. Die Poller des Drachendecks waren inzwischen sengend heiß geworden, und das Seil, das über zwei der eisernen Pfosten gelegt war, begann zu qualmen.Geistesgegenwärtig hatte der junge Digby bereits die anderen Fähnriche zusammengetrommelt. Gemeinsam machten sich die Jungen daran, die Taue einzuholen. Verbissen schluckten sie ihren Schmerz hinunter, wenn sie sich die Hände an dem glühenden Eisen verbrannten. An der Reling aufgereiht, warfen die restlichen Flieger Eimer über die Seite und hievten Wasser herauf, um damit das Drachendeck zu begießen. Dampf stieg in weißen Wolken empor und hinterließ eine graue Salzkruste auf den Planken, die sich bereits verzogen. Das Deck ächzte. In langen, schwarzen Streifen floss der geschmolzene Teer aus den Zwischenräumen über die Deckoberfläche; er schwelte und verströmte einen ätzenden, süßlich riechenden Qualm, der in den Atemwegen stach. Temeraire stand inzwischen auf allen vieren und tigerte hin und her, um der Hitze zu entgehen, und das, obwohl Laurence ihn schon gesehen hatte, wie er zufrieden auf Steinen lag, die von der prallen Mittagssonne ofenheiß waren.


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Bewertung von linda aus Ennepetal am 05.06.2010   ausgezeichnet
laurence und temeraire haben es geschafft, sie dürfen wieder zurück nach england! aber auf dem rückweg aus china bekommen sie eine aufgabe und müssen danach in den krieg gegen napoleon ziehen.
Dieses buch knüpft super an drachenprinz an. ich empfehle es zwischen 10 jahren und dem restlichen leben.

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