Die Ordensburg / Elfenritter Bd.1 - Hennen, Bernhard

Die Ordensburg / Elfenritter Bd.1

Roman

Bernhard Hennen 

Herausgeber: Kuepper, Angela
Broschiertes Buch
 
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Die Ordensburg / Elfenritter Bd.1

"Bernhard Hennens Elfen'-Romane gehören zum Besten, was die Fantasy je hervorgebracht hat." -- Wolfgang Hohlbein

"Bernhard Hennen erschafft eine bildgewaltige und fesselnde Welt, in die der Leser vollkommen eintaucht." -- Bild am Sonntag


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 637 S.
  • Seitenzahl: 640
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 118mm x 48mm
  • Gewicht: 520g
  • ISBN-13: 9783453523333
  • ISBN-10: 3453523334
  • Best.Nr.: 22836926
"Bernhard Hennen erschafft eine bildgewaltige und fesselnde Welt, in die der Leser vollkommen eintaucht." -- Bild am Sonntag
Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Als Journalist bereiste er den Orient und Mittelamerika, bevor er sich ganz dem Schreiben phantastischer Romane widmete. Bernhard Hennen lebt und arbeitet in Krefeld.

Leseprobe zu "Die Ordensburg / Elfenritter Bd.1" von Bernhard Hennen

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DIE SPUR DES AHNEN

"Das ist kein Ort, an den man alleine gehen sollte, mein König."

Gunnar legte dem Krieger die Hand auf die Schulter. "Wie lange befehligst du nun schon meine Leibwache?"

Der große, dunkelhaarige Fjordländer runzelte die Stirn. Er bewegte die Lippen, als zähle er lautlos.

"Seit siebzehn Jahren kämpfst du nun an meiner Seite. Seit mein Vater mich das erste Mal in eine Schlacht ziehen ließ. Und neun Jahre bist du der Hauptmann meiner Leibwache, der Mandriden." König Gunnar blickte zu den Männern, die am Rand der Lichtung standen. Sie wirkten angespannt. Fast jeder hatte die Hand am Schwert. Auf dieser Lichtung war seinem Urahnen Mandred einst der Manneber begegnet, jenes dämonische Ungeheuer, das so viel Unheil über Menschen und Elfen bringen sollte. Der Ort galt als verflucht ... Niemand ging hier freiwillig hin.

Der König blickte hinauf zur Klippe. Wie eine schwarze Krone zeichneten sich die stehenden Steine gegen den Nachthimmel ab. Grünes Feenlicht tanzte in weiten Bögen am Himmel. Es war voller Schönheit und zugleich auch unheimlich. Hell stach der Schein der Wintersterne durch das wogende Himmelslicht. Glaubte man der Sage von Mandred Torgridson, dann war es eine Winternacht wie diese gewesen, in der das Band zwischen Menschen und Elfen geknüpft worden war. Fast ein Jahrtausend währte der Bund nun, und obwohl Elfen, Trolle, Kentauren und Kobolde seinen Kriegern ein vertrauter Anblick waren, scheuten die Männer vor den magirzauberten Orte. Kein Vogel flog je über die Höhe des Hartungskliffs hinweg.

Gunnar sah den Hauptmann seiner Leibwache an. Eiskristalle funkelten in Sigurds schwarzem Bart. Seine kalten blauen Augen wirkten entschlossen. Gunnar wusste, sein Gefährte würde ihm überallhin folgen. Doch es wäre ehrlos, ihn darum zu bitten, ihn auf diesem Weg zu begleiten.

Der König hatte nicht die Absicht, durch das Tor zu treten. Doch man wusste nie, was geschehen mochte, wenn man sich in die Nähe eines Albensterns wagte. Und kein Mensch, der je das Land des ewigen Frühlings betreten hatte, war darin glücklich geworden. Jeder im Fjordland kannte die Lieder über Alfadas, Mandred oder Kadlin, die Kriegerkönigin. Helden waren sie, ohne Zweifel, und doch war es ihnen verwehrt geblieben, glücklich zu werden. Dort, wo der Ruhm wohnte, hausten zugleich auch Trauer und Einsamkeit. Wer Albenmark gesehen hatte, der blieb künftig den anderen Menschen fremd ... Und manche, wie sein Urahn Mandred, fanden nicht mehr den Weg zurück.

Gunnar umfasste Sigurds Handgelenk im Kriegergruß. "Ich werde allein gehen, mein Freund. Nimm die Männer mit! Wartet unten am Fjord auf mich."

Obwohl Sigurd sich alle Mühe gab, seine Gefühle zu verbergen, spürte Gunnar, wie erleichtert der Hauptmann war. Sie kannten einander zu lange, um verbergen zu können, was sie bewegte.

"Wenn du im Morgengrauen nicht bei uns bist, dann steige ich hinauf zum Kliff!"

Gunnar musste über die Drohung lächeln. Er wusste, dass Sigurd keine leeren Worte machte. "Folge mir nicht. Wenn ich zum Morgengrauen nicht zurück bin, dann werde ich an einem Ort sein, an dem du mich nicht mehr erreichen kannst. Er stockte. "Wenn das geschieht ... sag Roxanne, dass ich sie liebe. Und achte auf meinen Sohn ... und auf Gishild. Man darf die Kleine nicht aus den Augen lassen. Das weißt du ja."

Sigurd nickte linkisch. "Roxanne wird wissen, dass du nur ihretwegen gegangen bist."

"Red ihr das aus!"

"Aber es ist doch die Wahrheit! Und du müsstest das nicht tun ... Sie werden kommen. Du hast doch eine Botin geschickt. Bleib bei uns und warte ... Unten am Fjord." Er sah ihn beinahe flehend an, was sonst gar nicht Sigurds Art war.

Gunnar fragte sich, ob der Hauptmann seiner Leibwache gar das zweite Gesicht hatte. Wusste Sigurd etwas?

"Sie werden kommen, das weißt du, mein König."

Gunnar blickte zum Mond, der tief am Himmel stand. Die Worte der Hebamme klangen ihm noch in den Ohren. Sie wird den Morgen nicht erleben, wenn kein Wunder geschieht. Zwei Tage kämpfte Roxanne nun schon im Kindbett. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Der König wusste, dass es jenseits des Tores, in der anderen Welt, ein Geschöpf gab, das spüren würde, wenn er auf dem Hartungskliff stand. Einen uralten, verzauberten Baum. Die Albenkinder mussten wissen, wie verzweifelt er ihre Hilfe brauchte! Es war schon Stunden her, dass sein Bote, der Kobold Brandax, aufgebrochen war. Warum kam niemand? Gunnar wusste, dass Brandax unter den Elfen nicht sehr beliebt war. Seine zänkische Art machte es schwer, mit ihm auszukommen. Aber er war der Einzige gewesen, der ein Tor öffnen konnte ... Ob man ihn bei Hof nicht vorließ?

Der König blickte zum Kliff. "Ich muss gehen, Sigurd." Er umfasste noch einmal das Handgelenk des Hauptmanns und kehrte der Lichtung den Rücken.

Allein mit den uralten Eichen des Waldes beschlich ihn wieder dieses klamme Gefühl. Ein Jahrtausend war seine Familie mit den Albenkindern verbunden. Seite an Seite kämpften sie gegen die übermächtigen Ritterheere der Tjuredkirche. Er kannte die grausigen Riten der Trolle nach den Schlachten, die Feste der Elfen, die ein Zauber umgab, der Menschen das Herz wund werden ließ. Er hatte den seltsamen Humor von Kobolden erduldet. Er hatte mit den Anderen geblutet und gelacht. Aber sie waren ihm fremd geblieben. Da war eine letzte, unsichtbare Mauer, die niemals fiel. Das machte sie unheimlich ... Er konnte verstehen, warum die Tjuredpriester sie so sehr fürchteten. Man wusste nie, was im Kopf eines Elfen vor sich ging. Auch nicht, wenn er ein Freund war. Warum war keine Hilfe gekommen?

Gunnar trat aus dem Wald hinaus auf ein weites, sanft ansteigendes Schneefeld. Das grüne Feenlicht verlieh dem Schnee eine eigentümliche Farbe. Es hieß, die Tore zur Anderswelt seien leichter zu öffnen in solchen Nächten.

Das Knirschen des verharschten Schnees, das Lied des Windes in den Klippen und sein keuchender Atem waren die einzigen Geräusche, die Gunnar bei seinem einsamen Aufstieg begleiteten. Als er endlich den Gipfel erreichte, überkamen ihn Zweifel. Im Kreis der blanken Felsen, die mit gewundenen Spiralmustern versehen waren, lag kein Schnee. Vielleicht hatte der Wind ihn davongetragen, sagte sich der König stumm und wusste es doch besser. Dieser Ort gehörte nicht mehr ganz in die Welt der Menschen.

Ehrfürchtig strich er mit der Hand über einen der stehenden Steine. Der Wind zerzauste dem Herrscher das lange Haar. Gefrorener Atem knisterte leise in seinem Bart. Er beugte sich vor, bis seine Stirn den rauen Fels berührte. Zwei Tage lang hatte er seine Götter angefleht und war nicht erhört worden. Nun galten seine Bitten einer greifbareren Macht.

Dem kalten Stein vertraute er all seine Ängste an. Er war ein Kriegerkönig, erprobt in Dutzenden blutigen Schlachten. Er scheute keine Gefahr ... Doch fürchtete er, was jetzt hinter der verschlossenen Tür im Kindbett geschah. Lebte Roxanne noch? Hier, wo ihn keiner sah, hielt er seine Tränen nicht zurück.

Er sah hinab zur großen Stadt am Fjord. Mehr als eine Meile lang erstreckte sie sich am Ufer. Senkrecht stiegen die Rauchfahnen aus Hunderten Schornsteinen. Kaum jemand zeigte sich in den weiten Straßen. Um die Wachfeuer auf den Wehrgängen der Königsburg scharte sich eine Handvoll dunkler Gestalten.

Sein Blick wanderte zu dem weiten Gürtel aus Gräben und Erdwällen. Die strengen geometrischen Formen passten nicht zu der Stadt mit ihren verwinkelten Gassen und den Fachwerkhäusern mit ihren mit Schnitzwerk überladenen, steilen Giebeln. Es würde Jahre dauern, bis die neuen Festungswerke vollendet wären. Gunnar wusste, dass all dies vergebene Mühe war. Wenn die Ritter der Tjuredpriesterschaft jemals bis vor die Wälle Firnstayns gelangen würden, dann wäre sein Königreich dem Untergang geweiht, ganz gleich, wie stark die Festungswerke waren. Die Ritter konnten nur von Süden kommen, und wenn sie ihre Banner vor der Stadt aufpflanzten, dann mussten sie das restliche Königreich schon unterworfen haben.

Nicht Mauern, sondern allein die Macht jenseits dieses Steinkreises mochte dann noch Rettung bringen. So wie jetzt, in dieser verzweifelten Stunde, in der Roxanne und das Kind mit dem Tode rangen.

Ein warmer Luftzug streichelte Gunnars Wangen. Der König wandte sich zum Steinkreis um. Der Duft einer blühenden Frühlingswiese umgab ihn. Er hörte Wind in Blättern flüstern, obwohl die nächsten Bäume mehr als eine Meile entfernt standen.

Sein Magen krampfte sich zusammen. Seine Bitten waren erhört worden. Er sollte froh sein. Doch mitten im Winter dem Frühling zu begegnen, machte ihm Angst. Etwas im Steinkreis hatte sich verändert. Die Spiralmuster ... Sie schienen sich zu bewegen.

Gunnar blinzelte. Unsicher wich er einen Schritt zurück. Der Boden, auf dem er stand, war gewachsener Fels. Licht sickerte zwischen den Linien im Fels hervor, so wie unter einem Türspalt.

Der König wich noch weiter zurück. Das Licht erhob sich zu tanzenden Linien, die bald einen hohen Torbogen formten. Er durfte dort nicht hinsehen! Er kannte die Geschichten ... So viele seiner Ahnen hatte Albenmark in den Bann gezogen. Fortgerissen aus dem Leben, wie Menschen es führen sollten. Und keiner war dort glücklich geworden. Es war besser, diese fremde Welt nicht zu sehen!

Dennoch vermochte Gunnar den Blick nicht abzuwenden. Hinter dem Tor aus tanzendem Licht lag ein Raum voller Dunkelheit, den ein goldener Pfad durchmaß. Und am anderen Ende des Pfades, nur ein paar Schritt entfernt, öffnete sich ein zweites Tor. Gunnar sah eine Frühlingswiese. Einen Hügel, gekrönt von einer mächtigen Eiche ... Und dann erschien die Reiterin. Sie schien auf dem goldenen Pfad zu schweben. Unwirklich, wie ein Geist.

Ein Herzschlag, und sie war durch das Tor. Das tanzende Licht verblasste. Nur der Frühlingsduft blieb noch einen Augenblick, dann regierte wieder der Winter.

Gunnar kannte Elfen, seit er laufen gelernt hatte. Schon am Hof seines Vaters waren sie wohlvertraute Gäste gewesen. Doch nie zuvor hatte der König gesehen, wie sie aus der Anderswelt herüberkamen. Er starrte die Frau auf der milchweißen Schimmelstute an wie einen Geist. Sie war in ein silbergraues Gewand gekleidet, so zart, als sei es aus Mondlicht gewoben. Der eisige Nordwind spielte in ihrem langen schwarzen Haar. Sie war von so unnahbarer Schönheit, dass der König kein Wort über die Lippen brachte.

Obwohl sie gekleidet war wie für ein Sommernachtsfest, schien ihr die Eiseskälte nichts anhaben zu können.

"Du sagst, dein Weib ringt mit dem Tode."

Gunnar vermochte nur zu nicken. Er räusperte sich ... doch seine Stimme schien ihn verlassen zu haben.

"Ich bin Morwenna, Tochter der Alathaia", sagte sie und streckte ihm ihre Hand VOR DEM MORGENROT Gunnar trat aus der stickigen Festhalle hinaus auf den weiten Hof der Burg. Aus fröhlichem Lärm war besoffenes Lallen geworden. Die Jarle des Fjordlands, Trolle und Kentauren zechten gemeinsam. Sie warteten auf die Geburt des Thronfolgers. Zu lange schon!

Verzweifelt blickte Gunnar zu dem einen hell erleuchteten Fenster auf der anderen Seite des Hofs. Er hatte gehofft, dass mit Morwennas Ankunft alles besser würde. Doch die Elfe war nun schon seit Stunden dort oben. Längst hatte das Morgenrot das Feenlicht vom Himmel vertrieben. Leichter Schneefall hatte eingesetzt. Es kam Gunnar so vor, als sei es ein wenig wärmer geworden.

Vor ihm, mitten auf dem Hof, stand die Stute der Elfe. Das Pferd blickte zu ihm herüber. Es hatte helle, blaue Augen. Pferde sollten nicht solche Augen haben! Und sie sollten einen auch nicht so anblicken. Als verstünden sie, was einem das Herz aufwühlte!

Wieder öffnete sich die Tür zur Festhalle. Fetzen eines wilden Reiterliedes hallten in den Morgen hinaus. Dann schnitt die zufallende Pforte das Kriegerlied ab. Schritte knirschten im Schnee.

"Es wird gut werden, Gunnar. Sie ist eine Elfenzauberin", klang eine wohlvertraute Stimme. Sigurd legte ihm die Hand auf die Schulter. "Du weißt, was sie vermögen."

Gunnar kannte ihre Krieger. Auch sie vermochten zu zaubern. Doch wahre Heiler waren selten. Er musste Morwenna vertrauen!

"Wie war es bei deiner Frau?"

"Sigurd lachte verlegen. "Ich war nicht dabei, mein König. Es war im Sommer vor drei Jahren, als wir in Stovia gekämpft haben. Ich weiß nur, was mir die Amme erzählt hat. Angeblich hat sich meine Frau mitten im Abendmahl erhoben. Sie hatte noch eine Lammkeule vor sich auf dem Tisch. Und dann hat sie sich plötzlich die Röcke benässt. Keine halbe Stunde später war meine Tochter da." Er schnippte mit den Fingern. "Einfach so. So haben sie es mir jedenfalls erzählt."

Gunnar sagte nichts dazu. Das war nicht das, was er jetzt hören wollte. Er blickte erneut zum Fenster hinauf. Was, bei allen Göttern, geschah dort oben? Er hatte gedacht, wenn eine Elfenheilerin käme, wäre alles gut ...

"Mein König?" Sigurd sah ihn an, als habe er etwas gesagt. Gunnar hatte nichts gehört. Zu sehr war er in seinen Gedanken gefangen.

Ein Schrei ließ ihn herumfahren. Es ging wieder los! Zwei verfluchte Tage dauerte das jetzt. Warum nahm es kein Ende? Wie lange konnte Roxanne das noch durchstehen?

Sigurd packte ihn fest bei beiden Armen. "Du solltest nicht hier sein. Du kannst deiner Frau jetzt nicht helfen. Was nützt es, dich zu quälen? Komm zurück in die Halle."

"Es ist doch wie Verrat, wenn ich nicht bei ihr bin."

"Die Hebamme und die Elfe haben dich hinausgeworfen", erinnerte ihn der Hauptmann. "Komm, es ist das Beste, wenn wir beide trinken, bis wir unter dem Tisch liegen. Du kannst dort oben nichts ausrichten ... Also tun wir, was Männer schon immer getan haben, wenn ihre Weiber Kinder gebären."

Gunnar wünschte, er wäre auf einem Schlachtfeld, mitten im dicksten Getümmel. Da wüsste er, was zu tun war. Er fühlte sich hilflos wie selten zuvor in seinem Leben.

"Weißt Du schon wie du ihn nennen willst?"

Gunnar zögerte. Ja, er hatte sich einen Namen zurechtgelegt. Aber er hatte ihn noch niemandem genannt. Nicht einmal Roxanne. Es brachte Unglück, über den Namen eines Kindes zu sprechen, wenn es noch nicht geboren war. Das musste Sigurd doch wissen! Wahrscheinlich war er schon zu betrunken ... Snorri sollte sein Sohn heißen. Ein guter Kriegername war das!

Die Elfenstute schabte mit einem Huf im frischen Schnee. Sie sah ihn immer noch mit ihren unheimlichen Augen an. Er fühlte sich, als habe man einen Kübel Eiswasser über ihn ausgeschüttet. Diese Augen ...

Roxanne würde sterben. Plötzlich war er sich ganz sicher. Ihre Schreie waren verklungen. Luth würde ihren Lebensfaden durchtrennen. Jeden Augenblick ...

Er musste bei ihr sein.

Der Nordwind jaulte unter den Dachsparren und verlieh den geschnitzten Drachenköpfen eine geisterhafte Stimme. Der Schneefall war dichter geworden. Das Elfenpferd verschwamm zu einem undeutlichen Schemen. Gunnar glaubte, im Schneegestöber schattenhafte Gestalten zu erkennen. Gestalten, gezeugt aus Sturmwind, Eis und Ewigkeit. Die Geister seiner Ahnen versammelten sich, um seinem Weib das letzte Geleit in die Goldenen Hallen zu geben.

"Siehst du sie?"

Sigurd blinzelte. "Wen?"

Konnte man ihm trauen?

"Das ist keine Nacht, um draußen zu sein. Fordere dein Schicksal nicht heraus, mein König! Du warst beim Albenstern und bist mit einer Elfe geritten ... Komm zurück in die Halle." Sigurd hielt ihn noch immer bei den Armen gepackt. "Dies ist eine Nacht für Albenkinder und Götter. "Du kannst deinem Weib nicht helfen. Bitte komm mit mir!"

Gunnar machte sich los. Er würde Roxanne nicht im Stich lassen. Er lief über den Hof. Die weite Eingangshalle war verlassen. Laut hallten seine Schritte auf dem Steinboden, begleitet einzig vom Sturmgeheul im Dachgebälk.

Er stürmte die Treppe hinauf und hielt auf der obersten Stufe inne. Roxanne war verstummt. Es war totenstill auf dem Gang, der zu ihrem Schlafgemach führte. Vielleicht hatten die Elfe und die Hebamme doch recht? Vielleicht würde es alles nur noch schlimmer machen, wenn er dort war?

Gunnar hatte die Tür zu Roxannes Kammer fast erreicht, als er die zusammengekauerte Gestalt im Bogenfenster gegenüber bemerkte. Die Knie angezogen und ihre Lieblingspuppe dicht an die Brust gedrückt, hockte dort Gishild. Die Nacht hatte Eisblumen auf das Bleiglasfenster gehaucht. Seine Tochter presste die Lippen fest zusammen und versuchte zu verbergen, dass ihr die Zähne klapperten. Selbst im morgendlichen Zwielicht sah er deutlich, dass sie geweint hatte.

Hinter der Tür wimmerte Roxanne. Offensichtlich hatte sie nicht mehr die Kraft zu schreien. Der lange, unendlich klagende Laut schnitt Gunnar ins Herz. Er wollte bei ihr sein! Doch konnte er nicht so tun, als habe er Gishild nicht bemerkt. Was tat sie hier? Sie sollte, bewacht von der Amme, in ihrem Bett liegen!

Gunnar blickte noch einmal zur Tür. Schließlich wandte er sich ab. Gishild rannen Tränen über die Wangen, aber sie schluchzte nicht.

Er beugte sich vor und hob sie auf den Arm. Sie war so leicht ... so zerbrechlich. Wie lange wartete sie schon hier in der Kälte? Er hätte seine Wache vor der Kammer nicht aufgeben dürfen.

"Warum tut mein Bruder Mama so weh?", stieß sie stockend hervor.

Gunnar schluckte. Was sollte er darauf antworten? "Er tut das nicht absichtlich."

"Du musst ihm sagen, dass er das nicht darf!", sagte sie entrüstet. "Sag ihm, ich verprügele ihn, wenn er Mama nicht in Frieden lässt. Ich werde ihn ..."

Während sie sprach, zitterte sie immer heftiger, und schließlich gingen ihre Worte in halb ersticktem Schluchzen unter.

Gunnar drückte sie fest gegen seine Brust und streichelte ihr über das Haar. "Es wird alles wieder gut", sagte er hilflos und musste plötzlich selbst gegen die Tränen ankämpfen.

Langsam beruhigte sich Gishild. Auch das Wimmern hinter der schweren Eichentür war verstummt. Die Stille dort machte dem König mehr zu schaffen als Roxannes Schreie.


Kundenbewertungen zu "Die Ordensburg / Elfenritter Bd.1" von "Bernhard Hennen"

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Bewertung von hobb13 aus Bad Berka am 20.09.2010   ausgezeichnet
„Bernhard Hennens Elfen-Romane gehören zum Besten, was die deutsche Fantasy je hervorgebracht hat.“ Mit diesen und weiteren Loben wurde die erste Romantrilogie Bernhard Hennens gepriesen. Mit großen Erwartungen erschien nun das Anfangsbuch einer neuen Trilogie.
Im Roman „Elfenritter-Die Ordensburg“ dreht sich abermals alles um Fjordland und Albenmark. Schon knapp ein Jahrtausend stehen sich Elfen und Fjordländer unterstützend zur Seite. Besiegte man einst noch die Trolle steht ihnen nun ein weitaus größerer und gefährlicherer Gegner gegenüber. Die Heere der Tjuredkirche wollen alles Heidentum auslöschen und damit auch das Fjordland und die Albenmark. Lichtblicke für die jeweilige Partei sind zum einen Luc, ein Waisenjunge mit dem Wunsch ein Ordensritter zu werden sowie einer magischen Begabung, und Gishild, die Prinzessin des Fjordlandes. Nachdem Gishild von der Kirche entführt wurde, damit ihr Vater kapituliert, bringt man sie auf die Ordensburg. Hier trifft sie auf Luc und während die Tjuredkirche gegen das Bündnis von Albenmark und Fjordland kämpft entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden. Diese Freundschaft nutzt die Kirche aus.
Meiner Meinung nach ist Bernhard Hennen ein hervorragender, erneuter Einstieg in die mystische Welt von Elfen und Rittern gelungen. Seine detaillierten Handlungsbeschreibungen sind wie ein Tor in dieses zauberhafte Reich. Ehrlich gesagt ist dieser Roman nochmals eine Fortsetzung der voran gegangen Trilogie. Rückblicke und Erklärungen erlauben es jedoch zu verstehen, wie sich die beiden Kinder Gishild und Luc auf der Ordensburg treffen konnten. Wer die Elfen, Elfen Winter und Elfen Licht gelesen hat mag sich vielleicht an den Rückblicken zu diesen drei Romanen stören. Allerdings sind sie wichtig um den Faden wieder auf zu nehmen. Nur so kann man der guten Handlung folgen, die durch einen kontinuierlichen Spannungsanstieg getragen wird. Auch Einsteiger haben deshalb kaum Verständnisprobleme. Dieser Erste von den gesamt drei Romanen hat es geschafft mich in seinen Bann zu ziehen und in mir den Drang geweckt, wissen zu wollen wie die Geschichte in den folgenden Roman fortgesetzt wird.

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Bewertung von Ali.Kurt aus Kronau am 27.04.2010   ausgezeichnet
Das Buch ist ein Fantasy Roman. In dem Buch geht es um eine Schlacht gegen das Fjordland und Albenmark. Und um einen Jungen namens Luc der ein Ritter werden will und eine Prinzessin retten will. Die Hauptcharaktere sind: Gishild , Luc, Gunnar, Leon, Michael.
Das Buch gefällt mir sehr gut, denn es ist traurig und spannend zugleich. Ich empfehle es auf jeden Fall weiter, denn es ist einfach nur hervorragend.

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Bewertung von schneider aus Plauen am 16.06.2009   weniger gut
Der erste Band der Trilogie ist sehr ausschweifend geschrieben. Es hätten bestimmt 200 Seiten ausgereicht, um die Vorgeschichte zu erzählen. Bei Eragon ist dies besser umgesetzt.

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Bewertung von Talakas aus Bratislava am 06.11.2008   sehr gut
Wer dieses Buch kaufen will sollte damit erst warten und DIE ELFEN lesen damit man die Hauptgeschichte kennt. Ich bin in der mitte dieses buches und muss wieder schreiben das der Autor eine tolle Arbeit geleistet hat mit der Ankopplung der Elfenritter an die Hauptgeschichte.
Da jetzt der Herbst kommt und die tage kuerzer, regnerischer und kaelter werden ist es vielversprechend das ich die Triologie bis ende diesen monats fertig habe da ich jeden Tag nach arbeit nichts anderes mache wie Lesen.

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Bewertung von Gärdsfeldt aus Rheinböllen am 21.02.2008   ausgezeichnet
Hennen ist für mich der z.Zt.beste Schriftsteller in Sachen Fantasy - "Die Ordensburg" ist ein so geiles Buch, daß ich mir morgen den 2. Teil kaufen werden. Den 1. muss ich noch verdauen! Ein super tolles Buch. Hennen gibt immer wieder Rückblicke auf "Die Elfentriologie" sodaß man sich wie an einem roten Faden durch seine Bücher liest! SUPER!

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Bewertung von Wellenbrock aus Meerbeck am 15.01.2008   ausgezeichnet
Ich gehe gerne mit Bernhard Hennen auf die Reise und besuche die Elfenkönigin Emerelle und ihrem Schwertmeister Ollowain. Von diesen Bücher ist es sehr schwer in die Wirklichkeit zurück zukommen!
Wer Bücher über Elfen, Trolle, Zwerge und Magie liebt wird diese Bücher verschlingen!!!

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Bewertung von Neumann aus Hückelhoven am 20.12.2007   ausgezeichnet
Hennen´s Buch Serie über die Elfen kann ich jeden nur empfehlen, ob wohl ich Elfen eigentlich nicht sonderlich mag, haben mich diese Bücher fasziniert und ich kann sie jedem Leser wärmstens empfehlen.
Unglaublich spannend und anschaulich geschrieben. Man fängt an zu lesen und kann nicht aufhören bis man am Ende ist.. Hab alle Bände nun schon das dritte Mal gelesen und werde sie bestimmt noch einige male lesen, weil sie so super sind.

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Bewertung von Zeitreiser aus Wafibabu am 13.11.2007   sehr gut
Das Buch ist meiner Meinung nach ein Muss für alle Fans der Elfen-Romane von Hennen. Wieder einmal hat er mich ein eine fabelhafte und fantastische Welt enführt und mir tolle Stunden geschenkt. Und wie es sein soll macht das Buch Lust auf die beiden folgenden Teile. Ich freue mich auf "Die Albenmark" und "Das Fjordland".
Mein Fazit: "Kaufen, lesen, träumen!"

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