Die dunkle Königin / Das Lied von Eis und Feuer Bd.8 - Martin, George R. R.
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Die dunkle Königin / Das Lied von Eis und Feuer Bd.8

Hoch wie die Ehre

George R. R. Martin 

Übersetzung: Helweg, Andreas; Vollst. durchges. u. überarb. v. Zühlke, Sigrun; Gießl, Thomas
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Die dunkle Königin / Das Lied von Eis und Feuer Bd.8

Die Lage in Westeros stabilisiert sich, ein endgültiger Sieg der herrschenden Lennisters ist in greifbare Nähe gerückt. Alljährlich kehren Gesetz und Ordnung in weite Teile des vom Krieg verwüsteten Landes zurück. Doch die Königin Regentin Cersei findet keine Ruhe. Nach dem tragischen Verlust ihres erstgeborenen Sohnes und der Hochzeit ihres zweitgeborenen, des Kindkönigs Tommen, mit der ungeliebten Margaery Tyrell drehen sich ihre Gedanken nur noch um die Frage, wie sie der künftigen Königin eine Falle stellen kann, um deren Regentschaft zu verhindern.
Während sie bei Hof ihre Intrigen spinnt, beginnt es im Süden erneut zu brodeln, und die Eisennmänner holen zu einem vernichtenden Schlag gegen das Reich aus. Cersei verliert zunehmend die Fähigkeit, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden: So verleiht sie den Predigern des wieder erwachten Glaubens große Macht und übersieht dabei, wie leicht die gesponnenen Ränke sich gegen sie selbst richten könnten ...


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 608 S. 215 mm
  • Seitenzahl: 608
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.26860
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 140mm x 53mm
  • Gewicht: 773g
  • ISBN-13: 9783442268603
  • ISBN-10: 3442268605
  • Best.Nr.: 33335605
George R. R. Martin, geb. 1948 in Bayonne/New Jersey, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Science-Fiction-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Danach arbeitete er in der Produktion von Fernsehserien, etwa als Dramaturg der TV-Serie 'Twilight Zone', ehe er 1996 mit einem Sensationserfolg auf die Bühne der Fantasy-Literatur zurückkehrte: Sein mehrteiliges Epos 'Das Lied von Eis und Feuer' wird einhellig als Meisterwerk gepriesen. George R. R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico.

Leseprobe zu "Die dunkle Königin / Das Lied von Eis und Feuer Bd.8"

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Als die aufgehende Sonne durch die Fenster hereinschien, setzte sich Alayne im Bett auf und räkelte sich. Gretchel hörte, dass sie sich rührte, und stand sofort auf, um ihren Morgenrock zu holen. In der Nacht war es kalt geworden. Wenn der Winter uns erst im Griff hält, wird es noch schlimmer, dachte Alayne. Im Winter herrscht hier eine Kälte wie in einer Gruft. Alayne schlüpfte in die Robe und verknotete die Kordel. "Das Feuer ist fast aus", stellte sie fest. "Würdest du bitte ein Scheit nachlegen?"

"Wie Mylady wünscht", sagte die alte Frau.

Alaynes Gemächer im Jungfrauenturm waren größer und luxuriöser als das kleine Schlafgemach, das Lady Lysa ihr zugewiesen hatte. Sie hatte ein Ankleidezimmer und einen eigenen Abort, dazu einen Balkon aus behauenem weißen Stein, von dem aus sie das Tal überblicken konnte. Während Gretchel sich um das Feuer kümmerte, tappte Alayne barfuß durch den Raum und schlich hinaus. Der Stein unter ihren Füßen war eisig, der Wind wehte kräftig, wie stets hier oben, doch der Ausblick ließ sie für einen halben Herzschlag alles vergessen. Der Jungfrauenturm war der östlichste der sieben schlanken Türme der Eyrie, und so lag das ganze Tal mit seinen Wäldern und Flüssen und Feldern im diesigen Morgenlicht vor ihr ausgebreitet da. Die Sonne strahlte die Berge an und ließ sie wie gediegenes Gold glänzen.

Wunderschön. Der in Schnee gehüllte Gipfel der Giant's Lance ragte über ihr auf, ein Riese aus Stein und Eis, neben dem die Burg auf seiner Schulter wie ein Zwerg wirkte. Eiszapfen von zwanzig Fuß Länge hingen über den Rand der Felswand, über den im Sommer Alyssas Tränen in die Tiefe stürzten. Ein Falke kreiste mit weit in den Morgenhimmel gebreiteten Flügeln über dem gefrorenen Wasserfall. Wenn ich nur auch Flügel hätte.

Sie legte die Hände auf die Steinbrüstung und zwang sich, über die Kante zu spähen. Sechshundert Fuß unter sich konnte sie Sky und die in den Fels gehauenen Stufen sehen, den gewundenen Weg, der an Snow und Stone vorbei hinabführte bis zur Talsohle. Sie sah die Türme und Bergfriede der Mondtore, klein wie Kinderspielzeuge. Vor den Mauern kam gerade Bewegung in die Heere der Lords der Erklärung, und die Soldaten krochen wie Ameisen in ihrem Hügel aus den Zelten. Wenn es nur wirklich Ameisen wären, dachte sie, könnten wir sie einfach zertreten.

Vor zwei Tagen war der Junge Lord Hunter mit seinen Truppen eingetroffen. Nestor Royce hatte ihm zwar die Tore vor der Nase zugeschlagen, doch er hatte weniger als dreihundert Mann in der Burg. Von den Lords der Erklärung hatte jeder tausend mitgebracht, und sie waren zu sechst. Alayne kannte ihre Namen so gut wie ihren eigenen. Benedar Belmore, Lord von Strongsong. Symond Templeton, der Ritter von Ninestars. Horton Redfort, Lord von Redfort. Anya Waynwood, Lady von Ironoaks. Gilwood Hunter, von jedermann der Junge Lord Hunter genannt, Lord von Longbow Hall. Und Yohn Royce, der mächtigste von ihnen, der Furcht einflößende Bronze Yohn, Lord von Runestone, Nestors Vetter und Oberhaupt des älteren Zweigs des Hauses Royce. Die sechs hatten sich nach Lysa Arryns Sturz in Runestone getroffen und dort ein Bündnis geschmiedet, in dem sie sich verpflichteten, Lord Robert, das Tal und einander zu verteidigen. In ihrer Erklärung hatten sie den Lord Protektor nicht erwähnt, sprachen jedoch von "schlechter Regierung", die beendet werden müsse, und auch von "treulosen Freunden und übelsten Beratern".

Eine kalte Bö wehte um ihre Beine. Sie ging hinein und wählte ein Kleid für das Frühstück. Petyr hatte ihr die Garderobe seiner verstorbenen Gemahlin überlassen, einen Schatz aus Seide, Satin, Samt und Pelzen, der alles übertraf, was sie sich je erträumt hatte, wenngleich ihr das meiste davon zu groß war; Lady Lysa hatte im Laufe ihrer Schwangerschaften, Fehl- und Totgeburten deutlich zugenommen. Einige der alten Kleider, die noch für die junge Lysa Tully von Riverrun genäht worden waren, und ein paar andere, die Gretchel hatte ändern können, passten Alayne, die mit dreizehn schon fast so lange Beine hatte wie ihre Tante mit zwanzig.

An diesem Morgen fiel ihr Blick auf ein buntes Kleid im Rot und Blau der Tullys mit einem Saum aus Grauwerk. Gretchel half ihr, die Arme durch die Glockenärmel zu schieben, und schnürte ihr das Rückenteil. Dann bürstete sie das Haar und steckte es hoch. Alayne hatte es gestern Abend vorm Schlafengehen erneut dunkel gefärbt. Das Mittel, das ihre Tante ihr gegeben hatte, verwandelte ihr leuchtendes Kastanienhaar in ein stumpfes Braun, doch dauerte es selten lange, bis der Rotton am Ansatz wieder durchschimmerte. Und was soll ich tun, wenn mir das Färbemittel ausgeht? Es stammte aus Tyrosh jenseits der Meerenge.

Unterwegs zum Frühstück wurde sich Alayne abermals der Stille bewusst, die auf der Eyrie herrschte. In den Sieben Königslanden gab es keine ruhigere Burg. Die wenigen Diener waren alt und hielten die Stimmen gesenkt, um den jungen Lord nicht zu stören. Auf dem Berg gab es keine Pferde, keine Hunde, die bellten und knurrten, keine Ritter, die Übungen im Hof absolvierten. Sogar die Schritte der Wachen wirkten eigenartig gedämpft, wenn sie durch die Steinhallen schritten. Alayne hörte das Seufzen und Ächzen des Windes, der um die Türme strich, doch das war alles. Als sie auf der Eyrie angekommen war, hatten zumindest Alyssas Tränen noch gemurmelt, doch jetzt war der Wasserfall eingefroren. Gretchel sagte, bis zum Frühjahr würde es so still bleiben.

Sie fand Lord Robert allein in der Morgenhalle über der Küche vor, wo er mit dem Holzlöffel lustlos in seiner großen Schüssel honiggesüßten Haferschleims rührte. "Ich wollte Eier", beklagte er sich, als er sie erblickte. "Ich wollte drei weichgekochte Eier und ein bisschen Schinken."

Sie hatten keine Eier mehr und auch keinen Schinken. In den Kornspeichern der Eyrie gab es reichlich Hafer und Weizen und Gerste, genug, um sie alle ein Jahr zu ernähren, doch was frische Lebensmittel anging, waren sie von einem Bastardmädchen namens Mya Stone abhängig, die derlei Vorräte aus dem Tal heraufbrachte. Da die Lords der Erklärung am Fuß des Berges lagerten, gab es für Mya kein Durchkommen. Lord Belmore, der als Erster von den sechs an den Toren eingetroffen war, hatte Littlefinger einen Raben mit der Botschaft geschickt, dass keine weiteren Lebensmittel mehr zur Eyrie durchgelassen würden, bis er nicht Lord Robert heruntergeschickt habe. Zwar handelte es sich nicht direkt um eine Belagerung, allerdings fehlte auch nicht mehr viel daran.

"Ihr bekommt Eier, wenn Mya kommt, so viele, wie Ihr mögt", versprach Alayne dem kleinen Lord. "Sie bringt Eier und Butter und Melonen, ganz viele leckere Sachen."

Den Jungen besänftigte das nicht. "Ich will die Eier aber heute."

"Süßrobin, wir haben keine Eier, Ihr wisst das. Bitte, esst Euren Haferschleim, er schmeckt sehr gut." Sie aß selbst einen Löffel.

Robert schob den Löffel in der Schale hin und her, brachte ihn jedoch nicht zum Mund. "Ich habe keinen Hunger", entschied er. "Ich will wieder ins Bett. Letzte Nacht habe ich überhaupt nicht geschlafen. Ich habe Gesang gehört. Maester Colemon hat mir Traumwein gegeben, aber ich konnte das Singen trotzdem hören."

Alayne legte ihren Löffel hin. "Ich hätte es auch hören müssen, wenn jemand gesungen hätte. Ihr habt schlecht geträumt, mehr nicht."

"Nein, es war kein Traum." Die Tränen standen ihm in den Augen. "Marillion hat wieder gesungen. Dein Vater sagt, er sei tot, aber das ist er nicht."

"Ist er doch." Es jagte ihr einen Schrecken ein, wenn er so redete. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass er klein und kränklich ist; wenn er nun auch noch verrückt ist? "Süßrobin, er ist tot. Marillion liebte Eure Hohe Mutter zu sehr und konnte nicht mehr mit dem Gedanken leben, was er ihr angetan hat, daher ist er in den Himmel gegangen." Alayne hatte die Leiche nicht gesehen und Robert ebenfalls nicht, dennoch zweifelte sie nicht am Tod des Sängers. "Er ist tot, wirklich."

"Trotzdem höre ich ihn jede Nacht. Sogar, wenn ich die Fensterläden schließe und mir ein Kissen über den Kopf ziehe. Dein Vater hätte ihm die Zunge rausreißen sollen. Ich habe es ihm gesagt, aber er hat es nicht gemacht."

Er brauchte die Zunge, um sein Geständnis ablegen zu können. "Seid ein guter Junge und esst Euren Haferschleim", bat Alayne. "Bitte. Für mich?"

"Ich will keinen Haferschleim." Robert schleuderte seinen Löffel durch die Halle. Der Löffel prallte von einem Wandteppich ab und hinterließ verschmierten Brei auf einem weißen Seidenmond. "Der Lord will Eier!"

"Der Lord sollte Haferschleim essen und dankbar sein", sagte Petyr hinter ihnen.

Alayne wandte sich um und entdeckte ihn mit Maester Colemon im Türbogen. "Ihr solltet auf den Lord Protektor hören, Mylord", pflichtete der Maester bei. "Die Gefolgsleute Seiner Lordschaft kommen auf den Berg, um Euch den Lehnseid zu schwören, deshalb braucht Ihr Eure ganze Kraft."

Robert rieb sich das linke Auge mit dem Finger. "Schickt sie fort. Ich will sie nicht sehen. Wenn sie kommen, lasse ich sie fliegen."

"Ihr führt mich in Versuchung, Mylord, nur leider habe ich ihnen freies Geleit zugesagt", erwiderte Petyr. "Jedenfalls ist es zu spät, um sie zurückzuschicken. Inzwischen werden sie wohl schon bis Stone hinaufgestiegen sein."

"Warum lassen sie uns nicht in Ruhe?", beklagte sich Alayne. "Wir haben ihnen doch nichts getan. Was wollen sie von uns?"

"Nur Lord Robert. Ihn und das Tal." Petyr lächelte. "Sie werden zu acht kommen. Lord Nestor begleitet sie, und sie haben Lyn Corbray bei sich. Ser Lyn ist nicht die Sorte Mann, die gern zurückbleibt, wenn Aussicht auf Blutvergießen besteht."

Seine Worte trugen wenig dazu bei, ihre Ängste zu besänftigen. Lyn Corbray hatte fast ebenso viele Männer in Duellen getötet wie in der Schlacht. Seine Sporen hatte er sich während Roberts Rebellion verdient, wie sie wusste, als er zuerst bei den Toren von Gulltown gegen Lord Jon Arryn und später unter seinem Banner am Trident gekämpft hatte, wo er Prinz Lewyn von Dorne erschlagen hatte, einen weißen Ritter der Königsgarde. Petyr behauptete, Prinz Lewyn sei schon schwer verwundet gewesen, als ihn die Wogen der Schlacht zu seinem letzten Tanz mit Lady Forlorn trugen, doch er fügte hinzu: "Das Thema schneidet man lieber nicht an, wenn Corbray zugegen ist. Tut man es trotzdem, bekommt man bald Gelegenheit, Martell persönlich nach der Wahrheit zu fragen, und zwar unten in den Hallen der Hölle." Falls nur die Hälfte dessen stimmte, was sie von Lord Roberts Wachen gehört hatte, war Lyn Corbray gefährlicher als die übrigen sechs Lords der Erklärung zusammen. "Warum kommt er mit?", fragte sie. "Ich dachte, die Corbrays stehen auf Eurer Seite."

"Lord Lyonel ist meiner Regierung zugeneigt", antwortete Petyr, "aber sein Bruder geht eigene Wege. Als ihr Vater am Trident verwundet wurde, war es Lyn, der sich Lady Forlorn schnappte und den Mann erschlug, der dem alten Herrn die Klinge in den Leib gestoßen hatte. Während Lyonel den Vater nach hinten zu den Maestern trug, führte Lyn seinen Angriff gegen die Dornischen, welche Roberts Linke bedrohten, zermalmte ihre Linien und erschlug Lewyn Martell. Der alte Lord Corbray überließ im Tode die Lady seinem jüngeren Sohn. Lyonel bekam das Land, den Titel, die Burg und die Münzen und fühlte sich trotzdem um sein Geburtsrecht betrogen, derweil Ser Lyn ... nun, er liebt Lyonel ungefähr genauso sehr wie mich. Er wollte Lysas Hand für sich."

"Ich mag Ser Lyn nicht", beharrte Robert. "Ich will ihn nicht hier haben. Ihr schickt ihn wieder nach unten. Ich habe nie gesagt, dass er kommen darf. Nicht hierher. Die Eyrie ist uneinnehmbar, hat Mutter immer gesagt."

"Eure Mutter ist tot, Mylord. Bis zu Eurem sechzehnten Namenstag herrsche ich auf der Eyrie." Petyr wandte sich an die gebeugte Dienerin, die an der Treppe zur Küche wartete. "Mela, hol seiner Lordschaft einen neuen Löffel. Er möchte seinen Haferschleim essen."

"Will ich nicht! Ich lasse meinen Haferschleim fliegen!" Diesmal schleuderte Robert die Schale durch den Raum samt dem ganzen Haferschleim mit Honig. Petyr Baelish duckte sich zur Seite, doch Maester Colemon war nicht schnell genug. Die Holzschüssel traf ihn auf die Brust, der Inhalt spritzte ihm auf Gesicht und Schultern. Er schrie in höchst unmaesterlicher Weise auf, während Alayne versuchte, den kleinen Lord zu beruhigen, doch zu spät: Der Anfall hatte begonnen. Ein Krug Milch kippte um, als Robert ihn mit seinem fuchtelnden Arm traf. Der Lord versuchte aufzustehen, stieß jedoch den Stuhl um und stürzte darauf. Ein Fuß traf Alayne in den Bauch und trieb ihr die Luft aus den Lungen. "Oh, bei den guten Göttern", hörte sie Petyr angewidert sagen.

Haferschleim klebte im Gesicht und Haar des Maesters, der sich über seinen Schutzbefohlenen beugte und beruhigende Worte murmelte. Ein Klecks kroch langsam über seine rechte Wange wie eine klumpige braune Träne. Wenigstens ist dieser Anfall nicht so schlimm wie der letzte, dachte Alayne, um sich Mut zu machen. Als das Zittern nachließ, waren zwei Wachen in himmelblauen Umhängen und silbrigen Kettenhemden auf einen Wink Petyrs herbeigeeilt. "Bringt ihn ins Bett und lasst ihn zur Ader", sagte der Lord Protektor, und der größere der beiden Männer nahm den Jungen auf die Arme. Ich könnte ihn selbst tragen, dachte Alayne. Er ist nicht schwerer als eine Puppe.

Colemon verweilte noch einen Moment, ehe er folgte. "Mylord, diese Verhandlungen sollten auf einen anderen Tag verschoben werden. Seit dem Tod von Lady Lysa sind die Anfälle seiner Lordschaft schlimmer geworden. Häufiger und stärker. Ich lasse das Kind so oft zur Ader, wie ich es nur wage, und ich mische Traumwein und Mohnblumenmilch, damit er schlafen kann, aber ..."

"Er schläft zwölf Stunden am Tag", entgegnete Petyr. "Von Zeit zu Zeit brauche ich ihn wach."

Der Maester kämmte sich das Haar mit den Fingern aus, und Haferschleim tropfte zu Boden. "Lady Lysa hat seiner Lordschaft stets die Brust gegeben, wenn er überreizt war. Erzmaester Ebrose behauptet, Muttermilch habe viele heilsame Eigenschaften."

"Ist das Euer Rat, Maester? Dass wir eine Amme für den Lord der Eyrie und Verteidiger des Tals suchen sollen? Wann sollen wir ihn denn entwöhnen, an seinem Hochzeitstag? Auf diese Weise kann er von der Zitze seiner Amme gleich an die Zitze seiner Gemahlin wechseln." Lord Petyrs Lachen ließ keinen Zweifel daran, was er von diesem Vorschlag hielt. "Nein, ich glaube nicht. Ich würde vorschlagen, Ihr findet einen anderen Weg. Der Junge mag doch Süßes, nicht wahr?"

"Süßes?", fragte Colemon.

"Süßes. Kuchen und Kekse, Marmelade und Gelee, Honigwaben. Vielleicht gebt Ihr ihm ein wenig Schlafsüß in die Milch, habt Ihr das schon versucht? Nur eine Prise, um ihn zu beruhigen und dieses erbärmliche Schütteln zu verhindern."

"Eine Prise?" Der Apfel in der Kehle des Maesters bewegte sich auf und ab, während er schluckte. "Eine kleine Prise ... vielleicht, vielleicht. Nicht zu viel und nicht zu oft, ja, das könnte ich probieren ..."

"Eine Prise", sagte Lord Petyr, "bevor Ihr ihn zu dem Treffen mit den Lords bringt."

"Wie Ihr befehlt, Mylord." Der Maester eilte davon, und seine Kette klimperte leise bei jedem Schritt.

"Vater", fragte Alayne, nachdem er gegangen war, "möchtet Ihr eine Schale Haferschleim zum Frühstück?"

"Ich mag keinen Haferschleim." Er schaute sie mit Littlefingers Augen an. "Lieber wäre mir ein Kuss zum Frühstück."

Eine gute Tochter würde ihrem Vater einen Kuss nicht verweigern, also ging Alayne zu ihm, küsste ihn flüchtig auf die Wange und zog sich rasch wieder zurück.

"Wie ... pflichtschuldig." Littlefinger lächelte mit dem Mund, nicht mit den Augen. "Nun, wie es der Zufall will habe ich noch andere Pflichten für dich. Sag dem Koch, er möge roten Wein mit Honig und Rosinen erhitzen. Unseren Gästen wird kalt sein nach dem langen Aufstieg, und der Durst wird sie plagen. Du wirst sie empfangen, wenn sie eintreffen, und ihnen Erfrischungen anbieten. Wein, Brot und Käse. Welche Käsesorten haben wir noch?"

"Den scharfen Weißen und den stinkenden Blauen."

"Den Weißen. Und umziehen solltest du dich."

Alayne blickte an ihrem Kleid herab und sah das tiefe Blau und das leuchtende Dunkelrot von Riverrun. "Es ist zu -"

"Es sieht zu sehr nach Tully aus. Die Lords der Erklärung würden wohl keinen großen Gefallen daran finden, meine Bastardtochter in den Kleidern meiner verstorbenen Gemahlin herumlaufen zu sehen. Such dir etwas anderes aus. Und muss ich dich daran erinnern, Himmelblau und Creme zu meiden?"

"Nein." Himmelblau und Cremeweiß waren die Farben des Hauses Arryn. "Acht, habt Ihr gesagt ... Und Bronze Yohn ist bei ihnen?"

"Der Einzige, auf den es ankommt."

"Bronze Yohn kennt mich", erinnerte sie ihn. "Er war zu Gast in Winterfell, als sein Sohn nach Norden ritt, um das Schwarz anzulegen." Sie hatte sich schrecklich in Ser Waymar verliebt, entsann sie sich schwach, vor langer, langer Zeit, und da war sie noch ein kleines dummes Mädchen gewesen. "Und er hat mich nicht nur bei dieser Gelegenheit gesehen. Lord Royce hat ... er hat Sansa Stark in King's Landing gesehen, beim Turnier der Hand."

Petyr legte ihr den Zeigefinger unter das Kinn. "Royce hat dieses hübsche Gesicht bestimmt schon gesehen, daran zweifele ich nicht, aber es war ein Gesicht unter tausend anderen. Ein Mann, der an einem Turnier teilnimmt, hat andere Sorgen als ein Kind unter den Zuschauern. Und in Winterfell war Sansa ein kleines Mädchen mit kastanienbraunem Haar. Meine Tochter ist eine große und hübsche Jungfer, und ihr Haar ist schlicht braun. Die Menschen sehen, was sie erwarten, Alayne." Er küsste sie auf die Nase. "Lass Maddy im Solar anheizen. Ich werde unsere Lords der Erklärung dort empfangen."

"Nicht in der Hohen Halle?"

"Nein. Bei den Göttern, sie sollen mich nicht in der Nähe des Hohen Sitzes der Arryns sehen, sonst glauben sie am Ende, ich würde mich mit der Absicht tragen, mich hier einzurichten. Hinterbacken, die so niedrig geboren sind wie meine, dürfen niemals nach einem so hohen Kissen streben."

"Das Solar." Sie hätte es an dieser Stelle gut sein lassen sollen, doch die Worte sprudelten einfach so aus ihr heraus. "Wenn Ihr ihnen Robert überlasst ..."

"... und das Tal?"

"Sie haben das Tal."

"Oh, einen großen Teil, gewiss. Aber nicht das ganze. In Gulltown bin ich sehr beliebt, und ich habe auch einige Freunde von edler Geburt. Grafton, Lynderly, Lyonel Corbray ... wenngleich ich wohl einräumen muss, dass sie alle den Lords der Erklärung nicht das Wasser reichen können. Aber wohin sollten wir gehen, Alayne? Zurück zu meiner mächtigen Feste auf den Fingers?"

Darüber hatte sie nachgedacht. "Joffrey hat Euch Harrenhal gegeben. Dort seid Ihr Lord aus eigenem Recht."

"Dem Titel nach.

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Bewertung von Bille Wurst aus Bad Dürrheim am 10.10.2014   ausgezeichnet
Spannend wie immer.Freue mich jetzt auf Teil 9 und 10.

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Bewertung von kleeblatts buecherblog aus Mertesheim am 18.03.2014   ausgezeichnet
Um die Macht mit aller Gewalt zu halten, schreckt Königin Cersei vor nichts zurück. Doch muss sie bald merken, dass sie sich damit ihr eigenes Grab schaufelt und sie keinerlei Hilfe zu erwarten hat, wenn es Schlag auf Schlag kommt. Währenddessen versucht Jaime den Frieden aufrecht zu erhalten und für Gerechtigkeit zu sorgen, natürlich ganz in seinem Sinne. Die Feindesanzahl wird dadurch jedoch nicht kleiner. Brienne dagegen merkt bald, dass ihr Auftrag, Lady Sansa zu finden, nicht dort endet, wo sie es erhofft hat. Und Alayne und Katz müssen sich mit vielem auseinandersetzen und ein Leben führen, dass so ganz anders ist, wie ihr bisheriges.

Auch der achte Band der Reihe beschäftigt sich mit den „Randfiguren“, die aber so gar nicht mehr am Rand stehen, sondern größere Beachtung verdienen. Denn ihr Ränkeschmieden, ihr Wille und ihre Heldentaten sind es, die ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der Geschichte sind.

War ich in Band 07 noch etwas enttäuscht darüber, nicht mehr von Tyrion, Jon und Daenerys zu erfahren, so konnte ich aber auch im achten Teil wiederum das Anliegen des Autors verstehen, sich den Anti-Helden und Bösewichten zu widmen und diese näher ins rechte Licht des Geschehens zu rücken.

Für Überraschungen wurden natürlich auch wieder gesorgt und so blieb wieder ein Oho- und ein Aha- und ein Oh-nein-Effekt bei mir übrig. Gleichzeitig verflucht man den Autoren wieder, dass er sich Sachen ausdenkt, die man eigentlich gar nicht lesen will, die aber dann doch wieder so dermaßen genial in die Geschichte passen, dass man letztendlich nur eins fragen will: Wie macht er das bloß?

Nach Beendigung des achten Teils hab ich die Reihe wieder ein Stück mehr ins Herz geschlossen. Ich liebe sie einfach und möchte, dass sie nie ein Ende findet. Aber leider nähere ich mich diesem, denn nach dem zehnten Teil ist erst mal Schluss und ich muss warten, bis der nächste Teil erscheint. Trösten kann ich mich vielleicht mit den zwischenzeitig erschienenen Spin-offs um die Heckenritter von Westeros. Aber es tut meinem SuB auch gut, wenn ich mich mal wieder intensiver um ihn kümmere, als um Westeros.

Fazit:
Von mir gibt es deshalb wieder die vollste Leseempfehlung und wie immer muss ich mich wiederholen: Lest die Reihe! Sie ist genial, spannend, fantasievoll, intrigant, romantisch, blutig und vor allem eins: lesenswert bis zum Schluss.

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Bewertung von Lisega am 25.11.2013   ausgezeichnet
Der achte Band von George R.R. Martins Fantasy-Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ konzentriert sich wie der Vorgängerband auf die Ereignisse im Süden Westeros‘, viele Hauptfiguren tauchen nur selten (Arya, Sansa) oder gar nicht auf (Bran, Jon, Daenerys). Trotzdem kommt in den über 19 Stunden Laufzeit der ungekürzten Lesung für keinen Moment Langeweile auf: Die titelgebende „ Dunkle Königin“, Cersei Lannister, leidet als Regentin ihres Sohnes Tommen zunehmend unter Verfolgungswahn und trifft eine Fehlentscheidung nach der anderen. Die Eisenmänner greifen unter ihrem neuen König Euron Krähenauge den reichen Süden an, Brienne von Tarths Suche nach Sansa Stark endet überraschend, Samwell erreicht Oldtown … Martin lässt sich wieder viel Zeit für Charakterzeichnung, vermeintlich schwache Figuren entpuppen sich als clevere Strategen, Meisterintriganten verwickeln sich in ihre eigenen Fallstricke, Totgeglaubte tauchen wieder auf … Und das Ganze wird von Reinhard Kuhnert wieder hervorragend gesprochen. Ihm gelingt es einmal mehr mühelos, den vielen Charakteren in diesem ausufernden Epos jeweils eine eigene Stimme zu verleihen. Eine absolut gelungene Vertonung.

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Bewertung von KDN aus Langen am 06.04.2013   ausgezeichnet
Wie immer, sehr guter Service. Spät bestellt, aber noch vor Ostern geliefert.
Danke, Hat mir Ärger mit meiner Frau erpart.

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Bewertung von Merlin1234 aus 55599 gau-bickelheim am 03.08.2007   ausgezeichnet
Sehr gute Fortsetzung von Band zu Band, Hauptfiguren werden deutlicher beschrieben in ihrem Tun und Handeln. Es kommt keine Langweile auf trotz sehr ausführlicher Beschreibung einzelner Kapitel.

Weiter so!!

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