Im Chinesischen besitzt das Wort "Amphetamin" noch eine
weitere Bedeutung, nämlich: "Ist dies nicht sein
Schicksal?". Von ihm wird in diesem leidenschaftlichen Drama
ein junger Fitnesstrainer namens Kafka eingeholt. Kafka - so schön
wie Michelangelos David - arbeitet nebenher als Kampfsportkünstler
und Botenjunge. Nur mithilfe mehrerer Jobs kann er seine kranke
Mutter finanziell unterstützen.
Eines Nachts - es ist dieselbe Nacht, in der er sich von seiner
Freundin May getrennt hat - lernt Kafka den hübschen jungen
Finanzmanager Daniel (THOMAS PRICE) kennen. Daniel ist aus
Australien nach Hongkong zurückgekehrt. Daniel umwirbt Kafka sehr
heftig, und Kafka gibt diesen Avancen nach - weil er einsam ist und
sich nach Liebe sehnt. Die beiden Männer sind davon überzeugt, dass
ihre Liebe alles überbrücken kann, was sie voneinander
unterscheidet, ihre gesellschaftliche Stellung ebenso wie die
Drogensucht.
Daniel hat keinen Grund, seine bedingungslose Liebe zu Kafka zu
bedauern. Kafka versucht sie zu erwidern, indem er diese Art der
Liebe, die ihm nicht in die Wiege gelegt wurde, akzeptiert. Doch
dann kompliziert eine furchtbare Erinnerung an die Vergangenheit
die Situation. Wenn schon die Sucht nach Amphetaminen tödlich ist,
dann ist die Sucht nach Liebe noch viel schicksalhafter. Der lange,
schwierige Weg führt Kafka schließlich zu sich selbst.
Daniel und Kafka, zwei junge Männer aus Hongkong, stammen aus unterschiedlichen Welten und verstehen sich doch auf Anhieb. Während der weltgewandte Daniel an der Börse spielt, von der just abrollenden Finanzkrise noch zu profitieren scheint und so ziemlich tut, was ihm Spaß macht, schlägt der ungebildete Kafka sich und die kranke Mutter mit drei stressigen MacJobs durch und verleugnet seine Homosexualität. Erst recht, nachdem er mal vergewaltigt wurde. Daniel aber glaubt, die Nuss knacken zu können, und verwickelt Kafka in eine heiße Affäre. In seinem dritten und gewohnt bildgewaltigen Spielfilm zelebriert Hongkongs kontroverser Regiekünstler Scud ("Permanent Residence") vor eleganten City-Kulissen eine einfühlsame Liebesgeschichte zwischen zwei schönen, jungen Männern, die außer erotischem Verlangen füreinander zunächst wenig zu verbinden scheint. Psychosen, Drogen und Todesfälle schaffen (aufgesetzte) Dramatik, Stürze aus großer Höhe sind die Metapher der Stunde, und die verspielte Inszenierung verträgt sich gut mit der verträumten Note des Films. Im Gay Cinema weit überm Durchschnitt.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Kundenbewertungen zu "Amphetamin (OmU)"
1 Kundenbewertung
(Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen
ausgezeichnet)
Meisterhaft fotografiert. Troztdem sehr viel Tiefgang. Selten wurde eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern mit all ihren Hindernissen so glaubwürdig dargestellt, was nicht zuletzt an den pahantastischen Darstellern liegt. Der Film war schon auf der leitzten Berlinale ein Panorama-Highlight.