Herr Blanc - Graf, Roman

Roman Graf 

Herr Blanc

Roman. Ausgezeichnet mit dem Mara-Cassens-Preis für den ersten Roman 2009

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Herr Blanc

Der sehr zurückhaltend lebende Anton Blanc, der pünktlich zur Arbeit erscheint, bis ins mittlere Alter alleine lebt und sich regelmässig bei seiner Mutter zum Essen einfindet, hält es für normal, das Leben von sich fernzuhalten und seine Überzeugungen nur in Gedanken zu formulieren.
Sich gegen alles vorzusehen, gelingt ihm bestens. Wenn nur diese Erinnerung nicht wäre: Heike. Mit ihr in Cambridge war das Leben fast ein wenig gefährlich. Doch das ist vorbei, wenn auch nicht vergessen und Herr Blanc mit Vreni verheiratet.
Als sich Herr Blanc gegen Ende des Romans in seiner Alterswohnung auf den (letzten?) Gang zum Abstimmungslokal und zum Friedhof vorbereitet, legt er eine beeindruckende Radikalität an den Tag.
Mit grossem Können gelingt Roman Graf dieses Psychogramm eines Sonderlings aus der gemässigten Zone des Wohlstands, der uns mit all seinem Versagen vor dem Leben ans Herz wächst.


Produktinformation

  • Verlag: Limmat Verlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 218 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 199mm x 121mm x 27mm
  • Gewicht: 280g
  • ISBN-13: 9783857915857
  • ISBN-10: 3857915854
  • Best.Nr.: 26438475
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Mama, ihm schmeckt's doch

Das Leben in der Reserve: Ein Schweizer Nationalheld ohne Affekte, dafür mit viel schlechtem Gewissen - Roman Grafs Debüt "Herr Blanc".

Von Edo Reents

Anton Blanc, Angestellter der Verkehrsbetriebe einer Schweizer Kleinstadt, will nicht in Cambridge studieren, obwohl es der Vater in seinem Testament so verfügt hatte; "die Mutter jedoch war stärker und setzte den Willen des Verstorbenen durch". In Cambridge lernt er Heike kennen, die in ihrer direkten, eleganten Art eigentlich die ideale Frau für ihn wäre; aber weil er voraussieht, dass sie nie und nimmer mit ihm in die Heimat ziehen würde, wird aus der Sache nichts. Stattdessen heiratet er die phlegmatische Vreni, die hauptsächlich damit beschäftigt ist, um ihren ersten Mann zu trauern, und darüber die Bedürfnisse ihres zweiten aus den Augen verliert.

Roman Graf, 1978 in Winterthur geboren, widmet seinen ersten, bereits mit dem Studer/Ganz-Preis ausgezeichneten Roman "Herr Blanc" einem Mann, dem nicht geholfen werden kann. Anton Blanc ist nicht etwa selber hilflos - die Welt ist es vielmehr ihm gegenüber, sie kommt an ihn nicht heran, außer Heike, …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Hans-Peter Kunisch ist recht angetan von diesem Debütroman aus der Schweiz. Dass er das kleine Buch seines schrulligen Helden wegen und seiner relativen Ereignislosigkeit nicht gleich als skurril abgetan hat, hat Kunisch nicht bereut. Nach der Begegnung mit einer Dame namens Heike passiert dem Helden 20 Jahre lang nichts. Und dann passiert 45 Jahre noch einmal beinahe nichts. Die der Lebensangst des Helden enstpringenden Monotonie allerdings findet Kunisch vom Autor Roman Graf meisterlich gestaltet, durch Auslassungen und harte Schnitte etwa. Wenn der Text auf die Art etwas "erstaunlich Spritziges" erhält, ist Kunisch angenehm überrascht. Und geht mit den historischen Ungenauigkeiten, die Graf dabei unterlaufen, großzügig um.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.12.2009

Harte Schnitte
Auf unauffällige Weise besonders: Roman Grafs Roman „Herr Blanc”
Die Armut in der Schweiz bis zum Zweiten Weltkrieg, die Übersichtlichkeit ihrer bewohnbaren Landschaften, eine schnell in Enge übergehende Nähe der menschlichen Beziehungen, die gern mit Einigelung beantwortet wird – all das bestimmt bis heute die Lebenseinstellung eines beträchtlichen Teils der eidgenössischen Bevölkerung. Alles muss „realistisch”, d.h. vorsichtig angegangen werden. Der erreichte Wohlstand ist jung. Außerdem: Keiner soll auffallen. Gut zusammengefasst ist diese Haltung noch immer in dem Satz, der sich im Rahmen der „Fichenaffäre” in die Akte der ansonsten wenig bemerkten SP-Nationalrätin Menga Danuser schlich, einem der vielen bis 1991 bespitzelten Subjekte: „trinkt abends gern ein Bier."
Diesen Hintergrund muss man wohl vor Augen haben, um „Herr Blanc”, den ersten Roman des 1979 in Winterthur geborenen Roman Graf, nicht schnell in die Region des Skurrilen abzuschieben. Grafs kleinkariert-schrulliger, nicht unsympathischer Held Anton Blanc wirkt dem Soziotop des nebelverhangenen Mittellands zwischen Bodensee und Fribourg wie …

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"Unser Geheimtipp ist Roman Graf." SonntagsZeitung
Roman Graf, 1978 in Winterthur geboren. Nach einer Lehre als Forstwart und der Tätigkeit als Behindertenbetreuer studierte er Publizistik an der Schule für Angewandte Linguistik in Zürich und absolvierte das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig, das er mit dem Diplom abschloss. 2007 Artist in Residence in der Villa Decius, Krakau, Aufenthaltsstipendium im Edith-Stein-Haus, Breslau. Verschiedene Publikationen in Literaturzeitschriften und Anthologien. Roman Graf lebt als Autor in Winterthur und Leipzig.

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