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| Bewertung von erckenschwicker aus Tussenhausen am 07.01.2013 | |
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Rezension zu Martin Suters “Die Zeit, die Zeit” Der Roman arbeitet den Zeitbegriff insofern subjektiv auf beinahe jeder Seite spürbar auf, als man beim Lesen damit seine eigene Zeit größtenteils vergeudet. Es dürfte Suters schlechtester Roman bislang sein. Wer jedoch Freude an endlos langweiligen Schilderungen über Umgestaltung von Häusern, Inneneinrichtungen, Gartenanlagen, dies dann auch noch in größtmöglicher Umständlichkeit (andere mögen es: Detailtreue nennen ...) ausgestaltet, findet, dem mag der Roman dienlich sein. Ich habe ihn nur deshalb zu Ende gelesen, weil da doch noch so ein Stück Resthoffnung auf Besserung war, letztlich durch das “Spannungsmoment” getragen, was das Ganze soll und wo führt es denn noch hin. Wie die zwei Witwer sich in dem ziemlich bald durchsichtigen Plot so durch die Seiten winden – das muß einem erst einmal einfallen. Jedenfalls denke ich, daß man so etwas nur dann veröffentlich bekommt, wenn man schon (bislang auch zu Recht) einen “guten” Namen im Literaturgeschehen hat ... Und es führt hin – zu einem schon sehr merkwürdig konstruierten Schluß, den ich aber im Interesse all jener, die das Buch doch noch lesen werden, hier nicht verraten, nicht einmal andeuten möchte. Aber für mich hat er das Buch auch nicht in einem versöhnlichen Lichte erscheinen lassen ... Sollte irgendein Leser vor der Lektüre auch der abstrusen Idee angehängt haben, daß "Zeit nicht existiert", sondern sie nur jeweils über "die Veränderung" in Erscheinung tritt (auch schon ein Widerspruch an sich eigentlich), dann dürfte er spätestens während der Lektüre sich selbst eines Besseren belehrt haben (müssen). |
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Bewertung von Silke Schröder, hallo-buch.de aus Hannover am 01.10.2012 |
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Das Phänomen Zeit: Gibt es sie wirklich? Verläuft sie stets gleich schnell? Woran misst man sie? Viele berühmte Zeitgenossen von Aristoteles bis Albert Einstein haben sich damit beschäftigt, in fast jedem Science Fiction erscheint die Frage, ob es verschiedene Zeitlinien gibt und man temporäre Anomalien verursachen kann. In Martin Suters neuem Roman lassen sich die beiden Helden Peter Taler und Albert Knupp von einem einfachen Gedankenexperiment faszinieren: Es geht doch gar nicht um die Zeit, sondern um die Veränderung – ohne sie steht auch die Zeit still, und mit ihr verläuft die Zeit eben so, wie es die Veränderung erfordert. Anders gesagt: Um eine Veränderung rückgängig zu machen, muss man nur einen bestimmten Zeitpunkt in der Vergangenheit haargenau rekonstruieren, und dann anders fortzufahren, bis hin zu einer gänzlich veränderten Gegenwart. Eine spannende Theorie, die Martin Suter in seiner Story grandios umsetzt. Im Wortsinn minutiös beschreibt er das Vorgehen der beiden Männer und hält dabei die Spannung in jeder Sekunde hoch. Hervorragend gelesen von dem Schauspieler Gerd Heidenreich, regt „Die Zeit, die Zeit“ mal wieder wunderbar dazu an, mit bester Unterhaltung über die philosophischen und physikalischen Grundfragen unserer Welt zu spekulieren. Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD |
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Bewertung von R.E.R. am 23.09.2012 |
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“Sekunden, Minuten, Stunden - alles Erfindungen, um uns vorzumachen, die Zeit sei etwas messbares und dadurch Existentes. Wenn es Ihnen gelingt, die Momentaufnahme eines beliebigen Tages exakt zu rekonstruieren, dann haben Sie die Zeit für diesen Moment aufgehoben. Wenn Sie es schaffen, ist die Zeit außer Kraft gesetzt.” Peter Taler leidet unter dem Tod seiner Frau. Vor genau einem Jahr ist Laura direkt vor der Haustür hinterrücks erschossen worden. Wieder und wieder rekonstruiert ihr Mann im Geist und auch ganz real den Abend. Kocht das gleiche Spagettigericht, spielt dieselbe CD, versucht sich den Ablauf und die Umstände ganz genau in Erinnerung zu rufen. “Schon im ersten Polizeiprotokoll, das er unterschreiben musste, stand: Zeuge bejaht Frage, ob er etwas beobachtet habe oder ob ihm auf der Straße etwas aufgefallen sei. Sagt aus, etwas sei anders gewesen, aber er könne nicht sagen, was. Bei dieser Aussage war Taler geblieben. Bis heute konnte er nicht sagen, was es gewesen war. Aber eines Tages würde er es herausfinden. Und dann würde er dieses Schwein kriegen.” Martin Suter versucht sich an der Definition des Begriffes Zeit und spielt dabei einen hoch spannenden Plot durch. Der alte Knupp, ein Nachbar Peters der ebenfalls seine Frau verloren hat, ist ein sogenannter Zeitzweifler. Für ihn zeigen lediglich sichtbare Veränderungen an, dass etwas passiert ist. Wenn man also einen bestimmten Zustand wieder herstellen will, muss man alle nur sichtbaren Veränderungen wieder rückgängig machen. Den Status, den beide Männer mehr als alles ersehnen, ist ein Leben mit ihren Frauen. Peter lässt sich von Knupp zu einem Experiment überreden, das alles vorstellbare übersteigt und dessen Ausgang ungewiss und nicht ungefährlich ist. Ein Experiment, das für den untröstlichen aber auch die einzige Hoffnung darstellt, seine Frau wieder zu sehen. “Die Zeit, die Zeit” ist ein hoch spannender Psychothriller, mit dem Martin Suter an Werke wie “Der Teufel von Mailand” oder “Die dunkle Seite des Mondes” anknüpft. Faszinierend ist die Mischung aus nüchterner Sachlichkeit, mit der er die technischen Details des Zeitexperiments in allen Einzelheiten anschaulich erläutert. Die rätselhaften Sequenzen in denen Peter mit den Mysterien der Zeitleugner konfrontiert wird, die ihn an seinem Verstand zweifeln und gleichzeitig hoffen lassen. Der Nervenkitzel steigt ins unermessliche, je näher die beiden Männer “der Stunde Null” kommen. Mitreißend ist in diesem Zusammenhang vor allem die Art und Weise wie die für das “Experiment” notwendigen Veränderungen vollzogen werden und die kriminelle Energie, die der nüchterne Buchhalter Peter an den Tag legt. Das Ende ist Geschmacksache. Ich fand die Lösung sehr überraschend, aber sie hat mir gefallen. Logisch hinterfragen sollte man den Schluss nicht. Glauben kann man ihn natürlich. Denn Glauben heißt nicht wissen. Und was weiß man schon sicher vom Tod und der Zeit. |
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Bewertung von Lisega am 29.08.2012 |
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„Die Zeit, die Zeit, ihre Reise ist weit, sie läuft und läuft in die Ewigkeit“ In Martin Suters neuem Roman dreht sich alles um die Zeit: Für den kaufmännischen Angestellten Peter Taler steht sie still, seit seine Frau Laura vor knapp einem Jahr vor der Haustür erschossen wurde. Und sein seltsamer Nachbar von gegenüber, Albert Knupp, ebenfalls Witwer, glaubt nicht an die Zeit. Sie existiert für ihn nicht, es gibt nur Veränderungen. Und diese will der alte Mann rückgängig machen, um einen ganz bestimmten Tag im Jahr 1991 zu rekonstruieren und damit wieder eine Realität mit seiner Frau zu schaffen. Peter Talers Suche nach dem Mörder seiner Frau, die Annäherung der beiden Nachbarn, Knupps Manipulation des jungen Witwers, die langwierige Umgestaltung des Gustav-Rautner-Wegs in den Zustand von 1991 – all das beschreibt Martin Suter in gewohnt präziser und schnörkelloser Sprache, aber gepackt hat mich die Geschichte nicht so richtig. Zu abwegig war für mich das Thema, zu langatmig die Beschreibung der Rekonstruktion des Moments in der Vergangenheit (Welcher Baum muss in welcher Größe wo genau im Garten stehen?). Trotz ein paar unerwarteter Wendungen und einem überraschenden Dreh am Ende des Romans fand ich „Die Zeit, die Zeit“ nicht besonders spannend und nur mäßig unterhaltsam. Das kann Martin Suter besser. |
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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 29.08.2012 |
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Peter Taler beobachtet von seinem Fenster das Haus gegenüber und hält das Geschehen sogar mit einer Videokamera fest. Dort wohnt der 82jährige Knupp, pensionierter Lehrer und Witwer seit über zwanzig Jahren. Nach dem Tod seiner Frau war der alte Herr immer eigenbrötlerischer geworden und pflegte keinerlei Kontakt mit der Nachbarschaft. Für Taler war Knupp sogar nicht ganz normal. Hatte der Alte vielleicht sogar etwas mit Lauras mysteriösen Tod vor einem Jahr zu tun? Man hatte sie einfach vor dem Hauseingang tot aufgefunden. Taler verstrickt sich immer mehr in die Geschehnisse auf der anderen Straßenseite. Dabei bemerkt er, dass dort nicht nur merkwürdige Dinge vor sich gehen, sondern, dass er ebenfalls beobachtet wird. Da treffen sich die beiden Nachbarn zufällig und Knupp erzählt von einem möglichen Wiedersehen mit ihren verstorbenen Frauen. Unsinn, denkt Taler, denn die Zeit kann man ja schließlich nicht zurückdrehen. Der scheinbar senile Knupp hat jedoch eine Theorie, um einen geliebten Menschen wiederzufinden. Dazu muss man nicht wie einst Orpheus ins Totenreich hinabsteigen, sondern nur die Veränderungen rückgängig machen. Quasi den Moment wiederherstellen, an dem man dem Schicksal eine andere Wendung geben kann. Eine verrückte Idee, für die Knupp allerdings Beweise von historischen Persönlichkeiten hat. Bei der Verwirklichung seines Vorhabens soll Taler ihm helfen. Der muss jedoch feststellen, dass er nur Knupps Werkzeug ist, und dass auch Lauras Tod nur ein Teil des ganzen Planes war. Manfred Orlick |
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