Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik (eBook) - Martin Geck

Martin Geck 

Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik (eBook)

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Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik (eBook)

Musik und Leidenschaft - Zum 200. Geburtstag des großen Komponisten

Er war ein leidenschaftlicher Tonpoet und kühner musikalischer Vordenker, der in seinem Schaffen Sinnlichkeit und Intellektualität, Realismus und Traumverlorenheit genial zu vereinen wusste: Robert Schumann (1810-1856), vor zweihundert Jahren geboren und bis heute in allen Konzertprogrammen der Welt präsent.

Schumann war jedoch nicht nur ein bedeutender Komponist und Musikschriftsteller, sondern auch ein politisch wacher Zeitgenosse, der mit der Revolution von 1848/49 sympathisierte. Einerseits stand er - als Vater von acht Kindern - ganz im Leben, andererseits betäubte er sich mit Rauschmitteln, schwor auf das in seinen Kreisen beliebte Tischerücken und ließ durch seine Stücke geheimnisvolle Stimmen geistern. Martin Geck erzählt den faszinierenden Lebensweg dieses Universalgeists der Romantik und berichtet dabei von den gesellschaftlichen und künstlerischen Umbrüchen seiner Zeit. Er wirft ein neues Licht auf das vielseitige Werk des Komponisten - und blickt zugleich in die Abgründe des Menschen Robert Schumann, der zeitlebens unter der größeren Berühmtheit seiner geliebten Frau Clara litt und nach versuchtem Selbstmord schließlich in einer Nervenheilanstalt in den Tod hinüberdämmerte.



Produktinformation

  • Verlag: Siedler
  • 2010
  • 1. Auflage
  • Seitenzahl: 320
  • Best.Nr. des Verlages: 710/04721
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783641047214
  • ISBN-10: 3641047218
  • Best.Nr.: 31726608
»Ein Werk, das nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, sondern vor allem auch Schumann-Liebhaber auf ihre Kosten kommen lässt.«

"Martin Geck ist der kundige, eher nüchterne Biograph, geradezu auf sicher akademischer Seite." (Süddeutsche Zeitung)

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Zum 200. Geburtstag von Robert Schumann hat Hans-Jürgen Linke drei Neuerscheinungen über den Komponisten gelesen, die er alle drei wärmstens empfehlen kann. Martin Gecks Schumann-Biografie begeistert den Rezensenten durch stupendes Wissen, seine einfühlende Urteilsfähigkeit und nicht zuletzt dadurch, dass er beim Autor scharfsinnige Analyse und erzählerische Brillanz vereint findet. Zudem sei Geck ein "Meister der unprätentiösen und gewichtigen Andeutung", was sein Buch so anregend mache, schwärmt der Rezensent. Souveränität, Emphase und Takt hat Linke in dieser Biografie zudem gefunden, die sich als Apologie eines Künstlers versteht, den man bis heute allzu häufig einseitig mit seiner psychischen Erkrankung zu erklären sucht, wie der Rezensent weiß.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Ein Werk, das nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, sondern vor allem auch Schumann-Liebhaber auf ihre Kosten kommen lässt.«
Martin Geck, geb.1936, studierte Musikwissenschaft, Theologie und Philosophie in Münster, Berlin und Kiel. 1962 Dr. phil., 1966 Gründungsredakteur der Richard-Wagner-Gesamtausgabe, 1970 Lektor in einem Schulbuchverlag, nachfolgend Autor zahlreicher Musiklehrwerke, 1974 Privatdozent, 1976 ordentlicher Professor für Musikwissenschaft an der Universität Dortmund.
Viele Arbeiten zur Geschichte der deutschen Musik im 17., 18. und 19. Jahrhundert. Derzeit ist Martin Geck vor allem in der Bachforschung tätig und Initiator der Dortmunder Bach-Symposien.

Leseprobe zu "Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik..."

KAPITEL 8 (S. 168-169)

Der »öffentliche« Schumann in den Jahren des Vormärz ...

was man den geheimen Gedanken Schumann’s nennen möchte, nämlich die classischen Formen mit Romantik zu durchdringen oder wenn man will, den romantischen Geist in classische Kreise zu bannen...

Franz Liszt 1855 in seinem Artikel »Robert Schumann« für die Neue Zeitschrift für Musik315  

Liszts Ausspruch, im Kontext seiner Musikästhetik gelesen, ist skeptischer gemeint, als es hier klingt. Denn im Grunde genommen zweifelt er bei allem Wohlwollen Schumann gegenüber an einer Quadratur des Kreises durch diesen Zeitgenossen; stattdessen setzt Liszt seine eigenen Sinfonischen Dichtungen und das musikalische Drama Richard Wagners auf die Tagesordnung. Letztlich geht es um eine einzige Frage: Wer ist der würdige Nachfolger des »Klassikers« Beethoven - jenes Riesen, der einem beständig über die Schulter schaut? Sind es die Verfechter der »absoluten« Musik oder die »Neudeutschen«, die auf die Deutlichkeit von außermusikalischen Programmen oder gleich auf das Gesamtkunstwerk à la Wagner setzen?

Beide »Parteien« - von solchen kann man seit den 1850er-Jahren sprechen - können Argumente ins Feld führen. Es gibt einen Beethoven, der die überkommene Viersätzigkeit der Sinfonie zum Maß aller Dinge macht - unbeeindruckt von der Frage, ob sich innerhalb des Zwangsverbandes dieser vier Sätze eine glaubhafte »Geschichte« erzählen ließe. Und dieser Beethoven setzt nicht nur auf die gestaltende Kraft, die in den vier Satztypen einer Sinfonie als solchen liegt; vielmehr vertraut er generell darauf, dass der »Sinn« eines Werks vor allem in den immanenten motivisch-thematischen Prozessen aufscheint, die der Komponist in Gang setzt und steuert. Vor allem Johannes Brahms hat dieses Erbe Beethovens angetreten - allerdings unter gewaltigen Skrupeln.

Die »neudeutsche« Partei hingegen feiert und beerbt einen Ideenkünstler Beethoven, der durch seine Sinfonien und Klaviersonaten an allen Ecken und Enden zu verstehen gibt, dass Musik nicht nur aus »tönend bewegten Formen« à la Hanslick besteht, sondern Gefühle, Stimmungen, ethische Haltungen transportiert, die gelegentlich recht konkret werden können - etwa wenn es um Prometheus alias Bonaparte in der Eroica, um das »Schicksal« in der Fünften oder um das »Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande« in der Pastorale geht.

Mit der neunten und letzten Sinfonie, so triumphieren die »Neudeutschen«, habe Beethoven höchstpersönlich dafür plädiert, Ideen, die sich bis dahin aus der Musik nur mittelbar heraushören ließen, mit größerer Deutlichkeit vorzutragen: Es genügt nicht länger, in reinen Orchesterklängen von der »Freude« zu schwelgen, in deren Zeichen alle Menschen zu Brüdern werden - nein, erst das Wort schafft volle Klarheit. Getrennt schlagen, vereint siegen - nach diesem Motto wollen Liszt und Wagner - wenngleich zeitlich versetzt - Beethoven beerben.

Liszt verwendet Worte, um mit ihrer Hilfe »Programme« zu skizzieren, die man seinen Sinfonischen Dichtungen wie Mazeppa oder Prometheus zu unterlegen hat - und kann damit nach Anfangserfolgen nicht wirklich reüssieren: Seine komponierten Heldengedichte schlagen nicht ein wie antike Heldengesänge, die er sich zum Vorbild erwählt hat. Wagner macht es besser: Auf die uralte Tradition von Theater und Bühne setzend, schafft er das Gesamtkunstwerk. Dort bleibt die unmittelbar ans Gefühl sich wendende Musik das Leitmedium; zugleich gewährleistet die handlungstragende Dichtung eine plastische Darstellung des Mythos.

Leseprobe zu "Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik..."

"Vorzüglich stark ausgebildet die Organe der Vorsicht, - Aengstlichkeit, die sogar meinem Glück im Wege stünde, - der Musik, - der Dichterkraft - edlen Strebens - großen künstlerischen aber edlen Ehrgeizes - großer Wahrheitsliebe - großer Redlichkeit - großen Wohlwollens - 'Gemüth durch und durch' - Formensinn - Bescheidenheit - Festigkeit - (Phrenologische Studien v. Noël an m(einem) Kopf - Maxen, d. l. Juni
Aus Robert Schumanns Tagebuch
Diese Tagebucheintragung Schumanns stammt vom 1. Juni 1846. Robert Schumann und seine Frau Clara sind auf dem Schloss und Rittergut Maxen bei Dresden zu Besuch, das dem ebenso wohlhabenden wie kunstsinnigen Major a. D. Friedrich Serre gehört. Man ist zu Tisch eingeladen; Schumann spielt hernach Whist und lernt 'Capitän Noël' kennen, der am Abend an ihm eine 'merkwürdige phrenologische Untersuchung' vornimmt, wie es auch im "Haushaltbuch" unter dem gleichen Datum heißt.
Die Rede ist von dem englischen Phrenologen Robert R. Noël, der gerade in Dresden weilt, um sich mit dem Arzt, Maler und Naturforscher Carl Gustav Carus über das gemeinsame 'Forschungs'-Gebiet auszutauschen und die zweite Auflage seiner Phrenologie oder Anleitung zum Studium dieser Wissenschaft, mit Berücksichtigung der neueren Forschungen auf dem Gebiet der Physiologie und Psychologie vorzubereiten; diese wird kurz darauf in der Arnoldischen Buchhandlung in Dresden und Leipzig erscheinen.
Phrenologie - also der Versuch, von der Schädelform eines Menschen auf seine Charaktereigenschaften zu schließen - hat damals Hochkonjunktur. Und weil die dabei üblichen Messungen nicht zuletzt kriminologischen Interessen dienen, wird Schumann dem bekannten Mann seinen Kopf nicht ohne leichtes Gruseln hingehalten haben - freilich auch mit der seltsamen und doch gar nicht so seltenen Begierde, von einem anderen über das eigene Wesen aufgeklärt zu werden. Und er wird belohnt: Die ihm attestierte Ängstlichkeit, mit der er sich ja wirklich Tag für Tag herumschlägt, darf er künftig unter 'schicksalhafter Anlage' buchen. Und alle anderen von Noël konstatierten Anlagen sind vortrefflich: edles Streben, edler künstlerischer Ehrgeiz, Wahrheitsliebe, aber auch Formensinn und Festigkeit.
Natürlich weiß der Phrenologe, wen er da am Abend des zweiten Pfingsttags 1846 vor sich hat; und sicherlich ist er welt- und berufserfahren genug, um nicht nur Schumanns Kopf zu inspizieren, sondern seinen prominenten Klienten auch mithilfe anderer Indizien so zu taxieren, dass dieser vermutlich zwar etwas aufgewühlt, aber doch erhobenen Hauptes wieder zu den Gästen zurückkehren kann. Und der Autor ist von dem Charakterbild, das hier gezeichnet wird, noch nach mehr als 150 Jahren berührt. Denn so vage es ist: Verwendete man es für ein Quiz, so würde ein leidlicher Kenner der Musikgeschichte in der Tat eher auf Schumann tippen denn auf Beethoven, Wagner oder Meyerbeer ..."

Kundenbewertungen zu "Robert Schumann - Mensch und Musiker der Romantik..."

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Bewertung von narnia aus Alt Ruppin am 15.04.2010 ***** ausgezeichnet
Diese Biografie zum 200. Geburtstages des Musikers ist eine rund um gelungene Würdigung des leidenschaftlichen Tonpoeten.

Martin Geck erzählt in diesem Buch vom Leben und Leiden dieses Universalgeistes der Romantik und zeichnet zugleich ein lebendiges - farbiges Bild von den gesellschaftlichen und künstlerischen Umbrüchen jener Zeit.

Trotz aller Fakten und auch Zahlen ist dem Autor ein spannendes Lebensbild gelungen, dass gut verständlich auch von Menschen die keine Musikprofis sind, gelesen werden kann. Diese Biografie rückt den Menschen Robert Schuhmann in den Vordergrund, erst in zweiter Linie wird das Leben des Musikers nachgezeichnet.

Christian Döring, www.buecherveraendernleben.npage.eu

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Buch mit Leinen-Einband

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