Leidenschaften - Auffermann, Verena; Kübler, Gunhild; März, Ursula; Schmitter, Elke

Verena Auffermann Gunhild Kübler Ursula März Elke Schmitter 

Leidenschaften

99 Autorinnen der Weltliteratur

Von Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März u. a.
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Produktbeschreibung zu Leidenschaften

»Unser Buch zeigt den Reichtum und die Vielfalt der Literatur von Frauen und erzählt, wann, wie und warum sie zum Schreiben fanden.« Die Autorinnen

Ihre Verse haben Jahrtausende überdauert wie Sapphos Poesie; sie schrieben in düsteren Verhältnissen wie die Schwestern Brontë, erfanden den weiblichen Fantasy-Roman wie Irmtraud Morgner, radikale Schreibweisen wie Elfriede Jelinek und die berühmteste Romanfigur der Gegenwart, Harry Potter.

99 schreibende Frauen haben Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter für ihren weiblichen Kanon der Literaturgeschichte ausgewählt. Sie porträtieren die Autorinnen, betten ihr Werk in Lebens- und Zeitumstände, positionieren sie innerhalb literarischer Traditionen und an deren Bruchstellen. Eine Wanderung durch die weiblichen Gefilde der Weltliteratur, für die man nichts mitbringen muss als Neugier und Leselust.

. Kluge Porträts, die Lust aufs Lesen machen

. Eine weibliche Geschichte der Weltliteratur und zugleich ein fachkundiger persönlicher Kanon



"Unser Buch zeigt den Reichtum und die Vielfalt der Literatur von Frauen und erzählt, wann, wie und warum sie zum Schreiben fanden." Die Autorinnen"Ihre Verse haben Jahrtausende überdauert wie Sapphos Poesie; sie schrieben in düsteren Verhältnissen wie die Schwestern Brontë, erfanden den weiblichen Fantasy-Roman wie Irmtraud Morgner, radikale Schreibweisen wie Elfriede Jelinek und die berühmteste Romanfigur der Gegenwart, Harry Potter."99 schreibende Frauen haben Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter für ihren weiblichen Kanon der Literaturgeschichte ausgewählt. Sie porträtieren die Autorinnen, betten ihr Werk in Lebens- und Zeitumstände, positionieren sie innerhalb literarischer Traditionen und an deren Bruchstellen. Eine Wanderung durch die weiblichen Gefilde der Weltliteratur, für die man nichts mitbringen muss als Neugier und Leselust.
? Kluge Porträts, die Lust aufs Lesen machen
? Eine weibliche Geschichte der Weltliteratur und zugleich ein fachkundiger persönlicher Kanon

Produktinformation


  • Abmessung: 233mm x 163mm x 53mm
  • Gewicht: 1020g
  • ISBN-13: 9783570010488
  • ISBN-10: 3570010481
  • Best.Nr.: 26246588

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Im Einzelnen findet die namenlos bleibende Rezensentin die 99 Schriftstellerinnenporträts von Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter durchaus gelungen und die darin durchweg enthaltene Anschaulichkeit und sprachliche Eleganz erhalten viel Lob. Trotzdem blieb bei der Rezensentin ein Unbehagen zurück, ihr reicht es nicht, dass der Band als einziges Auswahlkrititerium das Geschlecht herangezogen hat und damit Schriftstellerinnen vom Rang einer Madame de Stael neben die "Heidi"-Autorin Johanna Spyri stellt. Als würde man Hölderlin nur unter schwäbischen Schriftsteller subsumieren, spottet die Rezensentin. Ärgerlich findet sie zudem, dass solcherart ein "weiblicher Partikularismus triumphiert", der mit der im Untertitel beschworenen "Weltliteratur" eben nichts zu tun hat. Und so findet die Rezensentin die einzelnen Porträts zwar wirklich glänzend, in der Summe aber überhaupt nicht überzeugend.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.12.2009

Wenn ich nicht weiß, was ich anhatte, kann ich mich nicht erinnern

Radikal und inspiriert: Vier Autorinnen porträtieren ihre 99 Lieblingsschriftstellerinnen - und damit die Lebens- und Überlebenskünstlerinnen der Weltliteratur.

Von Ingeborg Harms

Künstlerromane haben ihren besonderen Reiz, weil es bei den Krisen ihrer Helden um einen höheren Zweck geht, aber auch, weil der Leser ahnt, dass der Stoff in mancher Hinsicht biographisch ist. Vier namhafte Kritikerinnen haben sich diesen Effekt zunutze gemacht und ein Lexikon über "99 Autorinnen der Weltliteratur" verfasst, das sich wie ebenso viele Romane liest. Die Einträge sind kurzweilig und schwungvoll geschrieben, reich an Anekdoten und biographischen Details, in die sich die Werke der Porträtierten wie aus einem Guss zu fügen scheinen. Unwillkürlich beginnt man sich zu fragen, ob ein außergewöhnliches Schicksal zu den Auswahlkriterien zählte oder das Leben weiblicher Schriftsteller an sich zu Superlativen und dramatischen Wendungen neigt? "Leidenschaften" jedenfalls lautet der Obertitel, den Elke Schmitter im Nachwort auch mit der Haltung des Autorinnenteams zu den von ihnen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.02.2010

Primär als Frau rekrutiert
Quotenunrecht: Ein Band mit Porträts von 99 Dichterinnen macht allein Weiblichkeit zum Auswahlkriterium
Was für ein Einstieg! „An einem Novembertag des Jahres 1803 fuhr die Pariser Schriftstellerin und Salondame Germaine de Staël bei Mainz über die Grenze und sah trübsinnig aus dem Fenster ihrer Kutsche. Das öde, winterliche Land, die rauchgeschwärzten Häuser mit ihren kleinen Fenstern, aus denen beim Vorbeirasseln ihres Wagens die Bewohner neugierig die Köpfe streckten, schlugen ihr aufs Gemüt. Sie war nicht freiwillig unterwegs. Napoleon hatte sie aus Paris verbannt.”
Hier springt gleich in den ersten Zeilen alles in die Präsenz, die große Dame, die kümmerlichen, düsteren Umstände ihres Exils und hinter allem die riesenhafte Silhouette ihres Feindes. Sehr ungalant verfährt er mit ihr; bei einer persönlichen Begegnung guckt er ihr ins tiefe Dekolleté und merkt an: „Sie haben gewiss Ihre Kinder selbst gestillt.” „Für einen Augenblick soll da die große Konversationskünstlerin sprachlos gewesen sein.” Das Schicksal der Madame de Staël wird von nun an Deutschland werden, dieses Land, um das sie sich nicht …

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"Eine großartige Sammlung von Essays über Schriftstellerinnen aus allen Erdteilen und Zeiten." ZDF-aspekte

"Als Leserin ist man den unwiderstehlichen Verführungskünsten des fetten, schlicht wie schön aufgemachten Bandes erlegen."
Gunhild Kübler ist promovierte Germanistin und lebt als Journalistin in Zürich.

Leseprobe zu "Leidenschaften"

Anna Achmatowa 1889-1966

Ihr Stern ist klein. Er ist selten zu sehen und schimmert nur schwach. Aber er wird nicht sinken. Seine Form ist beinahe ein Kreis, sein Durchmesser beträgt neun Kilometer, seine Entfernung von der Erde mindestens 141 Millionen Kilometer. Der Planet Nr. 3067 wurde im Jahr 1982 in das Verzeichnis der "Minor Planet Circulars" aufgenommen, "named in honor of Anna Andreevna Akhmatova. Outstanding Poetress."

Zwei Leserinnen sorgten dafür. Ljudmila Karatschkina und Ljudmila Schurawljowa nutzten ihre Tätigkeit am Astrophysischen Institut auf der Krim in den achtziger Jahren zu einer so diskreten wie nachhaltigen Korrektur der sowjetischen Kulturgeschichte: Im selben Jahr wie Achmatowa erhielten der Regisseur Andrei Tarkowski sowie die Schriftsteller Michail Bulgakow und MARINA ZWETAJEWA einen Himmelskörper auf ihren Namen - Tote und Totgeschwiegene.

Anna Achmatowa hat das nicht mehr erlebt, doch es ist anzunehmen, dass es ihr gefallen hätte. Nicht nur wegen der Unsterblichkeit - die sie verdient zu haben sicher war. Nicht nur, weil die Literaturzeitschrift ihrer Lebensstadt Petersburg den Titel "Swesda" (Stern) trug. Sondern auch, weil in ihren Gedichten der Himmel, die Wolken und die Gestirne das sprechende Ich treulich begleiten: als Resonanzräume einer Seele, der die Welt nicht groß genug sein kann.

Mit Liebesgedichten fing sie an. Die großgewachsene, überwältigend schöne Anna Andrejewna Gorenko war von Anfang an überzeugt, dass die Stimmungen eines einzelnen, eines einzigen Menschen, formuliert man sie nur gut genug, von mitteilenswerter Bedeutung sind. Die Schwüle eines Abends im Sommer, der silbern glitzernde Teich, die vertrockneten Immortellen - sind das nicht sprechende Zeichen für ein denkendes Herz? Der Mensch und das Universum, das Ich und sein Wetter, das war von Anfang an ihr Programm. Wörtlich und konkret: Die Metaphern der Symbolisten, die den Ton angaben, als sie die literarische Bühne betrat, verachtete sie. Kein Antlitz wie eine Blume, kein Vogelzwitschern, wenn man Liebesgeflüster meint - sondern das Antlitz, genau wie es war, "schmerzlich" und "böse" vielleicht, und die Worte grob oder zärtlich, so wie sie waren. "Gedichte müssen schamlos sein", nur dann kann entstehen, worum es geht: Die Geheimnisse der Psyche werden offenbar, und das Einzelne wird allgemein, das Unbegriffene verständlich, die tiefste Einsamkeit mitteilbar.

Die Hörer und Leser dankten ihr die Radikalität. Von ihren ersten Auftritten an war die junge Dichterin, die sich den klangvollen Namen Achmatowa gab (der nicht genuin russisch ist, sondern an eine tatarische Ahnin erinnert), ein populäres Phänomen. Ihre Gedichte - kurz oder lang, aber streng im Versmaß gehalten und gereimt - konnten ihre Leser auswendig. Sie waren, am Beginn ihrer Laufbahn, modern. Am Ende waren sie Klassiker. Literarische Programme, Parteitagsbeschlüsse und Kulturrevolutionen zogen daran vorbei. Zweimal wurde vernichtet, was es gedruckt von ihr gab - auf staatlichen Befehl. Über Jahrzehnte hatte sie Berufsverbot. Sie schrieb kaum etwas auf, sondern trug ihre Gedichte den engsten Freunden vor, damit sie die Verse im Gedächtnis behielten. Manuskripte zu verstecken, in einem spärlich möblierten Zimmer, wäre zu gefährlich gewesen. So wanderte, was sie schrieb, unmateriell ins Bewusstsein. Das passte zu ihrem Werk. Das Politische wurde sphärisch, und die stupid-brachiale Kulturpolitik der Sowjetunion gekontert mit dem letzten Unerreichbaren: dem menschlichen Gedächtnis.

Sie selbst war, am Ende des Lebens, verkörperte Erinnerung. "Ich aber wuchs in buntbestickter Stille / Im kühlen Kinderzimmer des Jahrhunderts." Im Kinderzimmer des Jahrhunderts, das heißt: in der Vorzeit der Russischen Revolution, in einer Epoche, die kulturell vollständig vernichtet wurde. Eine melancholische, von Ehestreitigkeiten und Todesfällen in der Familie belastete Kindheit - zwei Schwestern starben früh an Tuberkulose - im russischen Bürgertum: hohe Spiegel in Rahmen aus Nussholz im gelben Licht der Öllampen, gepolsterte Sessel, enge Mieder und raschelnde Röcke. Ein einziges Buch im Haus: die Hinterlassenschaft des ersten Manns ihrer Mutter, der in das Attentat auf den Zaren Alexander II. im Jahr 1881 verwickelt war und sich erschossen hatte, um der Verhaftung zu entgehen. Hinter den Kulissen rumorte es in Russland längst.

Ein paar Jahre lang gab es für Achmatowa das, was man eine emanzipierte Künstlerjugend nach europäischem Vorbild nennen kann. Sie begann ein Jurastudium in Petersburg, sie schrieb, sie verliebte sich und heiratete. Als Jungvermählte ging sie mit ihrem Mann nach Paris, eine entschlossene Bohemienne und bald schon eine unglückliche Ehefrau. Ihr erster Mann - Dichter und Exzentriker wie sie, aber auch Reisender aus Passion - zog weiter nach Afrika und ließ sie zurück. Achmatowa blieb zunächst in Paris, freundete sich mit dem italienischen Maler Amedeo Modigliani an (ein von Modigliani gemaltes Porträt von ihr hing zeitlebens über ihrem Bett) und bereiste, wieder mit ihrem Mann, den Norden Italiens. Zurück in Russland, gab es für sie noch ein Jahr der reinen Künstlerexistenz: Lesungen und Partys, programmatische Zusammenkünfte ihrer literarischen Gruppe, der Akmeisten, Freundschaften mit Boris Pasternak und Ossip Mandelstam, mit der Tänzerin Olga Glebowa-Sudejkina. Als Anna Achmatowa ihren zweiten Gedichtband publizierte, brach der Erste Weltkrieg aus, an dessen Ende stand in Russland die Revolution. Von nun an war ihr Leben nicht nur überschattet, sondern geprägt von der trostlosen Geschichte ihrer Heimat. Von den siebenhundert Autoren, die 1934 am Ersten Schriftstellerkongress der Sowjetunion in Moskau teilgenommen hatten, überlebten nur fünfzig bis zum Zweiten Kongress im Jahr 1954. Von denen, die nicht im Krieg gefallen waren, wurden Unzählige liquidiert, verschwanden in Arbeitslagern oder starben an staatlich organisierter Verelendung. "Ihr aber, Freunde, letztes Aufgebot! / Mir blieb das Leben, damit ich Euch bewein."

Achmatowas erster Mann meldete sich 1914 freiwillig an die Front; sie blieb mit dem einzigen Kind zunächst bei den Schwiegereltern auf deren ländlichen Gut. Dann ging sie zurück nach Petersburg und zog in das Palais des Grafen Scheremetjew, das in kleine Wohnungen aufgeteilt worden war - ihre Heimat mit wechselnder Besetzung bis in die fünfziger Jahre. Die zweite und dritte Ehe fand hier statt, in der typischen sowjetischen Enge: Phasenweise lebte sie mit der ersten und der aktuellen Gattin ihres geschiedenen dritten Mannes zusammen, nie hatte sie mehr als "ein Zimmer für sich allein" (VIRGINIA WOOLF), und manchmal nicht einmal das.

Leseprobe zu "Leidenschaften"

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