Artikelseite zu "'Chaos statt Musik'" Drucken
'Chaos statt Musik'
Dmitri Schostakowitsch, die Prawda-Kampagne von 1936 bis 1938 und der Sozialistische Realismus. Diss.
- Einband: Kartoniert/Broschiert
- Broschiertes Buch
Produktinformation
- Verlag: Pfau
- 2006
- Ausstattung/Bilder: 2006. 342 S. m. 35 Notenbeisp. u. Abb.
- Seitenzahl: 342
- Deutsch
- Abmessung: 21 cm
- Gewicht: 495g
- ISBN-13: 9783897273306
- ISBN-10: 3897273306
- Best.Nr.: 20872861
Produktbeschreibung zu "'Chaos statt Musik'"
Kurzbeschreibung
Am 28. Januar 1936 titelte die "Prawda", das sowjetische Parteiorgan, "Chaos statt Musik" und meinte damit Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth". Den Großen Terror unter Stalin begleitete sie mit einer Kulturkampagne, die die rigorose Durchsetzung des Sozialistischen Realismus zum Ziel hatte. Siebzig Jahre nach den Ereignissen dokumentiert Marco Frei erstmals umfassend die Kampagne und untersucht die künstlerische Reaktion des damals 29-jährigen Schostakowitsch. Zu seinem 30. Todestag 2005 und 100. Geburtstag 2006 zeichnet dieses Buch zugleich ein Schostakowitsch-Porträt, das auch der viel beschworenen Doppeldeutigkeit nachspürt.
Beschreibung
Reinmar Wagner, © Musik&Theater 10 Oktober 2006
06.10.2006
Das böse Dur
Die Entdeckung von Dmitri Schostakowitsch hat
begonnen
Fast sah es so aus, als sei die Musik von Dmitri Schostakowitsch
nun für immer hinter Gittern: Weggesperrt in ihren
"biographischen Käfig", wie Melanie Unseld zuletzt auf
dem Dresdner Spätwerk-Symposion bemerkt hat. Natürlich lassen sich
Zeitumstände und Vita eines Künstlers von seinem Werk schlecht
trennen, schon gar nicht bei Schostakowitsch. Er war der
herausragende musikalische Chronist seiner Epoche, Musterfall eines
Künstlers unter totalitärer Herrschaft. Politisch verfolgt,
ästhetisch existentiell in Frage gestellt, hat er sich unterworfen,
angepaßt und gewehrt zugleich. Was liegt also näher, als die
"Brüche" im musikalischen Werk aus dieser gebrochenen
Biographie heraus zu erklären? Jetzt, sechzehn Jahre nach dem
Untergang der Sowjetunion, beginnt sich diese starre
Kausalverbindung aufzulösen. Das Bild kommt in Bewegung.
Einen wichtigen Impuls dazu gibt das neue
Schostakowitsch-Sonderheft der Zeitschrift "Osteuropa".
Darin treten betont musikanalytische Forschungsansätze in ein
Spannungsverhältnis zu einigen scharf geschneiderten Polemiken, die
sich mit …
Kundenbewertungen zu "'Chaos statt Musik'" von "Marco Frei"
Durchschnittliche Kundenbewertung (aus 2 Bewertungen):




ausgezeichnet
- 0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung von unbekanntem Benutzer am 12.10.2006
-




- ausgezeichnet
- „Die interessanteste Neuerscheinung zu Schostakowitsch auf dem Büchermarkt kommt von Marco Frei aus München. In seiner Dissertation untersucht der Musikwissenschaftler zum ersten Mal umfassend die Umstände des berühmten Prawda-Artikels Chaos statt Musik vom 28. Januar 1936 über Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk und weist überzeugend nach, dass dahinter nicht einfach ein Schnellschuss des verärgerten Stalins steckte, sondern eine systematisch vorbereitete und durchgeführte Kampagne […] auch gegen andere Exponenten des sowjetischen Kulturlebens weit über die Musik hinaus. Ziel war die Durchsetzung des Sozialistischen Realismus in allen Kunstformen. Im zweiten Teil des Buches untersucht Frei die Reaktion des Komponisten auf diese Kampagne und enthält sich dabei auf wohltuende Weise allzu plakativer Schlüsse, im subtilen Abwägen vor Argumenten und Gegenargumenten, immer im Bewusstsein, dass auch musikalische Entscheidungen des Komponisten auf vielfältige Weise zustande gekommen sein können. Trotz der wissenschaftlichen Form ein sehr spannendes Buch.“ (Musik & Theater, Reinmar Wagner, 10/06, S. 13)
- War diese Bewertung für Sie hilfreich?

(Inhalt anstößig?)
- Kommentieren Sie diese Bewertung
- 1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
Bewertung von unbekanntem Benutzer am 11.10.2006
-




- ausgezeichnet
- Eine "tiefgehende Analyse" (Süddeutsche Zeitung, Egbert Tholl, 20.9.06, S.47)
Eine "materialreiche Studie, in der eines der erschütterndsten Kapitel stalinistischer Kulturpolitik auf exemplarische Weise dokumentiert und reflektiert wird" (Neue Musikzeitung 9/06, Buchtipp, S. 42)
"Bahnbrechend" (OVB/Münchner Merkur, 9.8.06, S. 7)
"Erst kürzlich, rund siebzig Jahre nach den Ereignissen, wurden die einschlägigen Prawda-Artikel in einer vollständigen Dokumentation veröffentlicht, darunter weitere bisher unbekannte Angriffe auf Schostakowitsch" (Neue Zürcher Zeitung, 23./24.9.,S. 65)
"Die erste zusammenfassende Studie über die berühmt-berüchtigte Prawda-Kampagne" (Bonner Generalanzeiger, Adelbert Reif, 23./24.9.06)
"Mit kriminalistischem Spürsinn verfolgt Frei die einzelnen Etappen der zweijährigen Treibjagd und ihre verheerenden Folgen" (Aargauer Zeitung, Adelbert Reif, 23.9.06)
Man liest "mit Spannung, welche Schlussfolgerungen der Autor zieht. Ein Buch, das den Leser über Klischees der Schostakowitsch-Forschung hinweghilft und differenzierte Einblicke bietet" (Bayern 2, Buchmagazin Diwan, 16.9.06)
"Durch minuziöse komparatistische Untersuchungen gelingt es dem Autor, viele Werke Schostakowitschs überzeugend zu dechiffrieren" (Constantin Floros, Musikwissenschaftler) - War diese Bewertung für Sie hilfreich?

(Inhalt anstößig?)
- Kommentieren Sie diese Bewertung
06.10.2006
Jetzt dachte Eleonore Büning schon, das starre Schostakowitsch-Bild
käme einmal in Bewegung und dann ist es doch nur ein detailliertes
Referieren alter Erkenntnisse, was ihr die Dissertation von Marco
Frei beschert. Die Hauptquelle für diese Arbeit hat Büning schnell
gefunden: Die Schostakowitsch-Memoiren von Solomon Volkow, die
Büning für eher fragwürdig zu halten scheint. Dass der Autor bei
seiner Investigation der "Prawda"-Kampagne gegen
Schostakowitsch und der folgenden Formalismusdebatte zusätzlich
jede Menge Fakten und Sekundärliteratur zur Stalinzeit
zusammenträgt, respektiert Büning zwar. Doch bietet dieses Material
"kaum neue Erkenntnisse", so die Rezensentin. Gleiches
gilt für den sich mit der Musik befassenden Teil des Bandes: viel
Material, doch die Erkenntnisse seien "mager". Dass der
Band trotz seiner Datenfülle weder über ein Sach- noch ein
Namensregister verfügt, findet Büning "doppelt
schade".
© Perlentaucher Medien GmbH























