Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus - Safranski, Rüdiger

Rüdiger Safranski 

Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus

Biographie

Buch mit Leinen-Einband
 
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Produktbeschreibung zu Friedrich Schiller oder Die Erfindung des Deutschen Idealismus

Jugendliches Genie, Revolutionär, Dichter. Rüdiger Safranski entstaubt in seiner Schiller-Biographie eine der schwungvollsten Gestalten unserer Literatur. Friedrich Schiller läutete mit seinem Enthusiasmus die Epoche der deutschen Geistesgeschichte ein, die man später den "Deutschen Idealismus" genannt hat. Mit diesem großen Buch über Schillers Leben und Denken könnte seine Renaissance beginnen.



Produktinformation


  • Verlag: HANSER
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 559 S.
  • Seitenzahl: 560
  • Best.Nr. des Verlages: 505/20548
  • Deutsch
  • Abmessung: 260mm x 190mm x 90mm
  • Gewicht: 789g
  • ISBN-13: 9783446205482
  • ISBN-10: 3446205489
  • Best.Nr.: 12726484
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.11.2004

Erzählte Leben

ALS SCHILLER 1789 seine Antrittsvorlesung in Jena hielt, glaubte er noch, daß "die Tat lebt und weiter eilt", während der Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleibt. Heute, da auch Taten oft Schall und Rauch sind, zählt die Biographie zu den beliebtesten Genres. Ein Mann auf der Kippe - so zeigt Rüdiger Safranski Friedrich Schiller. Safranskis Buch ist die Biographie des Jahres, nicht nur, weil das Schiller-Jahr bevorsteht, sondern vor allem, weil es Safranski gelungen ist, sich von den ungezählten Titeln und Früchten der Schiller-Literatur freizumachen, ohne sie schlicht zu ignorieren.

Nachdem Harry Graf Kessler gleich für zwei Biographen nicht recht zu fassen war, sollen Selbstzeugnisse für Abhilfe sorgen. In seinen Tagebüchern zeigt sich jetzt eine Gestalt, die unserer Zeit auf faszinierende Weise den Spiegel vorhält, indem sie demonstriert, welch armselige Mischung Selbstbezogenheit und falsch verstandene Weltläufigkeit abgeben. Pflichtlektüre für die Sklaven des guten Geschmacks. Eine Biographie ganz eigener Art hat Viktor Jerofejew geschrieben: Er erzählt einen dramatischen Vater-Sohn-Konflikt im Schatten Stalins und seiner Nachfolger als bewegende Doppelbiographie.

igl

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Rechtzeitig vor Schillers zweihundertstem Geburtstag im Jahr 2005 erscheint ein ganzer Stapel neuer Biografien, die den Dichter würdigen, ohne in das nationale Pathos früherer Jahre zu verfallen. Und wenn sich Ursula Homann eine davon auswählen müsste, würde sie sich wohl für die vorliegende entscheiden, denn, kurzum: Rüdiger Safranski ist der "große Wurf" gelungen, den sie von ihm erwartet hat. Das Buch geht darüber hinaus, Schillers Leben und Werk in seiner Zeit darzustellen, indem es umgekehrt anhand der Gestalt des Dichters die Zeit veranschaulicht, die er entscheidend prägte. Dazu werden die Persönlichkeiten des geistigen Lebens, denen Schiller begegnete, ebenso vorgestellt wie die zeitgenössische Philosophie - das alles aber nicht im akademischen Stil, sondern gehüllt in eine "packende" Erzählung, die mit mancher origineller Erkenntnis aufwarten kann. Manchmal, so Homann, gerät Safranski geradezu ins Schwärmen, ohne aber jemals in Gefahr zu geraten, eine Hagiografie zu verfassen. Fazit: ein "großes Leseabenteuer".

© Perlentaucher Medien GmbH

"Eine bemerkenswerte und anspruchsvolle Biografie, die in den Lebensthemen des Dichters die Ideengeschichte einer der produktivsten Epochen des deutschen Denkens nachzeichnet. Safranski beweist, dass Biografien zugleich philosophie- und kulturgeschichtliche Einführungen auf höchstem Niveau sein können. Was Safranski in diesem Kontext leistet, ist erstaunlich." Manfred Koch, Neue Zürcher Zeitung, 25./26.09.04 "Ein herausragendes Buch. Safranski macht Lust auf Schiller." Odo Marquardt, Deutsche Welle, 26.09.04 "Die Biografie Safranskis lässt das Faszinierende von Schillers Ästhetik funkeln und leuchten, ja strahlen. ... Safranski zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Lust und welches Vergnügen es bereiten kann, sich einmal mit den Tugenden und Leistungen eines Autors wie Friedrich Schiller auseinander zu setzen. ...eine rundum gelungene Hommage." Gunther Nickel, Tages-Anzeiger, 16.10.04 "Erklärt klug und trotzdem enorm unterhaltsam, warum Schiller eine ganze Epoche in Schwung gebracht hat - und warum es höchste Zeit für eine Schiller-Renaisance wäre." Brigitte Kultur, 1/05

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.09.2004

Mein Geist war heiter
Gegenüber dem Vortrefflichen gibt es keine Freiheit als Lesen: Heute erscheint Rüdiger Safranskis Schiller-Buch
Die Person Friedrich Schillers ist von Klischees umstellt, seine Dichtung dem Vorurteil unterworfen. Die Kritik hat in seinem Frühwerk - dem Empörungsrausch der „Räuber”, dem kalten Kalkül des „Fiesko”, der rasenden Empfindsamkeit von „Kabale und Liebe” - den anmaßenden Ton eines Subjekts entdecken wollen, das sich zum Maß des Allgemeinen spreizt und in dieser Vergrößerung des zufälligen Ich allzeit gewalt- und vernichtungsbereit scheint. Seinen späten Dramen werden die große Maschinerie, die sicher erzielten Effekte, die Fülle der Sentenzen - Eigenschaften, die sie einst zu klassischen Mustern stempelten - zum Verhängnis. Seine Lyrik gilt als rednerisch, sein Traum vom „ästhetischen Staat” als Flucht in die „überschwängliche Misere”. Im Lachen über sein Frauenbild vereinen sich Macho und Feministin.
Auch wer Schillers Werk nicht ganz verwerfen, die Größe „Wallensteins”, die berührende Klarheit der „Nänie”, die intellektuelle Raffinesse in den „Briefen über die …

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"Grandios, pointenreich, schlagfertig."
Süddeutsche Zeitung

»Man greife zu Safranskis Buch und man wird die Erfahrung machen: Schiller ist immer noch da, und wie!« Frankfurter Allgemeine Zeitung
Rüdiger Safranski, geboren 1945, Philosoph und Schriftsteller, lebt in Berlin. Er veröffentlichte Biographien über E. T. A. Hoffmann, Schopenhauer und Heidegger sowie den großen philosophischen Essay "Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? Über das Denkbare und Lebbare". Rüdiger Safranski erhielt 2006 den "WELT-Literaturpreis" und den "Friedrich-Hölderlin-Preis", 2009 den Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten für sein Lebenswerk.

Leseprobe zu "Friedrich Schiller oder Die Erfindung des..."

Prolog
Nach Schillers Tod am 9. Mai 1805 wurde die Leiche obduziert. Man fand die Lunge »brandig, breiartig und ganz desorganisiert«, das Herz »ohne Muskelsubstanz«, die Gallenblase und die Milz unnatürlich vergrößert, die Nieren »in ihrer Substanz aufgelöst und völlig verwachsen«. Doktor Huschke, der Leibmedicus des Weimarer Herzogs, fügte dem Obduktionsbefund den lapidaren Satz hinzu: »Bei diesen Umständen muß man sich wundern, wie der arme Mann so lange hat leben können«. Hatte nicht Schiller selbst davon gesprochen, daß es der Geist sei, der sich seinen Körper baut? Ihm war das offenbar gelungen. Sein schöpferischer Enthusiasmus hielt ihn am Leben über das Verfallsdatum des Körpers hinaus. Heinrich Voß, Schillers Sterbebegleiter, notierte: »Nur bei seinem unendlichen Geiste wird es erklärbar, wie er so lange leben konnte«.
Aus dem Obduktionsbefund läßt sich die erste Definition von Schillers Idealismus ablesen: Idealismus ist, wenn man mit der Kraft der Begeisterung länger lebt, als es der Körper erlaubt. Es ist der Triumph eines erleuchteten, eines hellen Willens.
Bei Schiller war der Wille das Organ der Freiheit. Die Frage, ob es einen freien Willen geben könne, beantwortete er eindeutig: Wie sollte er nicht frei sein dieser Wille, da jeder Augenblick einen Horizont von ergreifbaren Möglichkeiten eröffnet. Man hat zwar stets begrenzte aber unerschöpfliche Möglichkeiten vor sich. Insofern ist Freiheit offene Zeit.
Doch es geht nicht nur um die Wahl zwischen Möglichkeiten, noch entscheidender ist der schöpferische Aspekt der Freiheit. Man kann auf Dinge, Menschen und auf sich selbst einwirken nach Maßgabe von Ideen, Absichten, Konzepten. Die schöpferische Freiheit bringt etwas in die Welt, das es ohne sie nicht geben würde, sie ist immer auch eine creatio ex nihilo. Sie ist auch die Kraft der Vernichtung, ebenso kann sie den üblen Wirkungen widerstehen, zum Beispiel den Schmerzattacken des Körpers. Schiller hatte ein kombattantes Verhältnis zur Natur, auch der eigenen. Der Körper ist dein Attentäter! Darum erklärte Schiller, daß wir unsern physischen Zustand, der durch die Natur bestimmt werden kann, gar nicht zu unserm Selbst rechnen, sondern als etwas Auswärtiges und Fremdes (V, 502) zu betrachten hätten.
Damit konnte sich sein großer Antipode und Freund Goethe nicht anfreunden. Er nannte das Schillers »Evangelium der Freiheit« und meinte, er seinerseits »wollte die Rechte der Natur nicht verkürzt wissen«. Das wiederum erschien Schiller abwegig. Ihm war die Natur mächtig genug, sie braucht keinen Beistand; beistehen sollte man den bedrohten Rechten des Geistes und die Macht der Freiheit sichern. Das Abenteuer der Freiheit war Schillers Leidenschaft, und deshalb wurde er zu einem Sartre des späten 18. Jahrhunderts. Schillers Idealismus besteht in der Überzeugung, daß es möglich ist, die Dinge zu beherrschen statt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Wie Sartre erklärt er: es kommt darauf an, etwas aus dem zu machen, wozu man gemacht wurde. Die ihn näher kannten, berichten übereinstimmend, daß Schiller fast immer angespannt, tätig, konzentriert gewesen sei, neugierig und hellwach bis zum Mißtrauen. »Das Wirkliche«, erzählt seine Frau Charlotte, »machte einen ängstlichen Eindruck auf ihn«. Anders als Goethe besaß Schiller kein ruhiges und gelassenes Weltvertrauen. Er fühlte sich von keiner gnädigen Natur getragen. Alles muß man selbst machen! So wurde er zu einem Athleten des Willens, im Leben und im Werk.
Am Anfang die Misere? So schlecht aber geht es ihm nicht. Eine liebevolle Mutter, ein zumeist abwesender Vater. Kleinbürgerliche, nicht elende Verhältnisse. Die Welt der Kindheit ist fast idyllisch. Dann aber gerät er an der Karlsschule in die Gewalt eines oft tyrannischen Herzogs. Den wirklichen Vater liebt er, den Landesherrn aber, der wie ein Vater ihn bis in den Schlafsaal verfolgt, fürchtet er – bis er gegen ihn rebelliert. Ein häufig krankes Kind, zu schnell gewachsen, pickelig, steif, unbeholfen. Seinen Körper bewohnt er nicht. In der Schuluniform sieht er aus wie eine Vogelscheuche. Das Äußere, in dem er steckt, mag er nicht. Es regt sich etwas in ihm und stößt überall an. Er fühlt sich ins Dasein geworfen, er antwortet mit Entwürfen, immer hat er irgendwelche Projekte, nur so läßt sich das Leben ertragen. Oft ist er gehemmt, seine Bewegungen stocken, dann plötzlich löst er sich und redet, schnell, unabsehbar, überfließend. Wer ihm zuhört, weiß bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht.

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Kundenbewertungen zu "Friedrich Schiller oder Die Erfindung des..."

Durchschnittliche Kundenbewertung 5 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** ausgezeichnet
(aus 3 Bewertungen)

Bewertung von Julep_hh aus Hamburg am 03.05.2011 ***** ausgezeichnet
Ein hervorragendes Buch. Ich habe es in meiner Magisterarbeit benutzt, damals noch ausgeliehen. Das Buch gefiel mir aber so gut, dass ich es nun zwei Jahre nach der Uni-Abschluss für mich perönlich geholt habe. Safranski zeichnet nicht nur das Leben von Schiller auf, sondern die gesamte Epoche mit all ihren historischen und phylosophischen Veränderungen, die Schiller so beeinflusst hatten. Und das Ganze in einer klaren, verständlichen Sprache, was bei geisteswissenschaftlichen Büchern bekannterweise nicht immer der Fall ist. Ein Lesevergnügen!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Tarzan von Aquin aus München am 19.12.2008 ***** ausgezeichnet
Eindeutig: Das beste Buch über Schiller! Biographisches, geistige Entwicklung und Umfeld werden derart gut geschildert und zusammenhängend erläutert, dass auf lange Zeit dieses Buch als erstes zu empfehlen ist, wenn es darum zu erklären, wer Schiller war und was er heute noch für uns bedeutet.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Tarzan von Aquin aus München am 19.12.2008 ***** ausgezeichnet
Eindeutig: Das beste Buch über Schiller! Biographisches, geistige Entwicklung und Umfeld werden derart gut geschildert und zusammenhängend erläutert, dass auf lange Zeit dieses Buch als erstes zu empfehlen ist, wenn es darum zu erklären, wer Schiller war und was er heute noch für uns bedeutet.

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