Der Begriff Romanik, so ungenau er auch sein mag, beinhaltet
Schlüsselelemente, die zu einem besseren Verständnis dieser durch
zahlreiche Innovationen geprägten Epoche beitragen.
Wie die romanischen Sprachen, die über eine starke gemeinsame
Wurzel verfügen und sich später in den einzelnen
Verbreitungsgebieten voneinander unterscheiden, charakterisiert die
"romanische" Kunstsprache zur Gänze das Europa des 11.
Und der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und differenziert sich
daraufhin in den einzelnen Regionen, in denen sie verbreitet ist.
Trotz der extremen geopolitischen Unterteilungen der damaligen Zeit
kann man sogar von einer "europäischen" Kunst sprechen.
Doch der gemeinsame kulturelle Bezug und die selben Ansprüche und
Funktionen im Zusammenhang mit der Kunst bewirken die Entstehung
einer wesentlichen Einheit in den Werken dieser Epoche. Dies
erfolgt in einem historischen Kontext, in dem unter anderem auch
die menschlichen Horizonte erweitert werden müssen. Von der zweiten
Hälfte des 11. Jahrhunderts an wird Europa durch eine neue
Mobilität von Menschen und Gütern geprägt, eine Folge des
Aufschwungs von Wirtschaft und Handel, der militärischen Feldzüge
und insbesondere des starken Pilgeraufkommens. Der starke
Expansionsdrang, der mit der Reconquista und den Kreuzzügen zum
militärischen Gegenangriff des Westens führte, erfolgt parallel zur
hektischen Errichtung von sakralen Bauten, während auf technischem
Gebiet die Wiederentdeckung von formellen "römischen
Lösungen", wie dem Tonnengewölbe, die Zurückgewinnung einer
"monumentalen" architektonischen Ebene ermöglicht. Der
zweifellos wichtigste Bauträger und Protagonist des künstlerischen
Panoramas ist dabei die Kirche in ihrer Funktion als Hüterin der
Schätze und mit ihrer Ankündigung,jene Unmenge an Skulpturen zu
retten, die die Portale der großen Kathedralen beleben.