Ödipus in der Glockenkurve
Ist das Schicksal? David Guterson hat noch einen Familienroman
geschrieben
„Jeden ereilt es irgendwann“, sagt Ed Kings Adoptivvater Daniel,
den der rapide Verfall seines Herzmuskels binnen kurzer Zeit ins
Grab befördert, „und jetzt bin ich dran“. Auf den Weg alles
Fleisches hat schon Eds seniler Adoptivgroßvater hingewiesen, der
aus seinem jüdischen Altersheim nur noch weg will: „,Das nächste
Mal kommst du zu meiner Beerdigung‘, warnte Pop ihn. ,Jeden Abend
bete ich zu Gott, bitte lass mich morgen früh nicht wieder im
L’Chaim-Heim aufwachen.‘“
Über drei Generationen hin hätte David Gutersons „Ed
King“ so die Familiengeschichte jüdischer Immigranten in den USA
verfolgen können, die Vernichtungslagern entkommen waren, um in
Heimen zu sterben. Doch sein jüngster Roman streift dieses Thema
nur, denn er versucht an den Erfolg seines Bestsellers „Schnee, der
auf Zedern fällt“ (1994) anzuknüpfen, indem er einen antiken Mythos
als modernes Drama eines der Könige der digitalen Welt
inszeniert.
Ed King, Multimilliardär und König der Suchmaschinen,
hat eine bewegte …