Das Spiel der Nachtigall, 12 Audio-CDs - Kinkel, Tanja
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Tanja Kinkel 

Das Spiel der Nachtigall, 12 Audio-CDs

Autorisierte Lesefassung. 420 Min.

Sprecher: Teschner, Uve; Fröhlich, Katrin
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Das Spiel der Nachtigall, 12 Audio-CDs

Ein großer Sänger, ein Spion, ein Schurke Ende des 12. Jahrhunderts beginnt ein Junge aus ärmsten Verhältnissen seinen unaufhaltsamen Aufstieg an die Spitze der Minnesänger, um den sich die Fürstenhöfe streiten - und das, obwohl Walther von der Vogelweide mit allen Konventionen bricht und dem Minnesang die Keuschheit nimmt. Was keiner seiner Gönner ahnt, die ihn als »Nachtigall« preisen: Walther dient nur einem Herren, und das ist er selbst. Geschickt sammelt er Informationen und verkauft nicht nur seine Kunst, sondern auch sein Wissen für einen hohen Preis. Dabei kreuzen seine Wege immer wieder die der gefährlich klugen Judith - eine jüdische Ärztin, die manchmal seine Gegnerin, manchmal seine Verbündete ist ...


Produktinformation

  • Verlag: Argon Verlag
  • ISBN-13: 9783839811191
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 3839811198
  • Best.Nr.: 33372527
  • Laufzeit: 420 Min.
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.02.2012

Eine unmögliche Liebe
Tanja Kinkel scheitert an Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide zählt zu den großen Unbekannten der Literatur. Er hat zwar ein Werk höchsten Ranges hinterlassen, seine Person bleibt hinter seinen Schriften verborgen. Urkundlich gesichert ist einzig, dass er im November 1203 einen Pelzmantel geschenkt bekommen hat. Alles Weitere beruht auf Rückschlüssen aus seinen oder fremden Arbeiten. Da von Mutmaßungen umrankte Gestalten seit jeh die Phantasie angeregt haben, liegt es nahe, den Minnesänger selbst zu einer literarischen Figur zu machen. Exakt dies setzt die Bestseller-Autorin Tanja Kinkel in ihrem neuen Roman "Das Spiel der Nachtigall" um.

Sie beweist damit ein sicheres Gespür für die Auswahl historischer Stoffe. Kinkel gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Vierzehn Romane hat sie bislang veröffentlicht, jeder von ihnen ist ein Bestseller. Die promovierte Germanistin richtet ihr Schreiben nach den Regeln des historischen Romans aus: Erstens sollte dort das Erzählte unter den Umständen der gewählten Zeit möglich gewesen sein. Zweitens legt es die Erzählung auf …

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Eine unmögliche Liebe
Tanja Kinkel scheitert an Walther von der Vogelweide

Walther von der Vogelweide zählt zu den großen Unbekannten der Literatur. Er hat zwar ein Werk höchsten Ranges hinterlassen, seine Person bleibt hinter seinen Schriften verborgen. Urkundlich gesichert ist einzig, dass er im November 1203 einen Pelzmantel geschenkt bekommen hat. Alles Weitere beruht auf Rückschlüssen aus seinen oder fremden Arbeiten. Da von Mutmaßungen umrankte Gestalten seit jeh die Phantasie angeregt haben, liegt es nahe, den Minnesänger selbst zu einer literarischen Figur zu machen. Exakt dies setzt die Bestseller-Autorin Tanja Kinkel in ihrem neuen Roman "Das Spiel der Nachtigall" um.

Sie beweist damit ein sicheres Gespür für die Auswahl historischer Stoffe. Kinkel gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Vierzehn Romane hat sie bislang veröffentlicht, jeder von ihnen ist ein Bestseller. Die promovierte Germanistin richtet ihr Schreiben nach den Regeln des historischen Romans aus: Erstens sollte dort das Erzählte unter den Umständen der gewählten Zeit möglich gewesen sein. Zweitens legt es die Erzählung auf das Eintauchen des Lesers in die Geschichte an.

Das "Spiel der Nachtigall" aber scheitert an den Ansprüchen seines eigenen Genres. Das liegt nicht unbedingt daran, dass der Roman Walther von der Vogelweide als dichterischen Ehrgeizling, sexuellen Abenteurer und obsessiven Liebhaber darstellt. Vielmehr zeigt ein Blick auf die Liebeshandlung das grundsätzliche Problem des Romans. Der Plot folgt einem bekannten Schema: Ein Paar verliebt sich auf den ersten Blick, wird aber getrennt, um sich Jahre später wiederzufinden. Doch eine Intrige reißt die Liebenden abermals auseinander, bis das Happy End sie endgültig vereint. Problematisch ist diese Handlungsstruktur, weil sie den Vorgaben moderner Liebe folgt. Dieses Liebesmodell, bei dem sich zwei Partner individuell füreinander entscheiden, entsteht jedoch erst fünfhundert Jahre nach Walthers Tod. Sicherlich hat der Minnesänger geliebt, aber in keinem Fall auf die von Kinkel dargestellte Weise. Derselbe Achronismus gilt für Kinkels Vorstellung von Autorschaft. Ihr Walther von der Vogelweide reitet durch das Mittelalter und dichtet dort Erlebnislyrik, als wäre er der junge Goethe, der sich geschwind zu Pferde auf dem Weg nach Sesenheim befindet. Diese Widersprüche zerreißen die Illusion, Kinkel lasse die Welt des Minnesängers auferstehen. Sie degradieren das mittelalterliche Szenario samt seinen Burgen, Königen und Fürsten zur Fassade. Kinkel inszeniert ein modernes Beziehungsdrama vor mittelalterlicher Motivtapete.

Vielleicht könnte man in ihrer Liebesgeschichte dennoch versinken, wenn ihre Figuren und deren Leben nicht derart konstruiert wären. Um im mittelalterlichen Gefüge künstlich Platz für eine individualisierte Liebe zu schaffen, erfindet Kinkel eine Heldin, die ihr zum Klischee des Außerordentlichen gerinnt: Judith ist Jüdin, jung, schön, rothaarig. Früh schon verwaist, lässt sie sich in Salerno zur Ärztin ausbilden. Vor einer potentiellen Heirat flieht sie, weil sie Menschen heilen will und weil sie keine Jungfrau mehr ist. Judith sucht einen Mann, der das akzeptiert. Sie wird Leibärztin am Hofe Philipps von Schwaben, verdeckt ihre jüdische Identität, gerät aber doch in das Visier von Philipps Feinden. Judith wird zu einer Heirat mit einem Christen gezwungen. Der allerdings entpuppt sich als verkappter Homosexueller, mit dem sich aus Judiths Sicht gut leben ließe, würde sie sich nicht in Walther von der Vogelweide verlieben. Die Figur "Judith" muss so viel Außergewöhnliches verkörpern, dass sie vor Überkonstruiertheit in sich zusammenbricht. In einem vergleichbaren Selbstzerstörungsakt zertrümmert der Roman die Beziehung seines Paares. Sie erinnern sich an das Pelzmantelgeschenk? In Kinkels Roman entgleitet diese Szene in vermeintliche Erotik. Walther macht Judith ein verführerisches Angebot: "Wenn du frierst, will ich dich wärmen. Gerne mit, lieber aber ohne meinen neuen Mantel, dafür auf dem teuren Stück." Solche Szenarien machen klar: Es hat sein Gutes, wenn Walther von der Vogelweide der große, als Person aber unbekannte Minnesänger bleibt.

CHRISTIAN METZ

Tanja Kinkel: "Das Spiel der Nachtigall". Roman.

Droemer Verlag, München 2011. 924 S., geb., 24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
Tanja Kinkel, geb. 1969 in Bamberg, verfasste bereits im Alter von acht Jahren ihre erste Erzählung. Heute ist die promovierte Germanistin eine der erfolgreichsten Autorinnen historischer Romane, die regelmäßig die Bestsellerlisten erobern und in neun Sprachen übersetzt werden. Schon 1992 wurden ihre ersten beiden Bücher mit dem Bayerischen Staatsförderpreis für junge Schriftsteller ausgezeichnet. 'Wenn es nicht wahr ist, dann ist es eine gute Geschichte', so zitiert Tanja Kinkel ein italienisches Sprichwort und umschreibt damit zugleich ihr persönliches Erfolgsrezept.

Trackliste zu "Das Spiel der Nachtigall, 12 Audio-CDs"


CD 1
1 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 06:32
2 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 07:10
3 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 06:52
4 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 07:19
5 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 07:32
6 Prolog: Aufgesang 21. Dezember 1192 Erdberg bei Wien 05:53
7 I. Werbelied 1194-1195 Wien / Klosterneuburg 07:14
8 I. Werbelied 1194-1195 Wien / Klosterneuburg 06:31
9 I. Werbelied 1194-1195 Wien / Klosterneuburg 08:52
10 I. Werbelied 1194-1195 Wien / Klosterneuburg 07:27

CD 2
1 I. Werbelied 05:12
2 I. Werbelied 05:36
3 I. Werbelied 06:58
4 I. Werbelied 06:51
5 I. Werbelied 07:58
6 I. Werbelied 06:38
7 I. Werbelied 08:19
8 I. Werbelied 06:13
9 I. Werbelied 03:44
10 I. Werbelied 08:33
11 I. Werbelied 09:19

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