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Die hier versammelten mehr als fünfzig Interviews aus fast dreißig Jahren bilden den Kern des Sloterdijk'schen Denkens. Seine Dialoge in und mit der Öffentlichkeit handeln vom Doping und der "doxa", von Gott und der Welt, vom Design und dem Dogma. Hier ist nachzulesen, wie Peter Sloterdijk die philosophische Tradition und deren neueste Strömungen beurteilt, welche Diagnosen er dem Zeitgeist stellt, wie alltägliche Phänomene durch eine überraschende Perspektivierung einen völlig neuen Sinn erhalten. Für alle Leser, die Peter Sloterdijk kennen oder kennenlernen wollen, bieten diese Dialoge eine…mehr

Produktbeschreibung
Die hier versammelten mehr als fünfzig Interviews aus fast dreißig Jahren bilden den Kern des Sloterdijk'schen Denkens. Seine Dialoge in und mit der Öffentlichkeit handeln vom Doping und der "doxa", von Gott und der Welt, vom Design und dem Dogma. Hier ist nachzulesen, wie Peter Sloterdijk die philosophische Tradition und deren neueste Strömungen beurteilt, welche Diagnosen er dem Zeitgeist stellt, wie alltägliche Phänomene durch eine überraschende Perspektivierung einen völlig neuen Sinn erhalten.
Für alle Leser, die Peter Sloterdijk kennen oder kennenlernen wollen, bieten diese Dialoge eine ebenso aufschlussreiche wie überraschende und zugleich amüsante Lektüre der geistigen und politischen Ereignisse der letzten drei Jahrzehnte.
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4564
  • Verlag: Suhrkamp
  • Best.Nr. des Verlages: 46564
  • Seitenzahl: 477
  • 2015
  • Ausstattung/Bilder: 2015. 477 S. 189 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 116mm x 27mm
  • Gewicht: 322g
  • ISBN-13: 9783518465646
  • ISBN-10: 3518465643
  • Best.Nr.: 40874381
Autorenporträt
Peter Sloterdijk, 1947 in Karlsruhe geboren, ist dort seit 1992 Professor für Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung und seit 2001 deren Direktor. Seit 2002 leitet er zusammen mit Rüdiger Safranski die ZDF-Sendung "Im Glashaus - Das Philosophische Quartett". 2005 erhielt er den Sigmund-Freud-Preis, 2001 den Christian-Kellerer-Preis für die Zukunft philosophischer Gedanken und 1993 den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik. 2008 wurde Peter Sloterdijk mit dem Cicero Rednerpreis und dem Lessing-Preis für Kritik ausgezeichnet. 2013 erhielt er den Ludwig-Börne-Preis.
Rezensionen
"Sloterdijk lesen heißt, unerschlossene Wissensgebiete und brach liegende Denkregionen zu erkunden."
Dirk Pilz, Frankfurter Rundschau 06.07.2013

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Mit großem Vergnügen hat Rezensent Jens Bisky diesen Band mit Interviews mit Peter Sloterdijk aus den Jahren 1993 bis 2012 gelesen. In den Gesprächen sieht er zentrale Denk-Motive des Philosophen deutlich werden: die Abneigung gegen Sorgenagitation, den Willen zur Aufhellung und Aufheiterung, das Selbstverständis als Übender, die Leidenschaft des Denkens. Die Texte ermöglichen für ihn zudem, Sloterdijks Technik des Umformulierens und Perspektivwechselns genauer zu beobachten. Die Lektüre des Bandes findet Bisky meistens sehr unterhaltsam und geistreich, nur wo es um die Texte "Regeln für den Menschenpark" (1999) und "Die Revolution der gebenden Hand" (2009) geht, wird es seines Erachtens gelegentlich langatmig.

© Perlentaucher Medien GmbH
»Die gesammelten Interviews des Philosophen Peter Sloterdijk zeugen von intellektueller Leidenschaft und Heiterkeit - aus Angst vor der Langeweile.«
Besprechung von 20.07.2013
Nur die Pferde haben die Emanzipation geschafft
Die gesammelten Interviews des Philosophen Peter Sloterdijk zeugen von intellektueller Leidenschaft und Heiterkeit – aus Angst vor der Langeweile
Als im vergangenen Jahr Peter Sloterdijks Notizen „Zeilen und Tage“ erschienen, ist in dieser Zeitung der Verdacht geäußert worden, der sei der beste Feuilletonist des Landes (SZ vom 14. August 2012). Gut möglich. Er wäre dann ein Feuilletonist mit starken anti-journalistischen Impulsen oder doch wenigstens einer großen Skepsis gegenüber dem Bild der Welt, das durch täglichen Nachrichtenkonsum entsteht. Die „Sorgenagitation“ der heutigen Medien, glaubt er oder glaubte er doch in den irrigerweise zum Spaßjahrzehnt verklärten Neunzigern, befördere die „Zwangsvereinnahmung der Individuen zugunsten einer Totalität namens ,Wirklichkeit‘“. Aus einem „gewissen informatischen Sadismus“ heraus, werden die Menschen ständig „mit unbekömmlichen Nachrichten“ überschüttet.
  So sprach Peter Sloterdijk 1993 zur Frankfurter Rundschau. Man kann es in dem jetzt erschienenen Band „Ausgewählte Übertreibungen“ nachlesen, einer Sammlung von etwas mehr als dreißig Interviews, zusammengestellt von dem Sloterdijk-Schüler Bernhard Klein.
  Im Dezember 2011 vom Handelsblatt zur Finanzkrise befragt, beschreibt er das liebenswerte Verhalten der Deutschen: „Seit drei, vier Jahren werden sie täglich von den Klimatheoretikern und von den Steuer- und Finanzalarmisten mit Horror bedroht. Was machen Sie seit drei, vier Jahren an Weihnachten? Sie liefern Beweise dafür, daß man sie in puncto Lebensgefühl nicht mehr ins Bockshorn jagen kann. Sie brechen einen Konsumrekord nach dem anderen. Darin stecken weitreichende Informationen.“ Die ihn fragenden Journalisten, Gabor Steingart und Torsten Riecke erkennen, eine „gesellschaftliche Tendenz zur Immunisierung gegen den Alarmismus“ und werden dafür von Sloterdijk mit Verständnis belohnt: „Ihr Beruf wird auch schwerer, nicht wahr?“
  Die Abneigung gegenüber der „Sorgenagitation“ ist eng verbunden mit anderen Motiven. So deutlich werden sie selten wie in diesen Gesprächen. Da ist der Wille zur Aufheiterung, zur Aufhellung, fulminant vollzogen in der „Kritik der zynischen Vernunft“ (1983). Dazu gehört, das eigene Leben nicht als Folge von Benachteiligungen zu erzählen, sich vielmehr als einen Übenden zu erfinden. Während in öffentlichen Diskussionen meist sozialtechnologisch argumentiert wird, eröffnet Sloterdijk das Feld der Psychopolitik. Nicht die Gesellschaft ist sein Ausgangspunkt, sondern der Haushalt, in dem auch Singles nicht allein sind. Es geht also um Zorn, Stolz, Selbstachtung, Großzügigkeit, darum, auf der Bühne der Welt stets eine gute Figur zu machen. Das schönste, weil konzentrierteste Gespräch des Bandes, eine lange Unterhaltung mit dem Marbacher Archivdirektor Ulrich Raulff über Schicksal, das Fatale und Fortuna, endet mit der glücklichen, viele Motive Sloterdijks zusammenfassenden Formulierung: „Das Individuum ist eine vergebliche Leidenschaft, aber eine Leidenschaft soll es doch bleiben.“
  Diese Leidenschaft nährt sich aus der Furcht vor Langeweile, die durch Unterforderung, durch Phrasen und Bestätigungsroutinen entsteht. „Am langweiligsten schien mir seit jeher das Reden in fertigen Sätzen, wie man sie auf dem akademischen Diskursmarkt hört, um von den Preß-Spannplatten vom politischen Baumarkt zu schweigen.“
  Der Leser kann anhand der Gespräche Sloterdijks Technik der ständigen Umformulierung, der wechselnden Perspektivierung studieren. Meist ist das vergnüglich, langweilig wird es, wenn von den berühmten Streitfällen die Rede ist: vom Gezänk um die „Regeln für den Menschenpark“ (1999) und „Die Revolution der gebenden Hand“ (2009). Beide Texte hätten das Aufsehen nicht erregt, wenn sie nicht auch hätten missverstanden werden können. Als public intellectual, viel gelesener und ausgiebig befragter Philosoph – die Auswahl wurde aus etwa 300 Gesprächen getroffen! – ist man wohl auch für die Missverständnisse verantwortlich, die man provoziert. Die Thesen etwa zum Steuerstaat, den Sloterdijk in Freigiebigkeit und Großzügigkeit neu fundieren will, haben eine faszinierende Seite. Der Sozialstaat, meist mit Vorstellungen von Zwang, Knappheit und Elendsverwaltung verbunden, wird als großartige Leistung sichtbar. Zugleich aber wirkt der Impuls, den Bürger wieder als ganze Person, als Gebenden ins Spiel zu bringen, statt die Umverteilung Gesetz und Verwaltung zu überlassen, auf abenteuerliche Weise aus der Zeit gefallen. Er wolle, sagt er gegen „muffige Rezensenten“, darüber nachdenken, „wie man den Sozialstaat überbieten kann durch das großzügige Gemeinwesen“. Aber der Weg von einer nicht-pessimistischen Anthropologie, die Sloterdijk überzeugend skizziert, zu konkreten Vorschlägen, dem Werben für Stiftungen und Spenden wirkt arg holprig, Vermittlungen fehlen wie so oft in den psychopolitischen Interventionen. Die pathetische Rede von der „größten sozialpsychologischen Aufgabe der nächsten Generation“ kann das nicht verschleiern.
  Um so fruchtbarer wirken Sloterdijks religionstheoretische Überlegungen, die er nun noch einmal in einem kleine Essay präzisiert hat (Im Schatten des Sinai. Fußnote über Ursprünge und Wandlungen totaler Mitgliedschaft. Suhrkamp Verlag 2013, 64 Seiten, 6 Euro). Bleibt die Rede von der „Revolution der gebenden Hand“ beim bloßen Sollen, das einer – selbstredend schlechten– Wirklichkeit abstrakt gegenüber gestellt wird, lässt sich die Formel von der „Zivilisierung der Religionen durch Bildung“ bestens begründen und durch Philosophie – für Sloterdijk ein „Modus des Bearbeitens von Themen“ – befördern. Die Tradition, auf die er sich beruft, kann sich sehen lassen: Erasmus, Spinoza, William James, Gershom Scholem, Jan Assmann. Hier wird Sloterdijks Technik des Umformulierens produktiv: Religionen als „mentale und rituelle Übungssysteme zu begreifen“, heißt auch ihre Wahrheitsansprüche zu relativieren und ihre daraus abgeleiteten Ansprüche auf die totale Mitgliedschaft der Gläubigen. Geringschätzung der Religionen ist damit nicht verbunden, sie bleiben, was sie waren: „wichtige Manifestationen des dichterischen Wohnens von Menschen auf der Erde“.
  „Ist das“, fragte Peter Sloterdijk 1999, „nicht eine seltsame Beobachtung an der gegenwärtigen Gesellschaft: daß nur die Pferde die Emanzipation geschafft haben? Menschen sind Arbeitstiere wie eh und je geblieben, auch wenn sie unglückliche Arbeitslose sind, aber die Pferde, die heute auf deutschen Koppeln stehen, sind allesamt Lustpferde, posthistorische Pferde.“ Sie hätten das „Reich der Freiheit“ erreicht. Beobachtungen wie diese sind es, weswegen man Sloterdijk gern liest. Ihm gelingt es, ungeheuer produktiv zu sein, ohne zum Lastpferd zu werden.
JENS BISKY
Zu den Journalisten sagt er
einfühlsam: „Ihr Beruf wird auch
schwerer, nicht wahr?“
     
        
    
Peter Sloterdijk: Ausgewählte Übertreibungen. Gespräche und Interviews, 1993-2012. Herausgegeben von Bernhard Klein.
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013. 476 Seiten, 24,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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»Das ästhetische Vergnügen verhindert, dass der Leser sich langweilt. Seit jeher leide er, schreibt Sloterdijk, unter einer kindlichen Furcht vor Langeweile, und am meisten langweilten ihn die ›Phrasenbesitzer‹. Dass er seinen Lesern die Langweile ersparen will, erklärt seinen pointierten Stil, seine überraschenden Assoziationen und seine Freude an provokativen Übertreibungen. Die Leser sollten dankbar sein.«
Alexandra Pontzen, literaturkritik.de April 2014»Die gesammelten Interviews des Philosophen Peter Sloterdijk zeugen von intellektueller Leidenschaft und Heiterkeit.«
Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung 20.07.2013»Diese Unverbesserlichkeit unserer Lage, in unauflösbaren Zerreißproben zu sein - sie ist in diesem Buch beschwingend als Spielfeld des frei fabulierenden Geistes zu genießen.«
Hans-Dieter Schütt, neues-deutschland.de 13.08.2013»Peter Sioterdijk ist einer der schillerndsten und scharfsinnigsten Intellektuellen.«
Eike Gebhardt, Deutschlandradio Kultur 29.07.2013»Sloterdijk lesen heißt, unerschlossene Wissensgebiete und brach liegende Denkregionen zu erkunden.«
Dirk Pilz, Frankfurter Rundschau 06.07.2013»Vor allem aber erweist Sloterdijk sich als ein Intellektueller, der sich den Themen unserer Zeit stellt und den Elfenbeinturm am liebsten gar nicht erst betritt. Insofern ist dieser Band eine prima Einführung In sein Denken.«
Uwe Grosser, Heilbronner Stimme 24.09.2013