Königliche Hoheit, m. Kommentar, 2 Bde. - Mann, Thomas

Thomas Mann 

Königliche Hoheit, m. Kommentar, 2 Bde.

Werke, Briefe, Tagebücher

Herausgeber: Detering, Heinrich; Heftrich, Eckhard; Kurzke, Hermann
Buch mit Leinen-Einband
 
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Königliche Hoheit, m. Kommentar, 2 Bde.

"Man führt, möchte ich sagen, ein symbolisches, ein repräsentatives Dasein, ähnlich einem Fürsten, - und, sehen Sie: in diesem Pathos liegt der Keim zu einer ganz wunderlichen Sache, die ich einmal zu schreiben gedenke, einer Fürsten-Novelle, einem Gegenstück zu :Tonio Kröger9, das den Titel führen soll: :Königliche Hoheit9..." Im Dezember 1903, anderthalb Jahre vor Beginn der Niederschrift, wußte Thomas Mann bereits, wie er dieses "Lustspiel in Romanform" nennen würde, das ihn bis zum Februar 1909 beschäftigte. Liebenswürdig im Ton, mit einer gewissen Neigung zur Parodie, erzählt er die Geschichte einer kleinen Residenz vor dem Ersten Weltkrieg, vom lebensfreudigen Prinzen Klaus Heinrich, der sich in der zeremoniell wie wirtschaftlich starren Welt seines Hofes plötzlich mit der so gänzlich anderen, der pragmatischen Sicht der Dinge des amerikanischen Milliardärs Samuel N. Spoelmann und vor allem seiner Tochter Imma konfrontiert sieht. Sie gewinnen beide Vertrauen zueinander und finden - nachdem er gelernt hat, sich den "wirklichen Studien über die öffentliche Wohlfahrt" zu öffnen, seinem Staat also, durch die Eheschließung mit ihr die dringend benötigten Finanzen zu sichern - miteinander "ein strenges Glück". Zur Ausgabe Die Neuedition von "Königliche Hoheit" zeigt, dass dieser Roman keineswegs - wie bisher unterstellt - eine operettenhafte Laune im Gesamtwerk des Autors darstellt, sondern als streng komponiertes literarisches Experiment zu verstehen ist

Thomas Manns 1909 erschienener Roman hat lange Zeit "die Rolle des Aschenbrödels" im Werk dieses Autors gespielt, und trotzdem, so Thomas Mann, wären die späteren Werke 'Der Zauberberg' und 'Joseph und seine Brüder' ohne die Arbeit an diesem Roman nicht möglich gewesen.
Dem Band 4 der 'Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe' liegt die erste Buchausgabe von 1909 zugrunde. Im Zusammenspiel mit dem Kommentarband erschließt die Edition den bis heute unterschätzten Roman neu und gibt Impulse zu einem tieferen literarischen Verständnis dieser märchenhaft anmutenden Geschichte.
Der Kommentarband zu 'Königliche Hoheit' enthält ausführliche Essays zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte sowie zur Text- und Quellenlage. Im Stellenkommentar werden literarische und historische Hintergründe erläutert und Abweichungen zu Zeitschriftendrucken und späteren Buchausgaben verzeichnet. Als Paralipomena werden die Arbeitsnotizen und die drei Fragmente einer früheren Fassung des Romans vollumfänglich abgedruckt. Auszüge aus Thomas Manns so genannten Brautbriefen an Katia Pringsheim hat der Autor selbst zu einem Konvolut zusammengestellt und bei der Arbeit am Roman verwendet. Diese Auszüge werden zusammen mit anderen Dokumenten im Materialienteil wiedergegeben.


Produktinformation

  • Große kommentierte Frankfurter Ausgabe
  • Romane und Erzählungen, Bd.4/1-2
  • Verlag: S. Fischer
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 402, 641 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 141mm x 73mm
  • Gewicht: 1365g
  • ISBN-13: 9783100483218
  • ISBN-10: 3100483219
  • Best.Nr.: 12777617
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.06.2005

Hunger auf Wirklichkeit
Endlich für voll genommen: Thomas Manns "Königliche Hoheit"

Es soll Thomas-Mann-Fans geben, die sich ein wenig für "Königliche Hoheit" schämen. Das Klassenziel der Modernität scheint dieser Roman mit seiner forciert altmodischen Fassade um Längen zu verfehlen. Nur fünf Jahre nach seinem Erscheinen war mit dem Ersten Weltkrieg das Ende des monarchistischen Zeitalters gekommen. Literarisch hatten die Königlichen Hoheiten nun in die Kitschregionen auszuwandern. 1903 konnte Heinrich Mann dem Romanprojekt des Bruders noch das Kompliment machen, der Titel werde "sich gut im Schaufenster ausnehmen". Aber heute klingt er unrettbar nach Illustriertenware.

Der einsame, unverstandene, von aller Lebensfreude abgeschnittene Fürst, der am Ende doch die Tochter eines amerikanischen Petroleummillionärs heiraten darf - ist das mehr als ein Klischee, das sich die Zeitgenossen ansonsten eher in Theaterschmonzetten wie dem Erfolgsstück "Alt-Heidelberg" von Wilhelm Meyer-Förster gefallen ließen? Der Schluß, meinte der Autor selbst, sei "ein wenig populär verlogen". Vor allem ist er ein wenig zu lang. Längst ist das happy end, …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Es ist eindeutig Begeisterung, die einem aus den Zeilen des Rezensenten Manfred Koch entgegenschlägt. Denn sowohl an Thomas Manns zweitem Roman "Königliche Hoheit" als auch an der Darreichungsform von Heinrich Deterings Neuedition hat er nicht das Geringste auszusetzten. Das Besondere am Roman, wie Koch zunächst erläutert, sei die Liebe, die Mann selbst ihm entgegenbrachte, eine Liebe, die jedoch auf Unverständnis seitens der Kritik stieß. Diesem Unverständnis wisse Detering in seinem 640 Seiten starken Kommentarband zu begegnen, und es gelinge ihm in seiner "vorzüglichen genetischen Interpretation" aufzuzeigen, dass Mann das "Aschenbrödel" unter seinen Romanen mit gutem Recht "Mein Bienenstock, mein Kunstgespinst, mein kluger Fuchsbau" nannte. Aus dem Kommentar erschließe sich der Roman, der als Manns erster - wenn auch nicht in thematischer Hinsicht - "musikalischer Roman" gelten könne, als regelrechte "Partitur". In der Tat, so der Rezensent, kompensiert Mann seine mangelnde Erfindungsgabe durch die kunstvolle Ausgestaltung einer Leitidee ("die exzentrische Position des Künstlers in der Gesellschaft" und deren Ähnlichkeit mit der eines Prinzen) durch eine strenge …

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Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren und wohnte seit 1894 in München. 1933 verließ er Deutschland und lebte zuerst in der Schweiz am Zürichsee, dann in den Vereinigten Staaten, wo er 1938 eine Professur an der Universität in Princeton annahm. Später hatte er seinen Wohnsitz in Kalifornien, danach wieder in der Schweiz. Er starb in Zürich am 12. August 1955.
Thomas Mann zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Mit ihm erreichte der moderne deutsche Roman den Anschluss an die Weltliteratur. Manns umfangreiches und vielschichtiges Werk hat eine weltweit kaum zu übertreffende positive Resonanz gefunden. Für seinen ersten großen Roman Die Buddenbrooks erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur.

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