SimsBin's neueste Rennsimulation Race On ist einmal über Steam als Addon für Race 07 zu haben, liegt aber auch als Vollpreis-Komplettpaket im Händlerregal. Wir haben uns letztere für den Test geschnappt.
Kompilation mit Zugaben
Gleich auf den Punkt gebracht, handelt es sich bei der Race On-Ladenversion um das Hauptspiel Race 07 und ein Sammelsurium von dessen Addons. Die BMW, Seat oder Chevrolet der WTCC, die Minis, Caterham, F3000 oder Radical-Sportwagen durften alle schon einmal auf den bekannten Rennstrecken wie Oschersleben, Macao oder Curitiba gefahren werden. Neu hingegen ist die schwedischen Serie STCC, die einige neue Strecken wie u.a. Göteborg oder Falkenberg ins Spiel bringt. Dazu gesellen sich noch ein paar amerikanische Schlitten wie Race Camaro's, Cadillac's oder Dodge Charger für die wohl die zwei amerikanischen Strecken Road America und Laguna Seca spendiert wurden. Das ohnehin gratis erhältliche Werbespielchen Volvo The Game hat man noch dazu gelegt. Somit kann man mit fast 40 Fahrzeugmodellen über 20 Strecken, plus Varianten, jagen. Dennoch darf die Frage erlaubt sein: Wenn schon eine Kompilation, warum ohne dem Inhalt von GTR Evolution? Dessen fette GT-Boliden oder wenigstens die Nordschleife hätten Race On (und dem Vollpreis) durchaus noch gut zu Gesicht gestanden.
Für alle was dabei
Bei den Modi gibt es keine Überraschungen. So lassen sich die 2007er und 08er WTCC-Saison, sowie die STCC Saison 2008 als komplette Meisterschaften mit allem drum und dran fahren. Dazu darf man noch eigenen Meisterschaften mit sämtlichen Fahrzeugen auf allen Strecken des Spiels erstellen. Eine Karriere oder ein Freischalten von Fahrzeugen oder Strecken ist nicht nötig. Und so kann man auch im Modus Renn-Events (Rennwochenenden) aus dem Vollen schöpfen. Dabei darf man die Regeln der WTCC oder die der STCC (mit Zwangsboxenstopp) anwenden. Trainingsläufe, Qualifikation und die obligatorischen zwei Rennen sind dann zu absolvieren. Zeitangriff (gegen Ghostfahrzeuge) und Training runden das Programm ab.
Wer die Online-(Steam)-Installation gewählt hat - und nur der - darf im Netzwerk oder online antreten, gegen mehr als 20 Mitspieler. Die Einstellungsmöglichkeiten sind wieder vorbildlich und so können Rennen ganz nach Vorlieben gefahren werden. Zuschauer dürfen als Beifahrer agieren, die Flaggenregel darf ausgewählt oder die Kameraperspektive festgelegt werden.
Weiterhin können wieder Ghostfahrzeuge von anderen Spielern geladen werden. Genauso darf man Custom Skins von Helmen und den Fahrzeugen erstellen und tauschen.
SimBin steht für Realismus
Seine alte Stärken hat das Spiel in der realistischen Fahrphysik. Wer nicht gerade auf Level Anfänger (mit sämtlichen Fahrhilfen, wie ABS, TC, usw.) fährt, wird sich jeden Sieg hart erarbeiten müssen. Gefühlvolles dosieren mit Gas und Bremse, für das ein Gamepad oder Lenkrad im Grunde nötig ist, sind nicht nur im Trockenen Pflicht. Besonders die Regenrennen haben es in sich.
Doch mit den umfangreichen Setup-Möglichkeiten kann der Profi schraubengenau auch dafür sein Ideal-Setup finden. Zig Werte wie Bremsbalance, Stoß, Federn, Radsturz, Splitter oder Stabi lassen sich sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch verstellen.
Die KI hingegen schleppt leider immer noch ihre altbekannten Macken mit sich herum. Zwar fahren die KI-Gegner ganz gut mit und machen auch den einen oder anderen menschlich wirkenden Fehler. Doch dann kann man gleich wieder zig Fahrzeuge viel zu einfach in einem Rutsch überholen oder die KI knallt einem unvermittelt auf das Heck. Letzteres hat wenigstens den Vorteil, das man gleich das Schadensmodell bewundern kann, das von Beulen und Dellen bis hin zum Totalausfall reicht. Ein Ausfall der anderen Art, nämlich eine Disqualifikation, droht dem Spieler der zu viel abkürzt oder den Pistenrambo spielt.
Der ergraute Opa
Grafisch ist das Spiel mit den Jahren zur grauen Maus gealtert. Eine neue Engine wird nun aber langsam einmal bei SimBin fällig! Speziell die Umgebungsgrafik ist für aktuelle Grafikkartenverhältnisse nicht mehr tragbar. Besonders gut sind die eckigen Pappbäume und -zuschauer in den Wiederholungen zu sehen. Die Wagen, insbesondere die detaillierten Cockpits, geben da schon mehr fürs Auge her. Für die Ohren gibt es hingegen einen schönen und realistischen Motorensound. Die maue Hintergrundmusik, mit der eingespielten Endlosschleife des Siegesgeschrei eines Tom Coronel, wird sicher von vielen Spielern abgeschaltet.
Für die Menüs wurde übrigens einfach ein Carbon-Skin über die alten weiß-blau Töne gezogen. Startet man das Spiel direkt über die Race07.exe sieht man noch den alten Look. Auch das HUD ist immer noch das Gleiche. Daran gibt es aber nichts zu meckern, da man hier alles wichtige stets im Blick hat.
Fazit: Race On in der Ladenversion taugt für Spieler, die noch nie einen SimBin-Titel der Race-Reihe gespielt haben und sich an eine Rennsimulation heranwagen wollen. Die Ansammlung an Rennserien (wo ist eigentlich die WTCC der Saison 2009?), Fahrzeugen und Strecken ist gut. Noch besser ist die SimBin-typisch realistische Fahrphysik.
Dennoch reicht es nicht mehr für die gewohnt hohen Wertungsregionen. Die Präsentation ist einfach zu altbacken, das ganze stagniert nicht nur dadurch und bedarf künftig einer Generalüberholung um wieder die Zulassung als Rennsimulation zu erhalten.
Wertung: 75 von 100 Punkten (Tino Grundmann/GameCaptain.de)
Quelle/Copyright: Captain-Fantastic-Besprechung