Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Ganz "berückt durch melancholische Eleganz" ist Rezensent Andreas Langenbacher nach der Lektüre des "Schiffstagebuchs" von Cees Nooteboom, den er als das "Saturnskind" unter den Reiseschriftstellern bezeichnet. In den hier versammelten Reiseessays der letzten acht Jahre folgt der Kritiker dem ebenso neugierigen wie gelassenen Blick dieses "belesenen Pilgers" auf seinen kontemplativen Fahrten von Valparaiso nach Buenos Aires, erlebt die Feuerstätten Varanasis oder den indianischen Totenkult in Mexiko. Dennoch beobachtet er, wie Nooteboom bei seinem Versuch, das Fremde zu sehen, immer wieder scheitert und darüber immer melancholischer wird. Das hat wohl nichts mit seiner Beobachtungsgabe zu tun, aber vielleicht, so der Rezensent, mit der Tatsache, dass Nootebooms Reisen meist im Rahmen von Kreuzfahrten, Schriftstellertreffen oder Buchmessen stattfinden. Sie haben eher einen äußeren als einen inneren Anlass. Und so schleicht sich für den Rezensenten eine gewisse Abgeklärtheit ein: Die empathische Untersuchung des eigenen Sehens stehe im Vordergrund, die Welt werde zur "Benutzeroberfläche".
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 | Besprechung von 08.08.2012 |
Die Moral
des Reisens
Es ist gleichermaßen angenehm und anstrengend, mit Cees Nooteboom
zu verreisen. So beschaulich eine Schiffsreise beginnt, so
penetrant grüblerisch wird sie schon nach wenigen Seemeilen. Oft
ist es das Absurde, das sich Nooteboom in der Betrachtung, im
Augenblick des Genießens, selber schafft, um sich der Sache nicht
ganz so sicher zu sein, um sich ein bisschen zu quälen und damit
den Augenblick, den Sinneseindruck noch intensiver zu genießen.
Während er der Stille lauscht und die Landschaft betrachtet,
überlegt er, ob diese Landschaft wirklich so leer sei, wie er sie
sieht, und die Stille wirklich so still, wie er sie
wahrnimmt.
Es folgt ein zunächst beiläufiger, dann intensiver
werdender Diskurs über die Wahrnehmung – die ganz persönliche und
das Phänomen als solches. Und aus dem nie Gesehenen und nur
Erdachten stellt er eine Moral des Reisens auf: wie man sich zu
bewegen habe, wenn man das, was man nicht erlebt, doch auch
berücksichtigen will, weil es ja zum Erlebten dazu gehört. Die
Natur als „Lieferantin von Pathos und Unheil“ ist ihm zu wenig,
aber genug, um sie tiefgründiger erfahren zu wollen, als sie …
 | Besprechung von 26.06.2011 |
Literatur Man könnte natürlich sagen, dass es Quatsch ist oder eitel oder einfach überflüssig: Fragen zu stellen, zu denen man die Antworten schon kennt. Nooteboom macht es trotzdem. Ja, der Cees Nooteboom, den man zwischendurch immer mal wieder beinahe vergisst, oder man denkt, man kennt ja nun so langsam, wie der schreibt, oder man denkt, er ist vielleicht verschwunden auf einer seiner Reisen. Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom ist ja vor allem ein Reisekünstler, ein Blickkünstler, einer, der immer wieder neue Länder, neue Orte in sich hineinrauschen lässt und sie verwandelt in eine Sprache, die schön ist und leuchtet. Sein neues Buch heißt "Schiffstagebuch" (aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen, Suhrkamp, 19,90 Euro), und es handelt von überall, Indien und Spitzbergen, dem Meer und der Sonne und von einem, der fragt. Zum Beispiel in einer Buchhandlung von Montevideo, da möchte er wissen, wo denn eigentlich Juan Carlos Onetti begraben liegt. "Auf dem Cimenterio Central", erfährt er, und obwohl er weiß, dass Onetti in Wahrheit in Madrid beerdigt wurde, geht er also hin, schaut, ob Onetti nicht vielleicht doch auch hier zu finden ist, und erlebt: eine andere Geschichte. Cees Nooteboom verreist mit den Lebens- und Werkgeschichten geliebter Dichter im Kopf und Herzen, verwandelt Literatur in Leben und wieder zurück. In ein neues Buch.
vw
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"Es besteht aus Skizzen, Momentaufnahmen, dieses Schiffstagebuch - ein Führer durch die weite Welt für den anspruchsvollen Bildungsreisenden."
Dirk Fuhrig WDR 5
»Der niederländische Weltenbummler Cees Nooteboom aber ist das Saturnkind unter den grossen Reiseschriftstellern.... Seine Bücher sind Pirschgänge eines belesenen Pilgers, auch in die Ferne der Zeit, so wie sie sich unter der vielfältigen Gegenwart zeigt.«
"Bei Nooteboom verschwimmen die Genres: Reisebericht, Tagebuch und literarische Skizze gehen direkt ineinander über. Es sind die Nebensätze, auf denen das poetische Gerüst seiner Geschichten ruht. Das Wichtige wächst aus scheinbar Nebensächlichem heraus und kommt unprätentiös, häufig augenzwinkernd daher." (Susanne Schaber Hessischer Rundfunk online)
»Es besteht aus Skizzen, Momentaufnahmen, dieses Schiffstagebuch - ein Führer durch die weite Welt für den anspruchsvollen Bildungsreisenden.«
Cees Nooteboom wurde 1933 in Den Haag geboren. Der Romanautor, Lyriker und Reiseschriftsteller zählt heute zu den international renommiertesten europäischen Schriftstellern. Sein vielbeachtetes, preisgekröntes Werk umfasst zahlreiche Bücher, die wiederholt auf den Besten- und Bestsellerlisten auftauchen. 2010 wird ihm der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung verliehen. Mit der Auszeichnung wird die politisch und kulturell europäische Dimension in seinem Gesamtwerk gewürdigt.
Cees Nooteboom lebt in Amsterdam und auf Menorca.