Probleme deutscher Geschichte 1495-1806; Reichsreform und Reformation 1495-1555
Band 9: Der erste Teil des Bandes behandelt den Wandel im
wissenschaftlichen Umgang mit der gesamten deutschen Frühneuzeit
bis 1806 und ihre Hauptprobleme aus zeitlicher, räumlicher und
sachlicher Perspektive.
Der zweite Teil bietet eine neue Darstellung der ersten Hälfte des
16.Jahrhunderts, die Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und
Religion zu einem Gesamtbild integriert.
Vier international renommierte Herausgeber verwirklichen zusammen
mit einem neuen Team ausgewiesener Historiker ein Konzept, das den
tiefgreifenden Veränderungen der Geschichtswissenschaft gerecht
wird. Die vier Großepochen - Spätantike bis zum Mittelalter; Frühe
Neuzeit bis zum Ende des Alten Reiches; das 19. und das 20.
Jahrhundert - werden in 24 Bänden umfassend dargestellt.
Die Leser des Gebhardt werden gründlich über den aktuellsten Stand
der Forschung informiert. Die deutsche Geschichte wird nicht mehr
nur national, sondern in ihren europäischen und weltumspannenden
Zusammenhängen verstanden. Wirtschaft, Gesellschaft, Verfassung,
Mentalität und Kultur werden gleichgewichtig vor dem Hintergrund
der politischen Ereignisgeschichte erläutert.
Urs Hafner lässt zunächst den alten "Gebhardt", das berühmte Handbuch für alle Oberschüler und Geschichtsinteressierten, Revue passieren, bevor er auf die neu konzipierte, zehn Bände umfassende Neuauflage dieses historischen Nachschlagewerkes zu sprechen kommt. Band 9, von Wolfgang Reinhard betreut, steht dann exemplarisch im Mittelpunkt von Hafners Besprechung, an dem sich die alten Mängel und neuen Ansätze zu einem widersprüchlichen Bild formieren. Bei aller Mühe, meint Hafner, die sich die Herausgeber gegeben hätten, auch für neuere Forschungsansätze offen zu sein, stoße das ganze Unternehmen immer wieder an die Grenzen des eigenen Genres: Es bleibe ein in Paragraphen unterteiltes Handbuch, das auf Abbildungen im wesentlichen verzichte und stark pädagogisch ausgerichtet sei. Gewagte Interpretationen fänden zugunsten abgesicherter Erkenntnisse und traditioneller Sichtweisen von Politik und Geschichte darin keinen Platz. Eine Ausnahme bildet Hafner zufolge die "fulminante" Einführung von Reinhard zur frühen Neuzeit in Band 9, der seine Zweifel über die Einheit von Zeit und Raum erstaunlich weit treibe.
Wolfgang Reinhard, geboren 1937, ist Professor em. für neuere Geschichte in Freiburg. Er veröffentlichte Bücher zur Papstgeschichte, zur europäischen Expansion und zum Kolonialismus, zur historischen Anthropologie undzur Vergleichenden Verfassungsgeschichte Europas. Erwähnt sei besonders seine vierbändige "Geschichte der europäischen Expansion" (1983-1990).
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