Der holprige Siegeszug des Automobils 1985-1930 - Merki, Christoph M.

Christoph M. Merki 

Der holprige Siegeszug des Automobils 1985-1930

Zur Motorisierung des Straßenverkehrs in Frankreich, Deutschland und der Schweiz

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Der holprige Siegeszug des Automobils 1985-1930

Christoph Maria Merki untersucht in seiner Studie die Anfänge des motorisierten Straßenverkehrs in Frankreich, Deutschland und der Schweiz bis zum Jahre 1930. Die Verbreitung des Automobils wird meist mit der Erfindung einer "selbstfahrenden" Maschine erklärt, die ihre Vorläufer Kutsche, Fuhrwerk und Fahrrad betriebswirtschaftlich hinter sich gelassen hat. Diese Erklärung greift nach Merkis Untersuchungen zu kurz. In Gang gesetzt wurde die Motorisierung durch die Statusbedürfnisse der vergnügungssüchtigen Oberschicht der Metropole Paris. Sie begeisterte sich um 1900 für Autorennen und das Idol des chevaleresken "Herrenfahrers". Das Auto stieß anfänglich auf großen gesellschaftlichen Widerstand, weil es die allen offenstehende Straße zu einer bloßen Fahrbahn entwertete. Als der sportlich-männliche Charakter des PKWs in den Hintergrund trat, flaute der Widerstand ab. Dazu trug auch die Politik bei. Sie machte die Kraftfahrer für jene Kosten haftbar, die diese der Allgemeinheit a ufbürdeten (Straßenbau, Unfallgefahr). Im Gegensatz zum Pkw hatten Nutzfahrzeuge wie LKW und Omnibus von Anfang an freie Fahrt. Weniger angefeindet wurde auch das Motorrad, das sich vor allem in Deutschland zu einem wichtigen Vorreiter der Motorisierung entwickelte.
Merkis Studie stützt sich auf zahlreiche, bislang meist unbekannte Dokumente aus mehreren Dutzend Archiven und Bibliotheken.


Produktinformation

  • Verlag: Böhlau
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: m. 44 Abb.
  • Seitenzahl: 468
  • Deutsch
  • Abmessung: 248mm x 179mm x 32mm
  • Gewicht: 885g
  • ISBN-13: 9783205994794
  • ISBN-10: 3205994795
  • Best.Nr.: 10261927

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Ganz begeistert ist Milos Vec von der "preisgekrönten" Habilitationsschrift des Berner Sozial- und Wirtschaftshistorikers Christoph Maria Merki über die frühen Jahre des Automobils. Geradezu ein "Glücksfall" sei diese Studie, denn bisher habe es über dieses Kapitel der Autogeschichte nur "parteiische Firmengeschichten" oder eine empirisch nicht belegte "Technikphilosophie" gegeben. Die "planvoll angelegte Quellenstudie", in der Merki technik- und mentalitätsgeschichtliche, ökonomische und juristische Aspekte "klar" analysiert, schafft da endlich Abhilfe, freut sich der Rezensent. "Im Detail ließe sich manches vertiefen", merkt Vec an, doch zweifelt er daran, dass dies noch andere Ergebnisse zeitigen würde als die "zusammenfassende Studie" des Schweizer Historikers, die auch noch gut lesbar und visuell ansprechend ist, wie Vec betont.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.08.2002

Kutscher, wollt ihr ewig schlafen?
Tollkühne Männer in ihren rasenden Kisten: Christoph Maria Merki zum frühen Automobilismus

"Was würden Sie tun, wenn Sie die Macht hätten?" fragte im November 1928 die Zeitschrift "Literarische Welt" den Ökonomen Werner Sombart. Dieser machte aus seinem Groll keinen Hehl und antwortete: "Verbieten: 1. allen Luftverkehr, 2. allen Automobilverkehr und 3. allen Motorradverkehr." Als die Allgemeine Automobil-Zeitung bei Sombart nachfragte, gab dieser Vollgas. In seiner Antwort an die Redaktion geißelte Sombart das Motorrad als "Landplage" und vertrat die Ansicht, der Automobilverkehr habe diverse Gegenden von Paradiesen zu Höllen verwandelt. Der Ökonom Sombart meinte, Flugzeug, Motorrad und Automobil hätten keine ökonomische Bedeutung, allenfalls der Lastkraftwagen.

Christoph Maria Merki, der das amüsante Dokument in seiner preisgekrönten Berner Habilitationsschrift im Anhang abdruckt, überschätzt solche pointierten Einzelstimmen glücklicherweise nicht. Er weiß, daß sie für die Verbreitung ebensowenig ausschlaggebend waren wie ihr Gegenteil, die automobilfreundlichen Selbstinszenierungen früher …

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