Kaum eine Frau der deutschen Geschichte wurde schon zu ihren
Lebzeiten, aber erst recht nach ihrem Tod, so sehr verehrt wie
Luise von Preußen. Lange herrschte ein idealisiertes, fast
verklärtes Bild von ihr vor, das sie zum Inbegriff weiblicher
Tugend und Leidensfähigkeit hochstilisierte. Erst viel später
entstand ein zweites Bild von ihr, das sich vor allem bemühte, den
positiven Mythos um Luise auseinander zu nehmen. Heute, genau
zweihundert Jahre nach Luises Tod und nachdem sie lange in
Vergessenheit geraten war, zieht ihre Gestalt erneut zahlreiche
Menschen in ihren Bann. Die vorliegende Auswahl einiger der
schönsten und interessantesten Briefe Luises ermöglicht es dem
Leser, sich ein eigenes Bild von ihr zu machen - vielleicht eines,
das es schon gibt, vielleicht aber auch ein ganz anderes. In ihren
Briefen spricht sie selbst, unmittelbar und persönlich. Antworten
auf Rätsel, die sich um Luises Leben ranken - etwa, welche Rolle
sie tatsächlich in der Politik gespielt hat oder warum die Wahl des
Kronprinzen ausgerechnet auf sie fiel, nicht auf ihre Schwester -
wird der Leser in ihren Briefen nicht finden. Er wird aber
verstehen, warum Luise so beliebt war und warum es sich auch heute
noch lohnt, sich mit ihr zu beschäftigen.
Dr. phil. Sabine Anders, geb. 1979, hat englische, amerikanische und neuere deutsche Literatur studiert. Schwerpunkte ihres Studiums waren Shakespeare, die Lyrik der englischen Romantik und der moderne Roman. Ihre Doktorarbeit befasst sich mit den Western-Romanen des amerikanischen Gegenwartsschriftstellers Cormac McCarthy.