Die 31-jährige Sängerin aus England schaffte im vergangenen Jahr
mit "Seasons Of My Soul", ihrem Debütalbum, auch in
Deutschland den Durchbruch. Auf "Boys Don't Cry"
beschäftigt sich Sarah Joyce alias Rumer mit ihren Lieblingssongs
von früher. Wer hier eine wenig spannende Greatest-Hits-Sammlung
erwartet, mit Songs, die praktisch jeder Musikhörer kennt, der wird
angenehm überrascht, denn Rumer schlägt auf "Boys Don't
Cry" einen komplett anderen Weg ein. Statt einfach weithin
bekannte Evergreens neu zu interpretieren, widmet sie sich dem
Schaffen renommierter Songwriter wie Tim Hardin, Townes van Zandt,
-Stephen Bishop, Jimmy L. Webb oder Todd Rundgren. Und selbst bei
bekannteren Namen wie Leon Russell oder Isaac Hayes pickte sie sich
bewusst weitgehend vergessene Songs heraus, die sie mit großer
Sorgfalt neu einspielte. "Ich liebe Songwriter einfach",
erklärt die Künstlerin. "Ich fühle mich eher wie ein
Schauspieler oder ein Maler, wenn ich mich ihren Werken nähere. So
als würde ich den Charakter der Menschen dahinter suchen."
Entsprechend behutsam und respektvoll geht sie mit den
Kompositionen um, mit Stücken wie "Traveling Boy" von
Paul Williams oder "It Could Be The First Day" von
Ritchie Havens. Dabei erweist sich Rumer nicht nur als intime
Kennerin dieser äußerst fruchtbaren musikalischen Phase zwischen
1970 und 1978, sondern auch als begnadete Interpretin. Besonders
hervorzuheben sind ihre einfühlsamen Neuaufnahmen von Todd
Rundgrens "Be Nice To Me" sowie von "Flyin'
Shoes" aus der Feder von Townes van Zandt. Norbert
Schiegl
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