Christopher von Deylen überschreitet mit Schiller immer wieder die
Grenzen der Popmusik. Zwei Jahre nach "Sehnsucht"
präsentiert er mit "Atemlos" (Sleeping
Room/Island/UDP/Universal) das Resultat eines weiteren
Evolutionssprungs. Und wieder begeistert er mit sehnsüchtigen
Melodien, erlesenen Gastsängern und -sängerinnen sowie einem
besonders ausgeprägten Gespür für die richtige Songdramaturgie.
Kaum ein anderer Musiker in Deutschland wurde in den vergangenen
Jahren mit mehr Lob überhäuft als Christopher von Deylen. Und
womit? Vollkommen mit Recht natürlich. Unter dem Namen Schiller
setzte er immer wieder neue Maßstäbe, und nie arrangierte er sich
mit dem herrschenden Status Quo. Auch 13 Jahre nach der Gründung
von Schiller arbeitet er hochkonzentriert an der kontinuierlichen
Weiterentwicklung seines Konzepts. Die Inspirationen für das neue
Album holte sich der Elektronikmusiker und Komponist diesmal bei
einer ausgedehnten Expedition in die Arktis mit dem
Forschungsschiff Polarstern. Vier Wochen lang begleitete
Christopher von Deylen ein internationales Team von Meeresforschern
und sammelte dabei jede Menge Eindrücke. "Grundsätzlich ist so
eine Reise für mich immer ergebnisoffen", erklärt der 1970 im
niedersächsischen Visselhövede geborene Künstler. "Diesmal
waren die Erfahrungen allerdings sehr extrem. Das hat mich selbst
verändert und damit auch die Musik. Es ging mir keineswegs darum,
die Eindrücke eins zu eins in Töne umzusetzen. Das wäre
langweilig." Christopher von Deylen will bei solchen
Unternehmungen vor allem "das eigene Wesen davor bewahren, zu
starr zu werden. Bei mir ist der Weg immer wichtiger als das
eigentliche Ankommen, und deshalb suche ich wohl auch ständig
danach, Grenzen zu überschreiten." Seine aufregenden
Erlebnisse in der Arktis beflügelten seine Kreativität noch weiter:
Für "Atemlos" spielte er über 30 neue Songs ein. Doch nur
ein Titel, "Polarstern", entstand während der
vierwöchigen Expedition. "Da ich stark in den Arbeitsalltag
des Teams eingebunden war, hatte ich meist nicht die zeitliche
Muse, die man braucht, um Musik zu machen." Bei jeder
Produktion legt von Deylen besonderes Augenmerk darauf, dass er ein
in sich geschlossenes Gesamtwerk abliefert. "Um den besonderen
Charakter dieses Albums zu erhalten und den roten Faden nicht zu
verlieren war es unumgänglich, den Gesamtrahmen wegen der großen
Unterschiedlichkeit der Songs entsprechend zu erweitern." Doch
auch diese Herausforderung meisterte er mit Hilfe zahlreicher
Mitstreiter wieder mit Bravour, unter ihnen die
indonesisch-französische Sängerin Anggun, New-Wave-Pionier Midge
Ure (Ultravox) und Schlagzeugerlegende Jaki Liebezeit (Can).
"Bei mir ist es das Wesen der Neugier, das mich antreibt,
immer wieder neue Reisen zu unternehmen, und mich zugleich davor
bewahrt, musikalisch auf der Stelle zu treten." Erstmals wird
das Album bei Veröffentlichung auch als Download angeboten. Man
wolle sich diesem Vertriebsweg nicht mehr verschließen, berichtet
Schiller-Manager Peer Jalowietzki im Gespräch mit MusikWoche.
Dennoch bleibt das physische Produkt das Kernstück der
Veröffentlichung. Bereits bei den vergangenen Alben hatte Schiller
besondere Deluxe-Editionen auf den Markt gebracht. Auch diesmal
erscheint eine Box mit zwei CDs und einer DVD. Die einfache CD soll
erst zum Weihnachtsgeschäft in den Handel kommen. Neu ist eine
SuperDeluxe-Edition, die in einer Leinwandverpackung weiteres
Bonusmaterial enthält. Norbert Schiegl
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