Öffentlichkeit, Intellekt und Arbeit als Lebensformen. Mit einem Anhang 'Der Engel des General Intellect, Individuation bei Duns Scotus und Gilbert Simondon'. Hrsg. u. eingel. v. Klaus Neundlinger und Ge
Die Grammatik der Multitude bezieht sich auf die spinozistischen
Figur der multitudo. Virno beschreibt die Verdrängung dieses
Begriffs durch den des "Volks" im 17. Jahrhundert. Die
multitudo wurde im Laufe dieser Entwicklung immer mehr zum Synonym
für das ungeordnete, wilde und gemeine Außen des Staatsvolks. Erst
in der heutigen postfordistischen Lage, in der sich eine
hinterhältige Form von "Kommunismus des Kapitals" breit
macht, wird die multitudo wieder zu einer Eigenschaft des
gesellschaftlichen Systems und setzt sich als Phänomen und Begriff
ihrerseits gegen das (Staats-)Volk durch. Die Multitude
konstituiert eine "nicht-staatliche Öffentlichkeit", aus
der mannigfache Formen der Selbstbestimmung und -organisation
hervorgehen können, die aber auch als Quelle schrankenloser Angst
eine tiefe Ambivalenz in sich birgt. In "Die Engel und der
General Intellect" untersucht Virno das sich daran
anschließende Problem der Individuation anhand der Texte von Duns
Scotus und Gilbert Simondon.