Die politische Suspension des Ethischen - Zizek, Slavoj

Slavoj Zizek 

Die politische Suspension des Ethischen

Übersetzer: Hagestedt, Jens
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Die politische Suspension des Ethischen

Die Entwürfe zu einer philosophischen Ethik kranken oft daran, daß ihre Umsetzung in die Anforderungen der Realpolitik zu einem Dilemma führt: Entweder wird das Ethische zum Verschwinden gebracht, oder das Politische gerät unethisch. Es scheint, als ob sich beide Bestrebungen nicht vereinbaren lassen.
In seinem neuen Buch unterzieht Slavoj Zizek die derzeit prominenten Ethiken einer fundamentalen Kritik: Er setzt sich mit den Entwürfen u. a. von Judith Butler, Frederic Jameson, Emmanuel Levinas, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, Michael Hardt/Antonio Negri und Jacques Ranciere auseinander und zeigt, wie das Politische das Ethische zu eliminieren droht. Gleichzeitig unternimmt er eine Standortbestimmung linken Denkens, das sich weder von der Realpolitik noch vom ethischen Anspruch trennen lassen möchte.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2005
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 203 S.
  • Seitenzahl: 203
  • Edition Suhrkamp Bd.2412
  • Best.Nr. des Verlages: 12412
  • Deutsch
  • Abmessung: 176mm x 111mm x 15mm
  • Gewicht: 119g
  • ISBN-13: 9783518124123
  • ISBN-10: 3518124129
  • Best.Nr.: 13286670
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.12.2005

Das flotte Lob der Entsagung

Der slowenische Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Zizek produziert in rascher Folge Bücher, die mit kräftigen Titeln Phantasie und Meinungswillen der Leser anregen. So war es bei "Das fragile Absolute. Warum es sich lohnt, das christliche Erbe zu verteidigen", "Liebe Deinen Nächsten? Nein, Danke! Die Sackgasse des Sozialen in der Postmoderne" und "Willkommen in der Wüste des Realen". Angesichts von so viel Produktivität und medialer Präsenz versteht man das ehrfurchtsvolle Raunen um den intellektuellen Irrwisch, der auf allen Bühnen gleichzeitig sein Publikum unterhält. Seine Bücher, Aufsätze und Essays treibt ein politisches Motiv um, das er in zahllosen Variationen neu auflegt. Schmiegsame Zeitgeistdiagnose, durchgeführt am lebenden Objekt, ist seine Berufung, und jede zivilisatorische Wendung ist Zizek dafür recht. Der Leser darf insofern nicht zimperlich gegenüber betont vulgären Ausdrücken, Beispielen aus dem Unterschichtfernsehen und Details der in Vergessenheit geratenen Tamagotchis sein. Am Ende geht es darum, dem "System" die Maske herunterzureißen und seine Inhumanität bloßzustellen. Wobei die …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Alexander Kissler hat ein politisches Programm entdeckt in Slavoj Zizeks Ausführungen, die "Die politische Suspension des Ethischen" überschrieben sind und von Kapitalismus- und Amerikakritik bis zu Kritik an Jürgen Habermas und Michel Foucault offenbar nicht viel auslassen. Filme, "Kinderpornos, Kannibalismus und Analverkehr" werden in die Pflicht genommen, um daraus ein "überraschendes Gegenprogramm" - gegen die Herrschaft der kapitalistischen Verhältnisse, gemeinhin als "Demokratie" bezeichnet - zu entwickeln. Kissler umschreibt dieses als "eine asketische Offensive von unten". Also nein sagen zu Konsum, zu moralischer Laxheit, zur allgegenwärtigen Nudität. Das sei der Imperativ, durch den Zizek eine wirkliche Ententmündigung der demokratischen Subjekte betreiben wolle.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.10.2005

Dompteur mit Begriffspeitsche
Slavoj Ž ižek kommentiert Kannibalismus, Kinderpornos und Analverkehr. Vor allem aber ruft er nach Befehl und Gehorsam zum Wohle der Machtlosen
Von Alexander Kissler
Wir haben Gerhard Schröder Unrecht getan. Als er am 18. September die Medien und den politischen Gegner zum Teufel wünschte, war er weder von sich noch von der Situation berauscht. Er hatte nur Slavoj Žižek beim Wort genommen. Des Wahlverlierers Ratschlag, man dürfe nicht „irgendwelche Machtansprüche aus formalen Gründen erheben”, war der Praxistest für das neue Buch des Philosophenstars aus Ljubljana. Žižek fragt: „Warum muß die Linke immer unbedingt die formalen demokratischen ,Spielregeln’ respektieren? Warum sollte sie nicht (. . .) die Legitimität eines formellen demokratischen Vorgangs in Frage stellen?” Schröders Fernsehauftritt war wohl der Versuch einer „authentischen politischen Tat”; sie allein, so Žižek, kann die Revolution in Gang setzen.
Breiten Raum nimmt folglich die Demokratiekritik ein. Demokratie - meist in Anführungszeichen gesetzt - bedeute momentan „das bedingungslose Festhalten an einem bestimmten Ganzen …

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Slavoj Zizek wurde am 21. März 1949 in Ljubljana, Slowenien geboren und wuchs auch dort auf. Er studierte Philosophie und Soziologie an der Universität in Ljubljana und Psychoanalyse an der Universität Paris VIII. Seit den achtziger Jahren hat i ek zahlreiche Gastprofessuren im Ausland inne, unter anderem an der Tulane University, New Orleans (1993), der Cardozo Law School, New York (1994), der Columbia University, New York (1995), in Princeton (1996) und an der New School for Social Research, New York (1997). Von 2000 bis 2002 leitete er eine Forschungsgruppe am kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Er war jahrelanger Herausgeber der Zeitschrift der slowenischen Lacan-Schule Wo Es war und setzte sich unter anderem mit der Philosophie des Deutschen Idealismus, mit Hegel und mit Karl Marx auseinander, sowie mit zeitgenössischen Denkansätzen aus dem Bereich des Poststrukturalismus, der Medientheorie, des Feminismus und der Cultural Studies. Seine erste englischsprachige Buchveröffentlichung The Sublime Object of Ideology erschien 1989. Zizek bemühte sich zunächst um eine lacanianische Lesart der Philosophie, der Populärkultur und in den letzten Jahren zunehmend der Politischen Theorie.
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