Im zeitgenössischen Denken hat die politische Philosophie des
Aristoteles eine beachtliche Renaissance erfahren. Dabei wurde
Aristoteles zumeist als Vordenker der demokratischen Gleichheit und
der egalitären Gerechtigkeit verstanden. Diese Auffassung wird
heute auch pointiert von Martha Nussbaum, einer führenden
Intellektuellen der USA, vertreten. Das Buch zeigt, warum diese
Interpretationen unangemessen sind und gibt eine Deutung, die den
politischen Grundüberzeugungen des Aristoteles gerecht wird.
Aristoteles erweist sich als politischer Denker, der von der
fundamentalen Ungleichheit der Menschen ausgeht und die gerechte
politische Ordnung als eine Aristokratie der moralisch und
intellektuell Tüchtigsten begreift. Manuel Knoll präsentiert nicht
bloß eine ideengeschichtliche Studie, sondern reflektiert auch
problemorientiert über die Aktualität des Aristoteles. Dabei
konfrontiert er dessen aristokratische politische Philosophie mit
Martha Nussbaums "Fähigkeiten-Ethik" und mit anderen
Positionen des zeitgenössischen Egalitarismus. So gelangt seine
Untersuchung zu dem Resultat, dass seit der Antike bis heute zwei
gegensätzliche und unvereinbare Grundpositionen zur politischen
Gerechtigkeit existieren.