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Dieses Buch zeichnet ein erschreckendes Bild: Ein durch die NATO und die militärischen Geheimdienste koordiniertes Netzwerk von Geheimarmeen war bis zum Auseinanderfall der Sowjetunion in mehreren westeuropäischen Ländern in schwere Verbrechen verwickelt, darunter Mord, Folter, Staatsstreich und Terror. Daniele Ganser ist in seiner mehrjährigen Forschungsarbeit auf brisante Dokumente gestoßen: Sie belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert…mehr

  • Format: mp3
  • Spieldauer: 465 Min.
  • Qualität: 192 kbit/s
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Produktbeschreibung
Dieses Buch zeichnet ein erschreckendes Bild: Ein durch die NATO und die militärischen Geheimdienste koordiniertes Netzwerk von Geheimarmeen war bis zum Auseinanderfall der Sowjetunion in mehreren westeuropäischen Ländern in schwere Verbrechen verwickelt, darunter Mord, Folter, Staatsstreich und Terror. Daniele Ganser ist in seiner mehrjährigen Forschungsarbeit auf brisante Dokumente gestoßen: Sie belegen, dass die von den USA angeführte Militärallianz nach dem Zweiten Weltkrieg in allen Ländern Westeuropas geheime Armeen aufgebaut hat, welche von den Geheimdiensten CIA und MI6 trainiert wurden. Ihr Ziel: im Falle einer sowjetischen Invasion als Guerilla zu kämpfen, um die besetzten Länder wieder zu befreien. Doch dabei ist es nicht geblieben. Gezielt wurden Attentate gegen die eigene Bevölkerung ausgeführt, um Unsicherheit zu erzeugen und den Ruf nach einem starken Staat zu unterstützen. Sowohl die ursprüngliche Planung als auch die antikommunistisch motivierten Verbrechen sind heute der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt.

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  • Produktdetails
  • Verlag: ABOD Verlag GmbH
  • ISBN-13: 9783954714506
  • Artikeltyp: Hörbuch Download
  • ISBN-10: 3954714507
  • Best.Nr.: 44632157
  • Laufzeit: 465 Min.
  • Erscheinungstermin: 09.11.2015
  • Anzahl Dateien: 31
Autorenporträt
Daniele Ganser, geb. 1972 in Lugano, ist Historiker, spezialisiert auf Zeitgeschichte nach 1945 und internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet am Historischen Seminar der Universität Basel und forscht zum "Peak Oil", dem globalen Kampf ums Erdöl, und dem so genannten "Krieg gegen den Terrorismus".
Rezensionen
Besprechung von 25.04.2009
Gladiatoren im Kalten Krieg
"Stay behind"-Truppen gegen kommunistische Invasoren

Immer gibt es eine letzte Möglichkeit. Auch im Krieg. Der Kampf hinter den feindlichen Linien gehörte und gehört zum Kernbestand militärischer Planung - auch in der Zeit des Kalten Krieges und auch im Rahmen der Nato. Hier sollte eine als "Gladio" firmierende "Stay behind"-Truppe die Organisation des Widerstandes gegen die kommunistischen Invasoren übernehmen. Die Zuständigkeit lag bei den 16 Mitgliedern der Atlantischen Allianz, die Koordination erfolgte aus dem Nato-Hauptquartier. Aus heutiger Sicht erstaunlich ist nicht die Existenz dieses Netzwerks. Erstaunlich ist, dass es der Öffentlichkeit jahrzehntelang weitgehend verborgen blieb und ihr erst bekannt wurde, als die Sowjetunion und ihr Imperium kollabierten und die Gladiatoren mit dem Ende des Kalten Krieges ihre Aufgabe verloren hatten. Als die entsprechenden Informationen 1990, von Italien ausgehend, in rascher Folge in den einzelnen Mitgliedstaaten einschlugen, sahen sich die Regierungen zu öffentlichen Klarstellungen veranlasst.

Auch die Bundesregierung, die Anfang Dezember 1990 durch Lutz Stavenhagen, Staatsminister im Bundeskanzleramt, ihren Bericht "über die Stay-behind-Organisation des Bundesnachrichtendienstes" (BND) vorlegte. Das vierseitige Papier ist dann auch die wichtigste, genaugenommen die einzige Quelle, auf die sich der Schweizer Historiker Daniele Ganser im Falle der deutschen "Stay behind"-Truppe stützen kann. Nicht besser sieht es bei den übrigen 13 Nato-Staaten aus, die er näher untersucht. Nicht einmal im Falle der Vereinigten Staaten, wo die Geheimarmee nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Taufe gehoben wurde, konnte Ganser für seine Arbeit in nennenswertem Maße auf unbekanntes Material zurückgreifen. Das zentrale Dokument, die Direktive 10/2 des "National Security Council", wird aus zweiter Hand zitiert.

Es datiert vom 18. Juni 1948, entstand also in einer Zeit, als die Teilung Deutschlands und Europas klare Konturen annahm und ein Angriff der Roten Armee, die ja an der Elbe stand, nicht ausgeschlossen werden konnte. Für diesen Fall wurden die Operationen der Gladiatoren geplant. Sie sollten, so die Direktive, "alle heimlichen Aktivitäten umfassen, die etwas mit Propaganda, wirtschaftlicher Kriegsführung und präventiven direkten Aktionen zu tun haben, einschließlich Sabotage, Antisabotage, Zerstörung und Maßnahmen zur Evakuierung, auch Subversion gegenüber feindlichen Staaten, einschließlich der Unterstützung von Untergrundbewegungen im Widerstand, Guerrillas und Flüchtlingsbefreiungsgruppen und der Unterstützung einheimischer antikommunistischer Elemente in bedrohten Ländern der freien Welt".

So weit die Theorie. Die Praxis sah anders aus - weil der kommunistische Großangriff ausblieb und sich die geheimen Armeen hier und da auf die Bekämpfung unliebsamer Gegner im Innern verlegten. Was Ganser hier zusammenträgt, ist zwar in der Gesamtschau bemerkenswert, im Einzelfall aber zumeist schon bekannt und nicht selten grotesk überzeichnet. So auch im Fall der Bundesrepublik Deutschland, wo zunächst die "Organisation Gehlen" und nach deren Überführung in die Bundesverwaltung, also seit April 1956, der BND für die "Stay behind"-Aktivitäten zuständig war. Es ist ja zutreffend, dass sich das Führungspersonal der ersten Generation - mit nachdrücklicher amerikanischer Unterstützung und wohl auch mangels ausreichender personeller Alternativen - aus vormaligen Wehrmachts-, NSDAP- und in einigen Fällen sogar SS-Angehörigen zusammensetzte; auch ist über Reinhard Gehlen noch vieles zu sagen. Aber als "einer der schrecklichsten Gewalttäter des Krieges: . . . Mord durch Verhungern von etwa 4 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen" wird er wohl kaum gelten können.

Außer Frage steht hingegen, dass es gerade in den frühen Jahren des BND beziehungsweise seiner Vorläuferin zahlreiche Verbindungen in das rechte Milieu gegeben hat. Ob und in welchem Maße Gehlens Organisation beispielsweise in dem von den Vereinigten Staaten aufgebauten Netzwerk engagiert war, das sich als "Technischer Dienst" auf die Verfolgung von Kommunisten und Sozialdemokraten spezialisiert hatte und 1952 aufflog, lässt sich erst sagen, wenn die Akten, falls sie noch existieren, zugänglich sind. So aber sind Spekulationen aller Art Tür und Tor geöffnet. Das gilt zum Beispiel für die Dimension besagter Truppen. Während Ganser für die frühen fünfziger Jahre von "geheimen deutschen Nazi-Stay-behind-Armeen" in Divisionsstärke ausgeht, sprechen andere für die sechziger Jahre von weniger als 100 hauptamtlichen BND-Mitarbeitern und etwa 500 Helfern.

Es gilt auch für die Verwicklung des BND in Aktionen wie das Bombenattentat auf dem Münchener Oktoberfest Ende September 1980: "Selbst wenn die USA, die Nato und der BND nichts mit dem Münchener Terroranschlag zu tun hatten, so würde die Entdeckung einer Geheimarmee, die mit Rechtsextremisten in Verbindung stand, sehr ernsthafte Fragen aufgeworfen haben. Beispielsweise, wie gut die Geheimsoldaten und ihre Waffenlager von den demokratischen deutschen Institutionen kontrolliert wurden." Womit sich dann für Ganser ein Kreis schließt, könne doch - so sein Fazit - "nicht hingenommen werden, dass Steuergelder dafür verwendet werden, Bürger zu töten, welche selber die Steuern einbezahlt hatten". Dem steuerzahlenden Bürger drängt sich unterdessen einmal mehr die Frage auf, woher einer Organisation wie dem BND die größere Gefahr droht: von Gegnern mit professioneller Entschlossenheit oder von Amateuren mit schlichtem Gemüt.

GREGOR SCHÖLLGEN

Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa. Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung. Orell Füssli Verlag, Zürich 2008. 445 S., 29,80 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Daniele Gansers Buch über die "Nato-Geheimarmeen in Europa" birgt nach Ansicht von Rezensent Raul Zelik brisantes Material. Der an der Universität Basel lehrende Historiker zeigt seines Erachtens überzeugend auf, wie die Geheimdienste Großbritanniens und der USA nach dem Zweiten Weltkrieg in Westeuropa und der Türkei geheime paramilitärische Gruppen aufbauten, die im Fall einer sowjetischen Invasion als Guerilla-Kämpfer zum Einsatz kommen sollten. Darüber hinaus enthülle Ganser die Beteiligung des so genannten Gladio-Netzwerks an blutigen Terroranschlägen in Italien, Belgien, der Türkei und Frankreich, die auf die Verunsicherung der Bevölkerung zielten, um autoritäre Lösungen für innenpolitische Krisen zu erleichtern. Zelik hebt Hinweise hervor, die auch eine Beteiligung des Netzwerks am Terroranschlag auf das Münchner Oktoberfest 1980 nahe legen. Er würdigt die sorgfältige Recherche des Autors, seine sachliche Darstellung und seinen Hinweis, das Gladio-Netzwerk habe bis heute nicht seriös untersucht werden können, weil die Nato ihre Dokumente unter Verschluss halte.

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