Das zentrale Thema dieses Bandes ist die philosophische Dimension
der Macht. Die Aktualität dieser Perspektive zeigt nicht zuletzt
die vieldiskutierte Studie Die Grenzen der Gemeinschaft, die diesen
Band eröffnet. Die Bedeutung der Maske, der Rolle und der Praktiken
der Distanzierung sind nicht allein Grundfiguren dieser
Gesellschaftstheorie der Neuen Sachlichkeit, sondern der
Lebensentwürfe in der Gegenwart überhaupt.
HELMUTH PLESSNER. Die in den letzten zehn Jahren nachgeholte Entdeckung des politischen Anthropologen Helmuth Plessner (1892 bis 1985) dokumentiert sich nun auch darin, daß der Suhrkampverlag Plessners "Gesammelte Schriften" als Taschenbuchausgabe zugänglich macht - rechtzeitig vor dem großen Plessner-Kongreß vom 27. bis zum 29. März in Krakau. Zuletzt hatte die Schrift "Grenzen der Gemeinschaft" Plessners Aktualität für die Neuformierung soziologischer und philosophischer Debatten über die "Natur des Menschen" in Erinnerung gerufen. Darin sucht er mit der "Sehnsucht nach den Masken" ein Gesellschaftsethos zu begründen, das sich in den Kategorien "Distanz", "Spiel", "Zeremonie und Prestige", "Diplomatie und Takt" ausdrückt. Konstitutiv für Plessners Konservativismus ist ein Zug ins Pessimistische, der ihn vor jedem Utopiedenken bewahrte - sei es als Optimierungsvorstellung in bezug auf die organische Natur des Menschen oder auf die Gestaltung der Sozialverhältnisse, welche Plessner stets als prekäre, der Absicherung durch Formen bedürfende beschrieb. (Helmuth Plessner: "Gesammelte Schriften". Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2003. Zehn Bände im Schuber, br., 128,- [Euro].)
Helmuth Plessner (1892 - 1985) war neben Max Scheler und Arnold Gehlen einer der Begründer der Philosophischen Anthropologie. Er lehrte an den Universitäten Köln, Groningen und Göttingen. In der Nachkriegszeit war er u.a. Präsident der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie sowie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
Inhaltsangabe
Aus dem Inhalt: 1. Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus (1924) 2. Macht und menschliche Natur. Ein Versuch zur Anthropologie der geschichtlichen Weltansicht (1931) 3. Über das gegenwärtige Verhältnis zwischen Krieg und Frieden (1939/1949) 4. Die Emanzipation der Macht (1962) 5. Editorische Notiz