Urmensch und Spätkultur - Gehlen, Arnold

Arnold Gehlen 

Urmensch und Spätkultur

Philosophische Ergebnisse und Aussagen

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Urmensch und Spätkultur

Arnold Gehlens erstmals 1956 erschienenes Buch "Urmensch und Spätkultur" ist als Philosophie der Institutionen vor allem ein soziologisches Grundlagenwerk. Seine methodische Basis ist eine philosophisch-anthropologische Kategorienforschung, die sich auf kultur- und sozialanthropologische Materialien stützt. Das Buch ist bis heute eine der anregendsten Quellen für eine soziologische Institutionenanalyse. Niemand hat die symbolische Struktur der aus dem Zusammenhandeln von Menschen sich ergebenden Stabilisierungen durch rituelle Vergegenwärtigung besser herausgearbeitet als Gehlen. Dabei blieb er ein konservativer "Institutionalist" in dem Sinne, daß er den institutionellen Sicherungen vor allen individuellen Interessen den Vorrang gab und die institutionelle Entlastung über jede institutionell erzeugte Belastung stellte und somit zu einer "hobbistischen" Lösung des Ordnungsproblems kam. Zugleich entwickelte er aber eine handlungsbezogene und dynamische Theorie der Kreation des Institutionellen; diese Einrichtungen sichern das indirekte Verhältnis, das der Mensch zu anderen und zu sich selbst aufzubauen gezwungen ist. Gehlen erkannte in diesen "Sozialregulationen" unwahrscheinliche und mühsam erreichte Stabilisierungen, deren geschichtlich legitimierte Ordnungsleistungen er seit der Aufklärung, den großen Revolutionen und spätestens seit dem 20. Jahrhundert in Auflösung sah.


Produktinformation

  • Verlag: Klostermann
  • 2004
  • 6., erw. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: XXI, 317 S.
  • Seitenzahl: 317
  • KlostermannSeminar Bd.4
  • Deutsch
  • Abmessung: 201mm x 126mm x 23mm
  • Gewicht: 350g
  • ISBN-13: 9783465033059
  • ISBN-10: 3465033051
  • Best.Nr.: 12539427
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.01.2004

Der Mensch kommt mit wenig aus
Aber er muß sich von Institutionen konsumieren lassen: Arnold Gehlen in neuen Ausgaben

Daß der Mensch im Grunde (seiner Instinkte und organischen Ausstattung) mit ganz wenig auskommt, daß er die Höhen seines Daseins also als Mängelwesen erklimmt, das ist der zentrale Gedanke, den Arnold Gehlen zwar nicht erfunden, aber prominent gemacht hat. Seine Bücher lesen sich als eine einzige Ausfaltung dieser schon in "Der Mensch" (1940) dargelegten Überlegung, so auch in den drei jetzt - zum hundertsten Geburtstag Gehlens am 29. Januar - vom Verlag Vittorio Klostermann neu aufgelegten Werken "Urmensch und Spätkultur" (1956), "Moral und Hypermoral" (1969) sowie in dem als Band sechs der Gesamtausgabe kritisch editierten Buch "Die Seele im technischen Zeitalter" (1957) mit diversen kleineren Schriften. Eine relecture von Gehlen ist eine reizvolle Sache in mehrerlei Hinsicht. Sie erst zeigt ihn als den wohl letzten seiner Art: als einen Konservativen, der - zumal in "Moral und Hypermoral" - sich so weit mit dem Rücken an der Wand des linken Zeitgeistes wähnte, daß er 1969 - sieben Jahre vor seinem Tod - außer pauschaler …

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